Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier. Johann Bernhard Gottsleb(en) (* um 1595 in Herborn; † 1. November 1635 in Dillenburg) war evangelischer Geistlicher in und Dillenburg .
Johann Bernhard Gottsleben wurde als zweites Kind des Pädagogearchen Professors Johannes Gottsleben und der Anna Maria Hoen um 1595 in Herborn geboren. Mit seinen vier Geschwistern Matthias Jacobus Jodocus Wilhelm und Margarete wuchs er Herborn der Heimatstadt seiner Mutter dann in in der Residenzstadt Dillenburg und in Krombach Siegen auf. In Herborn und Siegen lehrte Bernhards Vater von 1587 bis zum Wintersemester an dem von Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg (1535-1606) gegründeten Pädagogium und der Hohen Nach seiner Lehrtätigkeit wurde der Vater in zum Hofprediger und geistlichen Inspektor der Dillenburger bestellt und wirkte danach als Pfarrer in Johann Bernhards Mutter entstammte der angesehenen Beamtenfamilie Hoen aus der mehrere ebenso gelehrte wie Staatsdiener entsprossen und die sich seit der Reformationszeit über zwei Jahrhunderte in der Nassau hatte.
Nach Besuch der Herborner »schola civica« Johann Bernhard Gottsleben 1607 auf das nach Tod Graf Johann VI. wieder von Herborn Siegen verlegte Pädagogium. Zwei Jahre nach dem des Vaters legte Johann Bernhard Gottsleben im 1614 unter Aufsicht des Pädagogearchen Heinrich Gutberleth (1572-1635) beim Präzeptor der ersten Klasse Christian Baum (1580-1626) die Reifeprüfung ab. Am 11. 1614 begann er ein Theologiestudium an der Schule in Herborn. Aus seiner Klasse studierten Molitor Jacobus Schmollius Johannes Wichelshausen Johannes Langenhorst a Stolzenberg Andreas Textor Henricus Lanius und Polichius ebenfalls in Herborn.
Johann Bernhard Gottsleben besaß einen recht Geist. Seine Leistungen am Pädagogium und während Theologiestudiums waren sehr vielversprechend für eine spätere im gräflich-nassauischen Schul- und Kirchendienst.
Der Unterricht an der Hohen Schule war sehr praxisorientiert und hatte die Anwendung Lehrstoffes in der täglichen Praxis der künftigen Pfarrer und Juristen als Ziel. Oratorik Rhetorik und praktische Übungen (»exercitia«) hatten einen hohen innerhalb der Ausbildung. So waren an der Schule Disputationen fest in den Stundenplan eingebaut die Theologiestudenten kamen in kürzerer Zeit auch Predigtübungen hinzu. Der Kampf der Konfessionen erforderte bestens geschulte Abgänger der Hohen Schule die in Kirche wie Schule die Untertanen in und überzeugender Weise belehren konnten zugleich aber in der Lage sein mussten die eigene Position sei es im Gespräch oder in Form gegen den Anhänger einer anderen Konfession vertreten.
Als weiteres Ziel des Unterrichts galt Ausbildung der Urteilsfähigkeit des Studenten (»judicium«). Gegenüber Ausbildung des »judicium« trat die Memorierfähigkeit die Studenten im traditionellen Schulsystem beigebracht wurde zurück wurde nur insoweit entwickelt wie sie zur des »judicium« dienlich schien. Die hohe Bewertung »judicium« verlangte vom Studenten die Entwicklung des Denkvermögens und gewährte ihm ein für die weit entwickeltes Maß an freier Entfaltungsmöglichkeit. Diese sich allerdings in festgelegten Grenzen. So waren Studenten in Disputationen - und besonders bei die später in Druck gingen - an theologisch-dogmatischen wie wissenschaftstheoretischen Vorgaben des Ramismus gebunden die in den Schulgesetzen festgelegt und deren Einhaltung der Senat streng überwachte. Studenten wurde »im letzten Viertel« einer Unterrichtsstunde gegeben durch Fragen nach dem Lehrstoff das des Dargebotenen zu erhellen und zu vertiefen. offene Art der Lehre drückte sich auch einem durchaus nahen persönlichen Verhältnis zwischen Dozent Student aus.
