Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier. Enrico Berlinguer
Enrico Berlinguer (* 25. Mai 1922 in Sassari auf Sardinien † 11. Juni 1984 in Padua ) langjähriger Generalsekretär der Italienischen Kommunistischen Partei Partito Comunista Italiano) führender Vertreter der internationalen Weltbewegung. Am 11. Juni 2004 20. Todestag
Berlinguers Vater entstammte einer sardischen Adelsfamilie katholischer Herkunft war als Advokat tätig zunächst in der Republikanischen Partei Sozialist . Enrico Berlinguer war mit einer praktizierenden verheiratet Vater zweier Töchter und eines Sohnes. trat 1943 der IKP bei und nahm am Widerstandskampf (resistenza) teil. Nach Kriegsende Vorsitzender des Jugendverbandes war er von 1950 bis 1953 des Weltbundes der Demokratischen Jugend. Seit 1945 des Zentralkomitees 1962 ins Sekretariat und ins gewählt stieg er auf dem 13. Parteitag zum Generalsekretär der IKP auf.
In den 70er Jahren wurde Berlinguer allem als Protagonist des von einigen westeuropäischen (derer Italiens Frankreichs und Spaniens der Linkspartei Schwedens u. a.) propagierten sogenannten Eurokommunismus bekannt. Kerngedanke dieser reformistischen Ideologie war eine Regierungszusammenarbeit mit den bürgerlichen die dafür die Aufgabe grundsätzlicher marxistischer und Positionen verlangten. Während Spaniens PCE unter dem späteren Sozialdemokraten Santiago kaum über Deklarationen hinaus kam und die Georges Marchais geführte PCF bald auf Distanz wurde der Eurokommunismus unter Berlinguer fast ein zur beherrschenden Strömung in der IKP.
An der Schwelle zu den 70er war Berlinguer noch bei den revolutionären Massenkämpfen der Industriemetropole Turin der Zentrale des FIAT -Konzerns vor Ort dabei. Die Erfolge trugen wachsenden Masseneinfluss der IKP bei und begründeten hohes Ansehen an der Basis.
Die Wurzeln des Eurokommunismus reichen was den ohnehin raren Untersuchungen meist fehlt bis Ausgang des Zweiten Weltkrieges zurück der die Möglichkeiten des revolutionären erweiterte zugleich der bürgerlichen Ideologie - vor in Gestalt neuer Erscheinungsformen des Revisionismus - das Eindringen nunmehr in die Parteien an der Macht einschließlich der KPdSU ermöglichte. Kurt Gossweiler schreibt in ?Wider Revisionismus? (München 1997) die Antihitlerkoalition habe ?in der Bewegung Illusionen über den Imperialismus genährt; nur der deutsche italienische und Imperialismus seien ?böse? Imperialismen die imperialistischen Bundesgenossen repräsentierten einen ?guten? Imperialismus von dem keine für den Sozialismus mehr ausginge.? (S. 323). Unter Chruschtschow mit dem XX. Parteitag in der KPdSU derartige revisionistische Erscheinungen. Sie führen zum Konflikt der KP Chinas und zu Fehlentwicklungen in den sozialistischen Osteuropas. Es beginnt der Prozess der Gorbatschow Weg an die Macht ebnet der - er nach 1989/90 offen eingesteht schon lange er 1985 KPdSU-Generalsekretär wurde - das Ziel verfolgte sozialdemokratischen Positionen die sozialistischen Gesellschaftsordnungen zu liquidieren eine kapitalistische Restauration durchzusetzen.
In Italien ermöglicht Togliattis ?Wende von Salerno? (Eintritt in die Regierung) einen entscheidenden Beitrag der Resistenza zum über den Faschismus . Es entsteht jedoch die Illusion das mit Kreisen der Großbourgeoisie auch für antifaschistisch-demokratische ihrem sozialen Inhalt nach antiimperialistische Umwandlungen fortsetzen können (wobei die sozialen Ziele zusehends preisgegeben Die IKP beginnt die von der UdSSR den USA betriebene Koexistenz selbst zu praktizieren und wendet sie auch auf die Innenpolitik an. Die selbst Revisionisten bedrängte KPdSU und andere osteuropäische KPs einer offenen Auseinandersetzung mit dem Eurokommunismus aus.
