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Enzyklopädiekritik


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Als Enzyklopädiekritik bezeichnet man zusammenfassend Ansätze die entweder Vorhaben der Enzyklopädie an sich grundsätzlich in Frage stellen in der Enzyklopädik konkrete Einzelaspekte kritisieren.

Die Enzyklopädiekritik ist eng verwandt mit anderen kritischen der Wissenschaften wie der Wissens- und Wissenschaftskritik sowie Erkenntnis - und Wissenstheorie.

Bert Brecht bringt die Enzyklopädiekritik in einer Miszelle auf den Punkt:

  1. Wem nützt der Satz?
  2. Wem zu nützen gibt er vor?
  3. Zu was fordert er auf?
  4. Welche Praxis entspricht ihm?
  5. Was für Sätze hat er zur Welche Sätze stützen ihn?
  6. In welcher Lage wird er gesprochen? wem?
( Bert Brecht Miszelle Darstellungen von Sätzen in einer neuen Enzyklopädie )

Inhaltsverzeichnis

Ansätze und Beweggründe zur Kritik

Grundlegende Kritik

Die fundamentalste Kritik am Vorhaben der speist sich aus der Tradition des radikalen Skeptizismus der die Möglichkeit von Erkenntnis grundsätzlich in Frage stellt. Jedes enzyklopädische wäre demnach sinnlos da es gar keine Wahrheiten geben kann. Modernere und gemäßigtere Formen Skeptizismus stellen die Erkennismöglichkeit nicht mehr grundsätzlich Frage fordern jedoch die kritische Prüfung von Hypothesen und zweifeln damit die Idee der an als gesichert angesehenes Wissen zu sammeln ohne kritische Diskussion zu präsentieren.

Aus diesem Ansatz entwickelte Pierre Bayle ( 1647 - 1706 ) die Idee einer Art Anti-Enzyklopädie die nicht einen als gesichert bezeichneten und Forschungsstand darstellt sondern gegensätzliche Positionen einander oder sie gegeneinander abwägend gegenüberstellt. In seinem Historique et Critique" ( DHC 2 Bände 1695 / 1696 4 Bände 1702 1820 in 4 bzw. 16 Bänden; dt. Historisches und kritisches Wörterbuch ) unternimmt er eine streng quellenkritische Sichtung theologischen philosophischen und historischen Wissens seiner Zeit; Buch wurde unmittelbar nach Erscheinen von der Zensur verboten. Dennoch findet das Dictionaire seine Leser und wird zur "Bibel Aufklärung" Wilhelm Dilthey spricht sogar von der "Rüstkammer der Paul Michel: "Jeder Meinung gesellt er sofort eine Gegenmeinung um dem Benutzer selbständiges Denken abzunötigen. Die die er in seinen Fussnoten erzeugt führen freilich in die Nähe einer bodenlosen Skepsis." ( [1] ). Die Faktenlabyrinthe die Bayles erschafft bewirken das Gegenteil was eine normale Enzyklopädie versucht:

  • Sie stellen Wissen nicht als gesicherte dar sondern ziehen Fakten in Zweifel;
  • die Verweise auf Quellen machen Fakten kritisier- und überprüfbar;
  • ebenfalls vollkommen atypisch für eine Enzyklopädie die Kultivierung des Stilmittels der Fußnote .

Weitere grundsätzliche Kritik am Vorhaben der speist sich aus Poppers kritischem Rationalismus : Während eine Enzyklopädie versucht Begriffe eindeutig definieren und von anderen Termini abzugrenzen fordert klare Formulierungen dessen was man meint; er den Nutzen einer terminologischen Debatte und fordert eine inhaltliche Auseinandersetzung und das was gemeint Inhaltliche Aussagen sollen nach dem Verständnis des Rationalismus vor allem kritisierbar sein die eher formale Diskussion über "richtige" Definition eines Begriffes hält Popper dagegen kontraproduktiv.

