Heine war zugleich romantischer Dichter und der Romantik . Er machte die Alltagssprache " lyrikfähig " erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und der deutschen Sprache eine selten gekannte stilistische Leichtigkeit und Als kritischer politisch engagierter Journalist Essayist Satiriker und Polemiker war er ebenso bewundert wie gefürchtet. gehört zu den meistübersetzten Dichtern deutscher Sprache.
"Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön wenn man in der Ferne an sie und zufällig dort geboren ist wird einem zu Mute. Ich bin dort geboren und ist mir als müsste ich gleich nach gehn. Und wenn ich sage nach Hause dann meine ich die Bolkerstraße und das worin ich geboren bin" schreibt Heinrich Heine 1827 in Ideen. Das Buch Le Grand .
Während der Dichter über seinen Geburtsort Zweifel aufkommen lässt macht er in späteren ein kleines Geheimnis um sein sein genaues wohl um zwei Jahre jünger zu erscheinen. zeitgenössischen Akten die genaue Auskunft geben könnten im Laufe der letzten 200 Jahre verloren Nach heutigem Forschungsstand gilt aber als gesichert Harry Heine - so sein Geburtsname - 13. Dezember 1797 zur Welt kam.
Harry ist das älteste von vier des Tuchhändlers Samson Heine und seiner Frau (eigentlich: Peira) geborene van Geldern. Er wächst einem aufgeklärten weitgehend assimilierten jüdischen Elternhaus auf und besucht das von spätaufklärerischem Geist geprägte Düsseldorfer Lyzeum. Schon als Schüler schreibt Harry Gedichte. 1814 verlässt er ohne Abgangszeugnis das Lyzeum. Familientradition folgend soll er sich an einer auf einen kaufmännischen Beruf vorbereiten.
In den Jahren 1815 und 1816 arbeitet Harry als Volontär zunächst bei Frankfurter Bankier Rindskopff dann im Bankhaus seines Onkels Salomon Heine in Hamburg . Salomon der im Gegensatz zu seinem Samson geschäftlich höchst erfolgreich ist nimmt sich Neffen an und unterstützt ihn trotz allen für dessen literarische Interessen ("Hätt' er gelernt Rechtes müsst er nicht schreiben Bücher") bis seinem Tod im Jahr 1845 finanziell.
Da Harry weder Neigung noch Talent Geldgeschäfte mitbringt richtet Salomon seinem Neffen schließlich Tuchgeschäft ein. Aber auch "Harry Heine & geht in kürzester Zeit bankrott. Der Inhaber sich schon damals lieber der Dichtkunst. Dem nicht eben zuträglich ist auch Harrys unglückliche zu seiner Kusine Amalie. Die unerwiderte Zuneigung er später in den romantischen Liebesgedichten im Buch der Lieder .
Wieder in Göttingen promoviert Heine 1825 zum Doktor der Rechte. Kurz zuvor er sich protestantisch taufen und nimmt den Heinrich an. Vor seiner Familie versucht er Taufe möglichst geheim zu halten. Religiös eher betrachtet er den Taufschein ohnehin nur als zur europäischen Kultur". Doch trotz seines Übertritts Christentum und aller Bemühungen - unter anderem München - gelingt es ihm in den nicht eine Anstellung im Staatsdienst zu finden. entschließt er sich für damalige Verhältnisse eher seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen.
Heines erste Gedichte sind bereits 1822 erschienen. 1823 folgt Lyrisches Intermezzo bei Julius Campe. Der Hamburger wird zu Heines Tod dessen Verleger bleiben. 1824 erscheint die Sammlung Dreiunddreißig Gedichte darunter Heines in Deutschland wohl populärstes Die Loreley . Im selben Jahr besucht er während Harzreise den von ihm hoch verehrten Johann Wolfgang von Goethe in Weimar . Zwei Jahre zuvor hatte er dem seinen ersten Gedichtband mit einer Widmung zugesandt. Besuch verläuft für Heine aber eher enttäuschend er sich - für sein Naturell eher - befangen und linkisch zeigt und Goethe nur höflich-distanziert begegnet.