Obwohl das monokratisch regierte frühabsolutistische kalvinistische - wie auch alle anderen reformierten Territorialstaaten der Kirchendisziplin ein besonderes Augenmerk schenkte und in anderen Lebensbereichen die »Sozialdisziplinierung« seiner Untertanen fortentwickelte war an der Hohen Schule die Entfaltung des einzelnen Studenten eines der wesentlichen der pädagogischen Praxis. Weiter weisend war neben Entfaltung der Urteilsfähigkeit vor allem die Betonung Didaktik wie sie im Erziehungskonzept des ehemaligen der Hohen Schule Johann Amos Comenius (1592-1670) als zentrale Kategorie wieder aufgegriffen An der Hohen Schule begannen die Professoren Matthias Martinius (1572-1630) und Johann Heinrich Alsted (1588-1638)das Wissen der Zeit in geordneter für den Unterricht wohl aufbereiteten Form vorzulegen. entstanden die Entwürfe einer ersten deutschen Enzyklopädie deren sieben Bänden Johann Heinrich Alsted in Herborn drucken ließ.
Trotz der geringen personellen Ausstattung mit drei theologischen zwei juristischen und drei Lehrstühlen Philosophie und Medizin war Herborn eines der Zentren des Kalvinismus . Ihren frühen guten Ruf verdankte die Schule in erster Linie Caspar Olevian (1536-1587) der die reformatorische Zentralfrage nach des Heils mit dem Bundesschluss zwischen Gott dem erwählten Menschen erklärte um so - Versöhnung durch den Bund - die Heilsgewissheit erlangen. Auch Johannes Piscator (1546-1625) vertritt die Föderaltheolgie macht sie nicht zum zentralen Moment seiner Heilslehre. Durch »Juridifizierung« der Heilslehre wies die Föderaltheologie entschieden die Lutherische Dogmatik hinaus. Die bei den Föderaltheologen benutzte Begrifflichkeit scheint mehr aus dem des Juristen denn dem des Theologen entnommen sein. Und es ist deshalb nicht verwunderlich weite Teile der staatstheoretischen Grundfiguren in Kalvinismus und Puritanismus - samt des hierbei benutzten begrifflichen - aus der Föderaltheologie herausgewachsen sind. Ein Schwerpunkt der Herborner Theologie liegt in der die in ihrer reformierten Ausprägung an der überhaupt erst begründet wurde. Die praktische Ausbildung Theologiestudenten umfasste im besonderen Maße Predigtübungen für Bernhard Textor (1560-1602) in seinen 1599 gedruckten »Pandectae concionum« die wichtigen Merkmale und Inhalte zusammenstellte.
Die Johann Bernhard Gottsleben prägenden Lehrer in der Theologie Johannes Piscator und Johann Jacob Hermannus (1553-1630) bei denen er 1614 und disputierte in der Philosophie der junge Johann Heinrich Alsted der zur geistigen Formung des von bis 1613 in Herborn weilenden Johann Amos Comenius entscheidend beigetragen hatte. Die zum Andenken seinen verehrten Lehrer Johannes Piscator 1625 gedruckte Leichenpredigt bereicherte Johann Bernhard Gottsleben mit einem Trostgedicht.
Dank seiner guten Leistungen an der Schule wurde der 24 Jahre alte Johann Gottsleben nach seinem Studium gleich zum Oberschulmeister die Residenzstadt Dillenburg berufen. Dort trat er 1619 an der Lateinschule die Nachfolge von Textor ein Sohn des Herborner Theologieprofessors Bernhard Textor an. Dritter Schulmeister war Christoph Meyer Straßburg im Elsass.
Den Grundstein für die Dillenburger Lateinschule bereits Graf Johann V. (1455-1516) am Weihnachtsabend Jahres 1501 gelegt. Zur Ausbildung einiger begabter Knaben bei den verschiedenen gottesdienstlichen Obliegenheiten insbesondere beim gebraucht wurden gründete er eine Stipendienstiftung. Um Gottesdienst eine bessere Ordnung zu geben änderte Sohn Graf Wilhelm (1487-1559) die Stiftung und 1523 den geeignetsten der sieben Priester an Stadtkirche zum Schulmeister. Von diesem ließ er fromme dienliche arme Knaben« die auf gräfliche im Schlosse beköstigt wurden in der Schule In den Jahren 1535 bis 1538 formte Bernhard Gottslebens Urgroßvater der hoch angesehene Magister Jost Hoen (um 1500-1569) die lateinische Schule im der lutherischen Reformation um. Jost Hoen rückte zum Leiter der Hofschule und Erzieher des ins 6. Lebensjahr gekommenen späteren Prinzen Wilhelm von Oranien (1533-1584) auf doch bestimmte seine Bestallung dass er nebenbei »auch ein mit insehens die schull zu Dillenburg haben« soll. Die befanden sich seit etwa der Mitte des Jahrhunderts auf dem Speicher der Stadtkirche. Die für den ersten Schulmeister betrug 50 für zweiten 32 Gulden jährlich. Die Lehrerschaft wechselte da die meisten Präzeptoren ihren theologischen Studien das Schulamt als den Übergang in eine besoldete Pfarrstelle ansahen.
