Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier. Der Kontrapunkt (lat. contrapunctus ; ital. und span. contrapunto ; frz. contrepoint ; engl. counterpoint ; aus punctus contra punctum Note gegen Note ; von lat. punctum contra punctum also "Note gegen Note" ) ist die Satztechnik der Polyphonie die ihren Höhepunkt in der Musik frühen Neuzeit hatte.
Im Gegensatz zur Homophonie in welcher die beteiligten Stimmen nach Melodie und Begleitung bzw. Füllstimmen differenziert sind die damit akkordisch-vertikal orientiert ist wird in kontrapunktischen Satztechnik danach gestrebt die lineare Selbständigkeit einzelnen Stimmen zu wahren und so zu horizontalen Geflecht unter motivischer Beteiligung aller Stimmen gelangen.
Die wichtigsten Prinzipien dabei sind:
möglichst Gegenbewegung der Stimmen insbesondere der und der tiefsten gegeneinander
Natürlich hat die Selbständigkeit ihre Grenzen. wir einen Zusammenklang mehrerer Töne wie eine Folge von Tönen nur verstehen wenn wir zur Einheit der Bedeutung eines Klanges zusammenfassen wird die selbständige Bewegung mehrerer Stimmen nur sein wenn sie die Auffassung im Sinn Harmonie zuläßt.
Dass sich z. B. nicht die Stimme in der As dur-Tonleiter die andere in der G dur-Tonleiter bewegen kann ist sich verständlich; doch ist es noch nicht dass die Fortschreitungen beider im Sinn desselben geschehen es muß auch die Stellung dieses zu anderen in beiden gleich aufgefaßt sein.
Je nach Anzahl der vorhandenen Stimmen Themen bzw. Motiven werden einfacher doppelter und mehrfacher Kontrapunkt unterschieden.
Wichtige musikalische Formen die eine kontrapunktische Satztechnik voraussetzen sind Kanon und Fuge .
Im Kontrapunkt wird die Quarte als dissonant aufgefasst. Die konsonanten Intervalle sind jeweils die große und kleine Terz und Sext sowie die perfekt konsonanten Intervalle Quinte und Oktave .
Zwei verschiedene Methoden stehen einander gegenüber Verschmelzung erst das Rechte treffen kann nämlich auf die alten Kirchentöne fußende und die von der Dur - und Molltonleiter ausgehende. Den Versuch dieser Verschmelzung hat Riemanu in seiner "Neuen Schule der Melodik" ( 1883 ) gemacht.
Als der Name Contrapunctus im 14. Jahrhundert aufkam war die des mehrstimmigen Satzes schon sehr entwickelt; die Regulae de contrapuncto auftretenden theoretischen Traktate eines Johannes de Philipp von Vitry u. a. bringen daher eigentlich Neues sondern sind Abhandlungen über die Discantus genannte Schreibweise mit veränderter Terminologie. Sie dabei aus von dem Satz: Note gegen Note ( punctus contra punctum oder nota contra notam ) der von Muris ausdrücklich als fundamentum discantus bezeichnet wird.
Den ungleichen Kontrapunkt nennt Muris Diminutio contrapuncti eine Auffassung die noch heute zu besteht.
Notenbeispiel nach Muris ( Diminutio contrapuncti ):
Die imitatorischen Formen des Kontrapunktes reichen bis ins 13. Jahrhundert; Walter Odington ( 1228 Bischof von Canterbury) gibt vom Rondellus die Definition: "Si quod unus cantat omnes per ordinem (Coussemaker "Script." I 245).
Zu übertriebener Künstelei wurden die Imitationen durch die Kontrapunktisten des 15. bis 16. und klärten sich schließlich im 17. bis Jahrhundert ab zur Kunstform der Fuge ; der strenge Kanon mit schneller Stimmenfolge ist schließlich doch ein Kunststück eine Spielerei.
Von ungleich höherer Bedeutung für die ist der sogen. doppelte Kontrapunkt welcher so angelegt ist dass die vertauscht werden können d. h. die obere untern gemacht wird. Man unterscheidet den doppelten in der Oktave in der Dezime und der Duodezime je nachdem ob er für Umkehrung durch Versetzung in die Oktave Dezime Duodezime berechnet ist. Eine klare Darlegung der Arten des doppelten Kontrapunktes und des Kanons schon Zarlino in seinen Institutooni armoniche ( 1558 ).
Ihren Höhepunkt erlebt die Kontrapunktik mit der gleichschwebend temperierten Stimmung . Nun jagen sich Ductus und Comapgnon den Quintenzirkel wie Johann S. Bach es in Kunst der Fuge demonstriert.
Lehrbücher des Kontrapunktes im alten Stil Zugrundelegung der Kirchentöne) sind die von Martini Cherubini Fétis Bellermann Bußler u. .a.; für ist die Harmonielehre nur ein Accidens die sind im Grunde dieselben wie zu den des Discantus als man von Harmonie überhaupt noch klaren Begriff hatte (Intervallenlehre statt Harmonielehre).
Dagegen lehnen sich die Werke von (B. Scholz) Richter Tiersch u. a. enger die Harmonielehre an – bei ihnen ist die die eigentliche Schule und der Kontrapunkt die aufs Exempel; durch jene muß der Schüler diesen instinktiv zu handhaben.