Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier. Ein Matriarchat (von lat. mater - Mutter und griech. arché - Beginn/Ursprung; auch Herrschaft) ist eine in der - je nach der verwendeten - die Frauen die Macht innehaben oder frauenzentriert ist d.h. sich die Gesellschaftsordnung um Frauen herum organisiert. (Vgl. den Kontrastbegriff Patriarchat .)
Für Vertreterinnen und Vertreter des differentialistischen der Frauenbewegung bedeutet das Matriarchat eine von den meisten Historikern bestrittene der Ur- und Frühgeschichte in der die geherrscht haben sollen ("arché" also im Sinne " Herrschaft "); sozusagen als theoretischer Gegensatz zum unbestritten Patriarchat dem alten Vaterrecht. Bei den Theorien in diesem Bereich anzutreffen sind vermischen sich utopische Elemente mit historischen Fakten. Fakt ist: mit Frauenherrschaft hat es nach heutigem Stand Wissenschaft wenn dann nur als temporäre historische gegeben (siehe Amazonenvölker ) jedoch nie als stabile dauerhafte Gesellschaftsform.
Von dieser Theorie des "Matriarchats" zu sind matrilokale sowie matrilineare Ackerbaukulturen denen heute weltweit ungefähr 240 Menschen angehören. Die Matriarchatsforschung ist ein relativ junger interdisziplinärer Forschungszweig sich mit der Ergründung dieser Völker beschäftigt. diese Völker als "Matriarchat" bezeichnet dann nicht Sinne von Frauen herrschaft sondern im älteren Wortsinn des griechischen arché d.h. im Sinne von "am Ursprung Mutter".
Die Idee einer von Frauen dominierten hat insbesondere die Menschen in stark patriarchal Kulturen immer wieder fasziniert und auch geängstig. von Völkern in denen Frauen herrschen und Männer eben so unterdrücken wie es an Orten umgekehrt der Fall war kommen in Legenden und Mythen vieler Völker seit der vor. Schauergeschichten wie sie z.B. im antiken über die Amazonen verbreitet wurden beruhen nach heutigem Stand Forschung vor allem auf der Fantasie der Ihre Motivation ist aus heutiger Sicht unklar. besteht die Möglichkeit dass es sich um Art Kriegspropaganda (Konstruktion eines Feindbildes) handelte oder aber wie von Feministinnen gerne argumentiert - um zur Abschreckung der eigenen Frauen vor einer gegen die ihnen zugewiesene Rolle in der Gesellschaft.
Diese Vorstellungen einer von Frauen beherrschten in der Männer unterdrückt würden konnten sich heute halten und interferieren auch in moderner mit den ernsthaften Bemühungen von Forscherinnen und frauenzentrierte Gesellschaften objektiv und wissenschaftlich zu untersuchen. sei hier noch einmal erwähnt: eine solche hat es nach heutigem Stand der Forschung gegeben und wenn es sie doch gegeben dann nur als temporäre historische Ausnahmeerscheinung und als stabile dauerhafte Gesellschaftsform.
Die von der modernen Matriarchatsforschung untersuchten matrilinearen und matrilokalen (auch: uxorilokalen) Kulturen haben trotz aller einige Gemeinsamkeiten auf allen Ebenen der Gesellschaft. Basis dieser Gemeinsamkeiten wurde eine Definition des "Matriarchat" formuliert die diesen Eigenschaften gerecht wird.
Laut Heide Göttner-Abendroth kann nur dann von Matriarchat gesprochen wenn die erwähnten Gemeinsamkeiten auf allen vier Ebenen gegeben sind: der ökonomischen der strukturellen politischen und der weltanschaulichen Ebene. Göttner-Abendroth benutzt Begriff "arché" übrigens im Sinne von "Ursprung" von "Herrschaft". Bei den von ihr benannten Kulturen handelt es sich also in jedem um frauenzentrierte (im Gegensatz zu dem in Gesellschaften vorherrschenden Androzentrismus ) matrilokale und matrilineare Gesellschaften. Diese Gesellschaften laut der Autorin aus Frauen und Männern wobei auch letztere die Gesellschaftsform denn ohne Männer wäre die Gesellschaft laut Autorin nicht reproduktionsfähig.