Die IKP war zu Beginn der Jahre mit über zwei Millionen Mitgliedern und 34 Prozent Wählerstimmen die stärkste und politisch KP der kapitalistischen Industriestaaten. Im Parlament belegte mit zirka 34 Prozent und nur knapp Prozent Abstand hinter der Democrazia Cristiana der Regierungspartei den zweiten Platz. Die Verabsolutierung der Erfolge stärkte die sozialdemokratische Strömung die sich Wortführerin des Eurokommunismus durchsetzte.
Während die Reformisten zu dieser Zeit an die Umwandlung in eine sozialdemokratische bzw. Partei dachten setzte Berlinguer unter eurokommunistischen Vorzeichen den Erhalt der revolutionären Potenzen und ihre in der Regierungs-Zusammenarbeit mit der DC. Wenn Basis der Partei sich in den siebziger weitgehend dem reformistischen Kurs unterordnete geschah das Vertrauen darauf dass Berlinguer sich auf diese Positionen stütze.
Hauptziel der IKP wurde der Regierungseintritt zum sogenannten Compromesso storico mit der DC Berlinguer gab vor an Gramscis Definition des Blocks anzuknüpfen. Die Notwendigkeit gegen die nach Sturz Allendes anwachsende faschistische Gefahr (Forderung einer Lösung der kommunistischen Frage) ein breites Bündnis Einschluss auch der DC zu bilden stellte Ausgangspunkt dar. Während es Gramsci jedoch um antifaschistisches Bündnis mit den katholischen Volksmassen unter Hegemonie der Arbeiterklasse ging suchte Berlinguer die mit der DC.
Nach dem sensationellen Sieg zirka 34 bei den Parlamentswahlen 1976 begannen die Verhandlungen einen Regierungseintritt. Die IKP befand sich dazu einer starken Position die sie jedoch nicht Als zweitstärkste Fraktion belegte sie in der 227 Sitze und stellte den Präsidenten im den Stellvertreter. Sieben Kommunisten leiteten Parlamentsausschüsse. In Regionen beteiligte sich die Partei an fast Hälfte der Regierungen. In allen Großstädten von Mailand über Rom bis nach Neapel stellte sie die Mehrheit in den und regierte zusammen mit den Sozialisten. In von 8.068 Städten stellte sie den Bürgermeister in 929 von 2.754 Provinzen den Regierungspräsidenten. Vertretung der IKP und der ISP auf Ebene von den Gemeinden bis zu den entsprach 52 8 Prozent der Wähler.
Nach den Wahlen 1976 begann die die reformistische Konzeption in die Praxis umzusetzen. half der DC die keine Mehrheit besaß die schwere Regierungskrise hinweg indem sie deren im Parlament durch Stimmenthaltung stützte. 1978 stimmte auf der Grundlage eines nun geschlossenen Regierungsabkommens ihren Eintritt in das Kabinett jedoch erst einem späteren zeitlich nicht fixierten Zeitpunkt vorsah die von dem DC-Rechten und USA-Vertrauensmann Giulio geführte große Koalition. Für die in Aussicht Regierungsbeteiligung und das - niemals eingehaltene - gewisse soziale und ökonomische Reformen einzuleiten gab fundamentale Klassenstandpunkte auf. Sie erklärte sich bereit Sparmaßnahmen der Regierung mitzutragen und mäßigend auf Widerstand der Gewerkschaften dagegen einzuwirken. Konkrete Maßnahmen zur Zurückdrängung faschistischen Gefahr fehlten. Damit entzog die IKP ursprünglichen Zielsetzung den Boden und machte sie unrealisierbar. Die Klassenzusammenarbeit mit der DC wurde heftige Proteste nicht nur der IKP-Basis sondern von Teilen des Parteiapparates und darüber hinaus übrigen Linken (Manifesto Proletarische Demokratie Partei der Einheit) durchgesetzt. Der IKP-Vorsitzende Luigi Longo erklärte könne nicht darum gehen das von der beherrschte ?Machtsystem zu verteidigen? sondern das Erbe Resistenza zu wahren.
