Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 19. Oktober 2017 

Novemberrevolution


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.
Die Novemberrevolution von 1918 führte am Ende des 1. Weltkriegs zur Abdankung des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. und zur Umwandlung des Deutschen Reiches in eine parlamentarisch - demokratische Republik .

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Seit 1916 wurde Deutschland faktisch nicht mehr von Reichsregierung oder durch den Kaiser sondern durch die Oberste Heeresleitung unter den Generälen Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff regiert wobei letzterer die maßgebliche Rolle

Waffenstillstandsgesuch und Verfassungsänderung

Hindenburg und Ludendorff hatten noch 1917 Friedensresolution der Mehrheitsparteien im Reichstag - unter anderen Zentrum und SPD - zurückgewiesen. Nachdem jedoch die letzte des deutschen Heeres an der Westfront im 1918 gescheitert und die letzten Reserven verbraucht forderte Ludendorff vom Kaiser und vom Reichskanzler Georg von Hertling am 29. September die sofortige Abgabe eines Waffenstillstandsgesuchs an Alliierten da er die Aufrechterhaltung der Front mehr gewährleisten könne.

Um günstigere Friedensbedingungen zu erlangen empfahl zugleich eine der zentralen Forderungen des 14-Punkte-Programms des US-Präsidenten Woodrow Wilson zu erfüllen und dem Reich eine Staatsform zu geben. Der Kaiser ernannte daraufhin als liberal geltenden Prinzen Max von Baden am 3. Oktober zum Reichskanzler der einen Tag später das von ultimativ geforderte Waffenstillstandsangebot abgab. Eine Verfassungsänderung vom 28. Oktober band den Kanzler und die Reichsminister das Vertrauen der Mehrheit des Reichstages und den Oberbefehl über die Streitkräfte vom Kaiser die Reichsregierung. Damit war das Deutsche Reich von einer konstitutionellen zu einer parlamentarischen Monarchie geworden.

Störmanöver Ludendorffs und der Marineleitung

Am 5. November stimmten die Alliierten Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen zu. Als aber ihre für eine Waffenruhe bekannt wurden bezeichnete Ludendorff als unannehmbar. Er forderte nun die Wiederaufnahme Krieges den er noch wenige Tage zuvor verloren erklärt hatte. Seine Forderung war umso da das von ihm geforderte Waffenstillstandsersuchen die des Reichs für alle Kriegsgegner sichtbar gemacht Die Reichsregierung entließ daher Ludendorff und ersetzte durch General Wilhelm Groener .

Während die kriegsmüden Truppen und die der kaiserliche Regierung enttäuschte Bevölkerung das baldige des Krieges erwarteten fasste die deutsche Marineleitung Admiral Reinhard von Scheer in Kiel den Plan die Flotte zu einer letzten Schlacht mit der Royal Navy in den Ärmelkanal zu entsenden. Dieser eigenmächtige militärisch und völlig sinnlose Befehl stellte im Grunde eine der Marineleitung gegen die neue Reichsregierung dar.

Verlauf der Revolution

Der Beschluss der Marineleitung löste zunächst Meuterei unter den betroffenen Matrosen und dann allgemeine Revolution aus die in wenigen Tagen Monarchie in Deutschland beseitigte.

Der Matrosenaufstand

Am 29. Oktober meuterten in Wilhelmshaven die Besatzungen einiger zum Auslaufen bestimmter der deutschen Hochseeflotte weil sie sich nicht letzter Minute "verheizen" lassen wollten. Die betroffenen wurden daraufhin nach Kiel verlegt wo der Versuch die Matrosen disziplinieren und die Verhaftung ihrer Anführer am 3. November zum bewaffneten Aufstand auch der bisher Matrosen führte. Am 4. November bildeten sie in Kiel den ersten Arbeiter- und Soldatenrat . An dessen Spitze ließ sich der Gustav Noske wählen um die Fäden in der zu behalten.

Siehe auch: Matrosenaufstand

Die Revolution erfasst ganz Deutschland

Abordnungen der revolutionären Matrosen schwärmten in größeren deutschen Städte aus und schon am 7. November hatte die Revolution Hannover Braunschweig und Frankfurt am Main erfasst. Am selben Tag zwang ein und Soldatenrat in München den letzten bayerischen König Ludwig III. zum Thronverzicht. Auch in den übrigen Staaten dankten in den nächsten Tagen alle ab zuletzt Günther von Schwarzburg- Rudolstadt am 23. November .

Der 9. November 1918

In ganz Deutschland forderte man nun Abschaffung der Monarchie. Da Wilhelm II. sich Hauptquartier der Obersten Heeresleitung ins belgische Spa begeben hatte die revolutionäre Lage in sich aber immer weiter zuspitzte verkündete Max von Baden am 9. November eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und gleichzeitig dem SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert das Amt des Reichskanzlers.

