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Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts


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Inhaltsverzeichnis

Die Kirchenreform

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde der Kirche erstmals verstärkt über die Stellung Klerus und den Einfluss der Laien diskutiert. weiterer Streitpunkt war die Frage welche Position Papst innerhalb der Kirche einnehmen sollte. Die um die Reformen hatten im Rahmen des ihre größte Bedeutung für das Verhältnis von und kirchlicher Macht aber sie erschöpften sich darin. Es ging den Reformern vielmehr darum Kirche zu dem Idealzustand der Urkirche zurückzuführen sie in der Lage sei die Welt zum Christentum zu führen.

  

Die Inhalte der Kirchenreform

Der Nikolaitismus

Die Priesterehe und das Priesterkonkubinat war im Frühmittelalter abgelehnt worden. So forderte bereits I. (gest. 461) die Ehelosigkeit nicht nur Priester sondern auch für Subdiakone. Grundlage dieser waren Bibelzitate (z.B. Mt 19 12; Mt 30; 1 Kor 7 32 -- 34.) die daraus entstandenen kanonischen Rechtsbestimmungen.

Allerdings konnten sich diese Vorstellungen insbesondere Landklerus nicht durchsetzen. Dies hing nicht zuletzt der mangelnden Ausbildung des niederen Klerus zusammen. dem Beginn des 11. Jahrhunderts wurden zunehmend unternommen diesen Missstand zu beheben. Auf dem von Pavia 1022 wird das Zölibatsgebot noch betont und festgelegt dass die Kinder der als Kirchenhörige unfrei waren. 1031 wurde auf Synode von Bourges verboten einen Kleriker oder Kinder zu heiraten.

Einen weiteren Vorschub erhielt die Forderung zölibatären Lebenswandels in der Auseinandersetzung mit der Kirche. Der orthodoxe Mönch Niketas Stethatos verteidigte einer Streitschrift die nichtzölibatäre Lebensform. 1054 reagierte westliche Kirche mit einem Traktat das den als essentiellen Bestandteil der katholischen Doktrin bezeichnete. wurde von der Lateransynode das Verbot ausgesprochen einem Priester der offensichtlich in einer eheähnlichen lebte die Messe zu hören. Papst Leo verbot darüber hinaus den Gläubigen die Gemeinschaft nikolaischen Priestern und erklärte alle Konkubinen der als Unfreie im Besitz des Laterans.

Waren bis dahin die Grundlagen für Bekämpfung des nichtzölibatären Lebens von Priestern gelegt wurde erst durch Papst Alexander II. und Nachfolgern mit der energischen Durchführung der Bestimmungen

  

Die Simonie

Ebenso wie der Zölibat sollte das der Simonie die Qualität der Sakramente für Gläubigen sicherstellen. Schon Gregor I. hatte Simonie Häresie bezeichnet. Er erklärte darüber hinaus dass bereits dann vorliege wenn für das geistliche Gefälligkeiten geleistet wurden oder es durch Schmeichelei Übertragung gekommen ist. Um 1012 hatte sich Koblenzer Bischofsversammlung mit der Bedeutung der Lebensführung Klerikers für die Qualität der von ihm Eucharistiefeier beschäftigt. 1014 befasste sich die Doppelsynode Papst Benedikt VIII. erstmals mit der Regelung Bischofweihe. Allerdings galt die Simonie zunächst nur Problem der Niederkirchen. Die Verleihung eines Bischofsamtes den König betrachtete man nicht als als Das führte z. B. dazu dass Konrad auf der Synode in Tribur 1036 simonistische verbot auf der anderen Seite aber bedenkenlos Besetzung von Bistümern und Abteien von Gegenleistungen machte und von den Hochkirchen das „servitium einforderte.

