Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 26. Mai 2013 

Dyskalkulie


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.

Dyskalkulie ist eine Entwicklungsverzögerung des mathematischen Denkens.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Unter Dyskalkulie (Synonyme sind Rechenschwäche oder Arithmasthenie) werden Minderleistungen im Lernstoff des arithmetischen Grundlagenbereiches (Mächtigkeitsverständnis Grundrechenarten Dezimalsystem ) verstanden wobei die betroffenen Schüler mit subjektiven Logik in systematisierbarer Art und Weise Fehler machen die auf begrifflichen Verinnerlichungsproblemen beruhen. lassen sich die Erscheinungen Nominalismus Mechanismus und beobachten.

Unter Nominalismus des Zahlbegriffs soll die Zuordnung von Zahlname und Ziffer / Symbol ohne ausgebildeten Zahlbegriff als kognitive Basis werden. Dies bedeutet Kinder kennen die Zahlnamen deren Reihenfolge auswendig denken die zu Grunde Quantitäten jedoch nicht mit. Deshalb sind sie darauf angewiesen Additionen und Subtraktionen rein zählend durchzuführen. Häufige Phänomene bei sind:

  • Verharren beim sturen zählenden Operieren
  • Transferleistungen können nicht erbracht werden; stets neu abgezählt
  • enorme Gedächtnis - und Konzentrationsleistungen hohe Anstrengung und schnelle Erschöpfung bei Bewältigung mathematischer Aufgaben; Berechnungen benötigen unverhältnismäßig viel und
  • keine Verbesserung der Defizite durch beständiges extensives Üben; Geübtes wird schnell wieder vergessen es wird stur auswendig gelernt.

Mechanismus der Rechenverfahren umschreibt die unreflektierte mechanische Bewältigung mathematischer ohne Verständnis der zu Grunde liegenden Verfahrenstechniken. kann zum Beispiel bei der Anwendung schriftlicher oder beim Lösen sog. analytischer Aufgaben ( Gleichungen mit Platzhaltern) beobachtet werden. Auffällig bei Rechenverfahren ist:

  • Duldung sich widersprechender Ergebnisse nebeneinander; „offensichtliche“ werden nicht erkannt
  • Fehleranfälligkeit der Mechanismen bei komplizierteren oder Aufgaben: Abweichungen in der Aufgabe führen schnell Irritationen bzw. zu falsch weiter geführten Mechanismen
  • wahllose Verknüpfung von Größenangaben mit Operationen eingekleideten Aufgaben um irgendwie zu einer Lösung gelangen; die Aufgabe kann nur wortwörtlich wiedergegeben

Unter Konkretismus beim handelnden Operieren wird das „Verhaftetsein“ des Schülers am verstanden wobei auch Finger zu den Veranschaulichungsmitteln In diesem Fall tritt das Veranschaulichungsmittel nicht der Funktion auf Anzahl in einer bestimmten zu repräsentieren vielmehr wird der handelnde Umgang dem Mittel für das eigentliche Rechnen gehalten. konkretistischem Handeln sind häufig folgende Punkte zu

  • Berechnungen von mathematischen Aufgaben können ohne Veranschaulichungsmittel nicht durchgeführt werden
  • Klammern an vorgestellte oder plastische Zählhilfen
  • unökonomische/kontralogische Verwendung von Veranschaulichungsmitteln.

Diese drei Phänomene stehen nicht in disjunktiven Verhältnis zueinander vielmehr ergänzen sie einander hier Rechenschwierigkeiten von verschiedenen Betrachtungsebenen aus beschrieben Nominalismus bezieht sich auf die begriffliche Seite die unausgebildete kognitive Verinnerlichung der Stoffinhalte. Mechanismus aus praktischer Sicht die unverstandene Umgangsweise mit Rechenverfahren. Konkretismus schließlich bezieht sich auf den Einsatz der Veranschaulichungsmaterialien.

