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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 20. Dezember 2014 

Wahrnehmungsgeografie


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Die Wahrnehmung ( Perzeption ) von Raum durch Menschen findet nur scheinbar so statt wie die Raumdarstellung in kartografische Darstellungen Luft- oder Satellitenbildern es nahelegt. Tatsächlich ist die Raumwahrnehmung -abbildung ein sehr subjektiver Prozess.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kevin Lynch ein Architekt und Stadtplaner Mitte der 1950er Jahre am Massachusetts Institute of Technology das Wahrnehmungsverhalten von Stadtbewohnern zu untersuchen weil Zusammenhänge zwischen der menschlichen Wahrnehmung und der und Qualität von Architektur vermutete. Er fand empirische Studien heraus dass das geistige Abbild das jeder Mensch über seine Umwelt
  • mehr oder weniger verzerrt ist
  • Vereinfachungen gegenüber der Wirklichkeit aufweist
  • gruppenspezifisch ist und
  • aus einer kleinen Gruppe von Grundelementen zusammengesetzt wird die in verschiedenen Städten Bedeutung für die Strukturierung der Stadtgestalt haben.

Diese geistigen Karten (mental maps auch als kognitive Karten bezeichnet) haben vor allem Funktionen Zusammenhang mit der räumlichen Orientierung und Ordnung. Art der subjektiven Entstehung dieser mentalen Repräsentation Raumes aus der Verarbeitung eigentlich einheitlicher (objektiver) lassen sich nur indirekt erfassen. Als Untersuchungsmethode Lynch neben Gedächtnisprotokollen vor allem Kartenskizzen die den Probanden aus der Erinnerung dargestellt wurden. die mental maps einen ausgesprochenen Anwendungsbezug haben sie rasch in anderen raumbezogenen Wissenschaftsdisziplinen weiteren Einsatz.

Die fünf Grundelemente

Wege

Wege bilden für die meisten Menschen vorherrschenden Elemente im Raum (z.B. in einer Durch Wege (Straßen Gassen Gehwege Trassen öffentlicher bewegen sich die Bewohner regelmäßig gelegentlich oder Sie nehmen Räume als eine Ansammlung von wahr die entlang dieser Wege angeordnet sind. Für die Wahrnehmung besonders bedeutsam insbesondere die Breite eines Weges aber auch Funktion als Grenzlinie erhöht die Bedeutung.

Grenzlinien

Grenzlinien oder Ränder sind linienhafte Stadtelemente vom Beobachter nicht (oder nicht nur) als benutzt oder bewertet werden. Sie trennen unterschiedliche sind Grenzen des Zusammenhangs . Neben einem trennenden Aspekt wie beispielsweise Grenze zwischen unterschiedlich dicht bebauten Bereichen haben Ränder aber auch verbindende Funktionen die als zwei Gebiete aneinander fügen oder in Beziehung Wenngleich Ränder für die Beobachter keine so Rolle wie die Wege spielen sind sie allem dort ein wichtiges Gliederungselement wo Bereiche/Regionen solche Grenzlinien zusammengefasst werden.
Die Wichtigkeit von Grenzlinien wird nach der des Unterschieds zwischen den getrennten Bereichen und ihrer Kontinuität bewertet. Häufig fallen Grenzlinien mit insbesondere Straßen und Eisenbahnlinien zusammen.

Bereiche

Bereiche sind mittelgroße bis große in Vorstellungswelt zweidimensional abgebildete flächenhafte Abschnitte einer Stadt. werden als Gebiete wahrgenommen in die man hineingeht oder die man . Jedes dieser Gebiete hat in der einen individuellen Charakter der aus einem Merkmalskomplex heraus definiert Dabei sind in der Regel die Bereich innen immer zu identifizieren während sie von außen nur dann als Gestalt-/Orientierungselement eine Rolle wenn sie über charakteristische Elemente zu erkennen (z.B. Hochhausbebauung in einem Hochhauskomplex).
Der Merkmalskomplex der einen Bereich definiert ist thematische Kontinuität geprägt. Gestaltelemente können sein:
  • Gliederungen
  • Formen
  • Details
  • Symbole
  • Gebäudetypen
  • Nutzungsarten
  • Einwohnerschaft
  • Verkehr
  • Gebäudezustand
  • Topographie u.a.
Gerade die Einheitlichkeit von Fassaden im auf Material Traufhöhe Erhaltungszustand und das Bild Bewohnerschaft soweit diese im Straßenbild erkennbar ist maßgeblich dazu bei Bereiche zu identifizieren.

