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Dimitri Mitropoulos


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Dimitri Mitropoulos (* 18. Februar 1896 in Athen; † 2. November 1960 in Mailand ) war ein griechischer Dirigent Komponist und Pianist .

Dimitri Mitropoulos‘ diskographisches Vermächtnis

(NZZ vom 1. April 2004)

In Dimitri Mitropoulos‘ diskographischer Hinterlassenschaft kristallisiert eine doppelte Problematik: Zwar hatte der 1960 Alter von nur 64 Jahren verstorbene griechische den Beginn des Stereo-Zeitalters noch erlebt ohne von der sprunghaft gewachsenen Qualität der neuen und Wiedergabetechniken profitieren zu können. Denn nach Zeit als Chefdirigent in Minneapolis (1937 – und New York (1949 – 57) gastierte zuletzt häufig am Pult europäischer Orchester sodaß seinen letzten Jahren hinreißende Konzertmitschnitte existieren – nur in der in Europa noch vorherrschenden Der zweite problematische Aspekt in der heutigen des Dirigenten besteht darin daß durch Ablauf Leistungsschutzfristen frei gewordene Aufnahmen nun ohne große vermehrt im unteren und mittleren Preissegment auf CD-Markt geworfen werden. So stehen billige ohne Sorgfalt gefertigte Nachpressungen gegenüber Produkten die aufwendig remastert und zudem kompetent und liebevoll kommentiert ediert sind.

Zu diesen Vorzeigeprodukten zählen Mitropoulos‘ bei erschienene Salzburger Festspielmitschnitte sowie das bei der herausgekommene Portrait des Dirigenten. Letzteres ist als in der Reihe der „Great Conductors of 20th Century“ erschienen und enthält Berlioz‘ „Romeo Julia“-Sinfonie (in Auszügen) und Debussys „La Mer“ Zeugnisse für Mitropoulos‘ stilsicheren Umgang mit dem Repertoire. Besonderes Interesse erweckt die Edition allerdings einen weithin unbekannten Mitschnitt von Mahlers 6. entstanden 1959 im Sendesaal des Kölner WDR-Funkhauses. „Tragische“ Sinfonie hatte Mitropoulos 1947 zur amerikanischen gebracht; er besaß somit einen quasi monopolistischen der ihn in den 1950er Jahren zum eloquentesten Anwalt gerade dieser wilden zerklüfteten Sinfonie Während im Kopfsatz und im Finale alle und Seelenzerrissenheiten Mahlers ausgelotet werden verbreitet sich Andante moderato einer Zelebration von philosophischer Weltdurchdringung Aura als „Priester der Musik“ (als den eine englischsprachige Biographie aufgrund seiner klösterlichen Erziehung Lebensweise apostrophiert).

Mitropoulos‘ Ausdrucksfanatismus spiegelt auch die bei sorgsam edierte Serie der Salzburger Festspielauftritte zwischen und 1960; in diesen Livemitschnitten des ORF der Umgang des Dirigenten mit der deutschen nachprüfbar an den interpretatorisch höchst gegensätzlichen Beispielen Schumanns „Frühlingssinfonie“ und Mendelssohns „Schottischer“. Schumanns 1. (Wiener Philharmoniker 1957) ist bei Mitropoulos nicht ein dauernder Widerstreit zwischen den literarischen alter des Komponisten dem temperamentvoll-hochfliegenden Florestan und dem Eusebius; die Interpretation ist geradezu die Anamnese manischen Krankheitsbildes. Mitropoulos zerlegt die Sinfonie in thematisch-melodischen und rhythmischen Grundsubstanzen und derart zergliedert Schumanns Sinfonik wie die Fortschreibung einer delirierenden Sinfonie. Seltsam mutet zwischen dieser obsessiven Lesart Ecksätze das verspielte Scherzo an mit neckischen aller Verzögerungen und Beschleunigungen.