Sind diese Grundbedingungen nicht erfüllt handelt sich nicht um ein Matriarchat in diesem sondern um eine andere Gesellschaftsform.
Auf der ökonomischen Ebene sind die matrilinearen sowie matrilokalen Gesellschaften (in der Folge Gesellschaften" genannt) meistens aber nicht ausschließlich Ackerbaugesellschaften sich mit der Entwicklung der Pflanzenzucht des Gartenbaus und des Ackerbaus durch die Jahrtausende zunehmend differenziert haben. kann die Technologie des Ackerbaus vom einfachen über den entwickelten Ackerbau bis zu den Bewässerungssystemen der ersten Stadtkulturen und ihren komplexen und Wasserwirtschaften reichen.
Die Verteilung der Güter folgt in Gesellschaften einem Regelsystem das jeweils mit den Verwandtschaftslinien und den Heiratsregeln zusammenhängt. Durch dieses Regelsystem wird in meisten Fällen verhindert dass Güter bei einer oder bei einem Individuum gehortet werden können Akkumulation).
Jeder Nachteil oder Vorteil beim Erwerb Gütern wird durch das soziale Regelspiel bald ausgeglichen . Zum Beispiel sind wohlhabende Clans bei und Stammesfesten verpflichtet alle Stammesgenossen einzuladen und verköstigen wobei sie der Ehre wegen ihren Reichtum verteilen (siehe z.B. Prestige ).
Aus diesen Gründen werden diese Gesellschaften der Ethnologie oder Anthropologie oft als Ausgleichsgesellschaften bezeichnet.
Auf der sozialen Ebene sind Matriarchate der Definition Göttner-Abendroths Gesellschaften die auf großen Sippenverbänden beruhen so genannte Gentilgesellschaften (z.B. die Irokesen ). Die Menschen wohnen in großen Clans zusammen wobei die Clanzugehörigkeit ausschließlich nach mütterlichen Verwandtschaftslinie gerechnet wird (siehe Matrilinearität ).
Die Weitergabe des Sippennamens wie der Titel und Würden verläuft über die Mutterlinie. solche matrilineare Sippe - kurz genannt ein - besteht aus mindestens drei Frauengenerationen: der ihren Töchtern ihren Enkelinnen und den in direkten Linie verwandten Männern: den Brüdern der den Söhnen und Enkeln.
Ein Matri-Clan wohnt in der Regel einem großen Sippenhaus (z.B. Langhaus ). Je nach Größe Baustil und Region solche Sippenhäuser zwischen zehn und achtzig Personen Frauen bleiben in diesen matrilokalen Kulturen ein lang in ihrem Sippenhaus gemeinsam mit ihrer und ihren Schwester wohnen. Im Falle einer Heirat zieht der Ehemann in das Sippenhaus Frau. Diese Matri-Clans oder matriarchalen Sippen sind ihrem Sippenhaus auf ihrem Sippenland autarke Gruppen.
Durch bestimmte vorgegebene Heiratsregeln speziell das System der Wechselheirat (Menschen Clans A verheiraten sich mit Menschen des B und umgekehrt) zwischen zwei Sippen werden Beziehungen und Verbindungen mit anderen Clans aufrecht Bei der Wechselheirat kann es sich um Gruppenehen oder Pseudogruppenehen handeln was jedoch keine Zwangsläufigkeit ist. kommt im Vergleich mit anderen Gesellschaftsformen relativ vor.
Durch ein komplexes Netzwerk von präferenziellen preskriptiven Heiratsregeln sind in den heute noch matriarchalen Gesellschaften im Sinne der Definition von alle Einwohnerinnen und Einwohner eines Dorfes miteinander und verschwägert - was die Grundlage des Zusammenhaltes bildet.
Gesellschaften mit dieser Art Sozialstruktur werden der Ethnologie und (Sozial- Kultur-)Anthropologie als Verwandtschaftsgesellschaften bezeichnet.
