Sein 'Libro del Cortegiano' gehört neben 'Orlando Furioso' und Machiavellis 'Il Principe' zu den bedeutendsten Leistungen italienischen Literatur der Renaissance .
Castiglione war der Sohn einer Adelsfamilie erfuhr eine umfassende Erziehung durch die Humanisten Merula und Demetrius Chalcondyles sowie am Hof Sforzas in Mailand . Er stand im Dienst bedeutender Herrscher Francesco Gonzagas (Markgraf von Mantua ) oder Guidobaldo da Montefeltros (Herzog von und wurde 1513 als Botschafter des neuen Herzogs von Francesco Maria della Rovere an den päpstlichen nach Rom gesandt. Er war mit Raphael befreundet der ihn in einem berühmten ( 1516 heute Louvre Paris)als feinsinnigen Hofmann darstellte. erarbeitete gemeinsam mit Raphael ein Memorandum das Erhaltung der römischen Antiken zum Gegenstand hatte. Jahre vor seinem Tod ging er als Nuntius nach Spanien wo er starb.
'Il Libro del Cortegiano' das 'Buch Hofmann' ist in der Zeit zwischen 1508 1516 entstanden. In einem Dialog diskutieren die Pietro Bembo Ludovico da Canossa Bernardo da und Gasparo Pallavicino über die Qualitäten des Hofmanns und der vollendeten Hoffrau. Zwei Frauen Herzogin Elisabetta Gonzaga und ihre Schwägerin Maria nehmen den Vorsitz ein. Castiglione hat die der Konversation an den ihm wohlbekannten Hof Urbino versetzt.
Grazia (Anmut) misura (Ausgewogenheit) ingenio (Geist) und arte (Kunst) sind immer wieder auftauchtende Kernbegriffe. werden dabei folgende Merkmale des idealen Hofmannes
Sprezzatura mit der man ohne sichtbare Anstrengung Aufgaben bewältigt
eine humorvolle Gesinnung und schlagfertige Konversation
eine elegante urbane Lebenshaltung
unbedingte Aufrichtigkeit in der Konversation mit Prinzen
Gewandheit im Umgang mit Frauen und in den schönen Künsten
Der Text lehnt sich bewusst in und Inhalt an Werke antiker Autoren wie Ciceros ('De oratore') und Platos ('Politeia') an. Schon bei seiner Veröffentlichung war das Buch über den Hofmann ein Es wurde im sechzehnten Jahrhundert ins Spanische Lateinische und Deutsche übersetzt. Sir Thomas Hoby in der Nachfolge von Castigliones 'Cortegiano' die über 'The Courtyer' ( 1561 ) und Lukasz Górnicki beschrieb das Ideal polnischen Hofmanns in 'Dworzanin polski' ( 1566 ).
Castigliones Hofmann ist universell gebildet und Fähigkeiten.
Die Wiederentdeckung der antiken Autoren sowie Enteckung der Welt und des Menschen" wie Jacob Burckhardt es in seiner 'Kultur der Renaissance Italien'(1860) formulierte führte zu einem geradezu leitbildhaften vom Menschen: dem allseits gebildeten und sich perfektionierenden 'uomo universale'.
Exemplarisch sahen schon die Zeitgenossen diese in Leon Battista Alberti (1404-72) und Leonardo da Vinci (1452-1519) verkörpert. Die Natur des Menschen grundsätzlich dynamisch und auf ständige Erweiterung seines der Natur gegebenen Potentials angelegt das Überschreiten Grenzen sowie die Entwicklung hin zu einem im höfischen Umfeld in Sport und Krieg Menschen wird geradezu als Pflicht des Menschen
Alberti war Schriftsteller Mathematiker Architekt und Er war ebenso stolz auf seine Reitkünste auf seine berühmte Schrift 'De re aedificatoria' Leonardos Genius revolutionierte sogar die Anatomie und Ingenieurswesen seiner Zeit. Während Alberti aber nach seiner Interessen und zugleich Vervollkommnung in jedem strebte war Leonardos Sicht durchaus aspekthafter und dabei zugleich auch skeptischer und tiefer.
Gerade Alberti strebte danach in allen ihm verfolgten Interessen die Balance zwischen Theorie Praxis herzustellen und dadurch Vollständigkeit seiner Erkenntnis erreichen. Auch der Hofmann Castigliones sollte harmonisch ausgewogen sein. So wird zugleich kriegerische Tüchtigkeit kulturelle Bildung gefordert höfische Anmut und Schlagfertigkeit und edle Gesinnung werden beim cortegiano vorausgesetzt. Hofmann findet seinen Schwerpunkt in der goldenen der positiv verstandenen 'mediocrità'.
Jacob Burckhardt stellt zutreffend in Frage der Corteggiano den Hofmann und seine vollendete am Hof meint oder nicht vielmehr den Menschen als ein verbindliches Ideal aller Zeitgenossen "Alles wohl erwogen könnte man einen solchen an keinem Hof brauchen weil er selber und Auftreten eines vollkommenen Fürsten hat und seine ruhige und unaffektierte Virtuosität in allen und geistigen Dingen ein zu selbstständiges Wesen
Indem der corteggiano das Möglichkeitspotential des reflektiert und Universalität als hohe moralische Verpflichtung werden Gedanken antiker Autoren wie Cicero wiederaufgenommen. die stoischen Philosophen war ein reiner Machtstaat der reine Machtmensch auf das Niveau seiner Natur begrenzt.
Niccolò Machiavellis 'Il Principe' (1513) findet entgegen dem Castigliones seine Größe gerade in dem Ignorieren Implikationen. Beide Konfigurationen - Machiavellis Fürst und Hofmann - stellen beide letztlich zwei Seiten Medaille dar indem bei Castiglione einerseits die der vollendeten Kultiviertheit der italienischen Höfe als formuliert wird und Machiavelli gleichzeitig eine zynische auf die Pervertiertheit und die moralische Zügellosigkeit italienischen Höfe und des Machtmenschen der Renaisance
Burckhardt Jacob: Die Kultur der Renaissance Italien. Ein Versuch. Stuttgart 1988 (11. Auflage)
Castiglione Baldassare: Der Hofmann. Lebensart in Renaissance. Aus dem Italienischen von Albert Wesselski. einem Vorwort von Andreas Beyer. Berlin 1996
Burke Peter: Die Geschichte des Hofmann. Wirkung eines Renaissance-Breviers über angemessenes Verhalten. Berlin