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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 24. Mai 2013 

Die Zähmung der Zeit


von Clark Blaise

Kategorie: Verschiedenes
ISBN: 3100071093

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Mit diesem Buch hat sich der Autor viel vorgenommen -- und viel erreicht. Er schildert zum einen das Leben und Wirken von Sandford Fleming, der die Weltzeit durchsetzte. Darüber hinaus aber schafft Blaise es, uns einen der größten Umbrüche in unserer Geschichte mit all seinen Konsequenzen plastisch zu vermitteln. Worum geht es? Um nicht weniger als um die Zeit selbst und unser Verhältnis zu ihr, das sich Ende des 19. Jahrhunderts so drastisch gewandelt hat.

Als Sandford Fleming im Juni 1876 auf einem irischen Landbahnhof stand und auf einen Zug wartete, der nicht kam, begann sein Engagement für eine einheitliche Weltzeit, das schließlich zu unserem heutigen Standard mit den 24 Zeitzonen führte. Es war kein Zufall, dass Fleming durch die Eisenbahn angeregt wurde. Denn erst, als es dank der Dampfkraft Züge gab, die die Entfernungen schrumpfen ließen, wurden die unterschiedlichen Zeiten überall zu einem Problem. So hatten die einzelnen Bahngesellschaften alle eigene Zeiten, was die Reisenden regelmäßig in ein Chaos stürzte.

Wir erfahren in diesem Buch viel über Fleming und seinen Kampf um eine einheitliche Zeit gegen wissenschaftliche und nationale Empfindlichkeiten. Aber darüber hinaus gelingt es Blaise, uns ein Panorama der damaligen Zeit zu zeigen, das umfassend und ungemein spannend ist: Wir können förmlich zusehen, wie sich der Zeitbegriff ändert -- und damit das viktorianische Denken, die Gesellschaft überhaupt, das Empfinden der Menschen. Ja, sogar die Künste und ihr Umgang mit der Zeit beschäftigen Blaise. Ob Impressionismus, Jazz oder Sherlock Holmes: Wir verfolgen einen gesellschaftlichen Umbruch, der in jeden Bereich des Lebens und Denkens hineinreicht.

Dieses Buch wird nicht nur inhaltlich und von der Tiefe der Analyse seinem großen Thema gerecht. Es lässt sich außerdem gut lesen; wegen der eingestreuten Texte aus Flemings Tagebüchern, Briefen und Artikeln, aber vor allem, weil der Autor sich seinem komplexen Thema so klug wie verständlich nähert. --Gabi Neumayer

Clark Blaise versucht, die Zeit zu zähmen
Vor fast 130 Jahren führten ein Zufall und die ruhelose Findigkeit des kanadischen Ingenieurs Sandford Fleming zu einer fürderhin nicht mehr hinwegzudenkenden Erfindung: der Weltzeit. Fleming, der in Irland einen Zug verpasst hatte und sich über die unspezifizierten regionalen Zeitunterschiede ärgerte, teilte den Globus in 24 Zeitzonen ein - für jede Stunde des Tages eine - und schaffte mit seiner Gedankenkonstruktion eine wichtige Voraussetzung für allumfassende internationale Entwicklungen. „Die Zähmung der Zeit" von Clark Blaise (Fischer Taschenbuch Verlag) verleiht dieser spannenden und packenden Story unsagbar viel zeitgeschichtliches Kolorit und macht sie nacherlebbar für heutige Leser, für die Zeitzonen eine ganz natürliche Gegebenheit sind.

Eine gerade noch mittelmäßige Geschichte der Zeit
Auf den ersten Blick handelt sich dieses Buch um eine Biographie über den kanadischen Ingenieur Sanford Fleming, der einen maßgeblichen Einfluß auf die Einführung der Weltzeit hatte. Clark Blaise gibt sich allerdings nicht mit einer simplen Lebensdarstellung zufrieden, sondern spannt darüber hinaus einen weiten Bogen von der Entwicklung des Zeitempfindens vor allem in der Zeit der Industriellen Revolution. Dabei legt der Autor ein besonderes Augenmerk auf den Einfluß der Eisenbahn auf die Einführung von zunächst nationalen und später internationalen einheitlichen Zeitstandards. Damit nicht genug nimmt sich Blaise die Zeit, um den Einfluß dieser Veränderungen z.B. auf die Kunst und Wissenschaft und natürlich auch andersherum darzustellen.
Ein weites Feld also, dass zu bearbeiten sich der Autor vorgenommen hat - und ein interessantes. Viele einzelne Abschnitte sind ihm auch gut und teilweise sehr gut gelungen. Obwohl ich für mich persönlich viele weitere Leseanregungen bekommen habe, ist es in meinen Augen nur aufgrund dieser starken Aspekte von insgesamt durchschnittlicher Qualität. Der Hauptgrund ist der fehlende rote Faden. Clark Blaise verzettelt sich mit seinen vielen (durchaus für sich genommen lesenswerten) Exkursen. Man merkt, dass sich der Autor gründlich und mit Leidenschaft mit diesem Thema beschäftigt hat. Aber das Leben von Fleming ist ein zu kleiner Aufhänger für ein derart großes Thema. Ein weiterer Kritikpunkt ist die schlampige Übersetzung dieses Buches. Einige Sätze ergeben im Zusammenhang mit den vorherigen Abschnitt keinen Sinn, andere sind schlicht unvollständig.
Das dieses Buch für mich persönlich dennoch von durchschnittlicher Qualität ist, liegt an den vielen Anregungen, die ich aus diesem Buch gewonnen habe. Ein Lesevergnügen war dieser Text jedoch nicht.
Siehe auch:

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