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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 26. Mai 2012 

Erster Mai in Kreuzberg


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Der Erste Mai in Kreuzberg bezeichnet in der Öffentlichkeit allgemein die Ausschreitungen in Berlin-Kreuzberg am Tag der Arbeit .

Speziell bezieht sich der Begriff auch den 1. Mai 1987 als Kreuzberg Schauplatz bisher ungekannter schwerer wurde und sich die Polizei für mehrere Stunden ganz aus SO 36 zurück ziehen musste.

Seitdem wurde der Erste Mai in Kreuzberg zu einem ritualisierten Dauerproblem in diesem Teil Kreuzbergs.

Ausschreitungen nach der 1.-Mai-Demonstration 2001

Inhaltsverzeichnis

Chronologie

Es folgt eine Chronologie des Ersten Mai in Kreuzberg nach Jahren

Vorgeschichte

Schon früher war Kreuzberg für Straßenschlachten (meist) Hausbesetzern und der Polizei bekannt. Es entwickelten sich die Autonomenszene und die häufig unpolitische Punkszene . Am Tag der Arbeit welcher auch als weltweiter Kampftag der Arbeiterklasse bezeichnet wird fand traditionell auf dem Lausitzer Platz ein jährliches Straßenfest der linken Szene Auch in den Jahren vor 1987 kam es hier am Rande zu Ausschreitungen Demonstrationen usw so zum Beispiel 1985 . Diese waren für damalige Kreuzberger Verhältnisse eher „normal“ und wurden von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Die große Erste-Mai-Demonstration in Westberlin war aber immer traditionell Demonstration welche DGB organisiert wurden und mit einer Kundgebung dem Reichstagsgebäude endeten. Diese Demonstrationen verliefen nahezu immer Zwischenfälle.

1987

Der Erste Mai 1987 in Kreuzberg ist ein historisches Datum welches bis die internationale Presse hinein große Wellen schlug die Aufmerksamkeit einer großen Öffentlichkeit auf den (und hier besonders Kreuzberg 36 ) auf sich zog. Seitdem wird Kreuzberg oft als Synonym für die Ereignisse dieses Tages und daraus entstandenen Mythos gesehen der in ritualisierter Form bis heute fortlebt und in Spontanität dennoch berechenbar ist.

Vorgeschichte des 1. Mai 1987

In der linken Szene Berlins gab es 1987 eine beherrschende Kampagne den Volkszählungsboykott ( VoBo ) also die Mobilisierung zum massenweisen Boykott der Volkszählung . Zentrum dieses Widerstandes und der linken allgemein war der Mehringhof (in Kreuzberg 61 ). Dort befand sich das VoBo-Büro . Am 1. Mai wurde dieses Büro um 4:45 Uhr der Polizei aufgebrochen und durchsucht. Auch weitere Räumlichkeiten Mehringhofs wurden aufgebrochen. Als Begründung wurde Gefahr im Verzug vorgebracht.

In SO 36 gab es zu der Zeit zusätzlich Auseinandersetzung um den alternativen Kinderbauernhof nahe der Mauer in der Waldemarstraße. Dieser war damals Berliner Senat in seiner Existenz bedroht was Widerstand der dort engagierten Menschen hervorrief. Auch war ein Projekt der linken Szene .

Es wurde geplant am 1. Mai Straßenfest auf dem Lausitzer Platz eine Spontandemo zum Kinderbauernhof zu formieren. fand auch wie geplant statt – mit Folgen.

Das Straßenfest

Das traditionelle Straßenfest war an diesem Tag völlig friedlich. Angehörige der linken Szene waren aber wütend über die Durchsuchung VoBo-Büros und die Demonstration zum Kinderbauernhof war noch geplant (das war und ist nicht bekannt).

Gegen 16 Uhr „kippte“ die Situation einen unerwarteten Anlass. Die Polizei (welche erstens nicht auf die folgenden vorbereitet war und sich zweitens völlig im hielt) schickte nach dem Anruf eines Anwohners Lausitzer Platzes einen Streifenwagen (einen VW-Bus ) zu ebendiesem Anrufer der sich über Lärm beschwert hatte den dieses Straßenfest verursachte. war zwar angemeldet und auch bekannt dass Bands auf einer Bühne auftreten aber die kam ihrer Aufgabe nach die Beschwerde entgegen nehmen.

