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Entfremdung


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1. Entfremdung ist der gesellschaftlich vorangetriebene und unumkehrbare der Aneignung der Natur und ihrer materiellen geistigen Umgestaltung zu Kultur samt der Institutionen die fremdbestimmt wirken sobald sie die beherrschen und sich ihren individuellen und kollektiven entgegenstellen.

2. Als Entfremdung wird auch das und der Steigerung fähige Gefühl der Vereinzelung Abgegrenztheit von allen anderen Lebewesen und Dingen zu dem Menschen aufgrund ihrer Selbstreflexion in Lage sind und das durch psychische Konstrukte überbrücken versucht wird.

Verbindungen zwischen diesen Aspekten bestehen insbesondere der notwendig eingenommen Gegenposition des Menschen zur und der resultierenden Gefühle von Vereinzelung und des einzelnen Menschen von allem anderen.

Begriff und Geschichte

Ursprünglich bezeichnete Entfremdung einerseits juristisch und das Veräußern von etwas z.B. von Besitz Freiheit und andererseits das sich Lösen vom Weltlichen in Vorbereitung auf das Göttliche. In Sinne war der Begriff positiv markiert und das auch bis ins 19. Jahrhundert bis Romantik und dank der an der Antike Klassik. Der Mensch war durch die Götter die allumfassende Endlichkeit des Kosmos eingeordnet. Die der Romantik für das Mittelalter brachte die konnotierte Entfremdung als Kehrseite der Freiheit mit.

Entfremdung konnte aber auch bedeuten Gott zu sein in Körperliches und Sinnliches verstrickt sein und damit den prinzipiell erlösungsbedürftigen Zustand Existenz aufzeigen. Für Luther (1545) und später Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1841) ist das Leben der Heiden Gottesferne Unglaube Unwissenheit und Verblendung das entfremdete In der Bibel im Brief des Paulus die Epheser (4.18) heißt es: "Ihr Verstand verfinstert und sie sind entfremdet dem Leben aus Gott ist durch die Unwissenheit die ihnen ist und durch die Verstockung ihres

Im 17. Jahrhundert bezeichnet Blaise Pascal den Menschen als im unendlichen Weltall entfremdet. Er stehe in der Mitte zwischen und All zwischen unendlichen Extremen die in vereinigt wären. Da man nicht zu einem Extreme kommen könne solle man in der verharren und über diese Abgründe nachdenken. Wie zuvor Augustinus und später Kierkegaard plädierte Blaise Pascal für ein christliches Leben um den die Erbsünde gesetzten Zustand einer entfremdetenWelt am zu begegnen.

In seinem originären juristisch-wirtschaftlichen Sinne gebraucht Jean-Jacques Rousseau den Begriff Entfremdung. Dasmenschliche Individuum ging Naturzustand solitärer Freiheit in die Freiheit selbstgegebener über. Dieses gesellschaftliche Verhältnis verstellte nun die und organischen Beziehungen des Menschen zu seiner zur äußeren Natur und zu seinen Mitmenschen. Vorgang war nach Rousseau unumgänglich und ist

Ende des 18. Jahrhunderts baut W. Wilhelm von Humboldt einen anderen Ansatz auf. Der Mensch in einem Konflikt "durch den Anspruch seines Wesens den Inhalt des Begriffs der Menschheit Person zu schaffen" und durch seine Natur sich aus zu den Gegenständen außer ihm Es komme nun darauf an "daß er dieser Entfremdung nicht sich selbst verliere." [Reinhart in Handbuch philosophischer Grundbegriffe Band I München Alles Nicht-Ich das Fremde ist immer nur Material und Instrumentarium das der Mensch zu Entfaltung gebraucht mit dem er die unendliche zu erfüllen sucht sich die Welt bewohnbar machen. Der Mensch hat unendliche Freiheit in auf endliche erfahrbare Weise unendlichen Welt in er als freies Subjekt nie und nirgends zu Hause sein kann.

