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Pseudoisidor


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Pseudoisidor (oder pseudoisidorische Dekretalen ) ist der übergreifende Name für die und einflussreichste kirchenrechtliche Fälschung des Mittelalters . Entstanden sind diese Fälschungen im 2. des 9. Jahrhunderts im heutigen Ostfrankreich. Der besteht aus wenigstens vier kirchenrechtlichen Sammlungen:

1. Eine Verfälschung einer spanischen Sammlung Konzilien und Papstbriefen des 4. bis 8. - die sogenannte Hispana Gallica Augustodunensis nach einer Handschrift aus der französischen Autun (lateinisch Augustodunum)

2. Eine Sammlung gefälschter Gesetzgebung fränkischer des 6. bis 9. Jahrhunderts (Kapitularien) - sogenannten Capitularia Benedicti Levitae - nach dem angeblichen Autor der in der Einleitung zu seinem Werk als (lateinisch levita) Benedictus bezeichnet. Der Autor behauptet die wohl bekannte Sammlung des 829 gestorbenen Abtes Ansegis von Fontanelles vervollständigt auf den neuesten Stand gebracht zu haben.

3. Eine kurze Sammlung zum Strafprozessrecht die sogenannten Capitula Angilramni – die angeblich Papst Hadrian I. dem Bischof Angilram von Metz übergeben haben soll.

4. Eine umfangreiche Sammlung von ungefähr gefälschten Papstbriefen die zum größten Teil von den Bischöfen der ersten drei Jahrhunderte stammen sollen. angeblicher Bischof Isidorus Mercator (daher der Name Gesamtkomplexes) bezeichnet sich im Vorwort als Autor Sammlung die neben den gefälschten Briefen noch große Masse von echten (und teilweise verfälschten) und Papstbriefen vom 4. bis zum 8. enthält. Letztere stammen zum überwiegenden Teil aus unter 1. vorgestellten Hispana Gallica Augustodunensis. (ein wie vor ausgezeichneter Überblick ist Emil Seckels in der Protestantischen Realencyclopädie der auch im verfügbar ist: http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/forsch/benedictus/studien/seckel/pseudoisidor.htm)

Inhaltsverzeichnis

Verfasser

Trotz vieler Versuche den oder die namhaft zu machen wissen wir bis heute wer genau hinter den Fälschungen steckt. Kürzlich Klaus Zechiel-Eckes einige Indizien zusammengetragen die den Abt von Corbie Paschasius Radbertus ( 842 - 847 ) als einen der Schurken im Stück lassen. Sicher erscheint immerhin dass der Gesamtkomplex 847 und 852 mehr oder weniger abgeschlossen war und die Fälscher in der Kirchenprovinz Reims gearbeitet haben. Zechiel-Eckes hat auch überzeugende dafür zusammengetragen dass die Fälscher Handschriften aus benutzt haben (die sie natürlich auch ausgeliehen könnten).

Inhalt und Tendenzen

Die bewegte Geschichte des Frankenreiches im dritten Viertel des 9. Jahrhunderts den Hintergrund für die Fälschungen ab. In dreißiger Jahren wurde Kaiser Ludwig der Fromme von seinen Söhnen abgesetzt um seinen kurz darauf zurück zu erhalten. Bei diesen und Wiedereinsetzungen spielten kirchliche Würdenträger schon deswegen Rolle weil sie die Kirchenbuße für das sündhafte Leben der Herrscher verhängen mussten. Diese an den politischen Wirren hatte nach Wiedereinsetzung Herrschers für einige von ihnen den Verlust geistlichen Würde in recht summarischer Form zur Es ist wahrscheinlich dass diese Vorgänge in Entstehungsgeschichte der Fälschungen eine erhebliche Rolle gespielt Der kirchliche Strafprozess ist das Hauptinteresse der

Sie lassen ihre Märtyrerpäpste verkünden dass Ankläger eines Bischofs mit ewiger Verdammung und Höllenstrafen zu rechnen habe dass sofern es einmal zu einer Anklage gegen einen Bischof sollte der Bischof durch 72 Zeugen gleichen überführt werden müssen (72 Bischöfe wären im schwerlich aufzutreiben gewesen) dass der Angeklagte sich Richter selbst wählen dürfe dass er zu Zeit an den Bischof von Rom appellieren - und anderes mehr was den Prozess machen sollte von einer etwaigen Verurteilung ganz schweigen.

