Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 23. Mai 2012 

Über die Zeit


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.
Norbert Elias beschreibt in seinem Buch „Über die die Entwicklung des Zeit- Bewusstseins analog zu seinem Buch „Über den der Zivilisation 2 Bd. (1939)“.

Inhaltsverzeichnis

Einige Bemerkungen über die Zeit

Die historische Entwicklung der Zeitbestimmer - Kalender und Uhren - sowie die davon unabtrennbare Entwicklung menschlichen Erfahrung dessen was wir heute " Zeit " nennen - das Zeitbewußtsein - ist Teil des Zivilisationsprozesses. "... als Mittel der Diagnose ist das Auftreten des Zeit-Zwangs von im Text des Buches mehr zu lesen und das Verhalten von > Gesellschaft < und > Individuum < dem man in diesem Zusammenhang begegnet aufschlussreich." Um gleich dem metaphysischen Beigeschmack der oft der "Zeit" angedichtet entgegen zu treten hier eine Definition von auf: "Das Wort >Zeit< ... ist ein Symbol für eine Beziehung die eine Menschengruppe eine Gruppe von Lebewesen mit der biologisch zur Erinnerung und zur Synthese zwischen zwei mehreren Geschehensabläufen herstellt von denen sie einen Bezugsrahmen oder Maßstab für den oder die standardisiert."

Die Entwicklung der Zeitbestimmer

Zeitbestimmer sind Instrumente die sich Menschen ganz bestimmte Zwecke geschaffen haben. Sie sind Teil der menschengeschaffenen Symbole. Die Entwicklung der wie Uhren und Kalender ist eng verknüpft der Entwicklung der Gesellschaft . Je ausdifferenzierter die Gesellschaft desto ausdifferenzierter Zeitbestimmer desto mehr stimmen die sozialen Zeitbestimmer der natürlichen Zeit überein desto mehr verinnerlichen die Menschen soziale Zeit. Dies versuche ich im folgenden an der Entwicklung der Kalender und andererseits der Entwicklung der Uhren zu verdeutlichen.

Der Kalender

Bei der Entwicklung der Kalender weist nach dass das soziale Kalenderjahr dem natürlichem - dem Sonnenjahr - immer besser angepasst Es gibt in der Historie zwei große in der abendländischen Gesellschaft. Die erste Kalenderreform Julius Cäsar 46 v. Chr. durch beraten von alexandrinischen Gelehrten Sosignes. Zu Ehren von Julius und später Augustus werden die Monate Juli August jeweils 31 Tage lang. Der Februar daraufhin um zwei Tage gekürzt. Da der Kalender nicht exakt dem Sonnenjahr entspricht das Jahr ist um 0 0078 Tage zu rückt das Osterfest im Lauf der Jahrhunderte vor. Die Reform von Gregor XIII. im Jahr 1582 beseitigt das Problem. Kalenderreform wird sofort von den katholischen Ländern während die evangelischen Staaten dies erst später - zum Beispiel Österreich 1586 Ungarn 1587 1700 Niederlande 1710 England 1752 Schweden 1753 1844 Bulgarien 1916 und Russland erst 1923. fasst dies Geschehen wie folgt zusammen: "Schritt Schritt im Laufe einer tausendjährigen Entwicklung ist einst beunruhigende Kalenderproblem mehr oder weniger gelöst Und da Kalender heute kaum mehr Schwierigkeiten streichen die Menschen die Vergangenheit als sie Schwierigkeiten machten aus ihrem Gedächtnis. "Dass der Kalender trotzdem noch Probleme bereitet - unterschiedliche der Monatstage Schaltjahre ungleiche Anzahl der Tage in den Quartalen beziehungsweise der Halbjahre und so weiter zeigt sich in den Reformversuchen in unserem - der letzte Reformversuch fand 1953 statt.

Warum wurden aber Kalender überhaupt eingeführt? können neben der aktuellen Synchronisierung von Ereignissen andere Aufgaben erfüllen. Zum einen als Ära-Zeitskala es den lebenden Generationen ermöglichte ihren eigenen in der Generationsabfolge präzise zu bestimmen. Die einer derartigen nicht-wiederkehrenden Zeitskala wirft besondere Probleme Sie war erst möglich "als soziale Einheiten Staaten oder Kirchen den Charakter eines langdauernden gewannen innerhalb dessen lebende Gruppen - gewöhnlich Gruppen - es um der Funktionsfähigkeit ihrer willen für nötig erachteten die Erinnerung an Kontinuität dieser Institutionen in einer präzisen und Weise lebendig zu halten."

Die andere Aufgabe des Kalenders als ermöglicht es heute jedem Menschen genau zu wie alt er ist. "Diese Zuordnung zeitlicher dient jedoch nicht allein als Kommunikation über unterscheidende Quantitäten; sie erhält ihre Bedeutung erst als kommunizierbare symbolische Abkürzung für biologische psychologische und soziale Unterschiede und Veränderungen Menschen."