Am Nachmittag des 9. November überschlugen in Berlin die Ereignisse. Um die Initiative dem weit links von der SPD stehenden Spartakusbund (aus dem später die KPD hervorging) zu überlassen rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstagsgebäudes die aus. Stunden später erfolgte am Berliner Stadtschloss durch Karl Liebknecht den Vorsitzenden des Spartakusbundesdie die Proklamation der Freien Sozialistischen Republik Deutschland d.h. der Räterepublik . Den Ausschlag in der Machtfrage gab Telefonat das Friedrich Ebert noch in der vom 9. auf den 10. November mit Groener dem neuen Chef der Obersten Heeresleitung Spa führte. Dieser sicherte Ebert die Unterstützung Heeres zur Aufrechterhaltung der neuen staatlichen Ordnung

Übergang zur Republik

Am 10. November trat als provisorische Regierung der Rat der Volksbeauftragten aus Vertretern der SPD und der USPD zusammen und am 11. November wurden die Kamphandlungen des Ersten Weltkriegs dem Waffenstillstandsabkommen vom Compiègne eingestellt.

Die Arbeiter- und Soldatenräte im ganzen hatten mittlerweile Abgeordnete nach Berlin geschickt die 16. Dezember im Zirkus Busch einen Rätekongress bildeten. wenige Tage bestand eine Doppelherrschaft von SPD-geführter und Räten. Doch diese waren in ihrer selbst Anhänger der SPD . Sie billigten dem Spartakusbund keine Einflussnahme zu und unterstützten den so bald wie möglich Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung durchzuführen.

An Weihnachten 1918 und in den Januartagen 1919 kam es in Berlin zu von Anhängern des Spartakusbundes die von regierungstreuen Truppen unter Gustav blutig niedergeschlagen wurden. Dabei wurden unter anderen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet obwohl letztere sich gegen einen Aufstand ausgesprochen hatte. Eine reale Gefahr dass Deutschland ein Rätesystem nach sowjetischem Muster hätte errichtet werden konnen hat bestanden. Das Bündnis zwischen der Regierung Ebert der Obersten Heeresleitung und deren brutales Vorgehen des Spartakusaufstands hat jedoch viele linke Demokraten der SPD entfremdet. Dies sollte sich für die der Weimarer Republik als schwere Hypothek erweisen.

Am 19. Januar 1919 fanden schließlich die Wahlen zur Nationalversammlung statt. Diese trat um den revolutionären in Berlin zu entgehen am 6. Februar in Weimar zusammen. Dort wurde am 11. August die neue Reichsverfassung verabschiedet die das Deutsche Reich zu demokratischen Republik machte.

Historische Einordnung

Die Revolution war beendet und der zur demokratischen Republik schien gesichert. Dass die Weimarer Republik sich dann als schwache Demokratie erwies schon 14 Jahre später unterging hat auch ihren Geburtsfehlern während der Novemberrevolution zu tun.

Von großer Bedeutung war die Tatsache die kaiserliche Regierung und die Oberste Heeresleitung frühzeitig der Verantwortung entzogen und die Bewältigung von ihnen verschuldeten Niederlage im 1. Weltkrieg Mehrheitsparteien des Reichstags aufbürdeten. Welches Kalkül dahinter belegt ein Zitat aus der Autobiographie des Groener: „Mir konnte es nur lieb sein bei diesen unglückseeligen [Waffenstillstands-]Verhandlungen von denen nichts zu erwarten war das Heer und die so unbelastet wie möglich blieb.“ (zit. nach s.u. S. 149)

So entstand die sogenannte Dolchstoßlegende nach der die Revolutionäre dem "im unbesiegten" Heer in den Rücken gefallen seien erst damit den fast sicheren Sieg in Niederlage verwandelt hätten. Zur Verbreitung dieser Geschichtsfälschung wesentlich Erich Ludendorff bei der sein eigenes damit kaschieren wollte. In nationalistischen und völkischen fiel die Legende auf fruchtbaren Boden. Dort die Revolutionäre und selbst Politiker wie Ebert der die Revolution gar nicht gewollt und getan hatte um sie zu kanalisieren und - bald als "Novemberverbrecher" diffamiert. Es war bewusste Symbolik dass Hitler seinen Putschversuch im Jahr 1923 ebenfalls an einem November unternahm.

Die Republik war vom Zeitpunkt ihrer mit dem Stigma der Niederlage behaftet. Ein des Bürgertums und der alten Eliten aus Justiz und Verwaltung sahen sie nie als neue Staatsform an sondern als ein Gebilde bei erster Gelegenheit wieder beseitigt werden sollte. der Linken dagegen trieb das Verhalten der SPD -Führung während der Revolution viele ihrer einstigen den Kommunisten zu. Die gebremste Novemberrevolution führte dass Weimar eine "Demokratie ohne Demokraten" wurde.

siehe auch:

Literatur

  • Harry Graf Kessler Tagebücher 1918 bis 1937 Frankfurt am Main 1982
  • Sebastian Haffner Die deutsche Revolution 1918/1919 München 1979
  • Hagen Schulze Weimar. Deutschland 1917-1933 Berlin 1982
  • Heinrich August Winkler Weimar 1918-1933 München 1993

Weblinks



Bücher zum Thema Novemberrevolution

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Novemberrevolution.html">Novemberrevolution </a>