Joseph Gottsleben Sohn des Krahnenführers Ludwig Joseph Gottsleben am 1. September 1836 als Lehrling in die Druckerei von Kupferberg in Mainz ein und war nach seiner Lehrzeit am 6. September 1841 mehrere Jahre in auswärtigen Druckereien als tätig. Im Revolutionsjahr 1848 kehrte er mit der Absicht sich zu machen in seine Vaterstadt zurück. Doch Plan stieß auf allerlei Hindernisse. Auch Joseph war von den politischen Strömungen der Zeit unberührt geblieben und verfolgte die freisinnig- demokratischen Bestrebungen mit reger Anteilnahme. Hier lag der Hauptgrund dass ihm trotz wiederholter Einreichung Gesuchen die Behörden die Konzession zur Errichtung eigenen Druckerei hartnäckig versagten. Erst als infolge Märzerrungenschaften eine behördliche Genehmigung nicht mehr notwendig konnte er seine eigene Werkstatt einrichten. Das Geschäft wurde wenn auch zunächst nur mit Mitteln 1850 eröffnet. In demselben Jahr begründete Joseph ein Inseratenblatt als erste täglich erscheinende Mainzer
Am 29. Juni 1850 ließ er an den Straßenecken Stadt je ein Exemplar seines Täglichen Straßenanzeigers Von diesem Samstag des ansonsten völlig undramatischen an konnten sich die Mainzer ab sieben morgens darüber informieren wer was zu verkaufen wo eine Wohnung zu haben war oder -wie die »Christie- Heinrich und Compagnie« in Rheinstraße - regelmäßige Postschiff-Passagen zwischen Le Havre New York anzubieten hatte. Wein konnte man Erstausgabe des Täglichen Straßenanzeigers zufolge den Schoppen vier Kreuzer bei W. Alisky auf der Bleiche kaufen oder sich bei M. Cüny dessen Leih bibliothek deutsche englische und französische Literatur besorgen. Reiselustige Mainzer konnten sich anhand wohlsortierten Reisehandbücher der G. Faberschen Buchhandlung an Ludwigstraße in drei Sprachen auf »Deutschland Frankreich Italien die Schweiz etc.« vorbereiten. All dies und mehr aus dem geschäftlichen Leben erfuhren die sich den Aushängen des Täglichen Straßenanzeigers drängenden Mainzer täglich. Wer es einfacher haben wollte konnte Straßenanzeiger auch abonnieren. Für 123 Kreuzer monatlich er ihn täglich ins Haus geliefert aus Druckerei des Joseph Gottsleben im neuen Realschulgebäude der Steingasse.
Keine drei Jahre später am 1. Mai 1853 erfreute Joseph Gottsleben die Mainzer mit sich nun Täglicher Anzeiger nennenden »richtigen« Zeitung sie mit Nachrichten aus aller Welt wie mit einem unterhaltenden Teil versorgte. In der Nummer dieses Täglichen Anzeigers informierte Gottsleben seine die Fürstlich Thurn und Taxischen Postanstalten und Boten in der Umgebung angeworbenen Leser über Konzept: »Der Tägliche Anzeiger bringt Original- und Erzählungen Novellen Gedichte Miscellen Rechen- Rätselaufgaben Feuilleton für Theater und Concert. Täglich eine kurze und Zusammenstellung der Tagesbegebenheiten Geldkurs Getraide- Oel- Brod- und Brandweinpreise. Einsendungen von allgemeinem Interesse finden Aufnahmen.«
Damit war zum 1. Mai 1853 »Zeitung« entstanden die diesen Namen verdiente und ihrem redaktionellen Konzept bereits dem der Zeitungen heute entsprach. Es gab wenn auch noch bescheidener Form einen politischen wirtschaftlichen lokalen und feuilletonistischen Teil. Nicht mehr Anzeigen beherrschten Aufmachung und Inhalt der Zeitung das aktuelle Tagesgeschehen. Dass der Drucker und Joseph Gottsleben ein »moderner« Unternehmer war machte schon ein Jahr später deutlich. Er benannte Täglichen Anzeiger in Mainzer Anzeiger bei gleichzeitiger und übersichtlicher Anordnung des bereits in Ressorts Nachrichtenteils um. Unter diesem Titel der fast Jahre Bestand haben sollte erschien diese Zeitung am 27. April 1854 . Und selbstbewusst ließ Gottsleben seine Leser im Kopf neben dem Titel wissen: »Da Mainzer Anzeiger nebst Beilage täglich in mehr 1.300 Exemplaren erscheint und im ganzen Großherzogtum wird so kann bei der großen Verbreitung Blattes der beste Erfolg für Inserate aller garantiert werden.«
Getreu dem freisinnigen Standpunkt seines Herausgebers eines entschiedenen Anhängers der Volkspartei vertrat Anzeiger den Standpunkt der alten süddeutschen Demokratenpartei . Bald gelang es dem Blatt in Kreisen der Bevölkerung eine große Beliebtheit und Einfluss zu erringen. Freilich blieben wegen der Haltung der Zeitung und seinem Herausgeber auch Anfechtungen nicht erspart. Öfters - ganz besonders kritischen Jahre 1866 wo der Anzeiger eine Zeit lang sein Erscheinen einstellen musste - geriet Joseph mit dem Pressgesetz in Konflikt und wiederholt er Geld- und auch Freiheitsstrafen über sich ergehen lassen. Mit dem des Anzeigers ging auch ein Ausbau der Druckerei einher. Im Jahre 1862 mussten neue Räumlichkeiten bezogen werden und [[1. Januar] 1871 wurde durch Ankauf der C. O. Steindruckerei ein neuer Zweig dem alten Geschäfte
Am 1. Dezember 1884 zog sich Joseph Gottsleben aus dem zurück das er seinem am 14. August 1860 geborenen Sohn Johann Baptist übertrug. Krankheitshalber dieser aber bereits am 1. Juli 1897 die Leitung der Druckerei niederlegen. Sie mit der Kupferbergschen Druckerei vereinigt und in Aktiengesellschaft »Mainzer Verlagsanstalt und Druckerei A. G. vormals Gottsleben und Fl. Kupferberg« umgewandelt.
Dem neuen Unternehmen wurde am 1. April 1899 das Gewerbepatent als »Buchdrucker mit sechs erteilt. Die neue Zeit mit ihren neuen hielt auch in der Druckerei Einzug. Setzmaschinen die mühsame Arbeit der Handsetzer eine stürmische setzte ein. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht präsentierte sich der Mainzer Anzeiger großformatig im Vierspalten-Umbruch übersichtlich gegliedert und mit ausgestattet was zum Betrieb und zum Bild modernen Großstadt-Zeitung zählt.