Die Uhren

Die Verbreitung der mechanischen Uhren findet im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts statt. sind Sonnenuhren und Auslaufwasseruhren (Klepshydren) bekannt. Gerhard Dohrn-van vermutet im klösterlichen Bereich die Entwicklung des der den technischen Durchbruch der mechanischen Uhr herbeiführt. Im Kloster ist der Bedarf einer genauen Zeitbestimmung "weil der klösterliche Tageslauf einen für die Sequenz der vorgeschriebenen Offizien kritischen tageslichtunabhängigen Anfangszeitpunkt Die Offizien mussten nach Mitternacht aber vor Morgengrauen beginnen." Vor der Zeitbestimmung durch Wasseruhren später durch Sanduhren wurde dieser Zeitpunkt zum durch Sternenverlauf der Abbrandzeit von kalibrierten Kerzen dem Hahnenschrei ermittelt.

Innerhalb des städtischen Lebens im 14. wird durch akustische Signale vieles geregelt und "Die alltägliche akustische Kulisse einer mittelalterlichen Großstadt auf Fremde sicher wie ein buntes und Dauergeläut für die Einheimischen war sie ein dessen Leistungsfähigkeit nicht unterschätzt werden sollte." Dieses lässt den Bedarf erkennen die verschiedenen Tätigkeiten Menschen zu synchronisieren. Zum einen wird der zurückgeführt auf die Bevölkerungszunahme in den Städten. anderen wird dies zurückgeführt auf die Ausdifferenzierung Lebens in den Städten. Durch das Signalsystem das Zusammenleben der Menschen besseren organisiert.

Der Stundenschlag der Turmuhren ist zunächst nur ein zusätzliches Signal städtischen Leben. Zuerst führt Italien Turmuhren mit des 14. Jahrhunderts ein. "Der Gebrauch der Stunden folgt der Verbreitung der stundenschlagenden Turmuhren Europa fast zeitgleich." Aber die italienische Zählung Stunden setzt sich nicht durch weil der der Zählung tageslichtabhängig ist und 24 Glockenschläge

Gerhard Dohrn-van Rossum führt einige innovationsförderliche zur Beschaffung einer städtischen Uhr auf. Landesherren Stadtfürsten sind es zunächst "die für die öffentlicher Uhren in ihren Städten aber auch sorgen." Im Fall der Erhebung einer Sondersteuer dies aber in den Städten auf Widerstand. nächste Faktor bezieht sich auf die zwischenstädtische Nach Dohrn-van Rossum ist jedoch nicht auszumachen Kaufleute Kirchen oder andere Gruppen einer Stadt Uhren für ihre Stadt fordern. Der gegen Uhren erhebt sich innerhalb der Stadt als in den Dörfern. "Die Bauern waren der Notwendigkeit des Stundensignals nicht überall überzeugt verweigerten ihren Beitrag vor allem dann wenn außerhalb der akustischen Reichweite des Zeitsignals lebten." der Stadt entwickelt sich also ein anderes als auf dem Land. Wenn die Behauptung Dohrn-van Rossum bezweifelt werden darf dass keine Gruppe innerhalb der mittelalterlichen Stadt die Anschaffung Uhr fordert so steht mit Sicherheit fest sie (die Uhren) alsbald zur Regulierung des verwandt" werden.

Gerhard Dohrn-van Rossum weist auch darauf dass "die wachsende Bedeutung tageszeitlicher Präzisierung ... schon vor dem Auftauchen der neueren Zeitmesser (lässt)." Auch nach der Einführung von öffentlichen sind diese nicht bestimmend für Diätenkürzungen oder bei Unpünktlichkeit in Gremiensitzungen der Stadt. Hier Strafen erst fällig nach Ablauf eines Viertelstundenglases in den Sitzungen Anwendung findet.

Schulen sind eine wichtige Institution zur eines neuen Zeitgefühls innerhalb der mittelalterlichen Gesellschaft. Uhrzeitregelungen begrenzten zunächst die Dauer des täglichen und setzten die Arbeitszeit der Lehrer fest." Wegen ihrer vielfältigen in dieser Gesellschaft kann die verfügbare Zeit der Lehrer besser koordiniert werden. Ein weiterer Aspekt von Rossum sagt aus dass "die ständige Vermehrung zulesenden Bücher ... zunehmenden Zeitdruck" erzeugt. Dies bei den damaligen humanistischen Didaktikern zu der Vorstellung dass "dem Zeitdruck durch Ordnung Methode und Planung zu begegnen"

