Die Lebensphilosophie bezeichnet in der Neuzeit weniger eine der Philosophie als vielmehr eine Tendenz eine die herrschenden Ideologien zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufzufangen. So können auch lebensphilosophische Elemente Pragmatismus Existenzialismus und der Phänomenologie gefunden werden.
Aus dem Kreise der Romantiker stammt der Name Lebensphilosophie : Er wurde zuerst von Friedrich Schlegel in seinen Vorlessungen über die Philosophie des Lebens ( 1828 )erwähnt. Schlegel hatte die Vernunft als die des "irdischen Elements" als "negatives böses Prinzip" Er zog gegen die "absolute Vernunftdenkerei" der Aufklärung und gegen das "gewöhnliche wissenschaftliche Denken" Feld hob aber zugleich seine eigene Lebensphilosophie dem "inneren geistigen Leben" als Gegenstand gebunden Religion und Poesie seine Gefühle und seine Persönlichkeit zur "res sacra et devina" zur Instanz. Und in seiner Wissenschaftskritik äußerte er: der Wissenschaft ist das Absolute der tötende der lebendigen Wahrheit in welchem statt ihrer der hohle Begriff und die leere Formel Damit hatte er das geistige Fundament für philosophischen Nachfolger bereit.
Die Lebensphilosophie erlangte besonders in Frankreich und Deutschland Wirkung.
Im Zentrum der Betrachtungen der Lebensphilosophie steht das Leben als Erleben "das von den Menschen gelebte Leben"(Dilthey) der materiellen Welt als höherwertig gegenübergestellt wird. Bergson vermag der rein wissenschaftlich forschende Verstand Lebendige nicht zu begreifen da seine Abstraktionen Dynamik und Einmaligkeit des Lebendigen nicht gerecht könne. Dies beruhe auf dem verräumlichten Zeitbegriff den Naturwissenschaften. Er unterscheidet darum zwei Bereiche Wirklichkeit : die der Raumvorstellung unterliegende (starren von Gesetzen beherrschten) Materie und das der Zeitvorstellung unterliegende (bewegte) und ("dauernden") Bewußtsein.
Die Erkenntnis der materiellen Welt obliegt Bergson dem Verstand (der Wissenschaft) der zugleich Erkenntnis des Lebens als schöpferischen Prozess untauglich Als Organon zur "Erkenntnis" des Lebens wird Intuition aufgefasst. Die durch Intuition gewonnenen "Erkenntnisse" im Unterschied zu den Erkenntnissen des Verstandes klar und deutlich ausgedrückt werden sondern nur oder Anregung dafür sein dass andere zu intuitiven Einsichten gelangen. Die Intuition stellt dabei Verknüpfung von Instinkt und Intellekt dar.
Bei Dilthey findet sich eine ähnliche wie bei Bergson. Dilthey stellt die Geisteswissenschaften den Naturwissenschaften gegenüber und proklamiert für beide sowohl (objektive) Zusammenhänge als auch Erkenntnisweisen: "Der Zusammenhang der Natur ist abstrakt der seelische und aber ist lebendig lebenstätig". Und: "Der Zusammenhang der gesitigen Welt wird erlebt und nachverstanden" nicht in wissenschaftlichen Methoden erkannt (In: Werke S. 119).
Voraussetzung einer solchen Auffassung war der mit der progressiven Tradition der Aufklärung und klassischen Philosophie den Dilthey dann auch bewußt "Wir blicken zurück auf ein unermeßliches Trümmerfeld Traditionen metaphysischer Behauptungen demonstrierter Systeme" (in: Werke 76). Schließlich gesellt sich zu Diltheys Auffassung tiefer Pessimismus: "Die heutige Analyse der menschlichen erfüllt uns alle mit dem Gefühl der der Macht des dunklen Triebes des Leidens den Dunkelheiten und den Illusionen der Endlichkeit allem was Leben ist" (in: Werke VII
Das letzte Wort der Lebensphilosophie Diltheys ist ein absolut gesetzter Relativismus : jede Art der menschlichen Erkenntnis ist alles ist im Prozess fließend nichts ist der "Typus Mensch zerschmilzt im Prozeß der (in. Werke V XCI).
Ähnlich wie bei Bergson und Dilthey die anderen Vertreter der Lebensphilosophie . Von Philipp Lersch werden folgende Grundpositionen
"Indem die Lebensphilosophie von der inneren Erfahrung wird das rational-discursive Denken eines Geltungsanspruchs der vertretbaren 'objektiven' Erkenntnis entmächtigt und allen nicht-rationalen des Erlebens also den Trieben Affekten Leidenschaften und Gefühlen die Funktion des Erkennens zugeschrieben...Dem kommt ein urpsrünglicher und selbständiger objektiver Geltungswert es überschreitet den Bereich des rein Subjektiven vermag Welt in Erfahrung zu bringen...Der erfahrungstheoretische der Lebensphilosophie spitzt sich schließlich zu auf transrationalen Apriorismus der in schroffem Gegensatz steht zum Apriorismus Kants".
Der Lebensphilosophie "erscheint Welt nicht als geinnertes Sinnantlitz als Ordnungsgefüge antlitzloser Gegenstände in dem die der Innerlichkeit des Erlebens erschlossenen Qualitäten als irrelevant weggestrichen und auf die objektive Realität von Quantitäten zurückgeführt werden" (Lersch Grundsätzliches zur Lebensphilosophie 1937 ).
Das aufkeimende Ahnen der großen weltweiten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts liessen in den Strömungen der Lebensphilosphie wachsende Tendenzen des Bruchs mit gewachsenen Traditionen erscheinen.
Ein betonter Irrationalismus verkümmerter objektiver Idealismus mit einer ständig wachsenden Neigung zum Idealismus Erkenntnispessimismus und Agnostizismus der zum Mystizismus gesteigert wird sowie methodische Willkür und Relativismus schließlich positivistische und biologistische Einschläge kennzeichnen Tendenzen.
Die Lebensphilosophie setzt dem Rationalismus der klasssischen Philosophie den Irrationalismus entgegen ersetzt die wissenschaftliche Erkenntnis durch Intuition stellt die Anschauung über den Begriff relativiert sowohl jede Erkenntnis als auch jeden der Erkenntnis.