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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 27. Mai 2012 

Helvetismus


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Als Helvetismus (lat. Helvetia - Schweiz und -ismus ) bezeichnet man
  1. jede sprachliche Besonderheit die typischerweise in Schweiz und nicht im gesamten deutschen Sprachgebiet wird und
  2. Wörter die ursprünglich aus dem Deutschschweizer Sprachgebiet stammen (Beispiele: Müsli Putsch ). In diesem Fall wird der Begriff zu Wörtern wie Anglizismus verwendet. ( Siehe auch: Lehnwort ).

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf ersten Fall.

Die in Lexika und Wörterbüchern festgehaltenen sind Bestandteil der Schweizer Standardsprache und nicht der Dialekte es sei denn sie seien ausdrücklich mundartlich markiert.

Häufig wird der Begriff Helvetismus nur abweichenden Wortschatz angewendet man kann damit aber phonetische grammatische und orthographische Besonderheiten bezeichnen.

Analog zu Helvetismen gibt es auch und Germanismen welche die jeweilige nationale Varietät prägen.

Inhaltsverzeichnis

Wortschatz

Helvetismen können etwas bezeichnen für das keinen gemeindeutschen Ausdruck gibt neben einem gemeindeutschen verwendet werden oder ein solches ersetzen. Einige haben neben einer Grundbedeutung eine schweizerische Zusatzbedeutung. der umgekehrte Fall existiert. So bezeichnet Paprika der Schweiz nur ein Gewürz. Das Gemüse ausschließlich Peperoni genannt während die scharfen Peperoni Peperoncini bekannt sind. Viele Helvetismen bezeichnen Objekte Geschehnisse aus dem Schweizer Alltag ein großer davon bezieht sich auf politische Gegebenheiten oder Militär.

anderes Wort

(anstelle oder neben einem gemeindeutschen Wort
  • der Abwart (Hausmeister)
  • antönen (andeuten)
  • die Auffahrt (Himmelfahrt)
  • der Coiffeur (Friseur)
  • eindrücklich (eindrucksvoll)
  • einnachten (Nacht werden)
  • fehlbar (schuldig)
  • die/das Glace (Speiseeis)
  • das Goal der Goalie (Tor Torhüter)
  • grillieren (grillen)
  • Leerschläge (Leerzeichen)
  • das Lichtsignal (Verkehrsampel)
  • das Morgenessen (Frühstück)
  • das Natel (Mobiltelefon „Handy“ )
  • die Occasion (Ware aus zweiter Hand speziell: Gebrauchtwagen)
  • parkieren (parken)
  • rezyklieren (aufarbeiten recyceln)
  • speditiv (rasch zügig)
  • das Spital (Krankenhaus)
  • das Traktandum (Tagesordnungspunkt)
  • das Velo (Fahrrad)
  • zügeln (umziehen)

andere Zusatzbedeutung

  • die Abdankung (Trauerfeier)
  • der Ableger (Filiale)
  • die Aktion (Sonderangebot)
  • harzig (zäh langsam)
  • das Puff (Unordnung Durcheinander)
  • das Quartier (Stadtviertel)
  • der Mais (Krach sowohl im Sinn von als auch im Sinn von Streit)

im übrigen Sprachgebiet (oder Teilen davon)

  • der Advokat (Rechtsanwalt)
  • amten (ein Amt ausüben)
  • minim (geringfügig minimal)
  • das Perron (Bahnsteig)
  • rekognoszieren (erkunden) nicht nur militärisch gebraucht

Gastronomie

Älplermagronen Basler Läckerli Glace (Eis) Gnagi Käsekuchen (rezenter Kuchen Käsebelag - der deutsche Käsekuchen heißt in Schweiz Quarktorte) Metzgete (Schlachtplatte) Müesli Rösti Serviertochter (für Kellnerin) Zeltli/Täfeli (mundartlich für Baumnuss ( Walnuss )

Politik Militär

Ammann ( Bürgermeister ) Auditor (Ankläger bei Militärgericht) Eidgenossenschaft Landammann (Regierungschef eines Kantons ) Landsgemeinde mehren ( abstimmen durch Handerheben) Nationalrat (Bezeichnung sowohl für die grosse Kammer als auch für Parlamentsabgeordnete - "Herr X Nationalrat" "Frau Y ist Nationalrätin") Vernehmlassung .

Aussprache

In der Schweiz werden einige Wörter anderen Silben betont als im restlichen deutschsprachigen meistens auf der ersten (oder sogar auf nullten z.B. bei Namen mit von z.B. von Grünigen wird Michael 'Vongrünigen ausgesprochen). Als gesprochene Abkürzungen (wie zum Beispiel CD WC werden nicht auf dem letzten sondern auf ersten Buchstaben betont (also 'CeDe und 'WeZe).

Ein Beispiel für einen anders gesprochenen ist das Wort Advent das mit [f] mit [v] gesprochen wird.

Orthographie

Die Orthographie unterscheidet sich am deutlichsten übrigen Sprachgebiet durch das Fehlen des Eszett. nach langem Vokal oder Diphtong wird Doppel-s also zum Beispiel ausser bloss reissen oder Masse (sowohl für Masse als auch für Es gibt aber auch einzelne Unterschiede wie Bretzel statt Brezel.

Ebenso werden in der Schweiz französische italienische Lehnwörter auch nach der Rechtschreibreform in der resp. italienischen Form geschrieben z.B. Mayonnaise oder Spaghetti .

Geographische Namen wie Strassennamen oder Seenamen meist zusammengeschrieben: Zürichsee Baslerstrasse Genfersee Zugerberg usw. aber auch Schweizergrenze usw.

Umlaute am Wortanfang werden bei schweizerischen Eigennamen Ae Oe und Ue geschrieben: Aebi Oerlikon Uetliberg (= Üetliberg nicht Ütliberg!).

Grammatik

Abweichungen existieren z.B. beim Genus (das das Tram und das SMS statt die) bei der Verbvalenz (jmdn. anfragen statt bei anfragen).

Siehe auch

Weblinks




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