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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 27. Mai 2012 

Horst Schimanski


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Horst Schimanski ist eine Figur aus der ARD - Fernsehreihe Tatort in der er ab 1981 in Folgen (inklusive zweier Kinofilme) als Hauptkommissar in Duisburg seinen Dienst tat. 1991 hatte Schimanski Dienst bei der Duisburger Kripo quittiert. Seit tritt Schimanski in einer eigenständigen Krimi-Serie wieder in Aktion. Der in Belgien lebende „Ruheständler“ in einigen besonders schwierigen Fällen von der Staatsanwaltschaft oder der Duisburger Polizei zur Hilfe

Horst Schimanski wird von dem Berliner Götz George dargestellt.

Schimanski (Götz George) auf dem Weg zum Zusammen mit dem Duisburger Kommissar Hunger (Julian bei Dreharbeiten im Innenhafen 2001.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Duisburg - Ruhrort 28. Juni 1981: Wir sehen Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski gespielt von Götz George das erste Mal am Tatort im ARD - Fernsehen bei der Ermittlung in einem Mordfall. Sichten der Trotzki - und Luxemburg -Bücher des Mordopfers erfährt er von seinem „Lehrer wäre er damit nicht geworden.“ Die Wölfe steckten hinter dem Verbrechen.

Geboren wurde Schimanski am 9. Oktober in Stettin – dies erfuhr ein niederrheinischer Dorfpolizist er dessen Personalien aufnahm. Denn Schimanski machte gern auch mal fünf Jahre jünger und am 2. November 1943 in Breslau geboren sein. Schimanski wuchs ohne Vater in einfachsten die meiste Zeit in Duisburg auf. Er nie die Chance zu lernen mit Geld „Schimanski lebt vom Dispo und er lebt den Tag hinein“ so Frank Goyke und Schmidt in ihrem Buch „Horst Schimanski“. Während Schweißerlehre wird er in einer Straßengang zum und Autoknacker. Dabei trifft er auf Kommissar Königsberg den späteren Kriminaloberrat. Der griff ihn und schickte ihn zur Polizeischule. Das Unheil seinen Lauf.

Zwar war der Gerechtigkeitssinn Schimanskis kanalisiert scheinbar unveränderlichen Macht- und Herrschaftsstrukturen unserer gesellschaftlichen akzeptierte er deshalb noch lange nicht. Königsberg ihm Hauptkommissar Christian Thanner (gespielt vom verstorbenen Eberhard Feik ) als Partner danebenstellen. Dieser verkörperte die des deutschen Mannes“ (FAZ-Magazin). Er musste Schimanski den „Traum eines Mannes“ ständig mit einem „Mensch Horst“ bremsen.

Schimanski wurde auf die Menschheit losgelassen. Bild am Sonntag reagierte prompt: „Der Ruhrpott kocht: Sind alle Mörder oder Trinker?“ Die Neue Ruhr Zeitung (NRZ) forderte: „Werft den Prügel-Kommissar aus dem Und der Leiter der Duisburger Mordkommission bestätigte: mir dürfte dieser Mann nicht mal Fahrrad-Diebstähle „Diese Sendung war eine infame Beleidigung für anständigen und korrekten Beamten der seinen aufopferungsvollen für die Bevölkerung verrichtet“ stimmte die Nürnberger Zeitung aus der Distanz zu und die Passauer Neue Presse meinte: „Dieser Tatort mixt Gassenjargon handfeste Spelunkenmilieu und schreckliche verbale Entgleisungen mit Rauschgift und Waffenschmuggel zu einem dicken Brei und ihn mit einer Lösung die an Schwachsinn zu überbieten ist.“ Nur die tageszeitung (taz) war begeistert: „Solche Bullen braucht das

Dabei so Günter Franzen sei doch ganz harmlos. Ein Märchen werde erzählt und Märchen werde variiert wieder und wieder. Das spiele im tiefen Westen „in der die Zechen und Stahlwerke mitten im Dorf liegen der die Klassengegensätze überschaubar sind und es fiese mehrwertraffende Kapitalisten und in der Wolle grundanständige Proletarier gibt“ die „notorische Sozialdemokraten Kleingärtner und Currywurst-Konsumenten“ seien. In zehn Jahren und Filmen davon zwei Kinoproduktionen legte sich die weitgehend. Duisburgs damaliger Oberbürgermeister Josef Krings schrieb zum Abschied versöhnlich: „Jetzt bleibt uns nur der MSV aber der ist auch erstklassig es niemand glaubte.“ Die meisten Schrottplatz-Aufnahmen wurden in München gedreht und am Ende sprachen immer mehr NebendarstellerInnen bayerischen Akzent.