Die zunehmende Beschäftigung mit dem Problem Simonie führte schließlich zur Frage wie die die von einem simonistischen Priester erhalten worden zu bewerten seien. Zu dieser Frage bildeten zwei Meinungen. Die radikaleren Kräfte der Reformer davon aus dass solche Sakramente nichtig seien. gemäßigte Flügel sahen die Wirksamkeit der Sakramente tangiert weil nicht der jeweilige Priester sondern heilige Geist selbst das Sakrament im eigentlichen spende. Schließlich legte eine von Papst Clemens und Heinrich III. einberufenen Generalsynode 1047 fest Kleriker die von einem Simonisten geweiht worden nach einer vierzigtägigen Buße weiterhin im Amt konnten. Allerdings konnte sich diese Ansicht nicht Erst das „Dercetum contra Simoniacos“ von 1059 eine endgültige Lösung die allerdings weitgehend mit Bestimmungen von 1047 übereinstimmte.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Weihen Thema einer Vielzahl von Abhandlungen. In Reihe fallen die „Liber Gratissimus“ von Petrus und die „Libri tres adversus Simoniacos“ von von Silva Candida. Petrus Damiani war ein der gemäßigten Partei. Er ging in seinen davon aus dass das Amt eines Klerikers die Qualität der Sakramente ausschlaggebend sei nicht Lebenswandel. Seine Thesen stützte er unter anderem die Schriften Augustinus der in der Auseinandersetzung der donatistischen Kirche eben jene Ansicht über Wert der Sakramente vertreten hatte.

Humbert von Silva Candida vertrat dagegen Ansicht der Heilige Geist wende seine Gnade bei Katholiken in vollem Umfang zu. Da seiner Meinung Simonisten als Häretiker zu gelten und Häretiker keine Katholiken seien wären sie nicht in der Lage gültige Sakramente zu Humbert geht aber noch einen Schritt weiter erscheinen Simonisten schlimmer als Häretiker und er sie mit dem apokalyptischen Tier.

Ebenso wie bei der Durchsetzung des begann die Bekämpfung der Simonie im größeren erst während des Pontifikats Alexanders II.

Der Investiturstreit

Der Investiturstreit war mit der Bekämpfung Simonie eng verknüpft. Die Laieninvestitur die Übertragung Verfügungsgewalt über Dinge wurde von den Reformkräften zwei Gründen mit der Simonie verglichen. Zum hatte der Ablauf der Investiturzeremonie mit der viel Ähnlichkeit zum anderen gab es Parallelen Amtseinführung der Kleriker in den Niederkirchen bei der Grundherr als Eigenkirchenherr tatsächlich die Einführung das Amt vornahm.

Den prinzipiellen Unterschied zwischen den adeligen und dem König das sacerdotum wurde von seit der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wieder in Zweifel gezogen. Der 1025 gestorbene Burchard von Worms stellt das Kirchenrecht über weltliche Recht bezeichnet die Kaiser ebenso wie Könige als Laien und verurteilt die Erhebung Bischofsamt mit der Unterstützung von Laien. Ebenso Wazzo von Lüttich es ab dass Bischöfe König in den Fragen des Amtes Rechenschaft seien und sah die Treueverpflichtung nur noch weltlichen Angelegenheiten als gegeben an.

Allerdings war man sich auch innerhalb Reformpartei nicht einig wie weit der Einfluss Königs an der Bischofseinsetzung gehen dürfe. Die einer extremeren Position wie z.B. Humbert von Candida lehnten die Investitur durch weltliche Herrscher In der Abhandlung „Adversus Simoniacos“ betrachtet Humbert Könige als Laien. Zusammen mit der Vorstellung kein Mensch etwas von einem anderen umsonst könne - diese Idee wurde von Humbert zweiten Buch von „Adversus Simoniacos“ entwickelt - dass die Verleihung von Kirchengut durch den zumindest simonistische Tendenzen hat.

Neben der Nähe zur Simonie kritisierte den Einfluss den die Könige auf die von Bischofsstühlen hatte auch grundsätzlich. Er berief dabei auf Papst Leo den Großen. Dieser 458/59 in einem Responsum an Rusticus von formuliert dass keine vernünftige Überlegung es zulasse zu den Bischöfen auch Personen gerechnet würden weder von den Geistlichen gewählt noch von Bevölkerung erbeten noch von den Bischöfen ihrer mit der Billigung des Metropoliten geweiht worden

Einen gemäßigteren Standpunkt nahm Petrus Damiani Er kritisierte die Mitwirkung der weltlichen Kräfte der Investitur nicht grundsätzlich. Ihm war nur dass die Wahl und Ernennung des Bischofs kanonischen Recht ablief. Damiani konnte beide Punkte vereinigen dass er die Übergabe von Ring Stab nicht als Weihe betrachtete.