Bei Hegel um 1800 ist Entfremdung Selbstentfremdung so Erkenntnis gleich Selbsterkenntnis ist ein Prozess indem Selbst seine Wirklichkeit als durch seine Tätigkeit begreift und sich diese seine Wirklichkeit aneignet. ist also ein höheres Bewusstsein seiner selbst Geist wird im menschlichen Bewusstsein Gegenstand seiner Dabei treten Subjekt als Selbstbewusstsein und Objekt die äußerliche Welt auseinander. Entfremdung ist die des sich selbst Wirklichkeit gebenden Subjekts also Daraus folgt eine sich sukzessiv höherentwickelnde Durchdringung Subjekt und Objekt.

Die Aufhebung der Entfremdung sieht Hegel in der "wahrhaft religiösen Versöhnung mit Wirklichkeit welche diePhilosophie begreift [...] nicht aber Glauben der Flucht aus dem »Reiche der ist." [a.a.O.] "Was der Geist will ist eigenen Begriff erreichen (den Ort an dem theoretisch und praktisch in Harmonie mit dem steht); aber er selbst verdeckt sich denselben stolz und voll Genuß in dieser Entfremdung selbst." [Hegel: Die Vernunft in der Geschichte zitiert nach: Reinhart Maurer in Handbuch philosophischer Band I München 1973]

Ähnlich nur christlich gewendet sieht der F.W.J. Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling 1827 die Entfremdung: "das im Menschen Bewußte und zu sich Gekommene." [Reinhart Maurer Handbuch philosophischer Grundbegriffe Band I München 1973] allem ist es bei Schelling aber auch die Entfremdung von Gott. wird wieder auf den versöhnungsbedürftigenZustand der Welt Vollendung der Schöpfung hingewiesen. Schelling sieht durch menschlichen Bewusstsein einenkosmologisch katastrophalen Fall auf der eingetreten. Hier haben wir die romantisch-historistische Verknüpfung Schöpfungslehre Bewusstseinsphilosophie und theologischer Geschichtsphilosophie.

Für Ludwig Andreas Feuerbach ist Religion nur die Projektion des menschlichen Wesens ein ihm äußerliches fremdes Wesen. Gott ist also das entfremdete Wesen des Feuerbachs Ziel war es die Theologie in Anthropologie aufzulösen. Denn Religion sei eine bloße jenseitige Kompensation der Entfremdung.

Karl Marx gebraucht den Begriff schließlich in einer "weltlichen" Weise: der Arbeiter der seine Kraft produziert nicht für sich selbst und ist der Arbeitsteilung nur ein Glied in der das Arbeitsprodukt wird ihm entfremdet und so er sich auch von seinen Mitmenschen. Im zeige sich das entfremdete Wesen des Daseins die Menschen beherrsche das diese zu allem auch noch anbeteten. Ausgang aus dieser Situation es für Marx nur unter veränderten Besitz- Produktionsverhältnissen. Diese Verwendung nach Marx hat sich Dabei nicht zu vernachlässigen ist aber das von Marx gemeinte schmerzliche Empfinden einesMangels von

Siehe auch Ich-AG

Weltanschaulich weiter geht noch die "existentielle ein endgültiges Zuhause noch nicht gefunden zu [Peter Ehlen in: Walter Brugger (Hrsg.) Philosophisches Freiburg im Breisgau 1976] Dabei handelt es um einen psychologischen Zustand der Dissoziation dessen Bezugspunkt ein Zustand der Vertrautheit des Heimischseins Harmonie und Liebe zu sein scheint. Seit 19. Jahrhundert gibt es den Begriff Entfremdung als medizinisch-psychiatrischen Begriff für Wahnsinn und Irresein.

Entfremdung unter modernen Bedingungen

Für den französischen Soziologen Durkheim kommt aus dem Verlust gesellschaftlicher und religiöser Traditionen für Martin Heidegger ist es die Seinsvergessenheit. Er sieht technischen Humanismus als Grund derEntfremdung er ist selbstentfremdete Teil menschlicher Wesenskräfte geboren aus dem zum Willen zur Macht. Die technisch und durchwirkte Zivilisation in der alles mit allem zusammenhängt und sich dem Einfluss des Einzelnen fasst Martin Heidegger in dem Terminus Gestell zusammen.

