Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier. Die Pikeniere stellten vom 15. bis zum 17. Jahrhundert die schwere Infanterie in großen Teilen Europas dar und waren nach ihrer Hauptwaffe Pike benannt. Die Bezeichnung Pike wurde zu des 16. Jahrhunderts von dem französischen Wort pique entlehnt das sich von dem Verb piquer ("stechen") ableitet. Die Pike erwies sich effektive Waffe im Kampf gegen Kavallerieeinheiten . Dazu brauchten die in tief gestaffelten kämpfenden Pikeniere eine weniger intensive Ausbildung als Ritter bzw. Kürassiere und waren zudem äußerst billig auszurüsten.
Die Pike war mit einer Länge 3 50 und 6 60 Meter eine des Spießes. Als Abwehrwaffe gegen Reiterei sollte Reichweite die Länge der ritterlichen Lanzen übertreffen. In der Technik der Riposte (am Boden aufgestützt) eingesetzt diente sie den angreifenden Gegner auflaufen zu lassen und Kavallerie zu stoppen.
Vorläufer der Pikenier-Einheiten finden sich bereits späten 13. Jahrhundert in Schottland wo die aufständischen Schotten dichte Formationen Speerträgern bildeteten die so genannten Schiltrons . Perfektioniert wurde diese Taktik in der Schweiz wo zunächst mit Hellebarden und später vor allem mit Piken Schweizer den österreichischen Rittern in mehreren Schlachten schwere Niederlagen Das Auftreten der Pikeniere auf den Schlachtfeldern beschleunigte den im 14. Jahrhundert begonnenen Niedergang Rittertums und machte den Weg frei für Söldnerhaufen des 15. bis 17. Jahrhunderts. Die kämpften in äußerst großen tiefgestaffelten Formationen den genannten Gewalthaufen . Ein einziger Gewalthaufen konnte mehrere tausend umfassen. Setzte man in anderen Regionen Europas auf schweizerische Söldner formierten sich bis zum Jahrhundert auch außerhalb der Schweiz zahlreiche Pikenier-Einheiten.
Die Taktik des massiven Einsatzes von wurde außerhalb der Schweiz verbessert indem man eine weniger tiefe Staffelung die Beweglichkeit der erhöhte. Zudem wurden die Pikenier-Einheiten im Laufe 16. Jahrhunderts immer stärker durch Armbrust - und Musketenschützen ergänzt. In Spanien ging man dazu über die Musketenschützen den Ecken des Gewalthaufens zu postieren. Die Pikenierformationen waren in der Regel 50 Mann und 30 Mann tief. Diese Formation wurde in anderen Teilen Europas übernommen und war Tercio oder Spanisches Viereck bekannt.
Während des 16. und 17. Jahrhunderts die Hauptaufgabe der Pikeniere darin die Musketenschützen der Ladepausen zu schützen. Bis zur zweiten des 17. Jahrhunderts waren viele Pikeniere durch Brust- und Rückenpanzer und einen offenen Helm geschützt. Zudem waren die meisten Pikeniere einer Nahkampfwaffe wie zum Beispiel einem Schwert einem Säbel oder einem Dolch bewaffnet. Gelang es einer Pikenierformation in gegnerische Einheit eine Bresche zu schlagen rückten mit Hellebarden oder Zweihandschwertern bewaffnete Söldner vor einen Einbruch zu erzielen. Starb ein Pikenträger Gefecht rückte sofort sein Hintermann auf. In Gefecht zwischen zwei Pikenierformationen verkeilten sich diese weshalb die Ergänzung der Gewalthaufen durch Musketenschützen war. Möglicherweise setzte man auch mit Zweihandschwertern Söldner ein die in einer festgefahrenen Gefechtssituation Einbruch ermöglichen sollten. Das Manövrieren der großen war äußerst schwierig und erforderte einen intensiven Drill. Zudem wurden seit dem späten 15. Trommler eingesetzt die das Marschtempo vorgaben. An Rändern der Formation wurden Feldwebel postiert die eine ordnende Funktion übernahmen. Feldwebel waren mit einer Hellebarde bewaffnet die nur als Statussymbol diente sondern auch als zum Zusammenhalten der Formation. Marschierte ein Pikenier im Gleichschritt mit den anderen musste er rechnen das ihn ein Feldwebel zur Strafe der flachen Seite der Hellebarde schlägt. Im wurde eine Pikeniereinheit zusätzlich durch lautstark gebrüllte manövriert.
Das zahlenmäßige Verhältnis von Pikenträgern zu verschob sich im Laufe des Dreißigjährigen Krieges zugunsten letzterer. Auch der Vorteil der gegenüber der Reiterei wurde ausgeglichen da diese wie die Caracolla entwickelte. In der Mitte des 17. machten die Pikeniere in den meisten europäischen weniger als ein Drittel der Infanterie aus. waren sie zu dieser Zeit immer noch den Einbruch in eine gegnerische Infanterieformation unverzichtbar. die Perfektionierung von Salven -Taktiken und vor allem die Verbreitung des Bajonetts in der zweiten Hälfte des 17. machten die Pikeniere überflüssig.
Pikeniere waren zunächst recht angesehen da Aufgabe eine hohe Disziplin erforderte und sie schweren Kavallerieeinheiten eine Niederlage beibringen konnten. Im der Zeit sank ihr Ansehen aber deutlich sie spätestens zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges Musketenschützen beigeordnet waren und sich mit einer konfrontiert sahen die einen Frontalangriff mied. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen liess den Protagonisten seines Werkes "Der Springinsfeld" im 13. Kapitel über die Pikeniere
"Und dannenhero glaube ich daß der der einen Piquenirer nidermacht (den er sonst köndte) einen unschuldigen ermordet / und solchen nimmermehr verantworten kan; dann ob dise arme (mit disem Spöttischen Namen werden sie genennet) creirt seyn / ihre Brigaden vor dem der Reutter im freyen Feld zubeschützen / thun sie doch vor sich selbst niemand Leid / und geschicht dem allererst recht der einem oder dem anderen in seinen Spies rennet. Jn Summa ich habe mein viel scharpffe Occasionen gesehen / aber selten / daß ein Piquenirer jemand umgebracht hette."
Die französische Armee löste 1703 ihre letzten Pikenier-Einheiten auf. 1704 folgte England und 1708 verzichtete auch die niederländische Armee auf die Verwendung von Piken. in Russland kamen bis in die 1720er Jahre zum Einsatz die sich als effektiv gegen türkische Reiterei erwiesen. Das Bajonett kann als Nachfolger der Pike gelten es gab noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Generäle die Bajonettangriffe für eine sinnvolle hielten - oft mit schrecklichen Resultaten für eigenen Männer.