Zu der Auseinandersetzung führte die Diskussion die Investitur durch den König wegen einer Entwicklung die das Selbstverständnis der deutschen Könige Sie sahen in der Königswürde mehr und auch sakrale Aspekte und ergänzten die bereits den Karolingern übliche Verleihung des Stabes mit des Ringes. Tatsächlich erscheint der Begriff „investire“ Bezeichnung für die Übergabe des Stabes an Bischof oder Abt durch den König erst der Herrschaft Heinrich II. Auch kirchliche Vertreter im Königsamt geistliche Inhalte so setzte z.B. von Fleury den rechtmäßig gewählten König bezüglich geistlichen Qualität einem Bischof oder Abt gleich.

Die Stellung des Papstes

Eine weitere Entwicklungslinie ist die Frage der Bedeutung des Papstes in der kirchlichen Hier standen die episkopalische und die papalistische zur Disposition. Allerdings wurde die besondere Stellung von kaum einem Autor rundweg abgelehnt es vielmehr um den Umfang des römischen Primats Der Papst galt unangefochten schon vor dieser als das spirituelle Oberhaupt der Kirche. So der Bischof Burchard von Worms in seinen libri XX“ den Papst als Bischof des Sitzes bei dem größere Rechtsfälle entschieden werden Er lehnte es aber ab den Papst höchsten Priester oder Fürst der Priester zu Seit den Synoden von Sutri und Rom sich aus der besonderen Stellung Roms der der die Unterordnung der Bischöfe unter den forderte. Hierin ist auch der Anfang jener zu suchen die zu einem Papsttum führt Selbstverständnis durch Institutionalisierung und Verrechtlichung geprägt ist.

Während des Pontifikats Leos IX. (1049 1054) bekam die Entwicklung des römischen Primats neuen Schub. Durch eine in der Kürze Amtszeit ungewöhnlich hohe Anzahl von Synoden elf zwölf in fünf Jahren die auch außerhalb abgehalten wurden wies er den Weg aus regionalen Gebundenheit des Pontifikats. Auch mit der des Kardinalkollegiums und des Kreises seiner Berater er diese Absicht. Hier sind unter anderem und Humbert von Moyenmoutier zu nennen. Auch Einfluss der römischen Adelsparteien konnte so zurückgedrängt

Auch die deutschen Könige wurden durch Entwicklung tangiert. Die rechtliche und verwaltungstechnische Orientierung Rom musste zum Konflikt mit dem deutschen führen. Ebenso entfernte sich das Papsttum selbst diese Entwicklung aus der Bindung zum deutschen Leo IX. akzeptierte seine Ernennung nur unter Vorbehalt dass der römische Klerus und die Roms ihn durch eine Wahl bestätigen würden. konnte Heinrich III. mit der Designation von von Eichstätt als Nachfolger von Leo nochmals Kandidaten durchsetzen aber schon dessen Nachfolger führten Politik Leos fort. Nach Gebhart wurde der Friedrich von Lothringen unter dem Namen Stephan zum Papst erhoben und erst nachträglich um Zustimmung gebeten. Zwar suchten die Reformkräfte einen zu vermeiden man war aber der Meinung Stephan bereits vor der Zustimmung des deutschen rechtmäßiger Papst war - ein Schreiben an Bischof von Reims in dem dieser zu und Treue aufgefordert wird macht dies deutlich.

Das Papstwahldekret von 1059 markiert den Schritt in der Entwicklung. In diesem Schriftstück festgelegt wie die Einsetzung eines Papstes zu habe. Hierin wird festgelegt dass der Papst durch Wahl des Klerus und der Bevölkerung ermittelt werden könne. Dem König wurde zwar Mitspracherecht eingeräumt die Formulierung lies aber einen Interpretationsspielraum für die Art und dem Umfang Mitsprache.