Der kurze Überblick auf die Entwicklungsgeschichte Kalender und Uhren zeigt wie durch die des städtischen Lebens im Mittelalter mit dem Anwachsen der Bevölkerung die der Menschen nach Koordinierung und Synchronisierung ihrer gesteigert wird. Dieser Prozess ist nach Elias und ungewollt hat aber eine eigene Struktur. fasst die Entwicklung der Zeitbestimmer wie folgt "Die Entwicklung eines Bedürfnisses nach deutlicher und stets zur Verfügung stehender Zeitgliederung und Zeitmessung irgendwann Unterstützung durch neue Erfindungen. Dieses zeitliche von Bedarf und technischer Verwirklichung ist faszinierend. und Kalender verstärken das Zeitbewusstsein das Ernstnehmen Nutzen von Tagen und Jahren das Verantwortungsgefühl die praktischen Möglichkeiten von Zukunft. Die funktionelle von Uhr und Kalender wird uns heute der weit verbreiteten Taschenuhr mit Kalenderangabe besonders demonstriert."

Die Entwicklung der Zeitbestimmung

Wie oben schon beschrieben ist "das wir >Zeit< nennen ein oft recht komplexes von Beziehungen ... und daß Zeitbestimmen im eine Synthese eine integrierende Tätigkeit darstellt." Die Form des Zeitbestimmens ist "naturzentriert" und ist Abzweigung "von der älteren menschenzentrierteren Form des ...." In vielen Untersuchungen über die "Zeit" man die Unterscheidung zwischen sozialer und physikalischer Zeit die wohl ähnliches ausdrücken soll. Schwierigkeit ist daß die >Zeit< nicht in begriffliche Schema dieses Dualismus paßt; wie andere entzieht sie sich einer Klassifizierung als > natürlich < oder > sozial < > objektiv < oder > subjektiv <: sie ist beides in einem." Zeitbestimmen soll also als ein Prozess gesehen von einer "menschenzentrierten" Form zu einer "naturzentrierten" als ein Prozess in dem der Mensch Natur immer mehr unterwirft.

Elias unterscheidet weiter die passive und aktive Zeitbestimmung. In früheren Gesellschaften findet hauptsächlich Zeitbestimmung statt und besteht heute zum Teil fort. Beim passivem Zeitbestimmen wird den Bedürfnissen nachgegeben: man isst wenn man Hunger hat legt sich schlafen wenn man müde ist. wird die Zeitbestimmung mit Beginn des Ackerbaus. Pflanzen müssen zur rechten Zeit ausgesät und werden. In modernen Gesellschaften werden Menschen dazu "ihre physiologische Uhr an einer sozialen Uhr und so zu disziplinieren."

Heide Inhetveen unterscheidet z.B. bei Bäuerinnen und Ereigniszeit. Die Handlungszeit zeigt wie die Zeitbestimmung von der Tätigkeit als Bäuerin aktiv wird. Die Ereigniszeit wie das Leben als erinnert wird "die sich aus mehr oder spektakulären Einzelereignissen konstituiert: ...". Barbara Müller betont die extreme Linearisierung von Zeit in der ein Stillstellen von Zeit die Zerstörung von überhaupt bewirkt." Am Beispiel eines Schichtarbeiters wird dass die Versuche ">das Beste aus der zu machen< ... ein Kampf mit der (bleibt) der immer auch ein Kampf um Zeit ist Zeit zum Leben." An der Stelle finden sich noch weitere Beispiele wie nur die passive Zeitbestimmung der Menschen verdrängt sondern auch die aktive Zeitbestimmung nicht mehr der Verfügungsgewalt der einzelnen Menschen liegt. "Linearisierte homogenisierte Zeit wird vom Menschen bewußt geplant verplant und kann damit -...- der unmittelbaren anderer entzogen werden. Hier wird Zeit selbst interessengesteuerten Machtfaktor - Zeit wird unmittelbar zum

Siehe auch

Zeit

Literatur

Elias Norbert: Über die Zeit. Arbeiten Wissenssoziologie II Frankfurt am Main 1984

Elias Norbert: Was ist Soziologie? 3. München [1970] 1978

Elias Norbert: Was ich unter Zivilisation Antworten auf Hans Peter Duerr. In: Die Nr. 25 vom 17.6.1988 S. 37f

Elias Norbert: Über den Prozeß der Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen. 2 Bde. 17. Frankfurt am Main [1939] 1992

Dohrn-van Rossum Gerhard: Zeit der Kirche Zeit der Händler - Zeit der Städte. Zoll Rainer (Hrsg.): Zerstörung und Wiederaneignung von Frankfurt am Main 1988

Dohrn-van Rossum Gerhard: Schlaguhr und Zeitorganisation. frühen Geschichte der öffentlichen Uhren und den Folgen der modernen Stundenrechnung. In: Wendorff Rudolf Im Netz der Zeit. Menschliches Zeiterleben interdisziplinär. 1989

Dohrn-van Rossum Gerhard: Die Geschichte der Uhren und moderne Zeitrechnung. München Wien 1992




Bücher zum Thema Über die Zeit

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/%DCber_die_Zeit.html">Über die Zeit </a>