Im Jahr 1826 veröffentlicht Heine den Reisebericht Harzreise und im Oktober 1827 seinen bis heute populären Lyrikband Buch der Lieder . Der romantische Ton dieser und späterer trifft den Nerv nicht nur seiner Zeit. wie Im wunderschönen Monat Mai oder Ein Junge liebt ein Mädchen bringt bei Lesern des 21. Jahrhunderts die gleiche Saite zum Schwingen wie den Zeitgenossen Heines.
Im Laufe der Jahre überwindet Heinrich den romantischen Ton aber zusehends indem er ironisch unterläuft und die Stilmittel des romantischen Gedichts auch für Verse Inhalts nutzt. Er selbst nennt sich einen Romantiker". Hier ein Beispiel für die ironische
Das Fräulein stand am Meere
und seufzte lang und bang.
Es rührte sie so sehre
der Sonnenuntergang.
Mein Fräulein! Sein sie munter
das ist ein altes Stück;
hier vorne geht sie unter
und kehrt von hinten zurück.
Heine selbst erlebt das Meer zum Mal in den Jahren 1827 und 1828 auf Reisen nach England und Italien . Seine Eindrücke schildert er in weiteren Reisebildern die er zwischen 1826 und 1831 veröffentlicht. Dazu gehören z. B. der Nordsee und die Werke Die Bäder von Lucca und Ideen. Das Buch Le Grand letzteres ein Bekenntnis zu Napoleon und den Errungenschaften der Französischen Revolution . In dieser Zeit wird Heine allmählich literarisches Talent wahrgenommen. Seit Anfang der 1830er Jahre verbreitet sich sein Ruhm in und Europa.
Wegen seiner politischen Ansichten zunehmend angefeindet vor allem in Preußen - und der Zensur in Deutschland geht Heinrich Heine 1831 nach dem Ausbruch der französischen Julirevolution nach Paris . Hier beginnt seine zweite Lebens- und Zeit seines Lebens wird Heine sich nach sehnen wie sein bewegendes Gedicht In der Fremde belegt:
Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch die Veilchen nickten
Es war ein Traum.
Das küsste mich auf deutsch und sprach deutsch
(Man glaubt es kaum
Wie gut es klang) das Wort: "Ich dich!"
Es war ein Traum
Doch er wird dieses Vaterland nur zweimal wiedersehen. Endgültig wird Paris zu Heines Exil als seine Werke - auch alle - 1833 in Preußen und 1835 auf Beschluss des Frankfurter Bundestages in allen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes verboten werden. Das gleiche Schicksal trifft Dichter des Jungen Deutschland . Im Beschluss des Bundestages heißt es Mitglieder dieser Gruppe zielten darauf ab "in belletristischen für alle Klassen von Lesern Schriften die christliche Religion auf die frechste anzugreifen die bestehenden Verhältnisse herabzuwürdigen und alle und Sittlichkeit zu zerstören."
Für Heine tut sich aber schon 1832 eine neue Einnahmequelle als Pariser Korrespondent Augsburger Allgemeinen Zeitung von Johann Friedrich Cotta auf dem Verleger Goethes. Im selben zeigen sich die ersten Symptome der Krankeit Lähmungserscheinungen Kopfschmerzattacken und Sehschwächen - die ihn Ende seines Lebens acht Jahre ans Bett wird. Zunächst aber genießt er das Leben Paris. Er begegnet etwa dem utopischen Sozialisten Saint-Simon und Größen des französischen und Kulturlebens wie Hector Berlioz Ludwig Börne Frédéric Chopin George Sand Alexandre Dumas und Alexander von Humboldt .