Nach dem Tod Wilhelms fiel die 1559 an seinen zweiten Sohn Graf Johann Wie kaum ein anderer Landesfürst seiner Zeit er um eine religiöse und sittliche Formung Hebung der Bildung seiner Untertanen bemüht. Seine Beziehungen zu den Niederlanden in die ihn wechselvolle Befreiungskampf seines Bruders des Prinzen von Oranien geführt hatten und auch zur Pfalz Hochburg des Kalvinismus aus der er sich seine zweite holte brachten ihm das reformierte Bekenntnis näher. Ablösung der lutherischen durch die reformierte Lehre in den Jahren 1576 bis 1581 erfolgte und anfangs wesentlich durch religiöse aus Kursachsen und der Pfalz verbreitet wurde Graf Johann VI. eine freiere Entwicklung des Lebens und seiner Formen in Nassau-Dillenburg erreichen.
Auch das Schulwesen erfuhr eine durchgreifende im reformierten Sinne. Um die Dillenburger Lateinschule sich in dieser Zeit vor allem der der Grafschaft der aufgeklärte und gelehrte Marburger Gerhard Eobanus Geldenhauer (1536-1614) genannt Noviomagus und der Junker Otto von Grünrade (1545-1613) der aus konfessionellen Gründen Sachsen hatte und als Hofmeister der Söhne Graf zugleich dessen Berater in Schulfragen geworden war gemacht. In einer von Geldenhauer 1581 vorgelegten »Anstellung und Verbesserung dero Schuhl zu Dillenburgk wie zu Dillenburg eine ahnsehnliche guthe Schul bestellen« wird detailliert dargelegt wie der Unterricht Griechisch Latein und Französisch zu gestalten ist die Schüler zu führen sind.
Nachdem Geldenhauer und Grünrade aus den Diensten ausgeschieden waren mangelte es an einer Aufsicht über die Schule. Graf Johann musste Schulaufsicht immer wieder selbst in die Hand um den guten Namen und Ruhm den Schule innerhalb und außerhalb der Grafschaft genossen die sich in den Schulbetrieb einschleichenden Nachlässigkeiten in Gefahr zu bringen.
Mitte der 1580er Jahre - es die Zeit in der den Grafen die Wirren in den Niederlanden nach dem Meuchelmord seinem Bruder ganz in Anspruch nahmen - Graf Johann seine Räte und den geistlichen Wilhelm Zepper (1550-1607) in eindringlicher Form zu einer Aufsicht um die eingerissenen Übelstände einzustellen. In Worten äußerte er sein Missfallen über die und moralischen Zustände der Anstalt: Die Zucht den Knaben sei gänzlich vernachlässigt die Lehrer auf dieselben zu wenig acht sie hielten zu keiner Sauberkeit und Reinlichkeit des Leibes der Kleidung an; schmutzig zerlumpt zerrissen nackend bloß dass man sich ihrer schämen müsse sie auf den Gassen herum wo man spielen rufen schreien und allen Mutwillen treiben Ihr Mangel an Zucht und Schamhaftigkeit gehe dass sie »öffentlich ihre notturft thun vndt Urinam unacht ihrer schelte gegen die leuth ohne schew reddiren dörffen«. Ihre »Pronunciation« im wie im Reden und ihre Handschrift die »hiebevor bei dieser Schule bräuchlich gewesen« sei nachlässig zur Gottesfurcht würden sie nicht mehr Die Methoden des Unterrichts sehe wenig darauf man ihnen die Sachen in das Hirn und Hände bringe dass sie zum Verstand Lieb und guten Willen wie auch zur und praxi derselben kommen mögen sondern man nur allein dahin wie man der Jugend Sachen in die Ohren den Mund und Gedächtnis gleich den Atzeln Dohlen Raben und unvernünftigen Tieren so man schwätzen und pfeifen bringe. Wie sie ihre Zeit nutzlich und anwende und mit Vorteil in ihrem Studium darauf sei man zu wenig bedacht«. Die gäben ihnen keine rechte Anleitung wie sie Predigten in der Kirche aufzuschreiben hätten noch repetierten sie dieselben mit ihnen oder präparierten vorher auf dieselben. In der Kirche werde »sehr unfleißig und übel gesungen«. Es werde darüber geklagt dass »der praeceptoren etzliche bißweilen hartt ungetüm und unbescheiden gegen die Knaben und damit Ursach geben hätten daß einige Studium aufgegeben oder auch wohl ins pabsthumb seien«. Nicht bloß die Schüler sondern auch Lehrer hielten nicht pünktlich ihre Stunden wie vorher stets bräuchlich gewesen sondern kämen oftmals nit mehrentheils zu oder nach halber verlaufener in die Schule und hätten auch in Stunden beiderseits ein groß aus- und einlauffens«. dem gewöhnlichen Mittwoch hielten die Jungen zwei mehr Spieltage in der Woche so dass es an »gebührlichem Fleiß und Continuirung ihrer zur Klage auch der Eltern sehr fehlen Im übrigen hätten sich die Schulmeister »des und Panckatirens nun eine Zeit her dermaßen als ob sie daraus ein Handwerk machen während sie hinterher über Mangel an Besoldung Das Schlimmste aber sei dass sie bei bei denen sie ältere Schüler zum Weintragen und Musizieren heranzögen mit Herborner Studenten Kanzleiverwandten dem Hofgesinde in Verbindung träten und letztere ihrer Vokation und Verrichtung verhinderten«.