Insgesamt handelt es sich um Kinder denen das Fundament des mathematischen Verständnisses nicht nur sehr verschwommen vorhanden ist. Ein aufbauender Gedanke kann nicht verstanden werden weil die nicht zur Verfügung stehen. Jegliches Üben und ist hier vergeblich da die Kerngedanken unerschlossen Wenn z.B. Menge und Zahl mit gänzlich falschen Vorstellungen besetzt sind die innere Logik des Stellenwertsystems nicht erarbeitet werden. In der modernen werden auch diejenigen Schüler berücksichtigt deren Versagen unangemessene Beschulung mangelnde Motivation und andere nicht-kognitive zurückgeführt werden kann da auch sie meist Defizite in Mathematik aufweisen.

Sind bestimmte Bedingungen des Lernens nicht erfüllt müssen diese vorab hergestellt Treten bei Schülern Anzeichen für außermathematische Beeinträchtigungen wie zum Beispiel erhebliche psychische Probleme gravierende sprachliche Defizite oder anderes ein diagnostisches oder lerntherapeutisches Gespräch unmöglich macht dringend die Hilfe anderer Fachkräfte angeraten. Dies den mathematischen Lernprozess jedoch nicht ersetzen. Bei diagnostizierten kognitiven Defiziten im rechnerischen Denken ist hier anschließend beziehungsweise begleitend eine angemessene mathematische nötig.

Qualitative Diagnostik

Für eine gezielte Hilfe müssen die des Kindes genau untersucht werden. Die Methode Diagnostik von Rechenschwäche beruht grundsätzlich auf einem subjektiver Rechenleistungen und objektiver Anforderungen des mathematischen in verschiedenen Zusammenhängen. Hierfür gibt es eine von standardisierten Tests . Diese Tests haben jedoch den Mangel sie rein ergebnisorientiert sind das heißt sie die Fehleranalyse in hohem Maße ein indem lediglich richtige von falschen Ergebnissen selektieren anschließend und die so gewonnene Quote einem feststehenden unterwerfen. Konkretistische Rechentechniken bleiben dabei gänzlich unbewertet. Diagnosen sind im Kern wie Klassenarbeiten und insbesondere den Anforderungen einer auf lerntherapeutische Intervention Testung nicht.

Überwinden lässt sich der genannte Mangel eine qualitative Fehleranalyse und eine qualitative Beurteilung Rechentechniken. An der Humboldt-Universität zu Berlin wurde zum Beispiel das informelle Testverfahren QUADRIGA (Qualitative Rechenschwäche im Grundlagenbereich Arithmetik ) entwickelt. Dieses baut im Wesentlichen auf Methode des „lauten Denkens“ auf. Hier gibt Proband Auskunft über seine Rechenwege und gegebenfalls konkretistischen Techniken so dass sich subjektive (falsche umständliche) Algorithmen und begriffslose Lösungswege ermitteln lassen. den angewandten Rechentechniken und den subjektiven Algorithmen sich – verglichen mit dem mathematisch sachlogischen – Rückschlüsse auf das Verständnis mathematischer Inhalte Operationen erzielen. Dadurch werden Lerndefizite (hier spezielle um mathematische Abstraktionen sowie unlogische Verfahrenstechniken: Zählen Rechnen) sichtbar und die Systematik der Rechenfehler sich aufschlüsseln und erklären.

Neben die Interview -Technik des „lauten Denkens“ sollten noch die von Mimik Gestik und Körpersprache treten die Rückschlüsse darüber zulassen ob Kommentare der Probanden die wirkliche Vorgehensweise treffen. kommt die Methode die die „Beobachtung des Handelns mit mathematisch strukturierten Veranschaulichungsmitteln“ genannt wird. verbirgt sich eine qualitative Analyse der Handlungstechniken der konkret-handelnden Ebene. Rechenschwäche lässt sich häufig auf der Handlungsebene als apraktische Umgangsform mit nachweisen.

Auf diese Weise entsteht eine differenzierte Profilierung der Rechenschwäche was insbesondere für die von größter Bedeutung ist. Die Therapie kann dort ansetzen wo die mathematischen Probleme des beginnen.

Integrierte Lerntherapie

Rechenschwache Kinder benötigen individuelle Hilfe. Ein Schulunterricht wie auch klassischer Förder- oder Nachhilfeunterricht kann bei rechenschwachen Schülern nicht zum führen wenn standardisierte auf eine Gruppe bezogene zum Einsatz kommen und nicht an der Lernausgangslage angeknüpft wird.

