Am 20. März 1634 wurde Balthasar als Sohn des aus Bielefeld stammenden Predigers Heinrich Bekker geboren. Von seinem Vater er auch die ersten schulischen Unterweisungen bevor im Jahre 1650 also mit 16 Jahren Universität zu Groningen besuchte. Hier widmete er sich vor dem Fach Geschichte und dem Sprachenstudium. Später studierte er Franeker Theologie. Neben seinem Studium leitete er bis 1657 die Lateinschule Franeker als Rektor . 1665 erwarb der den Doktor in Theologie.
Seine Begeisterung für die cartesianische Philosophie schlug sich in der 1668 veröffentlichten De Philosophia Cartesiana Admonita candida et sincera nieder. Infolge des durch zwei von in den Jahren 1668 und 1670 veröffentlichten Gesneeden broodt voor de Kristen Kinderen und De Vaste Spijze der Volmaakten hervorgerufenen Widerspruches und Streitigkeiten folgte er einem Ruf in die Niederlande wo er zunächst in Löwen (1675) dann in Weesp (1676) und in Amsterdam (ab 1679) als Prediger niederließ.
Hier in Amsterdam begann er seinen gegen den Aberglauben wobei wohl als auslösendes Moment das eines großen Kometen im Jahre 1680 genannt werden muss. musste erleben dass viele seiner Zeitgenossen hierin natürliche Erscheinung sehen wollten sondern es für Ankündigung eines baldigen Strafgerichtes Gottes ansahen. Bereits Jahre nach diesem Ereignis veröffentlichte er daher Schrift Ondersoek van de betekening der Cometen bij degene die in de jaren 1680 1681 1682 geschenen hebben . Allerdings sollte ihn das Werk De betooverde Wereld bekannt machen. Es erschien in 4 unterteilt zwischen 1691 und 1693. Hierin kämpft nicht nur gegen den Aberglauben sondern bestreitet in einer Form wie es vor ihm noch keiner gewagt hatte die dem Teufel zugedachte Macht . Indem er die Macht des Teufels entzog er jedoch gleichzeitig der Hexenlehre ihr Fundament und somit gilt er einer der einflussreichsten Gegner der Hexenverfolgung überhaupt. Viele spätere Hexentheoretiker die gleich ihm gegen eine Verfolgung vermeintlichen Hexen eintraten beriefen sich in der Folge ihn. Wie groß der Erfolg seines Anti- Hexentraktates war zeigt sich auch darin dass bereits 1693 in deutscher Sprache 1694 in und 1695 in englischer Übersetzung vorlag.
Allerdings hat er nicht nur positive mit diesem Buch hervorgerufen. Vielfach erfuhr er Kritik von Geistlichen und es verwundert wenig dass die gegen ihn vorging. Er musste sich offiziell dem Kirchenrat von Amsterdam und der nordholländischen Synode verantworten. Da er jedoch nicht bereit seine Thesen zu widerrufen wurde er 1692 durch Synode von Alkmaar als Prediger abgesetzt. Man warf ihm Ketzerei vor ja sogar Atheismus und Adämonismus.
Hierauf verließ Balthasar Bekker Amsterdam und nach Friesland wo er sich unerschrocken den weiteren seiner Bezauberten Welt widmete. Dank der Freundschaft des Bürgermeisters von Amsterdam erhielt er auch weiterhin Predigergehalt obwohl er bis zu seinem Tode 11. Juni 1698 von diesem Amt suspendiert
Wie oben erwähnt erschien Bekkers vierbändiges Hexentraktat De betovered Wereld bereits im Jahe 1693 in einer Version. Der Titel dieser in Amsterdam gedruckten lautet: Die bezauberte Welt. Oder Eine gündliche Untersuchung Allgemeinen Aberglaubens / Betreffend / die Arth das Vermögen / Gewalt und Wirckung Des und der bösen Geister über den Menschen Und was diese durch derselben Krafft und thun: So aus natürlicher Vernunft und H. in 4 Büchern zu bewehren sich unternommen [...] . In der damals üblichen Weise umfasst vollständige Titel fast eine halbe Din-A-4-Seite spiegelt gerade deshalb auch gut die Absicht und Anliegen des Autors wider. In seiner Vorrede er dann noch einmal genauere Informationen: "Ich mercke / daß die Sache / ich untersuchen wil / zwey Theil habe nemlich von dem Teuffel / was er ihm selber weiß oder kan; von dem was sie durch sein Zuthun wissen oder können. Doch weil es Dinge sind / über die Natur gehen / oder ja man darfür hält / und die also zu gehören / so muß ich auch / was für Meynung die Menschen von Gottheit haben / und von den Geistern gemein / sie seyn gut oder böse auch von den Seelen der Menschen (die Geister sind) wenn sie von dem Leibe den Todt abgeschieden worden." Hiermit liefert Bekker also eine kleine die auch dem Aufbau seines Werkes entspricht er betont dass der Teufelsglaube eng mit Hexenglauben und beide wiederum von dem Geister- Gottesglaube untrennbar sind.