Das ganze Ruhrgebiet so die Marabo habe mit Schimanski eine Identifikationsfigur bekommen es sie noch nie gegeben habe. „Der den sich ein paar Leute in München der Bavaria- Filmproduktion ausgedacht hatten der von einem Berliner verkörpert wurde traf die Menschen im Revier ins Herz.“ Es hätten Leute von auswärts müssen um „aus den Bestandteilen des regionalen ein geliebtes Markenzeichen fürs Revier zu machen.“

Horst-Schimanski-Gesamthochschule

Unterschiedlichste Reaktionen waren die Folge des von der Juso-Hochschulgruppe gemachten Vorschlags die bis namenlose Duisburger Gesamthochschule – statt nach dem Gerhard Mercator – nach Horst Schimanski zu benennen. Schimanski hat die Schönheiten Lebensgewohnheiten Traditionen sowie Ruhrgebietskultur den Zuschauern im ganzen Land auf Art nähergebracht“ argumentierten die Jusos in einer „Auch die sozialen Probleme und Brennpunkte dieser wurden durch ihn glaubwürdig vermittelt.“

Daraufhin lobte die NRZ die Juso -Hochschulgruppe dafür dass sie „gegen Profilneurosen und Duisburger Mercator-Wahn“ zu Felde ziehe. Und einen später verbreitete Bild eine ermutigende Umfrage. Taxifahrerin Margot Hertel fand den Juso-Vorschlag lustig und Rentnerin Henny (77) meinte dass Schimanski zu Duisburg passe moderner sei als Mercator. Dagegen sagte OB Krings dass die Hochschule einen seriösen Namen müsse. Er sei für Gerhard Mercator. Die NRZ ermutigte die Jusos trotzig mit Durchhalteparolen: so Jungs! Dranbleiben!“ Der CDU-Ableger RCDS warf den Jusos „intellektuellen Tiefflug“ vor. jedoch laut Rheinischer Post „den Nachwuchskonservativen das Malheur passierte dass das Wort intellektuell jedesmal falsch schrieben nämlich meinte der Zeitungsartikel: „Schwamm drüber.“

Im ARD- Frühstücksfernsehen und in der Aktuellen Stunde des WDR griff auch Horst Schimanski persönlich in Auseinandersetzung ein: „Entweder wir steigen ganz groß oder ganz groß aus.“ Den Vorwurf „was Sie hier eigentlich den proletarischen Helden?“ konterte gewohnt gelassen: „Oh Vorsicht nichts gegen das das ist wieder stark im Kommen.“ „Für Jungsozialisten bleibt er der Favorit“ schloss die ARD-Morgenmagazin- Redakteurin den Beitrag. „Und wenn es dann nicht klappen sollte mit der Schimanski-Universität in so könnte man doch wenigstens einen Schornstein ihm benennen.“

Aus der nicht ganz ernst gemeinten wurde tatsächlich nichts. Einzig die Taufe auf Namen Gerhard-Mercator-Universität musste um mehr als ein Jahr werden bis sich die Wellen weitgehend gelegt Allerdings verschwand der Name Mercator 2003 auch wieder von der Bildfläche weil die Duisburger ihrer Essener Nachbaruniversität verschmolzen wurde.

Kriminalmärchen zum vorläufigen Abschied

1991 in der letzten Tatort-Folge aus konnte Schimmi sich noch einmal mit einem gegen das Establishment und das verbündete internationale mit ungezählten verkürzten auf die Spitze getriebenen in Szene setzen und seine Erhöhung zur vollenden. Abflachende Drehbücher hatten zuletzt häufiger keine zur Selbstparodie zur Klamotte gelassen. So gab nach einigen köstlichen Gags in der in mit dem ostdeutschen Fernsehfunk entstandenen Folge „Unter Brüdern“ dann wieder „Ossis sauer auf Schimanski: Sind nicht die (Express) Selbst Höhepunkte wie die Grimme-Preis-ausgezeichnete Folge gaben Anlass zu Kritik: „Diesmal außer rotzig noch angetrunken." (Frankfurter Rundschau) Der Politkrimi „Der Pott“ der den Arbeitskampf um Krupp Rheinhausen in den Mittelpunkt stellte hätte Drehbuch gehabt das Karl Marx und Erich Honecker nicht besser hätten schreiben können meinte taz. „Ein Hauch von Oktober-Revolution wehte durch deutschen Wohnzimmer. So schlecht dieser Schimanski in Proli-Verklärung war dem kein Klischee aus dem zu platt war so sensationell war doch fernsehgerechte Einstieg ins Arbeiter-Milieu.“