Die beiden Beamten parkten ihren Wagen am Lausitzer Platz (Ecke Skalitzer Straße) und zu diesem Anwohner ins Haus. Als sie lag der Wagen auf der Seite. Einige Autonome hatten ihn umgeworfen. Dies gilt allgemein der Auftakt des folgenden Ablaufs aber es trat eine Verzögerung ein. Die Polzei reagierte zunächst nicht direkt auf diese Tat sondern fuhr den Seitenstraßen mit Verstärkung auf was aber den Festbesuchern nicht wahrgenommen wurde.

Einige Zeit später formierte sich an Ecke Lausitzer Platz / Waldemarstraße die Demonstration Kinderbauernhof. Die Atmosphäre war durch die Ereignisse Morgens und durch die Aktion mit dem Polizeiauto zusätzlich diffus. Viele Festbesucher wussten nicht es geht sondern sahen darin nun den zu einer allgemeinen Straßenschlacht.

Der Demonstrationszug war gerade losmarschiert als der nächsten Ecke ein überraschter Mannschaftswagen der heranfuhr. Dieser wurde sofort mit Pflastersteinen beworfen zog sich eilig zurück.

Auf dem Straßenfest bauten die ersten bereits Barrikaden aus ihren Ständen. Das war der Auftakt zu etwas was Westberlin in der Nachkriegszeit in der Form und dieser Gewalt nicht erlebt hat.

Der Aufstand

Die folgenden Ereignisse als Ausschreitungen zu klassifizieren wäre stark untertrieben. Es umstritten ob es sich hierbei um Unruhen aber einen Aufstand gehandelt habe. Durch die historische räumliche bevölkerungsmäßige Dimension ist Aufstand nicht übertrieben (und in den Medien damals auch durchaus so bürgerkriegsähnliche Szenen ). Das einzige was als Kriterium hierfür war der Einsatz von Schusswaffen auf beiden Ansonsten wurden die Auseinandersetzungen auf beiden Seiten ungewöhnlicher Härte geführt wobei sich breite Kreise Bevölkerung von SO 36 und anderen Bezirken beteiligten.

Die Situation war durch den Rückzug Polizei und völlig unerwarteten Barrikadenbau auf dem außer Kontrolle. Hilflos musste die Polizei den SO 36 für mehrere Stunden (ungefähr 6 Stunden) selbst überlassen. Ein beispielloser Gewaltexzess entlud sich zahllosen Geschäften die geplündert wurden. An jeder wurden brennende Barrikaden errichtet.

Um die Situation einzudämmen beschloss der Senat zumindest den BVG -Verkehr nach 36 einzustellen damit kein Nachschub mehr ins Gebiet gelangt. Gleichzeitig gab es weiträumige Straßensperren. konnten den ganzen Abend weitere Westberliner nach gelangen denn die Nachricht verbreitete sich wie Lauffeuer und zog auch viele – unbeteiligte Beobachter an.

Görlitzer Bahnhof

Waren die Ausschreitungen zunächst auf den Lausitzer Platz beschränkt so verlagerte sich die Szene breitete sich auf diverse weitere Plätze und aus. Das erste Geschäft welches geplündert wurde Getränke Hoffmann nahe des Platzes Waldemar- Ecke Manteuffelstraße. sorgte für alkoholischen Nachschub für das Straßenfest „unter veränderten Umständen“ weiter ging.

Nahe des Lauseplatzes befindet sich der Görli (Volksmund für Görlitzer Bahnhof ). Der dortige U-Bahnhof (der Hochbahn ) wurde im Laufe des Abends so zerstört dass es Wochen brauchte bis er in Betrieb genommen werden konnte.

Gegenüber vom U-Bahnof befand sich damals Bolle eine Filiale der Berliner Supermarktkette Bolle. Dieser Supermarkt wurde komplett geplündert danach angezündet. Er brannte in der Nacht aus stürzte ein und wurde nie wieder Er ist das Mahnmal an diesen Tag.

Als Bolle geplündert wurde zog dies besondere Aufmerksamkeit sich. Sogar der Innensenator ließ sich vorfahren um sich das Er wurde von den Akteuren nicht erkannt.