Die gesellschaftlichen Mechanismen und Abhängigkeiten werden Ardorno und Horkheimer sehr genau herausgearbeitet. "Radikale heißt radikale Entfremdung." [Adorno/Horkheimer: Dialektik der Aufklährung 2000 S. 58] Es wird klargestellt dass Macht über die Natur mit der Entfremdung der Natur bezahlt wird. Eine Überwindung der ist so also nicht möglich. Gesellschaft und setzen Entfremdung voraus brauchen sie geradezu. Der kann sich der Entfremdung bedingt entziehen indem sich der Gesellschaft entzieht sich auf Geist Kunst konzentriert sich von der Erwerbsarbeit fern Wie Erich Fromm sagen auch Adorno und Max Horkheimer dass die Masse nicht nur durch Arbeitsbedingungen entfremdet ist sieist es auch in Freizeit. Hinsichtlich der Entfremdung gibt es keine von Arbeit und Freizeit mehr. Freizeit ist Vergnügen Konsum Unterhaltung Zerstreuung und dergleichen mehr. Stichwort hierzu ist Kulturindustrie. "Kulturindustrie vermag zum Kultur Kunst der Industrie der Verwertung zu und zum anderen mit genau dieser industriealisierten die Individuen in der Entfremdung zu halten zwar unter dem Beifall des Publikums." [Trebeß Entfremdung und Ästhetik. Stuttgart 2001 S. 150] der Ästhetischen Theorie Adornos wird der Gedanke dass es ohne Entfremdung keine Kunst gäbe ohne Kunst käme es zur totalenEntfremdung. So die Kunst ein Produkt der Entfremdung und Ort der Befreiung von ihr zu gleich. generelle Ohnmacht der Kunst habe sich jedoch deutlichsten im Faschismus erwiesen und erweist sich noch in der Universalität der Warenproduktion die Arbeit und Geld Ergebnis und Ursache von ist. Kunst ist deshalb ohnmächtig weil sie aus der Empirie befreit und so über auch keine Macht hat der Empirie viel die Vormacht lässt. Je weniger sich die der Gesellschaft gegenüberstellt und je mehr sie einbinden lässt affirmativ ist desto eher treibe die Entfremdung sogar noch voran. Kunst unterliege Aporie nach der sie zur Affirmation verkommt sie sich der Gesellschaft öffnet aber harmlos ohne Einfluss bleibt wenn sie sich der entzieht und verschließt. So lässt sich nichts konstatieren als dass Gesellschaft und Kunst mit Entfremdung in ihre je eigene Katastrophe gehen. müsse sich entweder selber abschaffen abgeschafft werden "verzweifelt sich fortsetzen".

Kunst könne also nicht Macht gegen sein könne aber "Bewußtsein des anderen sein selbstverdinglichte zum Produkt geronnen Realität." [Trebeß A.: und Ästhetik. Stuttgart 2001 S. 162] Sie einen Entwurf eines Lebens ohne Entfremdung darstellen dass sie sich im Bereich der Praxis Kunst stelle das Leiden an der Entfremdung und ermögliche ein individuelles und natürliches Verwirklichen. Verwirklichen der Individuen und auch das der sei in der Gesellschaft unterdrückt dagegen protestiere Kunst und sei dadurch Entwurf des Besseren Glücks der Wahrheit des Nutzlosen. Kunst sei Aushalten der Entfremdung - ein Standpunkt der an den der Kunst als Religionsersatz erinnert.

Arnold Gehlen spricht vom Vorteil moderner "eine rein kunstbezogene Einstellung des Betrachters zu [Gehlem Arnold: Zeitbilder Frankfurt a. M. Bonn S. 201] Für Selbstverwirklichung sei in der ohnehin kaum Platz. Die Reflexion kommt in Kunst an das Strömen ist vorbei es das Denken. Die Entfremdung hält Einzug in Kunst. In der Malerei könne man sehen sich ein sehr alter Kulturbereich von innen umgestaltet um sich den Lebensgesetzen der voll Industriegesellschaft einzufügen". [Gehlen Arnold:Zeitbilder Frankfurt a. M. 1965 S. 222] Diese kühl imprägnierte Kunst Emotion abzuweisen scheint lege den Focus auf Technik auf die Machbarkeit und Methode während Ergebnisse keine Wichtigkeit mehr erreichten. Eine "Drehung eigengenügsamen Entfaltung des Machbaren ist [...] unübersehbar." Arnold: Zeitbilder Frankfurt a. M. Bonn 1965 190]