Die gräflichen Klagen mündeten in eine Schulordnung in der die allgemeinen Unterrichts- und neu formuliert wurden. Der Grammatikunterricht sollte nicht einer zu großen Menge von Regeln beschwert Gedächtnis nur mit dem Notwendigsten belastet das geübt und geschärft der Verstand gebildet überhaupt Lehrmethode dem Auffassungsvermögen und dem allmählichen Fortschritt Schüler (»ad puerorum ingenia profectus et captum«) angepasst werden. Bei allen schriftlichen Arbeiten sei die Pflege der Handschrift der allergrößte Wert legen. In den Vorschriften über das Verhalten Schüler in der Schule und Öffentlichkeit über und Reinlichkeit die in ihren Einzelheiten bis Mundausspülen (»ora quoque eluant pueri«) gehen merkt ebenso deutlich die Nachwirkung der geharnischten Denkschrift Grafen wie in der Vorschrift über die der Zuchtmittel die frei von Härte und (»sine rigore aut plagositate«) in väterlicher Weise werden sollten.
Im Frühjahr 1618 bricht der Dreißigjährige Krieg aus. Das durch die Kriegsfolgen zunehmend Zusammenleben der Menschen wie auch die von Landsknechten eingeschleppten Seuchen stellten den Fortbestand der immer wieder in Frage. Die Bande der lockerten sich nicht nur unter den Schülern zusehends auch unter den Erwachsenen. An ihre Pflichten hielten sich selbst Amtsträger nicht mehr Unverkennbar spiegeln sich diese Verhältnisse auch in Schulakten wider. Bitter beklagt sich einige Jahre Kriegsbeginn unser Oberschulmeister Johann Bernhard Gottsleben dass »von den meisten Eltern (›paucos excipio‹) nicht den sauer verdienten lohn entweder garnicht oder anders alß mit großer mühe bekommen« könne auch von vielen Eltern dazu noch »schändlich und behönet werde; etliche hätten ihre kinder der zeitt wo er das Schulgeldt ahngefangen zu fordern daheimb und auß der Schulen aber nach vierzehn Tagen oder drei Wochen hineingeschickt bis daß abermals ein Quartal verflossen; machten sie es alle Vierteljahr«. Unterdessen hätten Schüler »alles vergessen was sie zuvor gelernett darnach schänden und schmähen die leuthe es ihre Kinder nichts in der Schulen gelernett«. besonders ungehörig habe sich der jetzige Bürgermeister Göst benommen den er in einem »freundlichen an das für drei Ziele rückständige Schulgeld seinen Sohn erinnert habe; diesen »ein in bubenstücken deren ihm keins zu groß sonderlich in Garttendiebereyen halßstarrigt und verwehnter« Geselle halte nun schon eine geraume Zeit aus der ihm aber habe er die dem Schreiben spöttische Antwort gegeben. Trotz des ausdrücklichen Verbots andere die ihm gleichfalls das Schulgeld schuldeten Kinder jetzt nach Oberschelt zur Schule; lasse durch einen anderen Schüler bei den Eltern dem Grund des Fernbleibens fragen so werde »mit Streichen abgewiesen und mit Steinen beworfen«; pflegten den Lehrer mit »schandbaren Worten über Naße zu hauen Summa« so fasst Johann Gottsleben seine Klage an den seit 1623 Graf Ludwig Heinrich (1594-1662) zusammen »es kompt daß baldt ein jeder hier zu Dillenbergk den Schulmeistern gedenket Ritter zu werden«. Er mit der Bitte »solchem Unweßen bey der alhier zu steuern insonderheit aber den Theis anzuhalten daß er ihn vorthin nicht mehr einer solchen höhn- und spöttischen Scharteken bezahle seinen außenstehenden liedlohn unverzüglich zu entrichten schuldig [27]