Neben berechtigter Kritik an sozialistischen Deformierungen der UdSSR und an der Führerrolle der beteiligte die IKP sich an der antikommunistischen gegen die UdSSR. Sie akzeptierte die ?Spielregeln bürgerlichen Demokratie? übernahm das bourgeoise Staatsmodell für sie lediglich eine ?demokratische Transformation? forderte anerkannte kapitalistische Wirtschaftssystem und proklamierte einen eigenen ?Weg Sozialismus?. Den Gipfel des Revisionismus erklomm sie sie nicht nur die Bündnisverpflichtungen Italiens respektierte obendrein bekundete die NATO eigne sich unter bestimmten Voraussetzungen als eines italienischen Weges zum Sozialismus.
Die DC-Rechte sabotierte das Regierungsabkommen ihr und Partner der IKP Aldo Moro fiel Mai 1978 einem von der CIA inszenierten Mordanschlag (bei dem die Roten als Werkzeug benutzt wurden) zum Opfer. Im 1979 erklärte Berlinguer gegen den Widerstand der die trotzdem die Regierungszusammenarbeit fortsetzen wollten den aus der Parlamentskoalition. Der Historische Kompromiss war Statt einer Zurückdrängung der faschistischen Gefahr war zu einer Rechtswende gekommen. Der Einfluss der ging spürbar zurück sie verlor in den Jahren etwa ein Drittel ihrer Mitglieder und Prozent ihrer Wähler.
Wie der Historiker Giorgio Galli in storia del PCI schreibt (Mailand 1993 S. ff.) litt Berlinguer schwer unter der Niederlage die er sich persönlich verantwortlich fühlte was auch in seinem sich verschlechternden Gesundheitszustand ausdrückte. er seine wiederholt geäußerten Rücktrittsabsichten nicht verwirklichte vor allem deshalb weil kein befähigter Nachfolger Stelle war und er eine tiefergehende Sozialdemokratisierung Partei befürchtete. Die Entwicklung nach seinem Tod 11. Juni 1984 dem ein Herzinfarkt während er auf einer Kundgebung sprach ging bestätigte seine Besorgnis. Die IKP verfügte keinen Nachfolger seines Formats. Die von ihm bestimmtem Maße gezügelte sozialdemokratische Strömung bekam freie Bereits 1986 leitete sein Nachfolger Alessandro Natta ?reformistische Wende? ein. Auf dem Parteitag im 1989 wurde im Schatten des Gorbatschow-Kurses die Sozialdemokratisierung der Partei verkündet die im Januar 1991 mit der ?Heimkehr zur Sozialdemokratie? genannten der IKP in die sozialdemokratische Linkspartei vorläufig wurde.
Berlinguers Haltung in der Phase des war widersprüchlich. Die Zeitung der Partei der Neugründung (Partito della Rifondazione Comunista) Liberazione schrieb seinem 15. Todestag am 11. Juni 1999 habe den Ausgleich zwischen dem linken und Flügel gesucht sei ein ?Mann der Vermittlung? als solcher ein ?Zentrist gewesen. Man kann davon ausgehen dass er den von Achille (seit 1988 Generalsekretär) eingeschlagenen Weg der Umwandlung IKP in eine sozialdemokratische Linkspartei und der nicht nur der kommunistischen sondern aller sozialistischen nicht gegangen wäre.
Gerhard Feldbauer. Von Mussolini bis Fini. extreme Rechte in Italien. Berlin 1996.
Agenten Terror Staatskomplott. Der Mord an Moro Rote Brigaden und CIA. Köln 2000.
Gerhard Feldbauer Marsch auf Rom. Faschismus Antifaschismus in Italien. Köln 2002.
Berlusconi ein neuer Mussolini? 2. Auflage. 2003.
Gerhard Feldbauer Aldo Moro und die von Christdemokraten und Kommunisten im Italien der Jahre. Essen 2003
Gerhard Feldbauer Zum Opportunismus in der und sozialistischen Bewegung Italiens. Von den Anfängen zur Gegenwart. Erfahrungen für deutsche Kommunisten und Offensiv Hannover Heft I und II Nr. und 8/2003.