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Neuhaus am Rennweg


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Sternstunden der Thüringer Sportgeschichte

Schon im Jahre 1971 diskutierten Weimarer Jenaer Orientierungsläufer über die Organisation eines Laufes dem Rennsteig. Ein Orientierungslauf über mehrere Etappen die Gesamtlänge des damals nutzbaren Rennsteiges von 100 km sollte es werden. Erste Versuche 1971 und 1972 zeigten daß die logistischen bei weitem die Möglichkeiten der jungen Männer 15 und 25 Jahren überstiegen. Die Beschaffung Landkarten die Quartierprobleme die Versorgung und Betreuung einfach zu aufwendig. So reifte die Überlegung Rennsteig erst einmal in einem Stück als zu erkunden.

Am 13. Mai 1973 war es soweit. Drei Studenten (die Mathematikstudenten Hans-Joachim Römhild Wolf-Dieter Wolfram und der Sportstudent Jens Wötzel) ein Assistent der Sportwissenschaft (Hans-Georg Kremer) der Universität standen früh um 7.00 Uhr an Hohen Sonne bei Eisenach auf dem Rennsteig. wurden sie von einem Kommilitonen dem Mathematiker Saalfeld der den betagten 311er Wartburg der Wolfram als Betreuungsfahrzeug chauffierte. Unterstützt wurde das Projekt von der HSG Uni Jena. Der Sportmediziner Dr. J. Scheibe hatte schon im regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite und sportmedizinische und ernährungswissenschaftliche Hinweise für den erarbeitet.

v.l.n.r. Dietrich Saalfeld Wolf-Dieter Wolfram und Römhild am Betreuungsfahrzeug den 311er Wartburg. Die war klar und von den drei Testläufen bekannt. Das Ziel war ungewiß. Etwa 100 schwebten den Aktiven vor ohne daß bisher einer eine solch lange Strecke absolviert hatte. Witterung war recht günstig kühl und trocken. ersten zwanzig bis dreißig Kilometer verliefen problemlos. lockeren Lauftempo ging es über den Inselsberg. alte Wartburg schaffte es regelmäßig nach 10-15 an der Strecke zu stehen und für leibliche Wohl der vier Läufer zu sorgen.

An der Steinhütte am Wachsenrasen v.l.n.r. Römhild Jens Wötzel und Wolf-Dieter Wolfram Hans-Georg

Auf der Schmalkalder Loibe zog sich Gruppe das erste Mal stärker auseinander. Dietrich war es trotz sehr schlechter Wege gelungen dem Versorgungsfahrzeug bis zur "Steinhütte" am Wachsenrasen kommen. In wechselnder Zusammensetzung ging es weiter mal zu zweit mal zu dritt oder oder auch mal allein. Kontinuierlich als Schlußläufer "Org.Chef" Hans-Georg. An den Verpflegungspunkten wurde immer bis alle wieder zusammen waren. In die von Oberhof kommend war wohl mit Dietrich die nächste Verpflegung am Rondell vereinbart. Doch vor dem Grenzadler machte sich das Ernährungsdefizit der letzten Verpflegungsstelle mehr als deutlich bemerkbar. man sich so richtig erinnert waren wohl Jens die Reserven derart aufgebraucht daß ein bis zum festgelegten Treff kaum vorstellbar erscheinen Derart in Not sind wir gemeinsam zu am Weg liegenden Gaststätte "Schanzenbaude" gestolpert. "Ausgepowert" nicht gerade einladend im Outfit sind wir Gastraum dem Wirt in die Arme gelaufen konnten einen Kanten Brot und etwas Wasser Damit gestärkt jedoch schon deutlich gezeichnet von zurückgelegten Kilometern ging es leidlich besser und Gehpausen zumRondell. Auf dem Weg zwischen Rondell Schmücke zog sich das Quartett so weit daß Hans-Joachim aus lauter Lauflust über den wollte während Jens und Wolf-Dieter sich für Straße entschieden hatten und so nach ca. Kilometern brach Hans-Georg von rechts oben aus und Dickicht kommend wieder zur Straße durch. hatte wegen der schlechten Sicht und unzureichender den Beerberg verfehlt und eher unfreiwillig aber sichtlich erleichtert wieder zu uns auf die gefunden.

