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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 23. November 2014 

Der Peloponnesische Krieg


von Thukydides

ISBN: 3150018080

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Pathologie der Macht. Athen und das Ende einer Hegemonie.
Thukydides hat Konjuktur, keine Frage. Immer wieder wird in diesen Tagen auf den großen Historiker Thukydides verwiesen wenn es darum geht, die gegenwärtige amerikanische Politik zu bewerten (so z.B. der bekannte Politologe Münkler u.a.). Thukydides, den nicht wenige für den größten aller Historiker halten (wenigstens auf die Antike bezogen, ohne Herodot zu nahe treten zu wollen), ist also keineswegs "von gestern". Thukydides Werk ist vor allem eine Untersuchung der Macht und des Machtstrebens, einem der Markenzeichen der Menschheit (leider möchte man anfügen). Die "größte Erschütterung, die Hellas und ein Teil der Barbaren je erlebt hatten" (so in der freien Übersetzung), der Peloponnesische Krieg eben, war ein Wendepunkt in der Griechischen Geschichte. Dies haben keineswegs alle Griechen so aufgefasst. Aber Thukydides tat dies und zeichnete ein detailiertes Bild des Kampfes, den sich Athen und Sparta sowie ihre Verbündeten lieferten. Ziel war die Macht des anderen zu brechen und die eigene Hegemonie zu bewahren bzw. neu zu begründen. Es war die "größte aller griechischen Tragödien" (so D. Kagan).

In acht Büchern beschrieb Thukydides diesen "antiken Weltkrieg", der sich über einen Raum von Kleinasien bis nach Sizilien erstreckte. Das Werk bricht im Jahr 411 v. Chr. plötzlich ab und wurde von Xenophon in seiner Hellenika fortgesetzt - allerdings ohne die Brillianz des Thukydides zu erreichen. Dieser unterschied streng wissenschaftlich zwischen dem vorgeschobenen Anlässen für den Krieg und den wahren Hintergründen. Diese sah er in der Hegemonie Athens, die viele Griechen nicht mehr akzeptieren wollten und konnten.

Höhepunkte wie der berühmte Melierdialog (Thuk. V 85 ff) oder die "Pathologie des Krieges" (Thuk. III 82 ff.) sind auch heute noch faszienierend. Die Lehre, dass eine Hegemonie zusammenbricht, wenn sie nur auf ihre egoistischen Motive beharrt, ist in Teilen durchaus noch gültig. Aber der Sinn ist nicht, das antike Athen auf die modernen USA zu projezieren - das ist unsinnig, aber die Lehren des Thukydides geben gute Beispiele ab, wie man damit umgehen kann. Lehrreich und anregend zugleich - solche Literatur ist heute sehr, sehr selten. Kurz: Kaufen, lesen, nachdenken, verstehen. Daraus kann man schon Gewinn ziehen. Thukydides war eben nicht nur Historiker eines Krieges (weshalb er oft verpöhnt wurde), sondern auch ein brillianter Beobachter der Politik und ihrer Mechanismen. Es sei angemerkt, dass diese Ausgabe m.E. etwas näher am Originaltext ist als die Landmanns.

Tolle Quelle
Thukydides' "Der Peloponnesische Krieg" ist nicht nur eines der ersten erhaltenen historischen Werke der Welt, es ist auch ein ausgesprochen modern anmutendes Werk. In der Ausgabe des Reclam Verlages wurde das umfangreiche Originalmanuskript zurecht gekürzt und dadurch einem größeren Leserkreis zu einem sehr erschwinglichen Preis (wie immer bei Reclam) zugänglich gemacht. Thukydides schildert den Krieg der Athener gegen Sparta, der durch seine zermürbende Wirkung und lange Dauer die Vormachtstellung der Stadtstaaten de facto beendete und den Weg frei machte für Alexander den Großen. Dem Band steht eine kurze Einleitung in die Zeit und die äußeren Umstände Griechenlands und in die Vorgeschichte des Krieges voran, die den unbedarften Leser einführt. Dem folgt ein längerer Artikel zum Werk selbst, seiner Überlieferung und seiner Bedeutung. Thukydides wagt mit seiner Geschichtsschreibung etwas für die damalige Zeit recht neues: die Gegenwartsgeschichte. Gerade das macht es für den heutigen Leser interessant, dem eine solche Geschichtsschreibung vertraut ist. Nicht allein durch diese Herangehensweise, auch durch die Betrachtung des Staates als ganzem und den Umgang mit dem geschichtlichen Raum ist das Werk für uns heute noch sehr aktuell und hat nichts von seiner Spannung verloren. Es ist ein eindrucksvolles Dokument der Geschichtsschreibung und bleibt in vielen Aussagen zum Krieg auch heute uneingeschränkt aktuell. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Siehe auch:

> Der Peloponnesische Krieg
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