Filme wie der vorletzte Schimanski-Tatort zum Kinderprostitution in seiner außerordentlich sensiblen Vorgehensweise blieben Ende seltene Ausnahmen. „Und der Gefühlsmensch Schimanski wahrhaftig zur Geltung: Solch einen gibt's so nicht wieder.“ (Süddeutsche Zeitung)

Am Schluss war Schimmi zum Supermarktdetektiv und ihm bedeutete eine Polizeipsychologin sein Ende. durfte er noch mit einer Schale Pommes in einem Gourmetrestaurant Platz nehmen. ItalienerInnen machten mit Blick auf Hochöfen und Industriebrachen direkt Rheinufer. Da stand er mit seiner Jacke den Cowboystiefeln.

Thanner fand das sicherlich von Schimmi angerührte Handke-Buch „Kurzer Brief zum langen Abschied“ dessen Bücherschrank – ein Geschenk des Vorgängerkommissars aus Essen. Schimmi wurde in einer Ente einer Vespa verfolgt. Die Motorradgang der väterliche Königsberg und der Saarbrücker Kommissar Palu als in höchster Not tauchten in diesem Kriminalmärchen

Dann segelte Schimmi über die atemberaubende der Stadt an Rhein und Ruhr. Und er über der damals größten Dreckschleuder Duisburgs Homberger Sachtleben Chemie schwebt brüllte er das „Scheiße …“

Das Schlusskapitel der Schimanski-Saga resümiert das FAZ- Feuilleton enthüllte sich so doch noch als „Dieser Roman handelte vom Unbehagen der verwalteten an sich selbst vom ständigen Kampf mit korrupten und festgefahrenen Institutionen vom Aufbegehren gegen und Triebreduzierung von spontanen Empfindungen wie Gerechtigkeit Kinderliebe wo das Leben sonst nur geplant vermittelt war. Am Ende dieser Saga stand alte bürgerliche Einsicht dass der Mensch eigentlich Freiheit geboren ist dass er aber erst gestrebt und gelitten haben muss um tun dürfen was er will.“

Macho oder schmuseweiches Übergangsobjekt

Geliebt wurde Schimanski vom „gleichermaßen hochwohlgeborenen erlesenen deutschen Feuilleton“ (Zeit-Magazin) nicht. Doch auch außerhalb dessen war nicht unumstritten. Viele hielten ihn schlicht für blöden Macho.

Das FAZ- Magazin meinte dagegen dass Schimmi – genau – alles andere als eine Macho gewesen „Er war ein schüchterner Typ. Vor lauter heulte er oft drauflos und kriegte in Folge eine ordentliche Tracht Prügel. Aufs Ganze war er der einzige Held den wir akzeptieren können: ein Verlierer.“ Und am längsten von ihm das hilflose Menscheln und Stammeln Erinnerung bleiben: „Komm komm! Du Mensch du kannste doch nicht machen! Mensch du.“

Der Psychotherapeut Günter Franzen nennt Schimanski gesprochen ein schmuseweiches Übergangsobjekt“ einen etwas groß Teddybären. Und die Spiegel- Redakteurin Barbara von Jhering stellte schon vor fest dass Schimanski in all seinen Widersprüchen offen zur Schau getragenen Verletzungen auf dem Blick wie die Synthese aus dem gründlich der Mode gekommenen Macho alter Art und sensiblen Ehemann hinterm Wickeltisch erscheine. „Vom klassischen hat er die Brutalität zurückbehalten und gelegentliche von Sentimentalität – aber vor größeren Gefühlsverstrickungen ihn seine riesige Bindungsangst.“ Dem anderen Geschlecht zeige er sich abwartend und misstrauisch Scheu Nähe demonstrierend.