Auch gut in Erinnerung geblieben ist die Begebenheit an der Schmücke als Dietrich mit seinem Spirituskocher auf dem Parkplatz das aufwärmte und er von einem älteren Ehepaar seinem Treiben gefragt wurde. Auf seine Antwort daß da gleich vier Leute kämen die Kilometer laufen wollten wurde uns von den Herrschaften die nahe Gaststätte und ein richtiges empfohlen. Als dieser Vorschlag beim "Koch" nicht richtig ankam er etwas von "unverträglich" murmelte wir nacheinander dann auch am Ort eintrudelten an dieser Verpflegungsstelle die beiden Zuschauer zwei auch drei Flaschen Apfelsaft mit dem Hinweis die uns vom "fahrenden Koch" angebotene Getränkevariante ungenießbar erschien. Derart eigentlich sehr unwissenschaftlich und professionell aber schmackhaft versorgt ließen sich die Kilometer wesentlich leichter unter die "ZEHA-Sohlen" nehmen. Unmut über das Spezialgetränk - ein dünnflüssiger mit Dextropur Ascobinsäure und Salzen genau nach Rezepten erstellt und wie sich später herausstellte zu hohem Kochsalzanteil führte zu einem unangenehmen Ab Bahnhof Rennsteig verschmähten alle das energieliefernde

Schon an der Schmücke wurden auch Probleme immer deutlicher. Vor allem waren es Blasen an den Füßen die für zunehmende sorgten. Die Schuhe bestenfalls Modelle der Firma aus Hohenleuben entsprachen in keiner Weise den eines solchen Langstreckenlaufes.

Der Rennsteig und dessen Umgebung wurden noch wahrgenommen. Da die Witterung gut blieb die vorhergehenden Testläufe dafür sorgten daß es Orientierungsprobleme gab ging es kontinuierlich weiter. Unterwegs jeder mit sich zu kämpfen. Kommunikation fand allem an den Versorgungspunkten statt. Etwa bei tauchte erstmals die Frage auf: "Wie weit wir noch laufen?". Zu diesem Zeitpunkt wollte noch keiner der erste sein der das wirft. Die Gruppe blieb aber wieder stärker und sicher hatte die aufgeworfene Frage dazu daß sich jeder mit dem Ende des beschäftigte. Auch dem Fahrer waren inzwischen die des Unternehmens anzumerken. Er hatte ja jedesmal Kilometer zu absolvieren um wieder auf den zu kommen mußte sich ständig orientieren und noch für das Wohl der Teilnehmer sorgen.

Ab Neustadt wurde nur Straße gelaufen. der Schwalbenhauptwiese blieb die Gruppe auf der da in der Nähe des Ortseinganges von die nächste Versorgung geplant war. Ein kleines etwas talwärts wurde sofort zur salzarmen Erfrischung Die Frage nach dem Kilometerstand beantwortete Wolf-Dieter "Etwa 100!" Damit waren die Würfel gefallen keinerlei Motivation bei allen vier Läufern mehr eventuell noch einmal die schmerzenden Füße und in Bewegung zu setzen. Nach knapp 10 hatte ein einmaliges Laufabenteuer sein erfolgreiches Ende Genußvoll wurde der restliche Haferschleim in den geschüttet wärmende Kleidung angezogen und ein Platz Wartburg gesucht. Auf der Heimfahrt nach Jena ein Halt bei Bekannten in der Nähe Königsee vorgesehen wo Kaffee und Kuchen winkten. Aussteigen aus dem Wartburg dauerte deutlich länger das Einsteigen. Jede Muskelfaser war zu spüren. angebotenen gemütlichen Sessel in der gut geheizten wurden gerne angenommen. Anfangs waren die Gespräche sehr einsilbig. Nach einigen Stückchen Kuchen und Kaffee sah die Welt viel freundlicher aus die Frage des Gastgebers wann denn der "Rennsteiglauf" stattfinden solle wurde nicht als Provokation und führte zu der Aussage: "Na im Jahr im Mai!" Hätte er eine halbe später gefragt wäre diese Bejahung eines weiteren vielleicht nicht so spontan ausgefallen. Es zeigte nämlich daß keiner ohne fremde Hilfe die verlassen konnte. Starker Muskelkater ist eine deutliche der Schmerzen die jeder in den Beinen Als das Haus verlassen wurde kam allen die etwa 2-3° C Außentemperatur wie tiefster vor. Die Körpertemperatur war deutlich erhöht und packte Schüttelfrost.

Wir wollten nur noch schnell nach Mit dem Versprechen eines nächsten Laufes begannen schon wenige Tage später in Jena die für den 2. Rennsteiglauf 1974.