Zugleich finden wir eine ausgeprägte Feindseligkeit den Metropoliten . Deren Handlungen sind den Fälschern grundsätzlich Sie dürfen ausserhalb ihrer eigenen Diözese nur Übereinstimmungen mit ihren Suffraganbischöfen tätig werden. Die Suffragane haben jederzeit Recht gegen ihren Erzbischof den Papst in um Hilfe anzugehen. Dabei bleibt festzuhalten dass römischen Bischöfe des 9. Jahrhunderts noch weit der Machtstellung ihrer hochmittelalterlichen Nachfolger entfernt waren von der heutigen Stellung der Kurie in katholischen Kirche ganz zu schweigen. Zum Teil die spätere Stellung der Päpste sogar von Texten beeinflusst worden - eine Folge die Vorstellung unserer frommen Fälscher ganz fern gelegen

Weitere Passagen der Fälschungen handeln in Weise vom rechten Glauben vor allem von der Trinitätslehre also vom Verhältnis der Personen in Dreifaltigkeit (Gott Vater Gott Sohn und der Geist) zueinander. In der Betonung von Dreiheit Einheit will man neuerdings auch Anspielungen auf Notwendigkeit der fränkischen Reichseinheit sehen das ja die Mitte des Jahrunderts aus drei Teilreichen Interesse zeigten die Fälscher auch an bestimmten der Liturgie und der Sakramentenlehre.

Die schiere Menge an Texten die Fälscherwerkstatt hervorgebracht hat ist beeindruckend. Allein die des Isidorus Mercator die dem ganzen Komplex Namen gegeben hat umfasst in der (leider immer zuverlässigen) Ausgabe von Paul Hinschius (Decretales et Capitula Angilramni. Leipzig 1863) mehr als engbedruckte Seiten. Die "Leistung" der Fälscher wird deutlicher wenn man sich vor Augen führt die Fälschungen nicht etwa frei erfunden sind mosaikartig aus echten Texten zusammengestückelt sind. Die waren ungeheuer belesene Leute. Die Bibel das Recht fränkische Gesetzgebung Konzilien echte Papstbriefe obskure Diözesanstatute theologische Schriften und mehr mussten als Steinbruch für die herhalten. Bis heute sind hunderte von Quellen und die Arbeit ist keineswegs abgeschlossen. Emil hat Jahrzehnte darauf verwendet die Arbeitsweise der zu untersuchen (s. http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/forsch/benedictus/studien/seckel.htm) . Dabei haben die Fälscher ihre Quellen einfach abgeschrieben sondern sie mit einer gewissen immer wieder neu angepasst. Es gibt Sätze etwa zehn Wörtern die an verschiedenen Stellen Fälschungen in nicht weniger als acht verschiedenen auftauchen.

Einfluss und Verbreitung

Für etwa 150 bis 200 Jahre der Erfolg der Fälscher eher mäßig. Einerseits sich zwar verhältnismäßig viele Handschriften aus dem und 10. Jahrhundert erhalten - insgesamt kennen etwa 100 mehr oder weniger vollständige Handschriften Falschen Dekretalen vom 9. bis 16. Jahrhundert andererseits haben die kirchlichen Rechtssammlungen bis zum des 11. Jahrhunderts von den angeblichen Briefen Märtyrerpäpste nur wenig Notiz genommen.

Dies änderte sich im 11. Jahrhundert . Auch unter dem Eindruck klösterlicher Reformbewegungen und von Reformbestrebungen mancher Kaiser andererseits bemühte eine Gruppe von Kardinälen und eine ganze aufeinanderfolgender Päpste ab der Mitte des Jahrhunderts Kirche von Missbräuchen zu reinigen. Nach einiger kamen die Reformer in Konflikt mit der Gewalt. Die Bischöfe des mittelalterlichen Kaiserreichs hatten Verwaltungs- und Regierungsfunktionen auszuüben. Sie waren das der kaiserlichen Gewalt. Verständlicherweise versuchten die Kaiser erheblichen Einfluss auf die Auswahl dieser kirchlichen zu wahren. Diese Vermischung von weltlicher und Gewalt war für die meisten Reformer eine Hatte nicht schon der Apostel Petrus den Simon verflucht der versucht hatte geistliche Gewalt kaufen?