Im ersten seiner vier Bücher zeigt "die Meynungen und Gewohnheiten aller Völcker / zu allen Zeiten von Gott und den gehabt / und auch noch haben" auf. Dabei erforscht er zunächst den und Zaubererglauben der Heiden angefangen bei den Griechen und Römern bishin zu den Amerikanern um danach diejenigen Völker zu untersuchen ihre Glaubensgrundsätze aus der Bibel entnehmen also Juden und Christen .
"Das andere Buch: Von der Bezauberten Welt. die Lehre von den Geistern / derselben und Wirckungen / aus der natürlichen Vernunfft der heil. Schrifft untersuchet wird." Mit dieser Überschrift für sein zweites weist Bekker auf seine zwei Hauptuntersuchungskriterien hin: "Das erste ist die Vernunfft / die Menschen zu einem Licht sich erstrecket / fern als sie rein ist / und Vor-Urtheil und Gemüths-Neigungen nicht verhindert und benebelt. andere ist die Schrifft von Gott eingegeben aber ingleichen rein / an ihr selbser so von uns betrachtet / als ob niemahls die Schrifft gelesen hetten; und also aller Menschen Vor-Urtheil / von Übersetzung aus hebreischen und Grichischen / darinn sie ursprünglich ist / und der Außlegung alter oder Lehrer." Balthasar Bekker untersucht also mit Hilfe Vernunft der er einen hohen Stellenwert zubilligt der Heiligen Schrift was von der Lehre den Engeln den Dämonen einem mächtigen Teufel und dergleichen übernatürlichen Erscheinungen zu halten
Im seinem dritten Buch geht er auf klassische Lehre von der Hexerei ein das heißt er untersucht in Kapiteln "die gemeine Meynung betreffend die Menschen / man dafür hält / daß sie mit Teuffel umbgehen" . Dabei ist es im wichtig zu dass es ihm keineswegs darum geht ob nun Zauberei gebe was er durchaus zugibt "sondern ob solche Zauberey sey / die dem Grund eines Vertrages der Menschen mit Teuffel / Dinge kan sagen und zu bringen / die Über die Natur gehen." Letztendlich wird er diese Frage verneinen! lehnt nicht nur den Teufelspakt an sich ab sondern auch alle Element der klassischen Hexenlehre .
Das vierte und letzte Buch diskutiert der Hexerei den "Beweiß / welcher auß der Erfahrung genommen" . Hierbei kommt es Balthasar Bekker in Linie darauf an "die Erfahrung / die Meisterin aller Dinge die auff ein Hauffen Exempeln beruhet" genau zu untersuchen "damit man nicht sage daß ich mit neuen Lehre der gantzen Welt widerspreche / voll sey von klaren augenscheinlichen Proben solcher des Teuffels" . Er nimmt sich hier aus diesem zahlreiche Hexen- und Teufelsgeschichten vor erzählt sie seine Leser nach und überprüft dabei den der einzelnen Begebenheiten um sie dann in Sinne umzudeuten. Dieses Buch benötigt er gleichsam Entlastung für sich selbst.
Balthasar Bekkers Argumentations-und Beweisstruktur basiert auf Hauptelementen die sich durch seine gesamte 'Bezauberte ziehen:
Das erste Element ist seine Philosophie die sich in erster Linie auf Rene Descartes stützt. Genau wie jenem ist auch die Mathematik ein überaus nützliches Hilfsmittel um die Gründe und Lösungen für bestimmte Probleme zu So weist er beispielsweise im Rahmen seiner Geisteruntersuchung darauf hin dass Menschen die sich der Mathematik beschäftigen "so leichtlich auf ander Leute Reden oder nicht beruhen / noch die Lufft mit viel durchmengen." Auch sein Gottesbegriff ist aus der Philosophie entnommen: Gott präsentiere sich in seiner als die alleinungeschaffene Substanz die wir allerdings Wortmangel ' Geist ' nennen obwohl Gott kein Geist sei. Diese Substanz habe alles andere Eines der wichtigsten Attribute Gottes sei seine Vernünftigkeit er könne nicht unvernünftig sein. Ganz dagegen die von Gott der unendlichen Substanz endliche Substanz die Geister und Körper die und Menschen. Diese Substanzen die entweder nur (=Körper] oder nur Denken (=Geist) seien seien vollkommen sondern ihnen würden Grenzen gesetzt.