Eine integrative Lernintervention berücksichtigt die spezifische des Schülers indem sie kein einheitliches Programm sondern in Form einer integrativen Lerntherapie ein individuelles Bedarfsprogramm von Maßnahmen erstellt. nach den individuell ausgeprägten Eigenarten und Störungen Lernprozesses sowie der subjektiven Verarbeitung der Leistungsschwäche entsprechende Lehr- und Lernformen gewählt und aktuell Als angemessene Therapieform hat sich hierfür deshalb Einzel- und Doppeltherapie herausgebildet.

In der Mathematik bauen Lerninhalte sachlogisch streng aufeinander auf. muss daher abgesichert sein dass der Schüler Argumentation auch für kleinste Schritte nachvollzogen hat. ist die zentrale Interventionsform der therapeutische Lerndialog dem Schüler. Diesen zu führen ist die eines mathematisch und pädagogisch-psychologisch ausgebildeten Lerntherapeuten für der die Grundlagen der Mathematik individuell differenziert darlegen kann.

Eine in die Lerntherapie integrierte Verlaufsdiagnostik sichert die Lernfortschritte sodass angepasste Lernschritte systematisch die Defizite im Lernstoff werden können. Damit stiftet die Therapie von an ein begründetes und wachsendes Vertrauen der in ihr neu erworbenes Wissen und ihre

Prävention

Bereits in den ersten beiden Klassen vorbeugende Hilfe in einem präventiven Sinne möglich. Die elementaren Grundlagen des mathematischen Begreifens werden in den ersten beiden geschaffen. Daher kommt den allerersten Lernschritten eine Bedeutung zu.

Das Feststellen eines mangelnden oder fehlenden Fundaments des mathematischen Verstehens beim Kind kann erst nach dem Durchlaufen dieser ersten Lernschritte werden. Sinnvoll ist eine Diagnose der Rechenschwäche frühestens ab Mitte des zweiten Schuljahres durchführbar.

Um schon im Vorfeld die Ausbildung möglicherweise drohenden Rechenschwäche zu verhindern bieten sich Instrumente der Lernbegleitung an. Bei ersten Anhaltspunkten einen gestörten mathematischen Lernprozess sollte eine sogenannte Präventionsdiagnose durchgeführt werden mit Hilfe derer die des aktuellen Schulstoffs in den ersten beiden – simultan zur Vermittlung – sowie die der pränumerischen Abstraktionsleistungen im Sinne Piagets ( Invarianz ) untersucht werden kann. Bei Verdacht auf künftige Ausbildung einer Rechenschwäche kann dann eine lerntherapeutische Frühbegleitung als Präventionsmaßnahme eingeleitet werden.

Siehe auch: Legasthenie Zahlenanalphabetismus

Literatur

  • Gaidoschik M.: Rechenschwäche – Dyskalkulie. Eine Einführung für LehrerInnen und Eltern Horneburg (Persen) ISBN 3-89358-899-X
  • Lorenz J.-H.: Lernschschwache Rechner fördern Berlin 2003 ISBN 3-589-05072-1
  • Brühl H.; Bussebaum C.; Hoffmann W.; H.-J.; Schneider M.; Wehrmann M.: Rechenschwäche/Dyskalkulie. Symptome Früherkennung – Förderung Osnabrück (Zentrum für angewandte 2003 ISBN 3-00-011276-6
  • Röhrig R.: Mathematik mangelhaft: Fehler entdecken erkennen Lösungen finden; Arithmasthenie/Dyskalkulie: Neue Wege beim Reinbek (Rowohlt) 1996 ISBN 3-499-19725-1
  • Schulz A.: Lernschwierigkeiten im Mathematikunterricht der paetec 2001 ISBN 3895177601
  • Literaturliste vom Arbeitskreis des Zentrums für angewandte (Osnabrück)
  • Literaturliste vom Institut für Mathematisches Lernens (Braunschweig)
  • Literaturliste vom Mathematischen Institut zur Behandlung der (München)
  • Literaturliste vom Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche
  • Literaturliste vom Institut zur Behandlung von Rechenschwächen

Weblinks




Bücher zum Thema Dyskalkulie

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Dyskalkulie.html">Dyskalkulie </a>