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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 1. November 2014 

The Progress Paradox


von Gregg Easterbrook

ISBN: 0679463038

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The Progress Paradox opens with the assumption that ordinary middle-class Americans have often tried to assuage their jealousy of the rich by repeating the axiom "money can't buy happiness" to themselves. But according to New Republic senior editor Gregg Easterbrook, "the rich" are, in fact, those same ordinary middle-class Americans and no, they're not happy at all. Wages have soared over the past 50 years and regular citizens own large homes, new cars and luxuries aplenty. Better still, the environment, with a few exceptions, is getting cleaner, crime is on the decline and diseases are being wiped out as life span increases. So why do people report a sense that things are getting steadily worse and that catastrophe is imminent? Easterbrook presents a few psychological rationales, including "choice anxiety", where the vastness of society's options is a burden, and "abundance denial", where people somehow manage to convince themselves that they are deprived of material comforts. The sooner we accept how good we have it, the better off the whole world will be, he says, because if we would just realise that we have this wealth, we could be using it to alleviate hunger, provide healthcare for the millions who lack it, and otherwise address the ills that actually do exist. While at times the book's attempts to make the world a better place seem a bit of a stretch, it's admirable that Easterbrook is willing to make that stretch and not suggest people simply light up cigars and bask in their newly discovered joys. One might look a bit askance at some of Easterbrook's sunny perspectives on our societal fortunes--he celebrates rampant consumerism while skating past the rampant consumer debt that lies beneath it, for instance--but it's hard to deny that the pessimistic viewpoint is much more widely stated than that of optimists. Is the glass really half empty or should we, as Easterbrook indicates, enjoy the wonderful world in which we secretly live? --John Moe

überflüssig und nichtssagend
Das Thema des Buches klingt auf den ersten Blick recht interessant: warum sind die Menschen in den reichen Ländern der westlichen Welt trotz ihres hohen Lebensstandards immer noch unglücklich und unzufrieden? Eigentlich sollte man doch erwarten, dass Amerikaner und Westeuropäer froh und glücklich sind. Sind sie aber nicht, wie wir täglich beobachten können. Und so macht sich der Autor auf, die Gründe für diesen Widerspruch zu ergründen ... jedenfalls hatte ich gehofft, dass er das tun würde. Aber leider ist das Buch äußerst enttäuschend.

Zunächst einmal ist der Schreibstil des Autors nervtötend. Praktisch jeder neue Abschnitt beginnt mit der Rezitation der schon bekannten These "Die Menschen sind unglücklich, obwohl es ihnen so gut geht wie noch nie." Das wird x-mal wiederholt, so als erwarte der Autor, dass man sein Buch häppchenweise liest, so wie manche Leute durchs Fernsehprogramm zappen. Für Leser, die immer mal wieder 1-2 Seiten lesen und bis zum nächsten Mal vergessen haben, wie eigentlich gerade der Kontext des Gelesen war, ist das prima. Für einen Leser, der tatsächlich lesen will, ist es grauenvoll redundant und langweilig.

Inhaltlich bringt es erstaunlich wenig Neues, eigentlich ist alles aufgewärmt. Der Autor beginnt mit einer ausführlichen und detaillierten Schilderung der paradiesischen Lebensverhältnisse in den USA. Nur ein Beispiel, zur Illustration: Da werden Fly-In Restaurants beschrieben, die sich zunehmender Beliebtheit in den USA erfreuen, oder jene Suburb-Siedlungen, in denen jedes Haus einen kleinen Hangar neben der Garage hat. Ist ja schön, dass es Tausende von Menschen in den USA gibt, die sich das leisten können, aber was hat das mit Fortschritt und Lebensqualität zu tun? Aber egal! Der Leser quält sich tapfer durch die Beschreibung des "Paradieses" und wartet sehnsüchtig darauf, dass der Autor endlich mal zum Thema kommt ...

... kommt er dann auch. Als Erklärung für die Unzufriedenheit der wohlhabenden Bewohner der westlichen Welt benennt er zunächst einmal "die Intellektuellen". Intellektuelle würde ja stets und ständig an allem herumnörgeln, aus Prinzip. Mag sein, fande ich aber nicht sonderlich überzeugend. Dann sind da noch die Medien, die jedes noch so kleine Problem aufbauschen, damit sie was zu melden haben. Stimmt, aber die Menschen sind ja nicht blöde. Der normale Zuschauer oder Leser merkt ziemlich genau, was wichtig und was dummes Geschwätz ist. Und dann sind da, nach Meinung des Autors, noch die Politiker, oder besser gesagt, die politische Opposition. Die Opposition muss was zum Nörgeln finden, sonst gäbe es ja nichts, was sie besser machen könnte als die gerade verantwortliche Regierung. Also wird eine Krise nach der anderen erfunden. Da habe ich nur noch den Kopf geschüttelt. Gerade in den USA, wo die Wahlbeteilung dermaßen gering ist, werden wohl die wenigsten Menschen unglücklich sein, weil irgendwelche Politiker dummes Geschwätz von sich geben. Das war ein äußerst schwacher Erklärungsversuch. Also weiter ... was hat der Autor noch zu bieten?

