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Die Erziehung des Menschengeschlechts


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Die Erziehung des Menschengeschlechts ist das religionsphilosophische Hauptwerk Gotthold Ephraim Lessings .

Die besondere Bedeutung des Textes erschließt nicht auf den ersten Blick besonders wenn die Fiktion ernst nimmt die Schrift sei einem "guten Freund" der sich gern "allerlei und Systeme" mache "um das Vergnügen zu sie wieder einzureißen" (Brief an A.H. Reimarus 1778). Sie ergibt sich aber bei genauerer aus drei Zusammenhängen: 1.der Stellung im Gesamtwerk; Text selber; 3.den Argumentationszusammenhängen zu den anderen Schriften.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Die "Erziehung des Menschengeschlechts" gehört zu Spätwerk kann also nicht als jugendliches Herumexperimentieren zweifelhaften Hypothesen angesehen werden sondern muss als jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema gelten. Die 1-53 sind zuerst 1777 erschienen als Teil Fragmentenstreits mit Hauptpastor Goeze ("Anti-Goeze" 1778) und Innerhalb dieses bedeutenden Zusammenhangs nimmt die Schrift Sonderstellung ein weil es der größte von selbst verfasste zusammenhängende Teil ist und sich aus dem Status reiner "Gegensätze" hervorhebt. Die Schrift (§§ 1-100) erschien 1780 in dem in dem auch die so genannten "Jacobi-Gespräche" wurden eine der wenigen Äußerungen Lessings in er ohne taktische und "erzieherische" Filterungen seine Ansichten über die Religion darlegt. Allein schon diese zeitliche und werksgeschichtliche Stellung wird die der Schrift klar. Außerdem erschien zur selben (1779) "Nathan der Weise" Lessings dramatisches Hauptwerk eine ganz ähnliche Thematik behandelt. Dass Lessing Werk durchaus als Fortsetzung der religionsphilosophischen Diskussion zeigt folgende Äußerung:

"Ich muß versuchen ob man mich auf alten Kanzel auf dem Theater wenigstens noch will predigen lassen"
(Brief an E. Reimarus 6.9. 1778)

Der Text

Vordergründig vergleicht Lessing in der Schrift Entwicklung der menschlichen Vernunft mit der Entwicklung Vernunft beim einzelnen Menschen wobei Gott als Art Erzieher der Menschheit erscheint. Die göttliche ist dabei für das Menschengeschlecht das was Erziehung für den einzelnen Menschen ist. Diese erfolgt im wesentlichen in drei Stadien:

Im ersten geschieht sie durch umittelbare Strafen und Belohnungen (=AT); im zweiten Stadium durch die Lehre von der Unsterblichkeit der Lohn und Bestrafung ins Jenseits verlagert (=NT); in einem dritten Stadium wird es keine und Strafen mehr geben weil die menschliche soweit entwickelt ist dass die Menschen das tun weil es das Gute ist (=Ewiges Diese drei Stadien durchlaufen alle Völker so man an ihren positiven Religionen den jeweiligen ihrer Vernunft erkennen kann.

Die zentralen Kategorien des benutzten Vergleichs "Offenbarung" und "Erziehung" auf der einen und und "Entwicklung" auf der anderen Seite. In gesamten Schrift gibt es sowohl Belege für angenommene Dominanz der Offenbarung (§§ 7 77) auch für ein Primat der Vernunft (§§ 65 84 91).

Dieser oberflächliche Widerspruch löst sich auf man die fremdgesteuerte Offenbarung (durch einen außerweltlichen und die selbstgesteuerte Vernunft (durch einen innerweltlichen nur als zwei Seiten einer dialektischen Einheit (nahegelegt auch durch die §§ 36 37) die autonome menschliche Vernunft als deren tiefere begreift. Dann erscheint die göttliche Offenbarung nur ein Bild für den jeweiligen Entwicklungsstand der Vernunft und Gott als Bild für den Imperativ zu eben dieser Weiterentwicklung die in zunehmenden Konkretisierung des Bildes von der Offenbarung Die Offenbarung wird damit zum "Noch-Nicht" der Die "Erziehung" eines "ausgewählten Volkes" durch "göttliche steht also dafür dass die gesamte Menschheit durch mythologische Erklärungen der Natur und durch schrittweise Entmythologisierung dieser Erklärungen d.h. rein immanent Offenbarung erscheint Lessing hierbei lediglich als historisches während die Vernunft ewig ist. Der Entwicklungsgedanke nicht nur den "Glauben" Lessings an einen Gott ( deus sive natura ) sondern auch seine Überzeugung von einer Entwicklung der Menschheit. Es ist für ihn Naturgesetz allen Lebens dass eine ständige Spannung gegenwärtiger Unvollkommenheit und zukünftiger Vollkommenheit besteht und die Entwicklung der Vernunft und Moral von zum anderen Pol verläuft.