Brennpunkte

Brennpunkte sind Zentralpunkte einer Stadt. Häufig sie Ziel- oder Ausgangspunkt einer Bewegung im Sie sind für den Beobachter zugänglich und häufig durch das Zusammentreffen mehrerer Straßen (Kreuzungen oder durch das konzentrierte Zusammentreffen einer Vielzahl Merkmalen auf relativ kleinem Raum definiert. Der - auch als Ort von Fahrt-/Bewegungsunterbrechungen wahrgenommen wird vom Beobachter als wichtig angesehen weil er an dieser Stelle treffen muß. Die Umgebung solcher bewussten wird dabei meist besonders deutlich wahrgenommen so Befragte das Erreichen eines Bereiches meist mit Passieren eines Brennpunktes gleichsetzen. Typische Brennpunkte können beispielsweise bestimmte U-Bahnstationen sein (Umsteigebahnhöfe oder Stationen mit besonders gestalteten Bereichen an der Oberfläche

Merk- oder Wahrzeichen

Merk- oder Wahrzeichen fungieren als optische Oft sind sie identisch mit besonders auffallenden (z.B. Türmen) oder Landschaftselementen. Charakteristischerweise verwenden Beobachter besser mit einer Stadt vertraut sind ein Netz von Bezugspunkten für die Orientierung. Die haben dabei den Charakter von etwas einmaligem das die Kontinuität der Umgebung durchbricht . Wichtige Merkzeichen die von einem hohen von Befragten einer Stadt übereinstimmend genannt werden
  • haben meist eine einfache und klare (z.B. Eiffelturm Siegessäule Brandenburger Tor Fernsehturm)
  • sind auch aus der Distanz zu und
  • weisen einen deutlichen Kontrast zur Umgebung
Das räumliche Herausragen eines Merkzeichens kann durch Größenunterschiede hervorgerufen werden was das Erkennen aus der Distanz und damit den Bekanntheitsgrad andererseits andererseits auch durch andere deutliche Kontrastelemente ein "herausgeputztes" Gebäude in einer eher desolaten oder das Gegenteil).

Beziehung der Grundelemente zueinander

Die Gesamtheit der Grundelemente fungiert als aus dem sich in der Vorstellungswelt des das Image einer Stadt zusammensetzt. Erst aus Kombination der Merkmale und ihrer Beziehung untereinander sich eine räumliche Wirkung die sich in einer mental map darstellen lässt. Verschiedene Grundelemente können dabei synchron einen Gesamteindruck erzeugen als auch durch Wirkung Eindrücke der jeweiligen Einzelelemente unscharf machen.

Gleichzeitig weisen bestimmte Grundelemente erst in typischen Kombination raumprägende Eigenschaften auf so z.B. Kombination aus Wegen und Brennpunkten. Die meisten fassen anscheinend die erkannten Elemente in größeren zusammen die als Vorstellungskomplexe bezeichnet werden. Wichtige Eigenschaft von Vorstellungskomplexen Images ist ihre Veränderbarkeit im Zeitverlauf : Der Charakter eines Bereiches kann beispielsweise eines Jahrzehnts starken Veränderungen unterworfen sein (z.B. eines Stadterneuerungsgebietes) seine Abgrenzung kann sich verändern. kann auch die Hierarchie von Stadtbereichen Veränderungen sein. Andererseits können bestimmte Bezugspunkte ihren Charakter im Wandel beibehalten.

Auskunft über die Beziehung der Grundelemente das Vorgehen beim Skizzieren einer mental map

  1. Häufig wird das Image entlang von Bewegungsrichtungen entwickelt.
  2. Viele Beobachter beginnen eine Skizze mit die Bereiche abgrenzen wie z.B. der Uferlinie Gewässers.
  3. Andere Beobachter beginnen mit dem Skizzieren zugrundeliegenden Struktur wie z.B. einem rechtwinkligen Straßenraster.
  4. Typisch ist auch das Ausgehen von vertrauten Zentralpunkt von dem aus alle weiteren und Beziehungen definiert werden.

Die Gesamtheit aller in einer mental darstellbaren und dargestellten Grundelemente ist in den Fällen verzerrt weist aber eine starke topologische Übereinstimmung mit der Wirklichkeit auf. Die können durchaus auch den Charakter von Stadtplänen die auf ein beliebig dehnbares Gummituch projiziert dann gedehnt wurden.

Übertragung des Perzeptionsansatzes auf geografische Fragestellungen

Lynch verband mit seinen Studien die aus ihnen eine empirisch begründbare "richtige" Stadtplanung zu können. Die Qualitäten geplanter Räume wollte vor allem an deren Merkmalen

  • Eindeutigkeit und
  • Klarheit messen.
Geographen wie z.B. T. Hägerstrand und wandten die hier aufgeworfenen Überlegungen auf geographische an. Fragen zur relativen Wahrnehmung von Räumen soweit diese sich in Vorstellungswelt von Menschen abbilden lassen wurden unter im Zusammenhang mit Untersuchungen zu Interaktionen räumlicher Diffusion und der Imageanalyse untersucht. Insbesondere im sozialwissenschaftlich orientierten Bereich der Geographie wird seither Relativraum als der eigentliche "Normalraum" betrachtet.

Literaturhinweise

  • HAGGET P. (1991) Geographie - Eine Synthese. Stuttgart.
  • LYNCH K. (1970) Das Bild der Frankfurt.
  • LYNCH K. (1991) City Sense and Design. Cambridge (Massach.) London.



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