Die Weltstadt inspiriert Heine in den Jahren zu einer Flut von Essays politischen Polemiken Denkschriften Gedichten und Prosawerken. In Schriften Französische Zustände ( 1832 ) versucht er den Deutschen Frankreich und Franzosen Deutschland näher zu bringen. Dabei gelingen Analysen von nahzu prophetischer Qualität. Fast gespenstisch im Nachhinein das Schlusswort von Zur Geschichte der Religion und Philosophie in an das Heine 1834 an die Adresse der Franzosen schrieb Jahre vor der Machtergreifung jener die auch Bücher verbrennen sollten:
"Das Christentum - und das ist sein Verdienst - hat jene brutale germanische Kampflust besänftigt konnte sie jedoch nicht zerstören und einst der zähmende Talisman das Kreuz zerbricht rasselt wieder empor die Wildheit der alten die unsinnige Berserkerwut(...) Der Gedanke geht der voraus wie der Blitz dem Donner. Der Donner ist freilich auch ein Deutscher und nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam aber kommen wird er und wenn ihr einst krachen hört wie es noch niemals der Weltgeschichte gekracht hat so wißt: der Donner hat endlich sein Ziel erreicht. Bei Geräusche werden die Adler aus der Luft niederfallen und die Löwen in den fernsten Afrikas werden sich in ihre königlichen Höhlen Es wird ein Stück aufgeführt werden in wogegen die französische Revolution nur wie eine Idylle erscheinen möchte."
Früher als die meisten erkannte Heine deutschen Nationalismus einen zerstörerischen Zug da er sich - wie etwa in Frankreich - mit Ideen von Demokratie und Volkssouveränität verband. Der Dichter spürte ihm einen untergründigen Hass auf alles Andersartige:
Aber wir verstehen uns bass
Wir Germanen auf den Hass.
Aus Gemütes Tiefen quillt er
Deutscher Hass! Doch riesig schwillt er
Und mit seinem Gifte füllt er
Schier das Heidelberger Fass.
Weitere wichtige Werke jener Jahre sind Die romantische Schule ( 1836 ) Über Ludwig Börne ( 1840 ) und das Romanfragment Der Rabbi von Bacharach (1840). Im Jahr 1841 heiratet Heine die Schuhverkäuferin Eugenie Crescentia die er seit 1834 kennt. Eines mag er an Mathilde er sie liebevoll nennt ganz besonders: dass kein Wort deutsch spricht und selbst nach Ehejahren keinen wirklichen Begriff davon hat mit großem Dichter sie verheiratet ist.
1843 schreibt Heine sein Gedicht Nachtgedanken das mit den noch heute oft Worten beginnt:
"Denk' ich an Deutschland in der Nacht
Dann bin ich um den Schlaf gebracht."
Heine rauben in dem Gedicht allerdings die politischen Zustände in Deutschland den Schlaf die Sorge um seine dort allein lebende Mutter [1] . Nicht zuletzt um sie wiederzusehen und seine Frau vorzustellen unternimmt Heinrich Heine 1843 1844 seine zwei letzten Reisen nach Deutschland. lernt er auch Karl Marx und Ferdinand Lassalle kennen. Später wird Heine an Marx' Vorwärts! und Deutsch-Französische Jahrbücher mitarbeiten. In diesen Jahren entstehen auch großen Versepen Atta Troll und - angeregt durch seine zweite - Deutschland. Ein Wintermärchen . Darin geht er mit Staat Kirche Gesellschaft Deutschlands äußerst bissig ins Gericht und ganz im Sinne Marxens:
"Ein neues Lied ein besseres Lied
O Freunde will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten."
Mit den neuen Liedern fängt Heine an und bringt 1844 die Lyriksammlung Neue Gedichte heraus.