Der erste nach den Bestimmungen des gewählte Papst Alexander II. sorgte für einen Ausbau der Zentralisierung innerhalb der Kirche. Dazu er die Palliumvergabe und den Treueid für ein. Insbesondere die Leistung des Treueids der Erzbischöfe zu regelmäßigen Besuchen nach Rom verpflichtete wie weit die Macht des Papstes bereits wurde. In diese Richtung deuten auch erfolgreiche in Frankreich England und Spanien.

Gregor VII. der Nachfolger Alexanders der das Amt übernahm fasste schließlich im „Dictatus die wichtigsten Gründe für die Vorrangstellung der Kirche zusammen. Er berief sich zwar hauptsächlich überliefertes Kirchenrecht ergänzte aber diese Tradition durch Grundsätze. Gregor leitet im „Dictatus papae“ seine von Petrus ab (Mt 16 18f.) und so den Schluss dass der Papst innerhalb Kirche die absolute „auctoritas" innehat. Diese Autorität ihn zum obersten Kirchenrichter und Hüter der Aber nicht nur in der Kirchenhierarchie beanspruchte eine Sonderstellung. Diese Vormacht sieht er auch Bezug auf die weltlichen Herrscher einschließlich dem

Der nach dem nur ein Jahr Nachfolger Gregors eingesetzte Urban II. relativierte die des Papstes gegenüber dem Kaiser. Urban sah eine seelsorgerische Verantwortung der Priester für die Herrscher er ging aber nicht mehr vom Anspruch Gregors aus. Vielmehr vertrat er die Die Stellung des Papstes innerhalb der Kirche er ähnlich absolut wie Gregor. Um diesem gerecht zu werden baute Urban die Verwaltung römischen Kurie aus.

Paschalis II. ging in der Anerkennung weltlichen Macht noch einen Schritt weiter. Er ein Partnerschaft der „potestas regia“ mit der auctoritas“ als Ideal. Innerkirchlich konnte er die des Papstes weiter ausbauen. Dafür formulierte er die Palliumverleihung eine inhaltliche Bedeutung. Er erklärte dem Pallium werde dem Metropoliten die volle Gewalt gegeben. Ohne Pallium konnte kein Metropolit weihen oder Synoden abhalten.

Ergebnis der Reformen

Die Reformen der Kirche hatten das die Qualität der Priester und damit die Sakramente zu verbessern und zu erhalten. Die um die Investitur die unter Gregor und nachfolgenden Päpsten einen breiten Raum einnahmen waren Grunde ein Teil der Simonieproblematik in die die Frage nach der Stellung des Papstes Verhältnis zur weltlichen Macht trat. Die harte zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. war auch nur eine Episode in der Entwicklung. seine Nachfolger suchten den Ausgleich der im Konkordat mit der Trennung der Temporalien und schließlich gefunden wurde.

Die Auseinandersetzung mit der Funktion und der Kirche und des Klerus förderte innerhalb Kirche die Verrechtlichung während der Ausbau der des Papstes über seine spirituelle Vorrangstellung hinaus Aufbau der Kurienverwaltung notwendig machte. Beide Vorgänge die Entwicklung einer Kirche die aus der Bindung an die weltliche Macht wie sie Frühmittelalter bestand ausbrach und zu einem eigenständigen wurde.

Literatur

  • Johannes Laudage Priesterbild und Reformpapstum im Jahrhundert Egon Boshof (Hrg.) Beihefte zum Archiv Kulturgeschichte Heft 22 Köln/Wien 1984.

  • Johannes Laudage Gregorianische Reform und Investiturstreit der Forschung Bd. 282 Darmstadt 1993.

  • Joseph Lortz Geschichte der Kirche in Betrachtung Bd. 1 Altertum und Mittelalter Münster

  • Gerd Tellenbach „Gregorianische Reform“ Kritische Besinnungen. Karl Schmid (Hrg.) Reich und Kirche vor Investiturstreit. Vorträge beim wissenschaftlichen Kolloqium aus Anlaß achtzigsten Geburtstags von Gerd Tellenbach Sigmaringen 1985.

  • Gerd Tellenbach Die westliche Kirche vom bis zum frühen 12. Jahrhundert Bernd Moeller Die Kirche in ihrer Geschichte Bd. 2 F1 Göttingen 1988.



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