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Gymnastik


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Bitte beachten Sie dass diese Information aus Jahre 1888 stammt. Sie könnte inzwischen veraltet -- Meyers Konversationslexikon

Gymnastik (griech. von gymnázein "üben turnen") die der Leibesübungen so genannt weil derartige Übungen den Griechen nackt (gymnós) angestellt wurden. Das bezeichnet nun erstens das wissenschaftlich begründete und ausgebildete System der Pflege Stärkung und Übung Körperkräfte zweitens auch die angestellte Übung selbst. die Gymnastik ihren Zweck auf die allgemeine gleichmäßige Ausbildung des Körpers richtet unterscheidet sie von der Athletik welche den Körper durch Übungen zu einzelnen hervorragenden Leistungen geschickt machen und von der Agonistik welche bei ihren Übungen vorzugsweise das in Wettkämpfen im Auge hat.

Der Ruhm die Gymnastik zuerst als aufgefasst zu haben welche nach bestimmten Regeln ganzen Körper zur höchsten Vollkommenheit bilden will den Griechen ; die Leibesübungen früherer Völker namentlich der Perser waren nur auf die Aneignung bestimmter gerichtet. Die Griechen aber welche in der der Vereinigung einer edlen Seele mit einem schönen Körper das Ideal Menschen sahen erachteten die Bildung des Körpers nicht minder wichtig als die der Seele hielten es zu Homers Zeiten für beschimpfend in der Gymnastik erfahren zu sein.

Später wurde die Gymnastik deren Schutzgötter Herakles und Hermes waren zur Staatseinrichtung gemacht und ihr durch genaue Gesetze geregelt; dem freien Bürger war sie die notwendige Vorschule für Kriegsdienst zu dem er verpflichtet war dem Sklaven verboten. In Sparta wurden sogar die Mädchen zu gymnastischen und demgemäß auch zu Wettkämpfen herangezogen. Aber bloß einen wichtigen (in Sparta sogar den Teil in der Erziehung des jungen Geschlechts die Gymnastik auch die freien und in Hinsicht unabhängigen Männer übten sich bis in Alter in den Turnschulen erhielten sich dadurch Rüstigkeit des Körpers und waren sich ihres vor dem über seine Arbeit gebückten Handwerksmann bewußt.

Auch darf der belebende Einfluss nicht werden welchen die plastische Kunst der Griechen der Gymnastik empfangen hat. In den Ringschulen Gymnasien boten sich durch keine Kleidung verhüllt schönsten Körper in den verschiedensten Stellungen den zum Studium dar; jedes Glied jeder Muskel da in ihrer Kraftäußerung studiert werden so ohne Zweifel außer der den Griechen eignen für die Kunst und dem Institut der nichts so viel zur Blüte der griechischen beigetragen hat wie die öffentlich getriebene Gymnastik. war der heutigen Turnkunst verwandt und doch wieder weit von verschieden.

Der feste Standort auf dem bei alle Übungen stattfanden war der Erdboden und bediente sich dabei so gut wie keines die moderne Turnkunst hat entsprechend den Anforderungen Lebens welches bei den gewaltigen Hochbauten oft auf hohen Gerüsten sichere Bewegungen verlangt die Geräte in die Übungssäle eingeführt. Die einfachen doch in ihrer weisen Verbindung alle Glieder Körpers gleichmäßig ausbildenden Übungen der Griechen waren: Hoch- Tief- und Weitsprung letzterer mit Halteren ausgeführt der Speerwurf Schnelllauf (siehe Dromos) das Diskoswerfen der Ringkampf Pale ). Diese fünf Übungen faßte man zusammen dem Namen des Pentathlon; dieselben fanden für Knaben in der Palästra statt als Bahn das Laufen diente der Dromos; Jünglinge und besuchten das Palästra und Dromos vereinigende Gymnasium .

Von öffentlichen Lehrern der Gymnastik in wissen wir nichts vielmehr übten sich die in den Palästren unter den Augen und den Weisungen der zuschauenden Bürger; vom Staat Gymnasiarchen auch Pädonomen und Kosmeten genannt führten Oberaufsicht. Häufig aber auch vereinigte ein Privatlehrer die Kinder mehrerer Eltern und lehrte das nur planlos Geübte in methodischer Folge.

