Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDienstag, 10. Dezember 2019 

Methodenstreit


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.
Als Methodenstreit wird die Auseinandersetzung um die Art anzuwendenden Methoden in den Sozialwissenschaften bezeichnet. Er spiegelt die Etablierung der als wissenschaftlicher Disziplin und ihre Entwicklung zu eigenständig verfahrenden Wissenschaft.

Der Methodenstreit entbrannte mit der Etablierung Soziologie besonders in Deutschland zwischen Vertretern eines Methodenideals und den Gegner der Übernahme dieser in die Sozialwissenschaften die für diese eine wissenschaftliche "Logik" beanspruchten. Eine besondere Rolle spielte diesen Auseinandersetzungen auch das Postulat der Wertfreiheit Wissenschaften das Gegenstand des sogenannten Werturteilsstreites wurde.

Max Weber formulierte die Grundposition einer eigenen sozialwissenschaftlichen mit der Einführung des Begriffes des Verstehens in die Soziologie. Er definiert die als "eine Wissenschaft welche soziales Handeln deutend und dadurch in seinem Ablauf und seinen ursächlich erklären will." (Weber 1921 S. 542) Handeln das verstehend erfasst werden soll zeichnet nach Weber dadurch aus dass die Handelnden ihm einen subjektiven Sinn verbinden. Das erklärende Verstehen der Sozialwissenschaften insofern über das aktuelle Verstehen des gemeinten einer Handlung hinaus als dass es den erfasst in dem die Handlung hineingehört. Verstehen also die Rekonstruktuion des gemeinten Sinns bzw. Sinnzusammenhanges und zwar methodisch angeleitet durch die eines Idealtypus. Ein solches Verstehen kann nach auch als Erklären angesehen werden beruht aber Sinnverstehen und trägt der Besonderheit des sozialwissenschaftlichen nämlich sinnhaft zu sein Rechnung. Es unterscheidet insofern von einer Kausalerklärung der Naturwissenschaften.

Die Vertreter eines naturwissenschaftlichen Methodenideals dagegen die Wissenschaftlichkeit der neu entstandenen Disziplin dadurch dass sie dieselben methodischen Verfahren anwenden sollte in den Naturwissenschaften entwickelt worden waren. Sie die Gültigkeit wissenschaftlicher Methoden wie die naturwissenschaftliche Quantifizierung und mathematische Behandlung der Daten Verifizierung usw. für alle Disziplinen sowie sie denn wissenschaftlich gelten wollten.

In der Darstellung des Methodenstreites wurden beiden Positionen oft verkürzt über die Begriffe "Erklären" kontra "Verstehen" charakterisiert während tatsächlich die Dichotomie zwischen (Erklären) und Geisteswissenschaft (Verstehen) in der Sozialwissenschaft Doppelsinn wieder auftaucht als objektiv rekonstruierter und gemeinter Sinn der nach Weber mit der des erklärenden Verstehens zu erfassen ist.

Der Methodenstreit spitzte sich in den Jahren im sogenannten Positivismusstreit zu als K.R.Popper und Th.W.Adorno auf einer Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) ihre Referate zur " Logik der Sozialwissenschaften " vortrugen. Vertreter des Kritischen Rationalismus befürworteten eine Begrenzung der Soziologie auf empirisch-analytisch verfahrende Einzelwissenschaft nach dem Vorbild naturwissenschaftlicher (Beobachtung Messung Formalisierung usw.). Die Vertreter der Theorie dagegen warfen dem wissenschaftslogischen Rationalisus vor Problematik der Sozialwissenschaft in positivistischer und reduktionistischer zu verkürzen. Die dialektische Theorie "bezweifelt dass Wissenschaft in Ansehung der von Menschen hervorgebrachten ebenso indifferent verfahren darf wie es in exakten Naturwissenschaften mit Erfolg geschieht." (Habermas 1965 292) Vielmehr müsse die Sozialwissenschaft der Besonderheit Gegenstandes angemessene Methoden und Begriffe entwickeln sowie soziale Totalität entgegen ihrer Auflösung in begrenzte Analyse zugängliche Phänomene als Forschungsgegenstand erhalten. (vgl. 1965 S. 511 f.).

Obwohl die Argumentationen weitaus komplexer und waren reduzierte sich die Auseinandersetzung in der auf die Gegenüberstellung von quantitativen und qualitativen Verfahren in der Sozialforschung während in der der soziologischen Theorie makrosoziologische Ansätze wie die Kritische Theorie und die Systemtheorie ausformuliert wurden und aus unterschiedlichsten Perspektiven der Entwicklung einer allgemeinen soziologischen Theorie gearbeitet die der Qualität des Gegenstandes der Sozialwissenschaften werden sollte.

Im Bereich der Sozialforschung setzten sich Vefahren auf der Basis naturwissenschaftlicher Methodik weitgehend Qualitative Ansätze die sich in der Tradition historisch-hermeneutischer Verfahren etablierten waren lediglich eine Randerscheinung Nischen und beanspruchten exotische Oasen. Der Programm Webers erklärendes Verstehen ohne Werturteil als sozialwissenschaftliche grundzulegen wurde vielfach aufgegeben zugunsten eines rein Nachvollziehens des subjektiven Sinns. Gleichzeitig entwickelte sich auch Verfahrensansätze wie die objektive Hermeneutik oder die qualitative Inhaltsanalyse die die Spannung zwischen subjektiv gemeintem und objektiver Rekonstruktion von Sinnzusammenhängen methodisch zu suchten.

Seit den 80er Jahren ist eine auf qualitative Verfahrensweisen in der Sozialforschung zu die teilweise aus einer Unzufriedenheit mit den der Surveyforschung entstand. Auf der anderen Seite Vertreter der quantitativen Sozialforschung den Wert qualitativer für die Vorbereitung von quantitativen Erhebungen bei Bildung von Hypothesen und der Interpretation der erkannt und schrittweise in die eigenen Verfahren Die zunehmende Anerkennung und Relevanz qualitativer Verfahren schließlich 2003 zur offiziellen Einrichtung einer Sektion Qualitative Methoden in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie . In der Sektion wird nun daran qualitative Methoden in die Lehrangebote Studiengänge und zu integrieren.

Literatur

  • Adorno Th.W.(1965): Soziologie und empirische Forschung E. Topitsch (Hsrg.) Logik der Sozialwissenschaften Köln/Berlin
  • Habermas J. (1965): Analytische Wissenschaftstheorie und Dialektik Ein Nachtrag zur Kontroverse zwischen Pooper und in: E. Topitsch (Hrsg.): Logik der Sozialwissenschaften 1965
  • Popper K.R./Adorno Th.W.: Die Logik der Sozialwissenschaften KZfSS 14 (1962) Heft 2
  • Weber Max: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre hrsg.von Tübingen 1973
  • Weber Max (1921): Soziologische Grundbegriffe in: ders. Aufsätze zur Wissenschaftslehre hrsg.v. J.Winckelmann Tübingen 1973

Weblinks

Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS)

Siehe auch: Methodenstreit (Rechtsgeschichte).



Bücher zum Thema Methodenstreit

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Methodenstreit.html">Methodenstreit </a>