In dieser Situation kamen die Papstbriefe den ersten Jahrhunderten aus der Werkstatt der begrabenen Fälscher wie gerufen. Das enge Zusammenspiel Bischöfen und Papst war ein willkommener Beweis dass die Praxis der Kaiser in eklatantem zu den ältesten und ehrwürdigsten Traditionen der standen. Die Kirchenrechtssammlungen entdeckten die Falschen Dekretalen Manche bestanden sogar in ihrer Mehrheit aus aus den Fälschungen. Die Tendenz hatte sich fast in ihr Gegenteil verkehrt. Hatten die noch die Unabhängigkeit der Suffraganbischöfe im Auge wurde jetzt aus dem Schutzrecht des Papstes Kontrollrecht über die Bischöfe um sie zunehmend Weisungsgewalt des römischen Bischofs zu unterwerfen.

Diese Tendenz setzte sich bis zur des 12. Jahrhunderts fort als das Dekret Bologneser Kirchenrechtsgelehrten Gratian die älteren Sammlungen zunehmend verdrängte. Auch schöpfte viel Material aus den Fälschungen allerdings durch andere Rechtssammlungen. Es ist wenig wahrscheinlich er unmittelbaren Gebrauch von den Sammlungen der machte. Mit Gratians Dekret das bald zu autoritativen Quelle des Krichenrechts wurde war die Wirkung der Fälschungen ans Ende gekommen. Von fabrizierte Texte waren wie erhofft zu einer Grundlage des kirchkichen Verfahrensrechts geworden. Die Tendenz sich allerdings fast in ihr Gegenteil vekehrt: die Unabhängigkeit der Bischöfe war erreicht sondern zunehmende Abhängigkeit vom Papst in Rom.

Eine kaum zu übertreffende Analyse der und des Einflusses der pseudoisidorischen Fälschungen bietet Fuhrmann Einfluss und Verbreitung der pseudoisidorischen Fälschungen. Bde. Schriften der Monumenta Germaniae Historica 24.I-III. s. auch P. Fournier and G. Le Histoire des collections canoniques en Occident depuis Fausses Décrétales jusqu'au Décret de Gratien. 2 Paris 1931-2)

Im Laufe des Mittelalters wurden kaum an der Echtheit der Fälschungen laut. Dies sich im 15. Jahrhundert zu ändern. Einigen Gelehrten wie dem Kardinal Nikolaus von Kues fielen Ungereimheiten und Anachronismen auf. War wirklich glaubhaft dass der Märtyrerpapst Clemens I. die Stellung bestimmter Bischofssitze ausgerechnet damit haben sollte dass schließlich auch die Heiden diesen Städten ihre Hohepriester hätten? Im 16. Jahrhundert führten protestantische Kirchenhistoriker die "Magdeburger Centuriatoren" systematischere Angriffe gegen die Fälschungen die sie noch als Einzelbriefe ansahen und nicht als ganzen zusammenhängenden Fälschungskomplex. Erst dem Genfer kalvinistischen David Blondel gelang es die Fälscher zweifelsfrei überführen. 1628 veröffentlichte er seinen Nachweis ( Pseudoisidorus et Turrianus vapulantes ) dass die Briefe Texte von Verfassern die erst Jahrhunderte nach dem Tod der Verfasser geboren waren und folglich unmöglich echt konnten. Katholische Theologen und Kirchenrechtler führten noch akademische Rückzugsgefechte doch spätestens seit der Mitte 19. Jahrhunderts hat kein ernstzunehmender Historiker oder mehr die Tatsache der Fälschung bestritten.

