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Einsamkeit


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Der Begriff Einsamkeit bezeichnet die Empfindung von anderen Menschen und abgeschieden zu sein. Die Bewertung dieses kann sehr unterschiedlich ausfallen je nachdem aus Blickwinkel man ihn betrachtet: Während die Sozialwissenschaften in der Einsamkeit schlicht eine Normabweichung einen Mangel erblicken billigen die Geisteswissenschaften der Einsamkeit auch positive Aspekte zu Sinne einer geistigen Erholungsstrategie die notwendig sein um die Gedanken zu ordnen oder Kreativität entwickeln. Ob überhaupt Einsamkeit möglich ist (und ja in welcher Form) ist eine Frage notwendig auch historisch erhellt werden muß. Während früheren Jahrhunderten die Einbindung des Einzelnen in Gemeinschaft eine unhinterfragte Selbstverständlichkeit war hat sich Automatismus im Zuge der Industrialisierung in eine Frage verwandelt die individuell werden kann und beantwortet werden muß. Die von Einsamkeit hat somit den Prozeß der Individualisierung zur Voraussetzung den in seiner radikalen allein die westlichen Industriegesellschaften durchlaufen haben.

Einsamkeit als sozialpsychologische Kategorie

In der Sozialpsychologie wird Einsamkeit entweder als Synonym für soziale Isolation verwendet oder als die Bezeichnung der subjektiven Auffassung an einem Mangel an sozialen zu leiden (unabhängig davon ob ein solcher objektiv nachvollziehbar ist oder nicht). Puls (s. der in seiner Arbeit den Verursachungsprozeß von Isolation nachzeichnet versteht unter Einsamkeit das subjektive sozialer Isolation. Für ihn stellen Einsamkeitsgefühle die zu Depression und negativen Bewältigungsstrategien wie Alkoholismus dar; zudem wirken sie in einer verstärkend auf solche Faktoren ein die die Isolation (als Vorstufe zur Einsamkeit) weiter verfestigen.

Puls zufolge ist ein sog. "interaktives der Einsamkeit" zu beobachten: Ob gewollt oder bilden sich unter dem Einfluß der Einsamkeit Einstellungen Verhaltensweisen und Gefühle heraus die vom Standard abweichen. Beim Versuch eine Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen erweist sich dies als doppelter Hinsicht fatal:

  • Zum einen neigen einsame Personen formal einem selbstbezogenen Kommunikationsstil und gehen in unzureichendem Maße auf kommunikativen Bedürfnisse ihres Gegenübers ein.
  • Zum anderen vertreten sie inhaltlich häufig zum gesellschaftlichen Miteinander die vom Standpunkt der aus betrachtet als destruktiv oder zynisch erscheinen Dies wiederum verhindert daß es im Verlauf Kommunikation zum Aufbau von Sympathie und Attraktion da die hierfür erforderliche Ähnlichkeit in zentralen der Kommunikationspartner nicht gegeben ist.

Einsamkeit in Kunst und Literatur

In der Aufklärung wird Einsamkeit oft positiv gewertet als des Menschen aus dem hektischen Alltag zum geistiger Aktivität und Selbstbesinnung. Die Epoche der Empfindsamkeit und die Romantik sieht im Einsamen mehr den schwermütig-melancholischen seine eigene Innerlichkeit sich zurückziehenden Menschen der den derben Zumutungen einer verständnislosen und oberflächlichen zu entziehen sucht. Gerade durch diesen Rückzug sich aber zugleich die Möglichkeit des aufmerksamen In-sich-Hineinhörens im Dienste der Selbstvergewisserung über das Ich.

Während im 19. Jahrhundert Einsamkeit in Funktion zur Herausbildung des Individuums als wichtige des Einzelnen gegenüber seiner in der älteren vorherrschenden festen Rolleneinbindung gefeiert wird relativiert sich Anfangseuphorie im 20. Jahrhundert in dem die Kehrseite der zunehmenden Individualisierung immer deutlicher sichtbar Die mit zunehmender Individualisierung abnehmende Bindekraft einer Einzelnen zwar einengenden aber zugleich auch schützenden entlastenden Gemeinschaft wird vermehrt als Problem dargestellt. Wichtige dieser wachsenden Skepsis sind Werke von Heinrich Böll oder Wolfgang Borchardt in denen Kriegsheimkehrer Mittelpunkt stehen für die schwer zu entscheiden ob nun das "Gemeinschaftserlebnis" Krieg oder die von Einsamkeit und Leere bei der Heimkehr verheerendere Wirkung auf den Menschen hat. Thomas Mann beschreibt in Doktor Faustus das Leben eines Musikers der durch Hingabe an seine Kunst in immer größere zu seiner Umwelt gerät und schließlich dem anheimfällt.

In der Malerei nimmt vor allem das Werk Edward Hoppers einen herausragenden Rang in Bezug auf Darstellung von Einsamkeit ein. Hopper hat seinen Stil zeitlebens fast unverändert in den Dienst malerischen Schilderung von Alltags- und Landschaftsszenen gestellt thematisch allesamt eng dem Amerika der ersten des 20. Jahrhunderts verhaftet sind und in Pinselführung vom leicht verwischten unscharfen Frühwerk zu präziseren fast photorealistischen aber zugleich im Detail Tableaus fortschreiten. Beherrschendes Motiv sind stets einsame erschöpfte Menschen menschenleere Architektur oft in drückend-heißer Sommeratmosphäre und nahezu leblose Nachtszenen. Berühmte Beispiele "Mädchen an der Nähmaschine" (1921) "House by Railroad" (1925) "Sunday" (1926) "Automat" (1927) "Lighthouse (1927) "The City" (1927) "Hotel Room" (1931) (1940) "Office at Night" (1940) "Nighthawks" (1942) Lobby" (1943) "Summertime" (1943) "Pennsylvania Coal Town" "Sunlight in a Cafeteria" (1958). Die Darstellungen sind durch die vollständige Abwesenheit eines kritischen gar anklagenden Gestus gekennzeichnet; sie zeigen sachlich lakonisch wie Menschen den Bezug zueinander verloren

Literatur

  • Gerhard W. Lauth Peter Viebahn: Soziale Isolierung. Ursachen und Interventionsmöglichkeiten . Weinheim: Psychologie-Verlags-Union 1987
  • Wichard Puls: Soziale Isolation und Einsamkeit. Ansätze zu einer Theorie . Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 1989



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