Zwei Jahre nach Übernahme der Dillenburger verlobte sich Johann Bernhard Gottsleben mit der des Henrich (von) Bey(i)garten aus Brüssel und 27. November 1621 wird in Dillenburg Hochzeit Der Schwiegervater diente als Kammerdiener Graf Georg Älteren von Nassau-Beilstein (1562-1623) der für seinen Friesland als Statthalter amtierenden Bruder Graf Wilhelm von Nassau-Dillenburg (1560-1620) die Regierungsgeschäfte der Grafschaft und in Dillenburg Hof hielt. Mit seinem geborenen Schwager Philipp Beigarten (gest. 1637) der die Nachfolge seines Vaters bei Graf Georg und 1624 unter Georgs Sohn Ludwig Heinrich Dillenburger Burggrafen aufstieg hatte Johann Bernhard Gottsleben Herborner Pädagogium besucht. Johann Bernhard Gottslebens Vetter Philipp Heinrich Hoen (1576-1649) ist der führende Rat und Nassau-Dillenburgs weit bekannt und hoch geehrt am in Dillenburg so gut wie am Kaiserhof Wien. Als bedeutender Jurist und Professor hatte durch viel verbreitete Werke bereits von der Hohen Schule aus in Tradition und Nachfolge berühmten Johannes Althusius (1557-1638) gewirkt. Wir kennen noch einen Schwager den wohlhabenden Bäcker und späteren Herborner Jost Rücker mit dem Johann Bernhards Schwester um 1627 den Bund der Ehe einging. Bernhard und Magdalena Gottsleben hatten acht Kinder denen bis 1634 bereits fünf in den Kriegsjahren gestorben waren. Namentlich kennen wir Johann geboren am 19. September 1622 Margarete getauft am 15. Dezember 1627 Maria Magdalena geboren am 17. April 1629 und Anna Margreth getauft am 3. 1634 .
Nach sieben Jahren Schuldienst wurde Johann Gottsleben 1626 nach Frohnhausen auf die durch den des dortigen Pfarrers Johannes Wissenbach freie Pfarrstelle aber schon ein Jahr später als zweiter und Hofprediger zum fast gleichaltrigen Landesherrn Graf Heinrich nach Dillenburg zurückberufen. Sieben Jahre blieb Bernhard Gottsleben zweiter Pfarrer und am Hof Prediger wo er die Morgen- und Abendandachten Schloss abhielt. Nach Weggang des ersten Pfarrers Gärtner alias Kluck erhielt Johann Bernhard Gottsleben erste Pfarrstelle. Sein Nachfolger auf der zweiten wurde 1634 Konrad Post (1613-1669) aus Herborn. Mit Konrad Post Johann Bernhard Gottsleben das zweite Taufbuch der Kirchengemeinde an das mit dem Eintrag beginnt: das ist Verzeichnuß derer Kinder welche von Dillenburgischen Pfarr- und Kirchspiels Angehörigen auch sonsten von anders zufälliger Weise zu taufen sind worden. Angefangen im Jahre 1634 in dem Augusto von mir Johanne Bernhardo Gotslebio nachdem beneben Ehrn Conrado Posthio den 10. Augusti Jahres alhier zum Pastorat und Diaconat sind und präsentiert worden.«
Pestzeiten 1625/26 und 1635/36 in Nassau-Dillenburg. Pesttod der Johann Bernhard und Magdalena Gottsleben ( 1635 )
Nach Ausbruch des Großen Krieges stand junge seit 1623 regierende Landesherr Graf Ludwig Heinrich obwohl lange Zeit neutral blieb vor keiner leichten Durch den Übertritt seiner nächsten Verwandten der von Nassau-Siegen und Nassau-Hadamar zum katholischen Glauben der konfessionelle Hader in die eigene Familie und ihm der Schutz seines Landes ungeheuer Galt es zunächst die fremden Kriegsvölker nach von den Landesgrenzen fernzuhalten oder doch die der Bevölkerung nach Kräften zu lindern so Graf Ludwig Heinrich 1631 aus seiner Neutralität schloss sich mit seinen nassau-dillenburgischen Regimentern anfangs protestantischen Seite unter dem Schwedenkönig Gustav Adolf den Kaiserlichen an und hatte auf seinen durch ganz Deutschland seinen Gegnern manche blutige beigebracht.