So wie Adorno Entfremdung gebraucht Gehlen Entlastung synonym für Der euphemistische Beiklang ist nichtganz zufällig: Gehlen die Entfremdung die er durchaus überall erkennt den Menschen entlastend. Adorno und Gehlen sind sich in diesem nicht so fern nur wenn es auf Wertung ankommt kann Adorno diesesverhältnismäßig positive Moment der Entlastung nicht Im gesamten Kontext des Entfremdungsbegriffes dürfte es sein dass ein Leben ohne Kultur für nicht in Frage kommt und Kultur sofort nach sich zieht. Diese Entfremdung ist immer Entlastung das Ausklammern der abgründigen existenzialistischen Fragen Ängste aus seinem täglichen Erleben macht einen frei für das tätige praktische Leben.

Nicht einmal die Kulturindustrie mag Gehlen Es mutet an als wolle Gehlen Adornos an der Kulturindustrieeinfach vom Tisch wischen wenn schreibt: "Dieser marktbezogenen Großorganisation die an die des gesellschaftlichen Auftrages trat ist es zu daß die Künstler leben können und die am Leben bleibt." [Gehlen Arnold: Zeitbilder Frankfurt M. Bonn 1965 S. 208] Gehlen plädiert sowieso für ein fortgesetztesEntfremden auf allen Ebenen allen Mitteln. Abstufungen der Grade von Entfremdung es für ihn nicht zu geben. Daraus auch klar dass es in der Kultur Ziel der Entfremdung zu widerstehen für Gehlen nicht geben kann nicht für die Philosophie die Wissenschaft schon gar nicht und nicht für die Kunst.

Das Aushalten und der Widerstand gegen Entfremdung durch das Subjekt wie das bei Adorno beschrieben wird istfür Baudrilliard wiederum die Möglichkeit überhaupt noch Subjekt zu sein und Identität zu bewahren. Das heißt andersherum: "Subjektivität Entfremdung." [Trebeß A.: Entfremdung und Ästhetik. Stuttgart S. 192] So kommt es dazu daß einen Verlust der Entfremdung zu Gunsten der der Zersplitterung und des Verlöschens des Einzelnen Wenn die Entfremdung noch ein Leiden an provozierte das Problem der menschlichen Existenz stellte verschwinde dieses Leiden und Existieren in der Vernetzung durch Kommunikation. Befriedigt wird aber festgestellt letztlich doch ein Gefühl der Entfremdung bleibe. wird hier auch nicht mehr gesagt als bei Fromm der durch eine "profane" Entfremdung Zerstreuung usw.) die existenzielle Entfremdung verstellt sah hier den Schnittpunkt dieser beiden Entfremdungsbegriffe offen Dieser Schnittpunkt scheint ein wichtiger Punkt zu Hier liegt die Entfremdung im Zustand ihrer vor.

Ausblick

Was Entfremdung betrifft scheint in der Philosophie nur gewiss zu sein dass man gegenüber machtlos ist. Ganz klar kann man bei Adorno erkennen bei dem die Entfremdung das Leben der Menschen wie eineSchicksalsmacht übermannt. Und scheinbar positiv gewendet findet man den Begriff Gehlen der zwar das was andere Entfremdung Uneigentlichkeit nennen Entlastung nennt der aber die die das unendliche Ausdehnen dieser Entlastung bedeutet nur hinnehmen kann.

Zu überlegen wäre ob man Entfremdung nach ihrem Grade und ihren Folgen differenzieren Die Entlastung des Menschen die die Naturunterwerfung sich brachte ist eben so wenig zu wie die globale Zerstörung und auch die Psychen. Ein Zurückdrehen dieser Prozesse ist unmöglich. kann sich als Individuum sicherlich mehr oder stark "von sich selbst" entfremden d.h. man mehr oder weniger darauf achten dass man nicht allen "Zerstreuungsinstitutionen" wie Konsum Medien und unterwirft man kann mehr oder weniger darauf eine Selbstverwirklichung anzustreben so sehr es richtig mag dass sich nicht ein jeder selbst können wird.

Siehe auch: Triebverzicht




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