Günter Franzen versuchte seine Schimanski-Begeisterung nach Folge „Das Haus im Wald“ mal genauer ergründen. Den Film fasste er mit deutliche zusammen: „Der Drehbuchautor litt bei Abfassung seines unter massiven Wortfindungsschwierigkeiten und stand selbst erheblich Alkoholeinfluss der Kameramann arbeitete mit eingerostetem Stativ kompletter Unterbelichtung der Regisseur scheint sein Diplom Versandhaus Neckermann erworben zu haben und die agieren feucht-fröhlich drauflos wie eine bunt zusammengewürfelte von Knallchargen – da beißt die Maus Faden ab.“ Durch das so entblätterte Bildschirmgeschehen sich die Sicht auf den Kern der das Spiel des Hauptdarstellers. „An dem Mann nichts dran. Der Mann hat bodenlos blaue Der Mann trägt eine Jacke.“ Und wenn die nicht anhabe dann sehe man dass einen Körper hat und dass es eine ist und ungeheuren Spaß macht ein Mann sein. „Das ist es. Das ist im alles.“

Der letzte proletarische Held ist zurück

Schimanski (oder Götz George) hatte 1991 „Ich hab' einfach kein Bock mehr ich die Schnauze voll.“ Und die FAZ atmet auf: „Fast zeitgleich mit der hat uns in Horst Schimanski der letzte Held verlassen.“ Doch aus der Welt schaffen sich die Geschichte nicht mehr.

Schimanski war der erste Vorbote eines neuen Ruhrgebiets-Selbstbewusstseins. Zuvor wollte das Ruhrgebiet alles sein „nur das Ruhrgebiet will es nicht stellt die Westdeutsche Allgemeine (WAZ) fest. Der Rückkehr Schimanskis 1997 wurde wenig später die die Ruhrgebiets-Kampagne „Der Pott zu Seite gestellt. Und der Sturm so WAZ sei gar nicht mehr so heftig Selbstironie entwickele nur wer in sich ruhe. dann 1998 nach der düsteren Folge „Rattennest“ Borniertheit und „Kleinkariertheit“ – so schimpfte der – in Duisburg einzog. Die CDU hatte im Stadtrat beantragt dass Duisburg mehr im Abspann der Filme genannt werden

Seit mehr als zehn Jahren lebt nun schon als „Ruheständler“ in Belgien. Ins kommt er nur noch wenn ihn die oder sein Freund Hänschen der seit 1999 im Duisburger Polizeipräsidium arbeitet ruft. Trotzdem ist Schimanski immer noch der – über die hinaus – bekannteste Duisburger.

Die Filme

Duisburg-Ruhrort (Hajo Gies) 1981
Grenzgänger (Ilse Hofmann) 1981
Der unsichtbare Gegner (Hajo Gies) 1982
Das Mädchen auf der Treppe (Peter Adam)
Kuscheltiere (Hajo Gies) 1982
Miriam (Peter Adam) 1983
Kielwasser (Hajo Gies) 1984
Zweierlei Blut (Hajo Gies) 1984
Rechnung ohne Wirt (Peter Adam) 1984
Doppelspiel (Hajo Gies) 1985
Das Haus im Wald (Peter Adam) 1985
Der Tausch (Ilse Hofmann) 1986
Schwarzes Wochenende (Dominik Graf) 1986
Freunde (Klaus Emmerich) 1986
Spielverderber (Pete Ariel) 1987
Zahn um Zahn (Hajo Gies) 1985 (TV
Gebrochene Blüten (Hajo Gies) 1988
Einzelhaft (Theodor Kotulla) 1988
Moltke (Hajo Gies) 1988
Der Pott (Hajo Gies) 1989
Blutspur (Werner Masten) 1989
Katjas Schweigen (Hans Noever) 1989
Medizinmänner (Peter Carpentier) 1990
Zabou (Hajo Gies) 1987 (TV 1990)
Schimanskis Waffe (Hans Noever) 1990
Unter Brüdern (Helmuth Krätzig) 1990
Bis zum Hals im Dreck (Peter Carpentier)
Kinderlieb (Ilse Hofmann) 1991
Der Fall Schimanski (Hajo Gies) 1991
Die Schwadron (Joseph Rusnak) 1997
Blutsbrüder (Hajo Gies) 1997
Hart am Limit (Hajo Gies) 1997
Muttertag (Mark Schlichter) 1998
Rattennest (Hajo Gies) 1998
Geschwister (Mark Schlichter) 1998
Sehnsucht (Hajo Gies) 1999
Tödliche Liebe (Andreas Kleinert) 2000
Schimanski muss leiden (Matthias Glasner) 2000
Kinder der Hölle (Edward Berger) 2001
Asyl (Edward Berger) 2002
Das Geheimnis des Golem (Andreas Kleinert) 2004

(In Klammer: Regisseur)

Weblinks




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