Während der Kriegsjahre wurde das Dillenburger immer wieder schwer durch Seuchen die die begleiteten getroffen. Die Söldnertruppen waren Träger und von Infektionskrankheiten die sich in den Feldlagern Vernachlässigung der körperlichen Hygiene schnell verbreiteten. Die waren großen körperlichen Strapazen unterworfen das machte wenig geneigt noch ein hohes Maß an für die Sauberkeit aufzuwenden und schwächte ihre Blieben sie für längere Zeit in einem an einem festen Ort dann wurde es die Örtlichkeiten von den hinterlassenen Ausscheidungen - Ausscheidungen wenn sie selber krank waren - zu halten. Die Suche nach Nahrungsmitteln war Führern das vordringlichste Problem denn die Männer zu essen. Da blieb keine Zeit für und Sauberkeit. Auch die durch Kampfhandlungen Plünderungen Brandschatzungen vertriebenen Menschen verbreiteten Krankheitserreger in ihren in denen sie zusammengepfercht hausten. Eindringlich beschreibt Grimmelshausen das Sterben und die Qualen des am Ende seines fünften Buches des »Simplicissimus«. Viehe verdirbt vor Alter / und der Mensch vor Krankheit: Der eine hat den / der ander den Krebs / der den Wolff / der vierte die Frantzosen (...) der zehende die Lungensucht / der das Fieber / (...) Der eine stirbt der Wiegen / der ander in der auff dem Bett / der dritte am / der vierte am Schwerd / der auff dem Rad / der sechste auff Scheiterhauffen / der siebende im Weinglas / achte in einem Wasserfluß / (...) der in einer Schlacht / der dreyzehende durch / (...) Behüt dich Gott Welt / mich verdreußt deine Conversation das Leben so uns gibst / ist eine elende Pilgerfahrt ein unbeständigs / ungewisses / hartes / / hinflüchtiges und unreines Leben / voll und Irrthumb / welches vielmehr ein Tod ein Leben zu nennen (...) Dann obwohl gewissers ist als der Todt / so doch der Mensch nicht versichert / wie wann und wo er sterben / und das erbärmlichste ist) wo sein Seel hinfahren und wie es derselben ergehen wird (...)«.
Hatten bereits früher schwere Pestfälle die Lande getroffen so überstiegen diese im Laufe Großen Krieges bei weitem das bisherige Maß. beiden großen Pestepedemien die Dillenburg in den 1625/26 und 1635/36 heimsuchten übertrafen alles bisher »Anno 1625 den 18. Dezembris hatt das Sterben zu Dillenburg angefangen« so lautet die Aufschrift dem ersten von sechs schmalen vergilbten Blättern die einzelnen Pestfälle untereinander nach Tagen geordnet Damals sind im Laufe von 10 Monaten das Verzeichnis schließt mit dem 30. Oktober 1626 - zusammen 379 Personen darunter etwa Kinder der damaligen Stadtbevölkerung der Seuche zum gefallen. Nach genauer Berechnung waren es 166 namentlich genannte Familien die diese Opfer gebracht Wir zählen mindestens zwölf Familien in denen Eltern sieben weitere in denen fünf Kinder wurden. Unter den Toten befand sich der und Dillenburger Stadtschreiber Johann Textor (1582-1626) der am 30. Oktober 1626 nachdem er zwei Kinder und eine Magd sich hatte hinsinken sehen. Erschütternd wirkt dazu lange Liste der Bürger und Witwen in Stadtrechnung von 1626 die sich aus der Baumstämme holten und zu Brettern für Totenladen ließen.
Zehn Jahre später schleppten die Soldaten Ernst von Mansfelds die Pestilenz wieder in die Dillenburger ein durch die 209 Menschen in Dillenburg gingen. Die außergewöhnlich hohe Zahl der Toten den Oberpfarrer Johann Bernhard Gottleben veranlasst das Totenbuch der Dillenburger Kirchengemeinde anzulegen. Es trägt Titel »Todtenbuch das ist - Verzeichnis derer So in diesem Kirchspiel sowohl draußen auf Dorffen alß Eybach und Nantzenbach item Donsbach und Niederscheld alß auch hier in der Dillenberg von Mans- und Weibspersonen Alten und Todes verfahren seindt. So ahngefangen ist im 1635 als die Kirche dieses Orts bedient Johannes Bernhartus Gotsleb und Conratus Posthius uterque Surgite mortui venite ad judicium!« (beide aus Erhebt euch ihr Toten kommt zum Gericht).