Auch auf der Ebene der kollektiven haben die von Göttner-Abendroth untersuchten frauenzentrierten matrilokalen matrilinearen Gesellschaften d.h. Matriarchate im Sinne ihrer einige Gemeinsamkeiten. Bei allen handelt es sich so genannte "Konsensgesellschaften".
Kollektive Entscheidungsfindungen folgen dem Verwandtschaftssystem. Im bilden Frauen und Männer für häusliche Angelegenheiten Rat in den alle (auch Kinder) eingeschlossen und Mitspracherecht haben. Jede Entscheidung wird nach Diskussion per Konsens getroffen.
Bei Entscheidungen die das Dorf betreffen finden sich Delegierte aus jedem im Dorfrat wieder. Je nach Ort und sind die Sippenmütter ihre Brüder oder gewählte Delegierte. Keine Entscheidung darf auf Dorfebene getroffen ohne den Konsens aller Sippenhäuser. Die beratenden sind also keine Entscheidungsträger wie es in Demokratien üblich ist sondern dürfen nur mit Einverständnis ihres Sippenhauses agieren.
Dasselbe Muster wird auf Stammes- und Ebene fortgeführt: Es treffen sich Delegierte der um als Kommunikationsträger die Entscheidungen ihrer Dorf- Sippengemeinschaften auszutauschen. Diesmal sind die Delegierten in Regel meistens von ihren Dörfern gewählte Männer die Sippenmütter in der Regel ihr Clanhaus Clanland nicht verlassen. Auch in diesem Falle die Delegierten keine Entscheidungsträger denn jede Handlung regionaler Ebene muss wiederum von jedem Dorf von jedem Sippenhaus in den Dörfern mitentschieden In einem solchen System kann es Jahre bis eine überregionale Entscheidung getroffen ist. Es hingegen auf diese Weise gesichert dass kein kein Stamm und kein Clan mit der Entscheidung unzufrieden ist. In diesem Sinne sind von Göttner-Abendroth als Matriarchate bezeichneten Gesellschaften herrschaftsfrei.
Gesellschaften mit diesem politischen System werden der Ethnologie und Anthropologie als Konsensgesellschaften bezeichnet in denen eine politische Machtanhäufung möglich ist (ein gut illustriertes und erforschtes für ein solches Konsenssystem ist das politische der Irokesen ).
Als Ackerbaukulturen haben die von Göttner-Abendroth matriarchalen Kulturen (d.h. frauenzentrierte matrilokale und matrilineare eine sehr grundlegende und naturbezogene spirituelle Vorstellung Kosmos und ihrem Leben. Viele Bilder Mythen Riten drücken den auch in der Natur Zyklus von Geburt Wachstum Tod und Wiedergeburt
Nach diesen Vorstellungen haben Sippenmitglieder wenn sterben die Aussicht von den Frauen ihres in ihrem eigenen Sippenhaus wiedergeboren zu werden. herrscht die Vorstellung dass Ahnen und Ahninnen direkt in den Kindern derselben Sippe erneut Dies ist einer der Gründe weshalb Frauen dieser Art Gesellschaft ein so hohes Ansehen sie sind - in dieser Weltanschauung - der Sippe" und somit direkt für das des Clans verantwortlich.
Die Menschen in matriarchalen Gesellschaften nach Definition von Göttner-Abendroth Männer und Frauen beziehen spirituelle Gedankenwelt laut der Autorin aus der der Natur: der Vegetationsperioden aber auch des und Gehens von Himmelskörpern wie z.B. Sonne Mond. Die Menschen sehen sich selbst nicht diesen Kreisläufen stehend sondern darin eingebettet und denselben Gesetzen unterworfen.