Editionen

Die Geschichte der Editionsbemühungen der Fälschungen keine ungebrochene Erfolgsstory. Die Hispana Gallica Augustodunensis liegt gedruckt überhaupt nicht vor. Die des Benedictus Levita ist mehrfacht gedruckt worden. jüngste (immerhin auch schon mehr als 170 alte) Ausgabe in den Leges in folio the Monumenta Germaniae Historica (Monumenta Germaniae Historica in folio vol 2 2 1831) ist ein Rückschritt gegenüber der noch weitere 150 früheren Ausgabe von Etienne Baluze (E. Baluze Regum Francorum vol. 1 1677 wieder abgedruckt Mansis Konziliensammlung Band 17B im Internet unter http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/forsch/benedictus/alte_edd/baluze) . Wilfried Hartmann and Gerhard Schmitz at eine Neuausgabe vor (see http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/forsch/benedictus/) . Isidorus Mercator und die Capitula Angilramni zweimal von einander unabhängig gedruckt worden. Die von Paul Hinschius (1863 s. oben) ist gelegentlich mit übertriebener Schärfe kritisiert worden doch Hinschius bei seiner Einschätzung der Handschriften völlig gegriffen. Außerdem hat die echten (bzw. nur Teile der Sammlung Pseudoisidors nach den unverfälschten Pseudoisidors gedruckt so dass dieser Teil seiner völlig unbrauchbar ist. Jedenfalls für diese Teile jede kritische Untersuchung auf die die Ausgabe Jacques Merlin aus dem Jahre 1525 zurückgreifen aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer Handschrift des Jahrhunderts fusst. (Wiederabgedruckt in Jean Paul Migne's Latina Bd. 130).

Ein neuer Text entsteht zur Zeit http://www.pseudoisidor.de

Handschriftliche Überlieferung

Die handschriftliche Überlieferung hat Sch. Williams (Codices Pseudo-Isidoriani: A Palaeographico-Historical Study – Monumenta Canonici Series C vol 3 1973) zusammengefasst. kommt auf 80 Handschriften seine Übersicht ist nicht vollständig.

Die handchriftliche Überlieferung gruppiert sich in sechs oder sieben verschiedene Klassen. Die vollständigste die von Hinschius als A1 bezeichnete Klasse Vaticanus latinus Ottobonianus (s. IX) als dem ältesten und textlich besten Vertreter. Vermutlich genauso ist Klasse A/B mit dem Vaticanus latinus (ebenfalls s. IX aus Corbie) an der Ebenso hoch ist die Cluny -Version einzuschätzen von der uns das Originalmanuskript ist (Yale Beinecke Library 442 nach 858). noch ins 9. Jahrhundert geht Klasse A2 bei der eine Entscheidung über die beste schwer fällt. Ivrea Bibl. Capitolare 83 und Bibl. Vallicelliana D.38 beide s. IX aus stehen mit an der Spitze dieser Klasse. weitere Versionen stammen vermutlich aus dem 11. 12. Jahrhundert: Hinschius-Klasse B (z.B. Boulogne-sur-Mer Bibliothèque 115/116) Hinschius-Klasse C (z.B. Montpellier Bibliothèque de de Médecine H.3) und schließlich eine Mischform der Cluny-Version und der Handschriftenklasse A2 die in Paris Bibliothèque nationale 5141 überliefert ist.

Die Klassen A1 A/B B und überliefern alle drei Teile der Sammlung (erster von Clemens bis Melchiades Konzilienteil und zweiter von Silvester bis Gregor II.) wobei der Dekretalenteil in seinem Umfang zwischen A1 einerseits A/B B und C andererseits variiert die und die zuletzt aufgeführte Mischform bietet beide und A2 enthält enthält den ersten Dekretalenteil den Anfang des zweiten Dekretalenteils bis zu Briefen von Damasus I. die nur zum in A2 enthalten sind.

Es ist schwer zu sagen welche die sozusagen "originale" Fälschung bietet. Die Tatsache A1 A/B A2 und Cluny bereits kurz dem Abschluss der Fälschungsarbeite handschriftlich greifbar sind andeuten dass die Fälscher ihr Werk von an in verschiedenen Versionen in Umlauf gesetzt Zuzutrauen wäre es ihnen.




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