Das zweite Element ist die Bibelexegese. sieht er die Bibel als geschlossenes Ganzes ohne irgendeine historische Entwicklung darin wahrnehmen zu Seine oberste Grundmaxime ist die Übereinstimmung von und Heiliger Schrift. Daher ergibt sich für vielfach eine Umdeutung des wortgetreuen Sinns. Leider führt dies auch zu Fehlinterpretationen was im viele zeitgenössische Kritiker vorwarfen auch Bewunderer eingestehen mussten.
1. Bekker selbst sieht den wichtigsten Aspekt Traktates in der Untersuchung des Teufelsglaubens . In seinem gesamten ersten Buch ist der Frage nachgegangen woher der Glauben an Teufel komme. Er findet zwei Wege die dem Teufelsglauben so weite Verbreitung haben. Zunächst sei da der kulturhistorische Weg vom Heidentum über das Judentum zu den Kirchenväter also zum Christentum geführt habe. Der zweite Weg ist individueller: von Kindesbeinen an bis hin zum Erwachsenen. In der Schule würden sich dann beide Wege kreuzen und gegenseitig verifizieren und zu einer Verfestigung des Teufelsglaubens beitragen. Und sich einmal ein Vorurteil - über Generationen Völker hinweg und beim einzelnen schon seit frühesten Kindheit - gebildet wie dies mit Vorurteil der teuflischen Macht ja bekanntlich sei bestehe wenig Hoffnung dass die Menschen es Erwachsenenalter wieder aufgeben würden. Hat Bekker nun einmal dieses grundlegende Problem aufgezeigt beschreibt er nächstes das gängige Teufelsbild bevor er es seiner üblichen Gründlichkeit widerlegt. So lehnt er Glauben an die Leibhaftigkeit des Teufels ab. "Es streitet gegen alle Vernunfft und Verstand daß der Teuffel oder ein böser Geist wer er auch möchte seyn / sich oder etwas anders in einem Leibe oder Schein erzeigen solte." Darüber hinaus habe der Teufel nicht keinen Körper sondern er sei auch als "Gottes Gefangener und Verlassener" völlig machtlos: "Es ist [...] ganz deutlich gelehret / er nichts kan thun / weder in noch im Schein."
2. Balthasar Bekker bestreitet jedoch nicht dass Teufel die Ursache des Bösen ist. Allerdings wirke dieses ehemals teuflische nachdem es einmal in den Menschen eingepflanzt ohne direkten Einfluss des Teufels weiter: "So mag man sagen daß der Satan genug habe / über solche Menschen / der Verderbung ihrer Natur / und Verfinsterung Verstandes / und Versteckung ihrer Hertzen folgen davon er die erste allgemeine Ursache ist daß sie sich zu Gott nicht bekehren ob er schon hinfüro nicht besonders in wircket / ja ob er auch gleich einmahl weiß / wer sie seyn." Ganz in diesem Sinne stellt Bekker Grundthesen zum Bösen auf: "I. Daß der Teuffel durch die erste dem Paradis gethane Süne Ursache ist alles Und alles was böse ist / ihm nicht ohne Ursache zugeschrieben wird. II. Daß das Böse welches vom Teuffel ist / in dem Menschen herrschet / also regiret daß er allezeit in gewissen Schranken hält; wenn er ein gewisses grossen und allgemeines verhindert / auffhält / oder bezwinget. Das so viel ist / als den Teuffel / weil er dessen Wercke bindet. III. er endlich alles Böse / das Menschen / an dem grossen Gerichts-Tage werde zu machen / die verführten Menschen zugleich mit Teuffel / der sie Anfangs verführet / seine böse Gesellschafft nach Verdienst straffen; und diese Straffe ohne Ende und Maaß seyn Aus diesen Überlegungen zieht Bekker den es erscheine daher "genugsam; daß es mit dem Teufel nicht groß zu bedeuten hat / als man meynet: nemlich / daß er uberall im ist / und sich auff vielerley Weise Menschen zeiget / es sey daß er oder schlaffet. Dieses ist die Spökerey und / davon die Welt voll ist." Als Beispiel verweist Balthasar Bekker auf Versuchung Christi. Dieser in der Hexenliteratur stets als Beweis für die Leibhaftigkeit und Macht des Teufels angeführte biblische sei keinesfalls wörtlich zu nehmen da ansonsten teuflische Macht über der christlichen rangieren würde. müsse eine Interpretation ergeben dass Jesus nicht real vom Teufel versucht worden sondern lediglich im Geiste.