Argumentationszusammenhänge zu anderen Schriften

Bei allen religionsphilosophischen Schriften Lessings ist ein (reales oder fiktives) Gegenüber mitzudenken. Er sich mit den herrschenden Strömungen religionsphilosophischen Denkens Zeit auseinander. Dabei ist ihm die Meinung jeweiligen Dialogpartners zu wichtig um einfach "beiseite" zu werden ("Leibniz von den ewigen Strafen" Vielmehr bemüht er sich in exoterischer Redeweise Gegner auf ihrem jeweiligen "Wege zur Wahrheit führen" (ebd). Insofern sind sämtliche Schriften nicht sondern immer als "Gegen-Schriften" zu verstehen bei man wissen muss an wen er sich um dann indirekt daraus seine eigene Meinung erschließen. Diese "Taktik" hat nichts mit Opportunismus zu tun sondern entspringt der Hochachtung der Meinung des anderen (Toleranz) und der dass niemand jemals "vorsätzlich sich selbst verblendet ("Eine Duplik" 1778).

Die herrschenden geistigen Strömungen mit denen sich auseinandersetzt sind im wesentlichen: der Deismus die Neologie die Orthodoxie .

Gegen die Deisten verteidigt Lessing das des "Gefühlschristen" auf seine Religion und sein Christentum ("Gegensätze zum 1.-5. Fragment" 1777; "Das Johannis" 1777). Er wendet sich gegen deren das spitzfindig überheblich und widerlegbar ist und dafür alte Gesetze für die noch kein Ersatz da ist beizubehalten ("Der Freigeist" 1749; an Karl 2.2. 1774).

An den Neologen kritisiert er vor die Vermengung von Glaubenssätzen und Vernunftüberlegungen. Er in den Halbheiten und Falschheiten dieser Rechtfertigungsideologie Vernunft zur bloßen Stütze der Offenbarung degradiert eines Gesprächs" 1774).

Die Orthodoxen fordert er auf ihre kritisch zu überprüfen und diese Diskussion nicht die eigene Religion zu beschränken sondern den Kern aller positiven Religionen herauszufinden ("Rettung des Cardanus" 1754; "Über die Elpistiker" 1763). Die sollte dabei nicht mit "zufälligen Geschichtswahrheiten" sondern "notwendigen Vernunftwahrheiten" geschehen ("Neue Hypothese über die ..." 1778; "Die Religion Christi" 1780) und die Unzulänglichkeiten des bloßen "Buchstaben" der Bibel ("Eine Parabel" 1778). So könnte es gelingen einer "natürlichen Religion" vorzudringen die dann wiederum Offenbarung als Beleg für ihre vernünftige Notwendigkeit mehr benötigt weil sie auf einem "Christentum Vernunft" (1753) basiert.

Viele dieser Argumentationszusammenhänge ziehen sich durch Diskussionen innerhalb des Fragmentenstreits als dessen Teil auch die "Erziehung des Menschengeschlechts" zuerst erschienen Und alle Gedanken treten auch innerhalb der auf in der ja gerade die relative der christlichen Religion einerseits und ihre geschichtliche andererseits erläutert werden. So ist für den "Gefühlschristen" eines der beiden "Elementarbücher" (AT NT) noch angemessen solange kein vernünftiger Ersatz da oder von ihm nicht angenommen werden kann. ist deshalb nicht nötig daran "herumzuvernünfteln" wie die Deisten tun. Den Rechtfertigungsüberlegungen der Neologen Lessing in der "Erziehung" eine -zumindest- gleichgewichtige entgegen die bei genauem Hinsehen sogar der Teil der dialektischen Verbindung ist. Das ganze der Schrift schließlich setzt die Kritik an Orthodoxie konstruktiv um in dem Lessing hier ausführlich die eigene Religion hinterfragt sie auf Stufe mit anderen Religionen stellt und versucht einem gemeinsamen Kern dem "Ewigen Evangelium" oder "Christentum der Vernunft" zu gelangen.

Literatur

Original Text
Allison H. E.: Lessing and the Enlightenment New York 1964
Bohnen K.: Geist und Buchstabe Köln 1974
Guthke K. S.: Der Stand der Lessing-Forschung Stuttgart 1963
Haug M.: Entwicklung und Offenbarung bei Lessing Gütersloh 1928
Rilla P.: Lessing und sein Zeitalter Münster 1973
Thielicke H.: Offenbarung Vernunft und Existenz Gütersloh 1957



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