In den 40er Jahren radikalisiert sich Ton zunehmend. Er gehört zu den ersten Dichtern die die Folgen der einsetzenden Industrialisierung zur Kenntnis nehmen und das Elend neu entstandenen Arbeiterklasse in ihren Werken aufgreifen. Beispielhaft dafür sein Weberlied von 1844 das als Flugblatt weite Verbreitung findet. Ein Auszug:
Im bittern Auge keine Träne
sie sitzen am Webstuhl und fletschen die
Alt-Deutschland wir weben dein Leichentuch.
Wir weben hinein den dreifachen Fluch.
Wir weben! Wir weben!
(...)
"Ein Fluch dem König dem König der
den unser Elend nicht konnte erweichen
der uns den letzten Groschen erpresst
und uns wie Hunde erschießen lässt!
Wir weben! Wir weben! ...
Im Jahr 1846 wird ein Rezitator der es gewagt dieses Gedicht öffentlich vorzutragen in Preußen zu Gefängnisstrafe verurteilt.
Als überzeugter Demokrat begrüßt Heine 1848 die Revolutionen in ganz Europa wendet sich aber der Entwicklung in Deutschland bald enttäuscht ab. Ansicht nach geriet die Revolution hier schnell ein falsches Gleis. In dem Gedicht Michel nach dem März schreibt er:
"Doch als die schwarz-rot-goldene Fahn
Der altgermanische Plunder
Aufs neue erschien da schwand mein Wahn
Und die süßen Märchenwunder.
Ich kannte die Farben in diesem Panier
Und ihre Vorbedeutung:
Von deutscher Freiheit brachten sie mir
Die schlimmste Hiobszeitung.
Schon sah ich den Arndt den Vater
Die Helden aus anderen Zeiten
Aus ihren Gräbern wieder nahn
Und für den Kaiser streiten.
Die Burschenschaftler allesamt
Aus meinen Jünglingsjahren
Die für den Kaiser sich entflammt
Wenn sie betrunken waren (...)"
Und vollends resigniert heißt es im darauf in Im Oktober 1849 :
"Gelegt hat sich der starke Wind
und wieder wird's stille daheime.
Germania das große Kind
erfreut sich wieder seiner Weihnachtsbäume."
Im selben Monat in dem die in Paris ausbricht im Februar 1848 erleidet einen Zusammenbruch. Sein Nervenleiden das sich seit 1845 zusehends verschlimmert hat wirft ihn nun aufs Krankenlager. Doch selbst in seiner "Matratzengruft" Heines geistige Schaffenskraft nicht nach. In den letzten acht Jahren entstehen einige seiner anrührendsten Im Oktober 1851 veröffentlicht er seinen Gedichtband Romanzero und 1854 sein politisches Vermächtnis Lutetia .
Trotz seines schweren Leidens vergehen Heine der Humor noch die Leidenschaft. Die letzten seines Lebens erleichtern ihm die Besuche seiner Else Krinitz aus Prag die er zärtlich nennt. Sie wird zu seiner "angebeteten Lotosblume". Anbetung kann jedoch nur noch auf gedanklicher stattfinden was Heine sarkastisch mit den Versen
Worte! Worte! keine Taten !
Niemals Fleich geliebte Puppe.
Immer Geist und keinen Braten
Keine Knödel in der Suppe.
Dass er das Leben liebt dem aber gleichwohl tapfer ins Auge blickt zeigt Gedicht Epilog :
"Unser Grab erwärmt der Ruhm.
Torenworte! Narrentum!
Eine bessre Wärme gibt
eine Kuhmagd die verliebt
uns mit dicken Lippen küsst
und beträchtlich riecht nach Mist ..."
Am 17. Februar 1856 hat Heinrich Heine ausgeküsst und ausgesungen. Tage später wird er auf dem Friedhof Montmartre beerdigt wo nach dem ausdrücklichen Willen Dichters 27 Jahre später auch Mathilde ihre Ruhe findet. Das erst im Jahre 1901 Grabmal ziert eine von dem dänischen Bildhauer Hasselriis stammende Marmorbüste Heines und sein Gedicht Wo? :