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Leichensynode


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Die Leichensynode in Rom im Januar 897 war ein kirchlicher Schauprozess zu dem Papst Stephan VI. die Leiche seines Vorvorgängers Formosus exhumieren und diesen wegen angeblicher Missbräuche seiner Amtsführung aburteilen ließ. Das makabere Schauspiel einen der moralischen Tiefpunkte in der Geschichte Papsttums dar.

Inhaltsverzeichnis

Die Ereignisse

Vorgeschichte

Die Herrscher des zerfallenden Karolingerreichs verloren in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts zunehmend an Einfluss im italienischen Reichsteil. der Absetzung Kaiser Karls III. des Dicken durch den Reichstag von Tribur bei Frankfurt am Main im Jahr 887 konkurrierten Markgraf Berengar I. von Friaul Herzog Wido II. von Spoleto um die in Italien. Zugleich hielt auch Karls Neffe neue ostfränkische König Arnulf von Kärnten seinen Herschaftsanspruch aufrecht.

Im Jahr 889 besiegte Wido den im Jahr zuvor König von Italien gekrönten Berengar und ließ sich in Pavia selbst die Krone aufsetzen. Der damalige Stephan V. unterstützte das Haus Spoleto widerwillig Widos Herzogtum in unmittelbarer Nachbarschaft zu Rom lag er auch in der Stadt großen Einfluss ausübte. 891 krönte der Papst Wido gar zum Kaiser .

Formosus der Stephan V. noch im Jahr auf den Papstthron folgte behielt die Politik seines Vorgängers bei: Er wiederholte 892 Widos Krönung und erhob dessen Sohn II. von Spoleto zum Mitkaiser. Gleichzeitig erneuerte insgeheim ein Hilfsersuchen seines Vorgängers an König Dieser folgte dem Ruf 894 kam nach Italien und besiegte Wido kurz darauf starb. Am 22. Februar 896 krönte Formosus schließlich Arnulf von Kärnten Kaiser obwohl damals die Witwe Widos Herzogin über Rom herrschte.

Kurze Zeit nachdem Arnulf Rom verlassen nur sechs Wochen nach der Kaiserkrönung starb etwa 80-jährig am 4. April 896 . Dies hat ihn wohl davor bewahrt zu Lebzeiten Ziel der Rachegelüste der Spoletiner werden.

Stefan VI. und die Leichensynode

Formosus' Nachfolger Bonifaz VI. wurde bereits nach nur 14-tägigem Pontifikat wieder abgesetzt. Der im Mai 896 gewählte Stephan VI. erkannte zunächst ebenfalls als Kaiser an wechselte aber die Seite Widos Sohn Lambert seine Machtposition in Rom gefestigt hatte. Um seine Stellung zu behaupten er sich Lambert als Werkzeug für die an Formosus an.

Neun Monate nach dessen Tod ließ VI. die schon verwesende Leiche seines Vorgängers aus der Gruft holen päpstlichen Gewändern bekleiden und auf den Thron Dann wurde er in einer dreitägigen Prozedur angeklagt und verurteilt wegen teils erfundener teils teils von Stephan VI. selbst verübter Handlungen.

So wurde Formosus Eidbruch und ehrgeiziges Streben nach dem Papstamt Für ersteres hatte er aber bereits die von Papst Marinus I. erhalten; der zweite traf damals auf so gut wie jeden des Apostolischen Stuhls zu der zu einem Spielball der Adelssippen geworden war. Der Hauptanklagepunkt in dem war der Vorwurf der Translation vom Bistum Porto auf den Stuhl also Formosus' Wechsel von einem Bischofsamt in anderes. Im Grundsatz war dies nach damaligem zwar tatsächlich verboten in Ausnahmefällen - wie Wahl zum Papst - aber erlaubt. Das perfide an diesem Anklagepunkt: Stephan VI. war seiner Papstwahl selbst Bischof von Anagni gewesen ein Amt das niemand anderes Formosus ihm übertragen hatte.

Im Urteil das von Beginn an wurde Formosus für abgesetzt sowie alle seine und von ihm gespendeten Weihen für ungültig erklärt. Letzteres löste praktischerweise Stephans VI. eigenes "Translationsproblem". Denn da seine zum Bischof von Anagni ja nun ebenfalls wurde war er de iure nie Bischof und konnte sich auch nicht des Wechsels ein anderes Bistum schuldig gemacht haben. Wegen angeblichen Eidbruchs wurden dem toten Formosus die Schwurfinger der rechten Hand abgehackt. Seine Leiche Stephan VI. zunächst auf den Begräbnisplatz der in Rom und später in den Tiber schleifen.

Nachwehen

Stephan VI. konnte sich seines makabren nicht lange erfreuen. Noch im August 897 wurde er durch einen Aufstand der Partei gestürzt in den Kerker geworfen und erwürgt. Sein 2. Nachfolger Theodor II. der 20 Tage lang auf dem Papstthron saß im Dezember 897 die wieder aufgefundene Leiche Formosus' ehrenvoll und hob sämtliche Beschlüsse der Leichensynode wieder

Die Machtkämpfe zwischen den verschiedenen Adelsparteien in den nächsten Jahren an Heftigkeit und noch zu. So kam 904 mit Sergius III. wieder ein Angehöriger der Partei Stephans an die Macht. Dieser nach dem Zeugnis Geschichtsschreibers und Bischofs Liutprand von Cremona ein auf dem Papstthron verfolgte die Partei des erneut.

Literatur

  • Hans Kühner Lexikon der Päpste. Kirchengeschichte - Weltgeschichte - von Petrus bis heute Zürich 1977
  • Karlheinz Deschner Kriminalgeschichte des Christentums. Band 5: 9. und Jahrhundert Reinbek 1997




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