An dieser Plünderung beteiligten sich Menschen allen möglichen Bevölkerungskreisen: Jugendliche Alte Mütter sogar Ähnlich erging es unzähligen weiteren kleinen Läden ausgeraubt wurden. Auch Zigarettenautomaten und Telefonzellen blieben verschont.

Weder Polizei noch Feuerwehr konnten noch

Oranienstraße

Die Oranienstraße ist bekannt dafür dass sich hier linke Szene versammelt wenn es Grund für eine Demonstration gibt. Insbesondere Spontandemos nehmen von ihr Ausgang. Bekannt sind hierfür drei Punkte:

Oft auch der nahe Platz:

Diese vier Punkte spielen auch heute in der Strategie und Taktik sowohl der Polizei als auch der Demonstranten eine wichtige Rolle.

Am Abend des Ersten Mai 1987 in Kreuzberg war rings um die Oranienstraße ein Zentrum der Auseinandersetzungen. Auch hier wurden wahllos Geschäfte geplündert. Auch der Supermarkt Plus am Oranienplatz wurde ausgeraubt. Allerdings wurde nicht angezündet zumal sich darüber noch vier Wohnungen befinden. Das war bei Bolle anders: Er war ein isolierter Flachbau das angrenzende Wohnhaus durch eine Brandmauer geschützt.

An jeder Ecke der Oranienstraße brannten Barrikaden welche nur Stunden später mit Räumpanzern Wasserwerfern entfernt werden konnten. Diese Barrikaden wurden von Steinewerfern verteidigt. Auch Molotow-Cocktails kamen zum Einsatz. Auch hier war Beteiligung keineswegs auf die Autonomenszene beschränkt.

Neben den Plünderungen der kleinen Geschäfte eine andere Tat am Heinrichplatz die sinnlose Gewalt: Ein Rüstwagen der Berliner Feuerwehr der einen Brand der Straße löschen wollte wurde von Steinewerfen so dass die Besatzung fliehen musste. Der Wagen wurde angezündet und brannte aus. Neben brennenden Bolle am Görli ging dieses Bild um die Welt.

Ende

Die Rückeroberung von Kreuzberg 36 durch die Polizei wurde durch zwei begünstigt: Alkohol und Müdigkeit. Durch die Plünderungen Getränkeregale waren die meisten Akteure volltrunken.

Gegen 2:00 Uhr nachts am 2. Mai 1987 war die Gegenoffensive erfolgreich. Das durch Weitläufigkeit für die Aufständischen schwierig zu haltende des Kottbusser Tors konnte ebenso eingenommen werden wie dann Adalbert- und Oranienstraße . Auch der Widerstand am Görlitzer Bahnhof und dem Lausitzer Platz brach allmählich zusammen.

Die noch verbleibenden Randalierer flohen. Eine Anzahl wurde auch verhaftet.

Norbert Kubat

Norbert Kubat war der Name eines kurze Zeit zuvor nach Westberlin emigrierten ehemaligen DDR-Bürgers der im Zusammenhang mit dem Ersten Mai 1987 in Kreuzberg bekannt wurde. Am Morgen des 2. Mai wurde der stark angetrunkene Kubat der Zuschauer bei den Krawallen anwesend war beim auf der Skalitzer Straße von Zivilfahndern der Polizei mitgenommen. Er erzählte ihnen von den die er miterlebt hatte.

Er wurde festgenommen und landet in Untersuchungshaft . Ihm drohte mit eine Haftstrafe wegen Landfriedensbruchs . Eine Haftverschonung wurde abgelehnt.

Am 26. Mai des Jahres beging Norbert Kubat in Zelle Selbstmord .

Am ersten Jahrestag seines Todes dem Mai 1988 wurde in Berlin das Lenné-Dreieck besetzt in "Kubat-Dreieck" umbenannt bis es am 1. Juli des Jahres von der Polizei geräumt

Spätere Jahre

Seit 1987 kommt es an jedem Mai zu Demonstrationen mit schweren Ausschreitungen in Während viele Teilnehmer politische Motive für ihre nennen sehen manche unbeteiligte Beobachter in diesen insbesondere seit den 1990er Jahren eher eine Traditionsveranstaltung die unreflektiert Jahr wieder auf die gleiche Art abläuft einige Parallelen zu manchen Ausschreitungen beim Fußball Hooligans aufweist.

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