Eine weitere Ausbildung gaben noch die Die Übungen geschahen wie schon erwähnt ist Vor denselben wurde der Körper mit Öl um die Glieder elastisch zu machen und zu starkem Schwitzen zu bewahren. Vor dem dagegen bestäubte man sich wieder mit Sand dem Gegner das Festhalten zu erleichtern. Nach Übungen gaben große Bassins und Wannen Gelegenheit Reinigung des Körpers in warmen und kalten wobei man sich um die Haut von Schweiß und Sand zu befreien des Striegels

Nach dem Bad wurde eine Einreibung Körpers von besonders sachverständigen Männern den Aleipten und dabei der Körper ähnlich wie es noch in türkischen Bädern geschieht gewissen Reibungen Reckungen unterworfen um die Gesundheit zu kräftigen. auch die Teile des Pentathlon die Hauptübungen den griechischen Palästren und Gymnasien bildeten so sie doch nicht die einzigen. Bei dem wurde das Schwimmen fleißig geübt und zu Vollkommenheit gebracht in mehreren Staaten kam noch Bogenschießen und Schleudern hinzu; vor allem aber seit den Zeiten Homers das Ballspiel in verschiedensten Arten jung und alt.

Über den hier zu erwähnenden Waffentanz Alten (siehe Pyrrhiche). Nicht sowohl zur Gymnastik in das Gebiet der Athletik gehörten die im Faustkampf (siehe Pygme) und im Pankration obwohl sie später als die Einsicht das wahre Wesen der Gymnastik immer mehr mit Ausnahme von Sparta allgemeine Aufnahme in Gymnasien fanden. Durchaus aber wurde zur Gymnastik die allerdings nur den reichen Jünglingen und zugängliche Kunst des Wagenführens und Wettreitens. Für Übungen war der Hippodromos bestimmt. Schon im lesen wir wie der greise Nestor seinem Sohn Antilochos Ratschläge gibt den zwei Rossen bespannten zweiräderigen Streitwagen glücklich um Zielsäule der Rennbahn zu lenken; später fuhr vierspännig. Wenn auch diese Übung nebst dem in nachhomerischer Zeit aufgekommenen Wettreiten für die der Kräfte nicht von großem Einfluss waren zeigten sie sich doch außerordentlich geeignet einen Blick und Geistesgegenwart zu verleihen.

Mit der Auffassung dass die Gymnastik Ausbildung des Korpers zum einzigen Zweck habe das Wettkämpfen an den Festen der Götter in Widerspruch. Galt es doch hier zu wie weit man es in allen Künsten sich für einen freien Mann schickten gebracht (Näheres hierüber siehe die Artikel über die Pythischen und Isthmischen Spiele.) Hier nur noch viel dass schon 720 v. Chr. bei den Olympischen Spielen der Schurz welchem die Kämpfer bis dahin noch bekleidet abgeschafft wurde und dass die gymnastischen Übungen einzeln zum Wettbewerb freigegeben wurden sondern nur ihrer Vereinigung zum Pentathlon.

  
Das Sinken der edlen Gymnastik geschah mit dem Verfall der politischen Größe Griechenlands etwa seit dem Ende des Peloponnesischen Kriegs: der Freude an den politischen Verhältnissen sank das Interesse an dieser hervorragend politischen Institution; rohe Athletik gewann in den Gymnasien wie den Festspielen immer mehr die Oberhand.

Nach Rom kam die Gymnastik mit der Unterwerfung 146 v. Chr. vielfach geübt von den jungen Römern geschätzt und geradezu gemißbilligt von den Männern alten Zeit. Denn dem alten Römer welchem weniger um Ausbildung der Körperschönheit als um zu thun war und der im Krieg durch stürmischen Angriff den Feind zum Weichen bringen sondern durch lange Märsche zu ermüden dann im harten Kamps zu schlagen pflegte die rauhe Feldarbeit nebst Reilen und Schwimmen der bessere Weg als die Übungen der Dergleichen erschien ihm vielmehr als Verweichlichung. Allmählich fand die Gymnastik auch bei den Römern ohne indes dieselbe Bedeutung für das Volksleben erhalten wie in Griechenland. Die Stelle der Wettkämpfe vertraten bei ihnen Gladiatoren- und circensische

Auch die altgermanischen Völker pflegten die eifrig wenn auch in kunstloserer Weise. Bei und Tacitus lesen wir von den außerordentlichen der germanischen Jünglinge im Laufen und Springen; den Mähnen oder Schweifen der Rosse sich und nach den Umständen sich auf- und erschienen und verschwanden sie mit der Schnelligkeit und ein Teutoboch schwang sich über mehrere hinweg. Tacitus erwähnt den Waffentanz nackter Jünglinge zwischen scharfen Spitzen der Schwerter und Lanzen. Aus Zeit ist bemerkenswert der Wettkampf Gunthers und im 7. Gesang des Nibelungenliedes welcher außer dem Speerkampf auch den mit einem Stein und den Weitsprung umfaßt.

