Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 22. November 2019 

Rasse


Dieser Artikel von Wikipedia ist u.U. veraltet. Die neue Version gibt es hier.
Rassen oder Unterarten sind Populationen einer Art bei denen der Genaustausch anderen Populationen vermindert ist. Dadurch kann es einer verstärkten Herausbildung von gemeinsamen phänotypischen Merkmalen kommen die die Individuen der von anderen Populationen der gleichen Art unterscheiden Andere Begriffe die vergleichbare Beobachtungen ausdrücken sind Unterart ( Subspezies ) Zuchtform oder Varietät . Im Pflanzenreich sprechen Biologen auch von Sorten .

Inhaltsverzeichnis

Klassifizierung von Populationen in Evolutionsprozessen

Alle Mitglieder einer biologischen Art haben an einem gemeinsamen Genpool teil. Innerhalb einer Art bilden sich weite Variationen in der phänotypischen Kombination bestimmter Bestehen zwischen verschiedenen Populationen oder Populationsgruppen der Barrieren für den Genaustausch - seien es (Gebirge Landmassen Meere) zeitliche (Entwicklungszeiten etwa bei oder vom Menschen induzierte (Zuchtwahl bei Hunden etc) - so prägen sich diejenigen Merkmale die in hoher Frequenz bereits vorhanden sind Drift) manchmal verstärkt durch spezifische Umweltbedingungen die Selektionsdruck ausüben. Wenn es im Laufe der Evolution in bestimmten Populationsgruppen gehäuft zu einr Veränderung bestimmter Merkmale kommt die die Angehörigen Gruppe von anderen unterscheidet so liegt eine in Untergruppen nahe die als Rassen Unterarten etc. bezeichnet werden. Diese Unterarten können sich neuen Arten entwickeln wenn sie so weit driften dass sich Fortpflanzungsbarrieren ausbilden die den Genaustausch zwischen den Gruppen dauerhaft d. h. bei wieder etabliertem z. B. geografischem Kontakt und dadurch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Fortpflanzung Individuen verschiedener Untergruppen stark herabsetzen. Es finden dann oft evolutionäre Zwischenstadien bei denen zwar Kreuzung möglich ist der Nachwuchs aber eine evolutionäre Fitness zeigt was sich u. a. verminderter Fortpflanzungsfähigkeit wie beispielsweise zwischen Pferden und zeigen kann.

Da eine Rasse immer über eine Reihe von Eigenschaften Merkmalen oder Attributen definiert können durch die Kreuzung von Individuen mit Merkmalen beliebige Zwischenstufen zwischen den Rassen entstehen. Rasse ist also nur in einer geografisch zeitlich fest umrissenen Situation eine naturgegebene Kategorie; vielen Fällen ist sie ein vom Menschen Abstraktum. Realität kommt dann nur den einzelnen genotypischen und phänotypischen Unterschieden selbst zu - es existiert keine von der historischen Situation unabhängige "Summe" Unterschiede.

Rassen in Bezug auf Tiere

Rassen sind heute insbesondere in der Tierzucht ( Hunde Pferde Kühe und andere Haustiere ) von Bedeutung wo oft die Reinrassigkeit den Wert eines Tieres mitbestimmt: Die sollen den definierten Eigenschaften des Zuchtideals entsprechen. Art der Hunde wurde z.B. als Ganze Menschen aus der differierenden Art des Wolfes Die Legende wonach verantwortungsvolle Züchtung zur Verringerung Vitalität führt entspricht definitiv nicht der Realität. gibt es Überzüchtungen auf Schönheitsideale der Wohlstandsgesellschaft zu solchen Inzucht -Effekten führen können. In der Zucht von Nutztieren und Nutzpflanzen dienen reinrassige Ur-Zuchtlinien zur Produktion von hybriden neuen Rassen.

Rassen in Bezug auf Menschen

Die mannigfachen Versuche Menschen nach äußeren (wie Hautfarbe Haarfarbe Körperbau usw.) in Rassen klassifizieren sind nur noch von historischem Interesse. Zahl der aufgestellten Gruppen schwankt sehr stark sich die bereits von Linné angenommenen vier Urtypen (s.u. Exkurs über die Geschichte der oder dreier großer Rassenkreise - Europide (Europa Naher Osten Indien) (Ostasien und Ureinwohner Amerikas) und Negride (Afrika) besonderer Beliebtheit erfreuen. Dies wurde häufig weiter in zahlreiche Mischformen (z.B. Turanide Australide Mestizen Mulatten ) und Unterteilungen. So wurden beispielsweise die nochmals aufgefächert in Nordide Osteuropide Alpinide Dinaride Mediterranide Armenide Orientalide Indide .

