Eine der ersten Radiotheorien entwickelte Bertolt Brecht ; es handelt sich dabei im engeren nicht um eine geschlossene Theorie sondern eher einen Versuch die in Brechts Radiopraxis intendierten theoretisch zu begründen. Systematisch im Spektrum der Medientheorien betrachtet ist Brechts Ansatz vortheoretisch und nicht den Anspruch einer vollständigen Theorie des sie ist daher den Ansätzen der rationalisierten Praxis zuzuordnen.
Die Radiotheorie entwickelte Brecht zwischen 1927 und 1932 ; Brechts Texte zum Thema finden sich nicht in einer einzigen Arbeit sondern über Texte verstreut:
Radio – Eine vorsintflutliche Erfindung? In: Bertolt Brecht: Gesammelte Werke in Bänden. Bd. 18 133.-137. Tsd. Frankfurt a. S. 119-121
Vorschläge für den Intendanten des Rundfunks . In: Bertolt Brecht: Gesammelte Werke in Bänden. Bd. 18 133.-137. Tsd. Frankfurt a. S. 121-123
Der Rundfunk als Kommunikationsapparat . In: Bertolt Brecht: Gesammelte Werke in Bänden. Bd. 18 133.-137. Tsd. Frankfurt a. S. 127-134
Über Verwertungen . In: Bertolt Brecht: Gesammelte Werke in Bänden. Bd. 18 133.-137. Tsd. Frankfurt a. S. 123-124
Brecht sieht das Grundproblem des Hörfunks dass er erfunden wurde ohne dass es gesellschaftliches Bedürfnis danach gegeben habe: "Nicht die Öffentlichkeit hatte auf den Rundfunk sondern der Rundfunk wartete auf die Öffentlichkeit" . Ironisch merkt er an: "Man hatte plötzlich die Möglichkeit allen alles sagen aber man hatte wenn man es überlegte nichts zu sagen. [...] Ein Mann was zu sagen hat und keine Zuhörer ist schlimm dran. Noch schlimmer sind Zuhörer die keinen finden der ihnen etwas zu hat." Dies sei auch der tiefere Grund mutmaßt Brecht dass im Hörfunk nichts Neues sondern nur Vorhandenes imitiert werde.
Basierend auf dieser Analyse überlegt Brecht das vorhandene Medium nutzbringend eingesetzt werden könnte: "Um nun positiv zu werden: d.h. um Positive am Rundfunk aufzustöbern; ein Vorschlag zur des Rundfunks: Der Rundfunk ist aus einem in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln." Der Hörfunk könne den Austausch ermöglichen zu Gesprächen Debatten und Disputen genutzt werden.
In dem Rundfunkexperiment von dem drei Fassungen gesendet wurden Brecht die theoretische Erkenntnis in praktisches Handeln die Entwicklung des Experiments spiegelt gleichzeitig den Wandel in Brechts wider:
Die erste Fassung wurde unter dem "Lindbergh" gesendet; Brecht erkannte dass die Zuhörer neigten sich mit der überlebensgroßen Person des Lindbergh zu identifizieren; dies versuchte er zu und anstelle dessen die kollektive Leistung zu
Die zweite Fassung trug daher den Titel "Der Flug der Lindberghs".
Die dritte und letzte Fassung ließ individuelle Leistung des Flugpioniers noch weiter zurücktreten Titel lautete nur noch "Ozeanflug".
Brecht wünschte sich: "Hörer sollen zum Mitspieler werden" und: "Das Radio wird zum Sprecher und Medium einem: es kommuniziert mit den Hörern ("die . Sein Ziel war es Höreraktivität zu und so den Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat verwandeln. Die Hörfunksendung fasste er als Radiolehrstück Einübung in eine neue Gesellschaftsform auf. Brecht also überzeugt davon dass Medien positive gesellschaftliche hervorrufen können.
Über die Realisierbarkeit seiner Vorstellungen machte Brecht allerdings keine Illusionen: "Undurchführbar in dieser Gesellschaftsordnung durchführbar in einer dienen die Vorschläge welche doch nur eine Konsequenz der technischen Entwicklung bilden der Propagierung Form dieser anderen Ordnung. [...] Sollten Sie für utopisch halten so bitte ich Sie nachzudenken warum es utopisch ist."
Hans Magnus Enzensberger greift in seiner emanzipatorischen Medientheorie des Medienbaukastens ( 1970 ) Brechts Ansätze wieder auf und erweitert der Medienbaukasten steht in direkter Folge von Brechts
Neuere Medientheoretiker aus den 1980er und Jahren wie Friedrich Kittler und Norbert Bolz greifen teilweise ebenfalls auf die Radiotheorie zurück stehen jedoch nicht in deren Denktradition wie Enzensberger.