Ein Wettlauf zwischen Siegfried und Hagen gab Gelegenheit zur Ermordung des erstern. weitglänzendere Periode der germanischen Gymnastik beginnt in christlich-germanischen Zeit nachdem auf den Trümmern des neue Staaten und Gemeinwesen erstanden waren. Der König Heinrich I. war der Stifter jener Kampfspiele der Turniere die zugleich ein Erzeugnis ein wirksames Beförderungsmittel ritterlicher Mannhaftigkeit und Tüchtigkeit christlichen Mittelalter eine ähnliche Stellung und Bedeutung beanspruchen die gymnastischen Spiele im hellenischen Altertum (siehe Turnier ).

Als das Ritterwesen allmählich in Verfall traten minder ernste Wettspiele die sogen. Karusselle ihre Stelle die aber nicht sowohl kriegerische als Reiterkünste zur Anschauung bringen sollten. Obwohl ausschließlich der bevorzugte Adel und das Patriziat bedeutendern Reichsstädte an den eben genannten Spielen beteiligten so entbehrten doch auch die niedern Kleinbürger und Bauern der mit gymnastischen Leistungen Ringen Lausen Werfen Klettern etc.) verknüpften Festlichkeiten Nachdem aber der Gebrauch des Schießpulvers die Kriegführung ganz umgestaltet hatte kamen ritterlich-gymnastischen Übungen und Spiele die ihre Bedeutung Vorbereitungen zum ernsten Krieg und als Nachahmungen verloren hatten mehr und mehr außer Gebrauch.

Nur einzelne Überreste der alten ritterlichen erhielten sich in manchen Kreisen und wurden durch die Einwirkung der Mode teils zu der persönlichen. Ehre und Tüchtigkeit kunstgerecht ausgebildet die Fechtkunst. Andres bestand deshalb fort weil ganz abgesehen vom Kampf entweder sonstigen Bedürfnissen auch dem Vergnügen diente so namentlich das (aus dessen Vorübungen sich das besonders auf Universitäten und Kriegsschulen geübte Voltigieren d. h. an einem nachgebildeten Pferd oder auch an Tisch entwickelte) das Tanzen Schlittschuhlaufen Schwimmen Rudern das Ballspiel etc. Noch andres so z.B. Vogel- und Scheibenschießen mit Büchse und Armbrust Sackhüpfen das Mastklettern das Faulstkämpfen auf beweglichen das Wettlaufen und Wettrennen das Werfen in Weite und nach einem Ziel etc. hat im Anschluß an Volksfeste zum Teil bis den heutigen Tag erhalten.

Die Geschichte der Wiederbelebung der Gymnastik einer allseitigen systematischen weder von zufälliger Gelegenheit noch im Dienst einzelner körperlicher Fähigkeiten stehenden nur einzelnen Kreisen zugänglichen Leibesbildung ist die der Gymnastik in ihrer deutschnationalen Entwickelung der Turnkunst .

Siehe auch: Heilgymnastik Zimmergymnastik Gymnaestrada

Aus der zahlreichen auf Gymnastik und sich beziehenden Literatur möge hier erwähnt werden:

  • Krause Die Gymnastik und Agonistik der (Leipz. 1840-41 2 Bde.)
  • Iäger Die Gymnastik der Hellenen (Eßling. neue Bearbeitung Stuttg. 1881)
  • Fr. Jacobs Vermischte Schriften Bd. 3 8 (Leipz. 1823-44)
  • Pinder Über den Faustkampf der Hellenen 1867)
  • K. F. Her-mann Lehrbuch der griechischen (neue Bearbeitung von Blümner Bd. 4 Freiburg
  • Bintz Die Gymnastik der Hellenen (Gütersloh mit ausführlichem Nachweis der Litteratur).




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