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Martin Hohmann


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Martin Hohmann (* 4. Februar 1948 in Fulda ) ist CDU - Politiker und Mitglied des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Fulda. Als MdB er 1998 die Nachfolge von Alfred Dregger an. Wegen des Vorwurfs antisemitischer Äußerungen Hohmann am 14. November 2003 als erster Abgeordneter überhaupt aus der des Bundestages ausgeschlossen. Hohmann ist verheiratet und drei Kinder.

Hohmann wird von Kritikern als katholischer Fundamentalist bezeichnet. Er machte mit seiner Ablehnung Praktiken mehrfach von sich reden bezog deutlich gegen den Multikulturalismus und gilt als Vertreter rechts-konservativen Flügels der CDU.

In seiner Zeit als Bürgermeister der Neuhof setzte sich Hohmann für die Wiedererrichtung jüdischen Friedhofs ein. Er ist mit 54 % der Stimmen direkt gewählter Abgeordneter des 176 ( Fulda ).

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

  • 1967 Abitur an Domgymnasium Fulda
  • 1967-1968 Wehrdienst als Fallschirmjäger letzter Dienstgrad Major der Reserve
  • 1969 Jurastudium in Frankfurt am Main
  • 1976 Erstes Staatsexamen
  • 1979 Zweites Staatsexamen
  • 1980 bis 1984 Jurist im Bundeskriminalamt
  • 1984 bis 1998 hauptamtlicher Bürgermeister in Neuhof
  • 1997 Martin Hohmann ersetzt Alfred Dregger als CDU-Kandidat für Fulda
  • 1998 Direktgewählter MdB des Wahlkreises Fulda.
  • 2003 Ausschluss aus der CDU/CSU Fraktion Deutschen Bundestag.

Die "Hohmann-Affäre"

Der Anlass

Am 3. Oktober 2003 hielt Hohmann in Neuhof eine Rede Tag der Deutschen Einheit . Darin diskutierte er den Begriff "Tätervolk" Zusammenhang mit "den Deutschen " einerseits und "den Juden " andererseits. Er berief sich auf Thesen Universitätsbibliothekars Johannes Rogalla von Bieberstein und von Henry Ford der ein bekennender Antisemit war. Nach diesen Thesen so Hohmann man "mit einer gewissen Berechtigung ... nach 'Täterschaft' der Juden fragen" und diese "mit Berechtigung als 'Tätervolk' bezeichnen". Damit würde man "der gleichen Logik folgen mit der man als Tätervolk bezeichnet". Im Nachhinein bestand Hohmann in seiner Rede ausgedrückt zu haben dass Begriff "Tätervolk" und der damit verbundene Vorwurf " Kollektivschuld " sowohl "den Juden " als auch "den Deutschen " gegenüber absurd und unangebracht sei.

Tatsächlich bezeichnet Hohmann die Juden in Rede nicht explizit als Tätervolk sondern sagt nur dass sie unter gewissen Voraussetzungen so nennen könne . Seine Argumentation ist ein klassischer Syllogismus dessen Dreischritt sich wie folgt zusammenfassen

1) Den Deutschen werde wegen der nationalsozialistischen Verbrechen der Vorwurf gemacht ein "Tätervolk" sein.

2) Nach der "gleichen Logik" könne man Juden wegen der bolschewistischen Verbrechen ebenfalls den Vorwurf machen ein zu sein.

3) Da diese Logik im Vorwurf gegen die Juden unhaltbar sei sie es auch gegenüber den Deutschen. seien beide keine "Tätervölker".

Die Kritik

Die Kritik an Hohmann weist in Kern darauf hin dass seine Argumentation schon deshalb falsch und in der antisemitisch sei weil ihre Prämissen nicht stimmten. Die zentralen Argumente gegen Ansichten lauten wie folgt:

1) In der seriösen Debatte um die Verantwortung für den Holocaust spiele der Begriff "Tätervolk" überhaupt keine Hohmann habe damit einen Popanz aufgebaut der Kern der Debatte ablenke.

2) Die Gleichsetzung zwischen dem Beitrag einzelner zum Bolschewismus und dem Beitrag einer Mehrheit Deutschen zum Nationalsozialismus sei völlig unverhältnismäßig verzerre historischen Tatsachen und stelle an sich ein antisemitisches Klischee dar. Sie weisen darauf hin dass Lenin noch Stalin Juden waren dass Stalin bereits vor der großen Terrorwelle der 30er Jahre Juden Trotzki aus allen Führungspositionen verdrängt habe.

3) Die gleichwertige Absolution sowohl der Juden auch der Deutschen vom Vorwurf der "Täterschaft" im Kern auf eine Relativierung und Verharmlosung nationalsozialistischen Verbrechen hinaus was eine übliche Vorgehensweise Antisemiten sei.

In der Hauptsache wird Hohmann nicht Vorwurf gemacht er habe die Juden als bezeichnet sondern - wie etwa von Wolfgang vom Zentrum für Antisemitismusforschung - dass er die nazistische Definition der Juden als Volk nicht als Religionsgemeinschaft zu eigen gemacht und sie in Argumentation mit den nationalsozialistischen Tätern auf eine gestellt habe.