Als nächstes versucht der Autor es mit der Genetik. Vielleicht - so seine Überlegung - ist die menschliche Angst vor Katastrophen und Untergang genetisch bedingt. Wer Angst vor bevorstehenden Krisen oder Gefahrensituationen hat, ist wachsamer als jemand, der nichts Böses ahnt. Im Sinne Darwins sind Pessimismus und Zukunftsangst möglicherweise Eigenschaften, die sich genetisch durchgesetzt haben, weil sie lebenserhaltend sind. Leider ist mir beim Lesen des Buchs nicht klar geworden, ob es sich dabei um eine wissenschaftlich fundierte Erkenntnis oder um eine bloße Vermutung des Autors handelt.

Es folgt eine Exkurs in die Psychologie. Der Autor erfreut den Leser mit Allgemeinplätzen aus der kognitiven Psychologie, wie zum Beispiel der Erkenntnis, dass das Denken das Lebensgefühl bestimmt und dass Pessimisten sich schlechter fühlen als Menschen, die positiv denken. An dieser Stelle hätte das Buch endlich mal in die Tiefe gehen können, aber der Autor erwähnt nicht einmal, dass es in allen Kulturen zu allen Zeiten ganz unabhängig vom Lebensstandard einen etwa konstanten Prozentsatz von Menschen gibt, die an Depressionen erkranken. Warum ist das so? Ich hatte von dem Buch eigentlich erwartet, dass es genau solchen Fragen nachgeht. Weit gefehlt! Das Buch kratzt lediglich an der Oberfläche und wirkt wie das Referat eines Pennälers: irgendwelche Zitate zusammengesammelt und in einen Schulaufsatz verpackt. Wirkliche Erkenntnisse oder Neuigkeiten sucht der Leser vergeblich.

Und danach wird das Buch völlig wirr. Der Autor relativiert plötzlich seine "Paradiesdarstellung" und schildert die Schattenseiten des westlichen Wohlstands: die Millionen von US-Bürgern und Europäern (!), die keine Krankenversicherung haben, die Millionen von US-Bürgern und Europäern (!), die zu so geringen Löhnen arbeiten, dass sie trotz harter Arbeit in Armut leben. Der Autor wirft die USA und Europa grundsätzlich in einen Topf, überall im Buch, so als gäbe es keine Unterschiede. Sollte es dann doch einmal unübersehbare Unterschiede geben, bei denen die USA schlechter aussehen als die europäischen Gesellschaften, wie zum Beispiel bei der Gesundheitsversorgung und den Mindestlöhnen, dann sind daran die Einwanderer schuld. Nach Meinung des Autors sind die Verhältnisse in Europa nur deshalb besser, weil die Europäer keine Einwanderer in ihre Länder lassen und panische Angst vor dunkler Haut haben. Spätestens bei der Passage über die "Angst vor dem schwarzen Mann" hatte der Autor in meinen Augen jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Das Buch ist völlig unsachlich, schlecht recherchiert und liefert lediglich Vermutungen und Meinungen, aber keine Fakten und Analysen.

Dann folgt noch ein Abriss über die Geschichte des Islams, die wohl die Ursachen des Islamismus erklären soll. Offenbar ist die augenblicklich größte Sorge aller Menschen, die Angst vor dem Terror. Mag ja sein, dass das in den USA so ist, aber wenn man sich die Fakten ansieht, beispielsweise die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu sterben, oder bei einem Verkehrsunfall oder einem Flugzugabsturz oder einem Terroranschlag ums Leben zu kommen, dann ist doch offensichtlich, dass sich der Autor an der von ihm selbst kritisierten Aufbauschung der Krisen beteiligt. Ein bischen was über Sinnfindung, Religion und Spirtualität und dass es den Menschen besser geht, wenn sie Gutes tun, zum Abschluss die Aussage, dass die Welt bisher alle Schwierigkeiten überwunden hat und sicher auch alle bevorstehenden Krisen lösen wird, und das war's dann. Am Ende macht man das Buch zu und fragt sich, was das Ganze sollte. Auf das eigentliche Thema "Wieso sind Fortschritt und Wohlstand nicht in der Lage, das Lebensgefühl der Menschen zu verbessern?" gibt der Autor keine Antwort. Das Buch ist völlig überflüssig und nichtssagend.
Siehe auch:

> The Progress Paradox
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