Zwar sind diese Klassifikationen durch die der modernen Genetik überholt aber im alltäglichen Denken der Menschen nach wie vor präsent. Humangenetiker wie Cavalli-Sforza argumentieren dagegen dass äußerliche Unterschiede wie und Haarfarbe Haarstruktur und Nasenform lediglich eine an unterschiedliche Klima- und Ernährungsbedingungen sind die von etwa einem Dutzend Erbfaktoren bestimmt werden. Prinzip ist jede beliebige Untergruppe - theoretisch die Bewohner eines einzelnen Dorfes - durchschnittlich anderen unterscheidbar. Zahllose Migrationen führten zu ständiger und ununterbrochenem Genfluss. Anders ausgedrückt ist beim die Vielfalt so groß dass es unzweckmäßig diesen als Art zoologisch zu untergliedern.

Cavalli-Sforza und andere Wissenschaftler sprechen von Populationen (Gruppen die einen präzise bestimmten Raum - ein Begriff der nicht biologisch sondern definiert ist. Genetische Unterschiede zwischen Populationen lassen anhand einzelner Merkmale (z.B. Blutgruppen) erfassen. Dabei etwa 85% der bei Menschen erkennbaren genetischen innerhalb einer Population vor; etwa 8% betreffen zwischen benachbarten Gruppen und nur 7% gehen Unterschiede zwischen den typologisch definierten Rassen zurück. betrachtet können zwei Menschen aus verschiedenen Kontinenten miteinander verwandt sein als Individuen einer spezifischen auch wenn sie z.B. eine unterschiedliche Hautfarbe

Populationen sind in gewissem Sinn einfach Blöcke die von der Wahl der jeweiligen abhängen; wobei es keinen bevorzugten Satz von gibt. Die "populationistische" Ansicht verleugnet nicht dass Unterschiede zwischen Menschen gibt; sie behauptet einfach die historischen Rassekonzepte nicht besonders nützlich sind diese Unterschiede wissenschaftlich zu analysieren.

Im Vergleich mit vielen anderen Tierarten Primaten) zeigen Menschen eine sehr hohe genetischen Dies wird dahingehend interpretiert dass vor etwa Jahren die Menschheit nur eine geringe Populationsstärke Die geringe genetische Variabilität dieser Ausgangspopulation spiegelt in der genetischen Ähnlichkeit aller Menschen wieder die DNA zweier beliebiger Menschen ist sich 99.9% gleich.

"Rasse" ist ein soziales Konzept kein behauptet auch der amerikanische Genomforscher Craig Venter. sich allerdings seine damit verbundene Hoffnung "ohne kein Rassismus " erfüllt ist äußerst zweifelhaft.

Exkurs über die Geschichte der Rassenforschung

Der französische Arzt und Forschungsreisende François (1620-1688) publizierte 1684 einen Aufsatz mit dem Titel: "Nouvelle de la Terre par les differentes Espèces Races d'hommes qui l'habitent" (Neue Einteilung der nach den verschiedenen Arten oder Rassen die bewohnen) und schrieb damit die "Geburtsurkunde der (Eickstedt). Bernier unterschied schon drei Rassenkreise die Europide Negride und Mongolide genannt wurden verband mit seiner Klassifikation keine Wertung.