Eine weitere Gemeinsamkeit in der Weltanschauung Gesellschaften ist das Fehlen einer dualistischen Moral Trennung von "Gut" und "Böse". Vielmehr scheint ausgeglichene Grundvorstellung von der Welt und dem vorzuherrschen in der ein ständiger Wechsel zwischen und dunklen Seiten in der Natur der liegt. Nach dieser Vorstellung gehören die helle die dunkle Seite unweigerlich und untrennbar zusammen: und Nacht Sommer und Winter Kommen und Leben und Tod sind notwendig und bedingen
Auch im Weiblichen und Männlichen sehen Menschen in diesen Gesellschaften laut Göttner-Abendroth und Autorinnen diese grundlegende kosmische Polarität. Danach ist Geschlecht minderwertig schlechter oder schwächer als das sondern jedes hat seine Aufgaben zu erfüllen.
Ein weiteres gemeinsames Merkmal dieser Gesellschaften es dass Sakrales und Profanes nicht getrennt werden sondern die sie umgebende Welt in all ihren als sakral verehrt wird.
Gesellschaften mit diesen weltanschaulichen Merkmalen werden der Ethnologie und Anthropologie als Sakrale Gesellschaften bezeichnet.
Der römische Historiker Gaius Cornelius Tacitus erwähnt in seinem Werk Germania den der Sitonen die nördlich der Schweden leben diesen in allem gleichen außer dass sie einer Frau beherrscht werden und zur Knechtschaft seien. Ob es sich bei den Sitonen ein Matriarchat gehalten hat ist jedoch aus Sicht nicht feststellbar. Königinnen gab es als auch in ansonsten streng patriarchalen Kulturen und Herrschaft einer Königin alleine sagt nur wenig die genderbezogene Sozialstruktur der betreffenden Gesellschaft aus.
Auch von anderen antiken Schriftstellern und wurden Amazonenvölker beschrieben wobei diese Kriegerinnenvölker nicht mit in diesem Artikel beschriebenen matrilinearen und matrilokalen gleichzusetzen sind da es sich bei ihnen sofern sie überhaupt in der beschriebenen Form haben - aus heutiger wissenschaftlicher Sicht um Ausnahmeerscheinungen handelte.
Das große friedliche "Ur-Matriarchat" das in Schriften gerne bemüht wird hat nach heutigem der Forschung nicht existiert. Auch Völker mit herrschaft konnten bisher nicht mit Sicherheit nachgewiesen Frauenzentrierte insgesamt herrschaftsfreie Kulturen hingegen wie sie beschrieben wurden kommen noch heute weltweit vor. wie die Minangkabau auf Sumatra haben sich den modernen Gegebenenheiten gut ohne ihre grundlegenden sozialen Strukturen zu verlieren. andere jedoch stehen auf der Liste der Völker.
James DeMeo und Marija Gimbutas glauben - unabhängig voneinander - bewiesen zu haben patriarchale Herrschaftsstrukturen erst vor ca. 5000 Jahren und zwar auf Grund von Klimaveränderungen die Fluchtbewegungen der Menschen führten. Anhand von archäologischen paläoklimatischen Studien gehen die Forscher davon aus der Übergang von egalitären friedlichen Verhältnissen zu kriegerischen in spezifischen Regionen der Alten Welt Nordafrika im Nahen Osten und in Zentralasien hätte: diese relativ feuchten Gebiete trockneten allmählich und wurden verlassen mit der Konsequenz dass den Zusammenfall der Umwelt- und Kulturbedingungen die zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Frau Mann in traumatischer Weise zerstört wodern sein.
Beide Autoren sind in der Anthropologie umstritten.
Bachofen Johann Jakob: Das Mutterrecht. Suhrkamp 9.Aufl. 1997 ISBN 3518277359 (Erstauflage 1861) Bachofen hat großen Einflluss viele Autoren gehabt. Besonders Ludwig Klages sei hier erwähnt dessen Lebensphilosophie stark Bachofen beeinflusst wurde.
Carola Meier-Seethaler: Ursprünge und Befreiungen. Fischer Ffm. 1992 ISBN 3596110386
Gerda Weiler: Das Matriarchat im Alten Israel. Kohlhammer Stgt. 1989 ISBN 3170107739
Uwe Wesel: Der Mythos vom Matriarchat Suhrkamp 1999 ISBN 3518279335
Juliane Hummel et.al.: Göttinnendämmerung - Das Matriarchat aus archäologischer Sicht Königsfurt 2001