Der Historiker Jörg Baberowski von der Berliner Humboldt-Universitätstellte im Verlauf der öffentlichen Debatte um fest dass innerhalb der jüdischen Bevölkerung die eine verschwindend kleine Minderheit dargestellt haben eine zudem die sich ausdrücklich weder ethnisch noch als Juden bezeichnet habe.

Ein weiterer Kritikpunkt in der Debatte dass der Begriff vom angeblich "jüdischen Bolschewismus" von den Nazis zur Diffamierung der Juden worden ist. Auch Kritiker aus der eigenen warfen daher Hohmann schließlich vor er habe antisemitischer Vorurteile bedient und diese damit verstärkt.

Die Folgen

Von Hohmanns 120 Zuhörern zeigte sich niemand über seine Äußerungen irritiert. Durch deren in den Medien geriet er jedoch bundesweit heftige Kritik sowohl von Seiten der Medien auch von Politikern anderer Parteien und schließlich der CDU.

Fraktionsausschluss

Die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel maßregelte Hohmann 3. November 2003 hielt jedoch weitergehende Konsequenzen zunächst für nötig sofern Hohmann sich nicht erneut Sinne seiner kritisierten Rede äußere. Wegen der öffentlichen Diskussion beantragte sie eine Woche später doch seinen Ausschluss aus der CDU / CSU - Bundestags fraktion und kündigte auch an seinen Ausschluss der CDU zu betreiben.

Nachdem die Parteispitze der CDU in auf Hohmann zunächst keine weiteren Konsequenzen ziehen übernahm sie 10. November 2003 die Position Merkels. Am 14. November 2003 beschloss die CDU/CSU-Bundestagsfraktion Hohmann auszuschließen. 78 % stimmten zwar mehr Abgeordnete für Antrag als die erforderlichen zwei Drittel jedoch als erwartet. Es war der erste Fraktionsausschluss Unions-Abgeordneten in der Geschichte des Deutschen Bundestages. 21. November wurde auch ein Parteiausschlussverfahren gegen Hohmann eingeleitet.

Eine Fortsetzung erfuhr die Affäre Anfang als Hohmann dem ZDF -Magazin "Frontal 21" einen Brief von Brigadegeneral Reinhard Günzel präsentierte. Der Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK) zollte Hohmann darin auf Bundeswehr-Briefpapier Beifall dessen Rede. Darauf hin wurde der General 4. November 2003 von Bundesverteidigungsminister Peter Struck umgehend in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. entschuldigte sich später bei Günzel damit der habe ihm versprochen er wolle den Brief namentlich in der Sendung präsentieren und positiv Hohmann berichten.

Wirkung in der Öffentlichkeit

In der Folge erhielt Hohmann besonders den Internetforen seiner Partei und verschiedener Medien vielfache unverhüllt antisemitische Sympathiebekundungen. Auch verschiedene prominente Unions-Politiker der CSU -Abgeordnete Norbert Geis und der ehemalige Berliner Innensenator Heinrich Lummer (CDU) nahmen Hohmann in Schutz. Nach Umfrage von Infratest dimap für das ARD -Magazin Panorama halten auch 49 % der CDU-Anhänger Äußerungen Hohmanns für vertretbar. Für einen Fraktionsausschluss nur 45 % der Befragten. In einem mit der Wochenzeitung Junge Freiheit sprach die CDU-Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld von einer "Medienkampagne" gegen Hohmann. Andererseits sich der stellvertretende Parteivorsitzende Jürgen Rüttgers und der CDU-Politiker Heiner Geißler unzweideutig gegen Hohmann und seinen Verbleib Fraktion und Partei aus.

Ermittlungen gegen Hohmann eingestellt

Von rechtsextremer und antisemitischer Seite wird Hohmann-Affäre als Beleg dafür genommen dass in Bundesrepublik keine Meinungsfreiheit herrsche und "Kritik an unter Strafe stehe. Dem entgegen hat die in Fulda am 5. Februar 2004 die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen abgelehnt da seine Rede ihrer Auffassung nach Volksverhetzung im Sinne von § 130 Abs. Nr. 1 und 2 StGB darstelle weil das Tatbestandsmerkmal des "Aufstachelns zum Haß" noch des "Angriffs auf die Menschenwürde anderer" gegeben

Zitate aus Hohmanns Rede

... Die Schuld von Vorfahren an diesem Menschheitsverbrechen fast zu einer neuen Selbstdefinition der Deutschen Trotz der allseitigen Beteuerungen dass es Kollektivschuld gebe trotz nuancierter Wortneuschöpfungen wie "Kollektivverantwortung" oder Im Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen das "Tätervolk".

... Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Gibt es auch beim jüdischen Volk das ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen eine dunkle in der neueren Geschichte oder waren Juden die Opfer die Leidtragenden?
...
Mit einer gewissen Berechtigung könnte man im auf die Millionen Toten dieser ersten Revolutionsphase der "Täterschaft" der Juden fragen. Juden waren großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man mit einiger Berechtigung als "Tätervolk" bezeichnen. Das erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen folgen mit der man Deutsche als Tätervolk
...
Daher sind weder "die Deutschen" noch "die ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien waren das Tätervolk des letzten blutigen Jahrhunderts.

Siehe auch: Antisemitismus Antisemitismus-Debatte

Weblinks




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