Carl von Linné verknüpfte seine biologischen Systematik mit subjektiven Er unterschied vier Rassen:

  • Europaeus: regitur ritibus - albus sanguineus (vom Gesetz regiert weiß sanguinisch muskulös)
  • Americanus : regitur consuetudine - rufus rectus (von Gebräuchen regiert rot cholerisch aufrecht)
  • Asiaticus : regitur opinionibus - luridus rigidus (von Ansichten regiert blassgelb melancholisch steif)
  • Africanus : regitur arbitrio - niger laxus (von der Willkür regiert schwarz phlegmatisch

Unter den Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts die sich mit der Materie befassten Georges Cuvier James Cowles Pritchard Louis Agassiz Charles ( Races of Man and Their Geographical Distribution ) und Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840). Cuvier zählte drei Rassen Pritchard Agassiz acht und Pickering elf. Blumenbachs Einteilung Linnés Urtypen um eine fünfte Rasse (die braune oder malaische ) erweiterte wurde Mitte des 19. Jahrhunderts akzeptiert. Blumenbach prägte auch den Begriff der kaukasischen oder weißen Rasse die als Stammrasse anzusehen sei.

Rassenforscher der folgenden Jahrzehnte ordneten die und die amerikanische Rasse wieder der mongolischen und kehrten somit zur 'klassischen' Dreiteilung zurück. Blütezeit der Rassenklassifikation begann Ende des 19. und erreichte ihren Höhepunkt in der Systematik von Eickstedts ( 1934 ) die etwa 30 - 40 Rassen die in 3 Rassenkreise sowie Alt- und eingeteilt wurden. Eickstedt verband mit den unterschiedlichen nicht nur verschiedene körperliche sondern auch psychische und meinte mit Hilfe von Rasseformeln den einzelner Rassen bei einem Menschen prozentgenau bestimmen können. Andere Anthropologen bauten auf der Klassifikation auf oder kamen wie der Amerikaner Carleton Coon wieder auf eine grobe Gliederung in Primärrassen oder Rassenkreise (Negroide Kaukasoide Sinoide) zurück.

In Blumenbachs Tagen ging die Beschreibung Eigenschaften wie Hautfarbe Schädelprofil usw. wie selbstverständlich in Hand mit der Deutung charakterlicher Eigenschaften intellektueller Fähigkeiten. So wurden etwa die "helle und die verhältnismäßig hohe Stirn "der Kaukasier" körperlicher Ausdruck eines hochfliegenden Geistes und großzügigen gewertet. Die dunkle Haut und die leicht Stirn "der Äthiopier" galten als Pauschalbeweis einer genetischen Nähe zu den Primaten obwohl die von Schimpansen und Gorillas unter dem Haar ist als die durchschnittlicher "Kaukasier".

Aus Verschiedenartigkeit wurde Verschieden wertigkeit . Höhere kulturschöpferische Rassen standen niederen kulturzerstörerischen Rassen gegenüber.

Von größtem Einfluss war in diesem Joseph Arthur Graf de Gobineau mit seinem "Essai sur l'inégalité des humaines" (Versuch über die Ungleichheit der menschlichen 1853/55 in dem er behauptete die treibende der menschlichen Geschichte sei die "Rassenfrage". Rassenvermischung mit "minderwertigen Rassen" führe zu Degeneration und von Völkern und Nationen.

Seine Theorien der rassischen Überlegenheit der wirkten nachhaltig auf Richard Wagner und dessen Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain der sie in seinem Buch "Die des 19. Jahrhunderts" ( 1899 ) weiter ausbaute. Chamberlain stilisierte den Juden zum rassischen Antitypus des Ariers und einen historischen Endkampf in dem es nur oder Vernichtung geben könnte.

Diese (Mach-)Werke fielen in vielfach popularisierter gerade im deutschsprachigen Raum auf fruchtbaren Boden. ließ etwa der verkrachte Zisterziensermönch Adolf Lanz (alias "Jörg" Lanz "von Liebenfels") in Ostara-Heftchen "blond-blaue" asische oder arische Herrenmenschen gegen antreten. Er erklärte die "Versklavung der Rassenminderwertigen" eine "ethisch und wirtschaftlich berechtigte Forderung". Diese spielten bei der Genese des nationalsozialistischen Ideenkonglomerats eine entscheidende Rolle. Millionenfacher Mord damit vorgedacht und "wissenschaftlich" begründet.

Siehe auch: Herrenrasse Rassentheorien Rassismus ohne Rassen Rassenhygiene

Literatur

  • Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene Völker und Sprachen. biologischen Grundlagen unserer Zivilisation Darmstadt: WBG 1999

Weblinks




Bücher zum Thema Rasse

Dieser Artikel von Wikipedia unterliegt der GNU FDL.

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Rasse.html">Rasse </a>