Zuerst wurden kleine Artikel über das in der lokalen Presse untergebracht. Dann gab einen Beitrag in der Verbandszeitschrift der Orientierungsläufer und Wanderer und Bergsteiger (der tourist). Schließlich Verbindung mit der Straßenlaufszene aufgenommen. Starts beim Straßenlauf und beim Buchenwald-Gedächtnislauf gehörten dazu. In Gespräch mit Gerhard Bunge aus Sandersdorf wurde Interesse und seine Unterstützung erreicht. Er gab ein Informationsblatt für den Straßenlauf heraus.Schwierig war Zuordnung zu einer Sportart. Im Prinzip war ein Langstreckenlauf und hätte zur Leichtathletik gehört. aber die offiziellen Streckenlängen maximal bei der lagen war eine Absage vorprogrammiert. Ein Orientierungslauf es auch nicht. Aber zum Fachverband der gehörten auch die Wanderer. In dieser Sportart es eine neue Qualifizierungsordnung bei der man Leistungswanderer sogar die Meisterklasse erringen konnte. Die wurde unter anderem durch das Sammeln von bei offiziellen Veranstaltungen erreicht. In der Folgezeit auch 100km-Leistungswanderungen in der DDR.

Von den Jenensern wurde eine solche erarbeitet. Unter der Bezeichnung "II. 100km-Leistungswanderung" erschien den 18. Mai 1974 die erste Ausschreibung. der Suche nach einer öffentlichen Anerkennung wurde Vorschlag geboren als Startort Schnepfenthal zu nutzen. Rande der GutsMuths-Gedenkspiele die am 11. Mai als Wehrsportwettkampf der Oberschulen des Bezirkes Erfurt erfolgte dann der Start zum 2. GutsMuths-Rennsteiglauf.

Die Idee stammte von dem Jenaer Prof. Dr. W. Schröder der Schirmherr dieser war. Seit 1970 hatten die Orientierungsläufer der immer wieder GutsMuths als Erfinder des Orientierungslaufes der Landschaftslaufes in Artikeln vorgestellt. Um ideell diesen Traditionshintergrund zu passen wurde ein neuer für den 100km-Lauf aus der Taufe gehoben: 100km-GutsMuths-Gedenklauf". So war es auch auf einem zu lesen welches der Betreuungsbus trug. 12 aus Jena Leipzig und Karl-Marx-Stadt gingen auf Strecke. 8 erreichten das Ziel in Neuhaus Rennweg. Der eigentliche Durchbruch zu einem Massenlauf dann 1975. Auf der Basis von 1974 erst einmal wieder eine Ausschreibung über die 100km-Leistungswanderung beim Studentensport eingereicht und genehmigt. Diese man an allen Universitäten Hoch- und Fachschulen DDR. Die Reaktion darauf war beunruhigend. Es eine Vielzahl von Anmeldungen und Anfragen. Die Zahl von 30-40 Teilnehmern war bald überschritten. neue Organisationsform wurde notwendig. Ein Gruppenlauf wie war nicht mehr denkbar. Helfer aus der wurden gesucht und gefunden. Ein völlig neues wurde erstellt. Startort blieb das Heuberghaus unweit Schnepfenthal und Zielort Neuhaus. Auf der etwa km langen Strecke wurden 8 Verpflegungs- und geplant. Gestartet wurde in zwei Leistungskategorien in sogenannten A-Wertung: wo die Läufer nach Zeit und der B-Wertung: Läufer ohne Zeitnahme wo um das Durchhalten auf der Strecke ging. Frauen gab es ab der Hälfte bei am Bahnhof Rennsteig einen Start für eine 40km lange Strecke. Auf beiden Strecken existierte gesonderte Studentenwertung. Insgesamt trugen sich 930 in Starterlisten ein und 811 erreichten das Ziel. war die längste und zahlenmäßig stärkste Laufveranstaltung DDR aus der Taufe gehoben. Innerhalb von wenigen Jahren wuchs sie trotz vieler Widerstände Sportführung auf etwa 9000 Teilnehmer. 10 000 war das maximal genehmigte Kontingent. Durch die einer dritten Strecke für Wanderer wurde erst die Schallmauer von 9000 durchbrochen und 9572 sich in die Meldelisten ein.

Mit der Wiedervereinigung gab es einen Einbruch der Teilnehmerzahlen da viele "DDR-Läufer" erst die Reisefreiheiten nutzten um in aller Welt Läufen an den Start zu gehen. Nicht 5000 erreichten im Jahre 1991 das Ziel Schmiedefeld. Der neu gegründete GutsMuths-Rennsteiglaufverein entwickelte ein neues Konzept. In mühsamer Kleinarbeit und unter aller ehren- und hauptamtlichen Organisatoren wurde eine Groß-veranstaltung mit familienfreundlichem Charakter geschaffen. Die Aufnahme Lauf- und Wanderstrecken ein völlig neues Umfeld vieles andere gehörte dazu. Bis zum 25. 1997 konnte die Teilnehmerzahl auf einen neuen von mehr als 13 000 Meldungen gesteigert Der Rennsteiglauf rangierte damit in der Laufszene Platz zwei in Deutschland und ist in Tourismusregion "Thüringer Wald" ein nicht mehr wegzudenkender




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