Mit unheimlicher Grausamkeit griff die Pest diesmal in manche Familien ein von denen vier und fünf Glieder in ein Grab wurden. Die sich widersprechenden hygienischen und kirchlichen der Landesregierung spiegeln deren Ratlosigkeit deutlich wider. sie in dem Edikt vom 12. September scharf tadelt »daß allhier im Thal bey ingerissener Landplagen und hochbeschwerlichen Seuch der Pestillentz Vermischung Ohnordnung und Ohnbescheidenheit ja auch wol vielen solcher mutt Will und Frevel darneben unterlauffen daß es fast das Ansehen gewinnen als solten Gesundte und Unbefleckte denen Kranken Befleckten weichen« und denjenigen »die sich bößlich lassen ihren Nachbarn und Mitbürgern diese Plage Ungemach zu Hof und Hauß zu bringen« Strafen androht wird im Gegensatz zu dieser Absicht die Gesunden von den Kranken scharf trennen zwei Monate später am 21. November die Bevölkerung angewiesen sich mit besonderem Eifer gemeinsame öffentliche Gebet angelegen sein zu lassen »zu dem Ende die gemeinen Versammlungen nit versäumen sondern stets undt ohne Unterlaß so und dick dieselbe in der Kyrchen Gottes werden zu besuchen.« So blieb wie immer solchen Zeiten die Kirche die letzte Zuflucht das Volk.
Ergreifend ist das Schicksal der Familie Johann Bernhard Gottsleben das die Teilnahme besonders weil die Aufzeichnungen darüber von ihm selbst Kirchenbuch eingetragen sind:
»1635 septembris 23. abendts um 6 Joh. Bernhard Gotsleben pastorn ein töchterlein Anna genannt gestorben.« Das Kind war am 3. 1634 getauft worden. Schon früher hatte Gottsleben Tochter Margarete verloren die am 15. Dezember getauft war und nach Johann Bernhards Schwester wurde.
»1635 octobris 12. ist Magdalena mein pastors Joh. Bernhard Gotslebii ertzliebe hauszfraw sel. sie den 9. des nachts zwischen 11 12 uhren schwach worden und bisz uf 12. gelegen alsz eben die glock eylf sanfft und seliglich im herren entschlafen und tag mit ziemlicher frequentz mit vieler guthertziger leuth weinen und klagen begraben. Gott verleyhe eine fröliche uferstehung. Eben in diesem monat im 1621. jhar nemlich den 22. hatte das ja bekommen den 31. ejusdem weinkauff den 27. novembris hochzeit gehalten und also nahe 14 jahre im ehestand friedlich und gelebt acht kinder zween söhne sex töchter gezeuget da denn sex todt zwey aber ein sohn und eine tochter so lang will noch leben«.
»[1635 octobris] 16. morgens umb 6 ist mein lieber sohn sel. Joh. Philipps den mittwochen den 14. sich geleget und geworden gestorben und den 17. morgens um uhr begrab[en]; natus hic erat anno 1622 septembris«.
»[1635 octobris] 17. abends ein viertel nach 5 Uhr ist mein noch übriges hertzliebes töchterlein Maria Magdalena so sich den tag eben in der stundt in welcher Philipps sel. verschieden gelegt und schwach worden und ruhig im herren entschlafen und folgenden begraben. Dieses kind war geboren den 17. anno 1629 kurtz nach 12 uhren in nacht.
Also habe ich dem lieben gott dieszem sterben innerhalb dreyen wochen vier seelen die mutter mit drey kinder sonsten noch unszers währenden ehstandes fünf kinder und ist das reich meines gottes im himmel durch mit neun seelen vermehret worden. Die leichnam der fromme gott ahm jüngsten tag frölich mit ihren seelen vereinigen und sie also leib und seel zu sich in sein reich nehmen. Gott der getreu ist undt seinigen nicht will laszen versucht werden über vermögen sondern der versuchung also ein ende dasz sie dieselbige ertragen können wolle dieszer verheiszung nach auch vätterlich mit mir handlen trösten und stärken mir gedult undt auch überwindung verleyhen umb meines lieben herren und Jesu Christi willen. Amen.«
Der so schwer Geprüfte hat sein Unglück nicht lange überlebt. Durch die stetige mit seiner pestkranken Familie wurde Johann Bernhard selbst angesteckt. Am 1. November 1635 ging er zur ewigen Ruhe ein. 10 Tage seiner letzten Tochter wurde er bei Frau Kindern begraben.
Das Dillenburger Kirchenbuch besagt hierüber: »1635 1. Joh. Bernhard Gotslebii pastor und Kirchendiener Dillenberg des morgens um 7 uhr selig ohne einigen schmertzen nachdem er sich den octobris gelegt. Gott der herr wolle sich herde gnädig erzeigen undt sie nicht nach ihrer lehrer zerstreuen. Et sequenti uffm kirchhoff worden bey sein weib und kinder.«
Der Familienname Gottsleben starb mit ihm Dillenburg aus. Die von Konrad Post dem Dillenburger Pfarrer in der Stadtkirche vor einer Trauergemeinde gehaltene »Christliche Klag- und Trostpredigt« wurde mit Trauer- und Trostgedichten seiner Freunde und Justus Henricus Heidfeldt (1606-1667) Georg Corvinus (1608-1645) Johannes Daum und R. G. in der Offizin Christoff Rab zu Herborn gedruckt.