3. Bekker behauptet dass sich unter der genannten Besessenheit in Wirklichkeit Krankheiten verbergen: "Die Menschen / die man / daß von denselben besessen oder gequälet zu seyn / waren sonderlich Kranckheiten unterworffen." Auch die meisten Teufelsaustreibungen durch Jesus seien eigentlich Krankenheilungen gewesen.
4. Er lehnt die Idee eines Teufelspaktes gänzlich ab: "Es wird meines erachtens niemand dürffen läugnen daß keine Gemeinschafft des Menschen mit dem / und noch viel weniger ein solcher seyn kan; so die Geister und die auff einander nicht wircken noch einander etwas können."
5. Als logische Folge von Bekkers Ablehnung Teufelspakttheorie ist seine allgemeine Verneinung der Existenz von Hexen im Sinne der klassischen Hexenlehre : Wo kein leiblicher Teufel existiert da auch kein Teufelsbündnis geschlossen werden und da kein Pakt mit dem Teufel geschlossen wurde weder ein Schadenszauber mit teuflischer Hilfe durchgeführt werden noch die so genannten 'Hexen' durch die Lüfte oder einen vom Teufel einberufenen Sabbat feiern.
6. Aus den vorangegangenen Punkten ergibt sich dass er auch die üblichen Hexenprozesse ablehnt. Er plädiert dafür dass ein dieser schrecklichen Prozesse bald eintritt um auch Gewissen der Verantwortlichen von diesem Unrecht zu "Die Richter und die Rechtsgelehrten werden ihre nicht mehr beschweren mit Vergießung so viel Blut / als wegen der auffgebürdeten und Zauberey zum Tode gebracht werden; und nicht zum Tode / sondern die auch lebendig werden." Auch würden die ungerechten Hexenprozesse allein aufhören wenn man jegliche Untersuchungen Zauberei einfach einstellen würde wie dies in Niederlanden ja bereits erfolgreich geschehen sei während anderen Ländern weiterhin gegen vermeintliche Hexen prozessiert
Abgesehen von der Wirkung die das des Werkes für Bekkers Leben hatte (s.o.) die Hauptbedeutung dieser Schrift darin zu sehen durch sie eine heftige literarische Debatte um den Teufels-und Hexenglauben ausgelöst wurde. ungeheure Menge an Schriften für aber fast mehr gegen ihn und seine Thesen erschienen den folgenden Jahrzehnten. Diese große Ablehnung die Ansichten ernteten ist mit Sicherheit darauf zurückzuführen er weiter ging als alle seine Vorgänger. der sich präsentierte als geschult in der Philosophie eines Descartes und Ausgebildeter in der Theologie hatte einen Gesamtangriff auf die Person Teufels unternommen und ihm seine zugedachte Macht Erstmals sprach einer in ungeheurer Klarheit aus in Folge von Hexenprozessen Unschuldige grausam getötet werden.
Leider mangelt dem Werk trotzt der Gelehrsamkeit und Rhetorik des Autors an einigen an innerer Logik sodass Balthasar Bekker ungewollt seinen Gegnern Angriffsfläche bot.
Insgesamt kann man jedoch mit Fug Recht behaupten dass Bekkers Hexentraktat einen sehr wichtigen Beitrag zur Bekämpfung Hexenprozesse beigetragen hat. Indem er dem Teufelsglauben Fundament entzog bzw. heftig an diesem rüttelte er gleichzeitig auch der Hexenlehre die Grundelemente. Dadurch dass er so aufstand unerschrocken sein Werk vollendete und sich keiner Zeit 'den Mund verbieten' ließ war für viele andere ein großes Vorbild.
Johann Moritz Schwager Beytrag zur Geschichte der oder Leben Meynung und Schicksale des ehemaligen der Theologie und reformierten Predigers in Amsterdam Bekkers Leipzig 1780.