Im Gegensatz dazu ist die Interpretation Mendelssohns 3. „Schottischer“ Sinfonie (1960 mit den Philharmonikern) ein verblüffender Klangbeweis für die innovative des Komponisten: Mitropoulos verknüpft die vier Einzelsätze als latent durchkomponiert. Durch die pausenlose Abfolge thematische tonartliche oder metrische Verklammerung verdeutlicht der die von Mendelssohn entwickelte „romantische“ zyklisch-synthetisierende Durchformung gesamten Sinfonie. Das ist von derart aufklärerischer wie ohrenputzender Überzeugungsgewalt daß man abweichende Interpretationen in dieser Hinsicht nur als defizitär empfinden

Zumindest zwiespältig fällt dagegen bei manchem im Niedrigpreissektor die Begegnung mit Mitropoulos‘ musikalischem aus. Eine in der Reihe „XX. Century erschienene Box mit 10 CDs enthält ein bei dessen Bandbreite dem Melomanen auf den Blick das Wasser im Munde zusammenläuft. Mit Orchestern aufgenommene Werke von Bach bis Krenek hier kombiniert wobei der aus Busonis Berliner und Kompositionsschule hervorgegangene Mitropoulos auch als Pianist Bearbeiter dokumentiert ist.

  
Mahlers 1. Sinfonie - Mitropoulos‘ Weltersteinspielung 1940 mit dem Minneapolis Symphony Orchestra - in dieser Großbox so erstaunlich gut abgebildet sie einem Vergleich mit der CD-Erstveröffentlichung (Columbia/CBS Heritage) durchaus standhält. Doch bei näherem Augenschein die Entdeckerfreude an der Mammutedition rasch in um ob der standardisierten Booklettexte über den und die anonym zusammengeklaubten Komponistenportraits; diskographische Notizen den Aufnahmen und deren Erstveröffentlichung fehlen völlig. sind viele Werke allzu sorglos und von Vorlagen auf CD kopiert; vollends inakzeptabel ist Mendelssohns „Schottische“ Sinfonie (Minneapolis 1941) in technisch Qualität daherkommt und zudem die Produzenten Mitropoulos‘ Lesart geradezu konterkarieren indem die attacca genommenen stümperhaft geschnitten und durch Pausen getrennt wurden ein Zeugnis nicht von Lässigkeit sondern von Verfälschung.

Vor diesem Hintergrund erhalten die Rundfunkaufnahmen den 1950er Jahren eine neue Aktualität durch frühe technische wie musikalische Qualität; bezeichnenderweise wurde Kölner Veröffentlichung von Mahlers 6. Sinfonie im Sommer mit dem Toblacher Schallplattenpreis ausgezeichnet als historische Mahler-Aufnahme. Das Archiv des WDR dessen Mitropoulos in seinen letzten Jahren in Deutschland verbunden war (und dessen Chefdirigent er beinahe geworden wäre) enthält noch zahlreiche farbensprühende Aufnahmen anderem Mitropoulos‘ letztes Konzert in Köln mit 3. Sinfonie. Wenige Tage nach dieser Aufführung der Dirigent am 2. November 1960 bei Probe desselben Werks mit dem Mailänder Scala-Orchester. dieser damit zum Vermächtnis gewordenen Kölner Aufnahme nur zu ahnen was an radiophonen Schätzen einer Publikation wert wäre.

Michael Schwalb

Aufnahmen mit Dimitri Mitropoulos:

„Great Conductors of the 20th Century“: Mahler: Sinfonie Nr. 6 a-moll (WDR Sinfonieorchester Hector Berlioz: Auszüge aus „Romeo und Julia“ Debussy: „La Mer“ Richard Strauss: Salomes Schleiertanz. York Philharmonic 1950-56). EMI/IMG 575471 (2 CD).

Felix Mendelssohn: Sinfonie Nr. 3 a-moll Arnold Schönberg: Variationen op. 31 Claude Debussy: Mer (Berliner Philharmoniker Salzburger Festspiele 1960). Orfeo 488 981 B (1 CD).

Robert Schumann: Sinfonie Nr. 1 B-dur Strauss: Sinfonia domestica (Wiener Philharmoniker Salzburger Festspiele Orfeo C 565 011 B (1 CD).

„Dimitri Mitropoulos - Maestro Spiritoso“: Gustav Sinfonie Nr. 1 D-dur „Titan“ (Minneapolis Symphony 1940); Felix Mendelssohn: Sinfonie Nr. 3 a-moll (Minneapolis Symphony Orchestra 1941); Ernst Krenek: 3. und Sergei Prokofjew: 3. Klavierkonzert (Solist: Dimitri Werke von Johann Sebastian Bach Ludwig van Alban Berg Alexander Borodin Ernest Chausson César Darius Milhaud Maurice Ravel Camille Saint-Saens u.a. Orchester). XX. Century Maestros XXCM 220828 (10




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