Becker Emil: Die Dillenburger Lateinschule in der Zeit. Dillenburg: Weidenbach 1939 S. 31 f. 80 f.
Becker Emil: Schloß und Stadt Dillenburg. Dillenburg: 1950 [Neuaufl. 1983] S. 125 f. u. f. [Anlage E hier Nennung des Namens
Becker Emil: Johann Bernhard Gottsleben. In: Heimatblätter Pflege und Förderung des Heimatgedankens. Beilage zur 8 (1935) S. 32 u. 10 (1937) 22 u. 36.
Domarus Max von: Ein Opfer der Pest 1635 in Dillenburg. In: Mitteilungen des Vereins Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung [11.] 1907/08 Sp.
Eintragungen im Dillenburger Kirchenbuch (Auszug: VN 51
Gottsleben Klaus: Johann Bernhard Gottsleb(en). Ein Leben den Wirren des Dreißigjährigen Krieges (unveröffentliches Manuskript).
Heiler Carl: Der Herborner Student 1584-1817. In: Annalen 55 (1935) S. 1-100.
Historischer Weg der Stadt Dillenburg. Hrsg. vom der Stadt Dillenburg. Dillenburg 1992 [Faltplan].
Krusenstjern Benigna von: Selbstzeugnisse der Zeit des Krieges. Beschreibendes Verzeichnis. Berlin: Akademie-Verlag 1997 S.
Leichenpredigt »Gotslebius Johannes Bernhardus«; Pastor zu Dillenburg; -ort: (Herborn); Sterbetag -ort: 1. November 1635; -ort: 2. November 1635; Sachtitel: Christliche Klag- Trostpredigt; Verfasser der Leichenpredigt: Posthius Conradus aus damaliger Diener am wort Gottes zu Dillenburg Pastor zu Burbach; Verfasser von Epicedien: Heidfeldt aus (Nassau) frz. / Corvinus Georgius lat. gr. / Daum Johannes lat. / frz. R.G. frz.; Druckort Drucker Erscheinungsjahr: Herborn Christoff 1636 Seitenumfang (paginierte/unpaginierte Seiten): 40/0; Format (Rückenhöhe/bibliographisches = Bogenfaltung): 8/4; Bildliche Darstellung (Kopfvignette): 4 / Schlußvignette: Titelbl.; Standorte: Hessisches Staatsarchiv Marburg; V B 434; Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden; Signatur: 1; Hessische Landesbibliothek Wiesbaden; Signatur Oct. Gl Erläuterungen zum Marburger Exemplar: Großer Wasserfleck rechts zum Hauptstaatsarchiv-Exemplar: Großer dunkelbrauner Fleck mit Papierzersetzung Eingebunden in einen Band mit Personalakten Herborner zeitgenössische handschriftliche Aufschrift auf dem Titelblatt.
Linde Antonius van der: Die Nassauer Drucke Königlichen Landesbibliothek zu Wiesbaden. I. 1467-1817 1882 170 253 u. 396 [Verzeichnung der gedruckten von Johann Bernhard Gottsleben].
Die Matrikel der Hohen Schule und des zu Herborn. Hrsg. von Gottfried Zedler und Sommer. Wiesbaden: Bergmann 1908. (= Veröffentlichungen der Kommission für Nassau; 5) S. 63 235 717 719 [hier Eintragungen des Schulbesuchs und von Johann Bernhard Gottsleben].
Menk Gerhard: Die Hohe Schule Herborn in Frühzeit (1584-1660). Ein Beitrag zum Hochschulwesen des Kalvinismus im Zeitalter der Gegenreformation. Wiesbaden: Historische für Nassau 1981. (= Veröffentlichungen der Historischen für Nassau ; 30).
Renkhoff Otto: Johann Bernhard Gottsleben. In: Nassauische Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. 2. vollst. überarb. erw. Aufl. Wiesbaden: Historische Kommission für Nassau S. 241.
Steubing Johann Hermann: Geschichte der Hohen Schule Hadamer: Gelehrten-Buchhandlung 1823.
Vasold Manfred: Pest Not und schwere Plagen. und Epidemien vom Mittelalter bis heute. Augsburg: 1999 S. 136 ff. [Im Zeitalter des Krieges.]