Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 17. September 2014 

Abstraktionsprinzip


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.
Das Abstraktionsprinzip gehört zu den Grundsätzen des deutschen Zivilrechts und lässt sich schon im römischen Recht finden. Es hat sich unter dem von Savigny im 19. Jahrhundert durchgesetzt und ist 1900 im Bürgerlichen Gesetzbuch ( BGB ) verankert.

Das Abstraktionsprinzip beruht auf dem Trennungsprinzip und besagt dass Verpflichtungsgeschäft und Verfügungsgeschäft in ihrem rechtlichen Bestand voneinander unabhängig Dieser Grundsatz ist für Laien nicht ohne weiteres verständlich. Daher soll Beispiel der Erläuterung dienen:

Müller kauft von Friedrich ein Auto. Er noch am gleichen Tag. Den Wagen und Papiere erhält er aber erst eine Woche

Der (deutsche) Jurist trennt hier drei Vorgänge: Zunächst haben und Friedrich einen Kaufvertrag das Verpflichtungsgeschäft geschlossen. Aber erst als Friedrich dem das Auto mitgegeben hat hat er durch Verfügungsgeschäft das Eigentum auf Müller übertragen. Müller andererseits erfüllte Verpflichtung durch Zahlung also Übereignung und Übergabe Geldes sofort.

Das Abstraktionsprinzip besagt nun dass die Verfügungsgeschäfte - im Beispielsfall also Übereignung des und Übereignung des Geldes - auch wirksam wenn das Verpflichtungsgeschäft also der Kaufvertrag unwirksam ist weil voneinander unabhängig sind. Ein solcher Fäll läge B. vor wenn Friedrich bei Abschluss des Kaufvertrags wegen Geisteskrankheit nicht geschäftsfähig gewesen wäre. Dann ist der Kaufvertrag unwirksam Müller wird aber trotzdem Eigentümer des Wagens wenn Friedrich bei der Übereignung wieder geschäftsfähig war.

Das Abstraktionsprinzip dient somit der Rechtssicherheit. Müller das Eigentum erwirbt obwohl das zu Grunde liegende (der Kaufvertrag ) unwirksam ist kann er das Auto ohne Sorgen weiterverkaufen: Er ist schließlich Eigentümer geworden. Falls Müller Schulden hat könnten Gläubiger das Auto pfänden auch ohne sich Gedanken über den Kaufvertrag machen zu müssen.

In vielen anderen Rechtsordnungen gilt statt des Abstraktionsprinzips das Kausalprinzip. wird z. B. in Österreich zwar zwischen Verpflichtungsgeschäft und Verfügungsgeschäft unterschieden wobei aber der Bestand des vom Bestand des Verpflichtungsgeschäftes abhängig ist. Das Recht kennt bereits keine Unterscheidung zwischen Verpflichtungsgeschäft und Verfügungsgeschäft : Wer z. B. eine Auto kauft (grundsätzlich) mit Abschluss des Kaufvertrages auch Eigentümer.

Das Abstraktionsprinzip ist seit seiner Einführung der juristischen Literatur oft kritisiert worden. Viele bemängeln dass ein einheitlicher Lebenssachverhalt in künstliche zerlegt werde. Dies sei für juristische Laien verständlich. Weiterhin führe das Abstraktionprinzip zu unbilligen da es an der Übertragung des Eigentums dann festhalte wenn hierfür kein Grund bestand zugrundeliegende Kaufvertrag z.B. nichtig ist. Einen Höhepunkt die Kritik während der Zeit des Nationalsozialismus als die bestehende Rechtslage aufgrund ihrer als "unvölkisch" abgelehnt und Reformen gefordert wurden.

Das Abstraktionsprinzip ist auch im Rahmen Vereinheitlichung der Zivilrechtsordnungen innerhalb der EU angegriffen Deutschland ist das einzige Mitgliedsland in dem Abstraktionsprinzip gilt.



Bücher zum Thema Abstraktionsprinzip

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Abstraktionsprinzip.html">Abstraktionsprinzip </a>