Totalitätsanspruch und Umfang

Ein weiterer grundsätzlicher Kritikpunkt an der bezieht sich auf deren Totalitätsanspruch; traditionell versucht Enzyklopädie "das Wissen der Welt" ( Brockhaus ) oder den Kreis der Wissenschaften ( Artes liberales ) abzubilden; die Enzyklopädiekritik fragt ob dies möglich sein kann und welchen Umfang und Form eine Enzyklopädie haben muss die diesem genügen kann ob also die 24 Bände aktuellen Brockhaus-Enzyklopädie ( 1996 - 1999 ) dafür ausreichen oder die 64 Bände Zedlers Grossem vollständigen Universal Lexicon aller Wissenschaften und welche bishero durch menschlichen Verstand und Witz und verbessert worden ( 1732 - 1754 ) oder gar die 242 Bände von Krünitz' Oeconomische Encyclopädie oder allgemeines System der Land- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung ( 1773 ff.) notwendig sind.

Aktualität und Zeitbezug

Quellen des Wissens

Glaubwürdigkeit der Autoren

Wissensorganisation und Information Retrieval

Der Nutzen einer Enzyklopädie wird durch grundlegende Beschränkung in Frage gestellt dass sich ihr nur finden lässt worüber bereits ein vorhanden ist. Während sich einfache Fragen über Phänomene (z.B. "Wie lang ist der Missisipi?") nachschlagen lassen fehlt zu Informationen über die vagen Vorstellungen bestehen ("In welchem Film war nochmal mit dem lustigen Rätsel über Taubenarten?") Zugang oder die Sprache ("In welchem Stück das berühmte 'ta-ta-ta-taaam' vor?"). In der Regel der Benutzer einer Enzyklopädie zumindest ein relevantes Schlagwort wissen um darunter weitere Informationen nachzuschlagen. Kritik gilt ebenso für die Suchen in Datenbanken .

Eine teilweise Lösung des Problems bieten des Information Retrieval mit denen sich unter anderem große (meist textueller) Informationen mit einer Suchmaschine durchsuchen lassen. Eine weitere Erleichterung verschafft Vernetzung von verwanden Gebieten mittels Hypertext . Durch die Möglichkeit der freien Verlinkung Wissensgebiete nicht mehr alphabetisch oder hierarchisch geordnet sein so dass über verschiedene an die gesuchte Information gelangt werden kann.

Aufbau der einzelnen Artikel

Weitere Ansätze zur Enzyklopädiekritik

Paul Michel stellte einen Katalog von konkreten Gesichtspunkten mit Anlässen und Beweggründen zur in der Vormoderne zusammen:

  1. Widersprüche zwischen einzelnen Wissensinhalten
  2. Auseinanderklaffen von Theorie und Praxis Widersprüche Meinung und Empirie
  3. Auseinanderklaffen von Wissen und Moral
  4. Religiöse Motivation
  5. Irritation durch neue Entdeckungen
  6. Einsicht in den Perspektivismus des Wissens
  7. Ideologieverdacht
  8. Sprachskepsis
  9. Kritik an der Unzulänglichkeit von bestimmten
  10. Grundsätzliche Zweifel an der Systematisierbarkeit des
  11. Unergiebigkeit des syllogistischen Schließens
  12. Annahme einer anthropologischen Schwäche Beschränktheit des Fassungsvermögens bei der Erkennbarkeit der Welt
  13. Argwohn gegenüber einer zu simplen Wissensvermittlung

Weblinks

  • Paul Michel: Nihil scire felicissima vita. und Enzyklopädiekritik in der Vormoderne (PDF-Datei)
  • Paul Michel: Riesig und einäugig. Was ist das für Buch? Alle brauchen es. Niemand liest es. Fragezeichen kommt darin nie vor. ? Lösung: Enzyklopädie. In: Uni Magazin. Die Zeitschrift der Zürich 4/98 [2]

Literatur

  • Pierre Bayle : Dictionaire historique et critique . Edition der Ausgaben Rotterdam 1697 Rotterdam Amsterdam 1734 Amsterdam 1750-1756 engl. Ausg.: London (Archiv der europäischen Lexikographie Abt. 1 : 45). Gesamtedition: 22.065 Seiten auf 287 Mikrofiches Kassette 1998 ISBN 3-89131-343-8
  • Robert K. Merton : Auf den Schultern des Riesen. Ein Leitfaden das Labyrinth der Gelehrsamkeit . Frankfurt am Main: Syndikat 1980.




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