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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 19. Dezember 2014 

Österreichische Tageszeitungen der Jahrhundertwende. Ideologischer Anspruch und ökonomische Erfordernisse.


von Edith Walter

Kategorie: Presse & Verlagswesen
ISBN: 320598286X

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Neue Zürcher Zeitung Hinweise auf Bücher

Geheimbündler

B. En. «Ein unheimlicher Roman im klassischen Weimar» – so präsentiert sich Kai Meyers Buch. Kühn und unbefangen wendet sich der Autor Goethes und Schillers Weimar zu, lässt sein Romangeschehen im März 1805, zwei Monate vor Schillers Tod, einsetzen – mit einem wahren Paukenschlag: Ein Schauspieler bricht im Hof des Hauses am Frauenplan tot zusammen, und zwei Herren überbringen dem schwerkranken Schiller eine Medizin aus Goethes Hand. Es handelt sich dabei um die Brüder Grimm, von denen Wilhelm als Ich-Erzähler auftritt. Man sieht: Das Personal gebärdet sich klassisch, der Erzählstoff kriminalistisch. Dabei spielt Schillers Romanfragment «Der Geisterseher» (1787/89) keine unerhebliche Rolle, und Meyers Historienroman darf auch als eine Weiterdichtung von Schillers Werk verstanden werden, wie sie schon so mancher Autor in der klassischen Ära versucht hat. Damals und heute mag sich die Leserschaft von den zeittypischen Motiven und Konstellationen der geheimen Gesellschaften – Goethe selbst gehörte zum Geheimbund der Illuminaten – betören lassen. Insofern liebäugelt der Autor mit dem Geschmack eines breiteren Publikums. Zweifellos wird der flüssig geschriebene Roman, der sich bisweilen mit sanfter Ironie durchsetzt und nicht mit spannenden Episoden geizt, die Bedürfnisse dieses Publikums befriedigen.

Nancy Fraser: Widerspenstige Praktiken

upj. Seitdem (unter anderen) der Suhrkamp-Verlag eine Reihe «gender studies» eröffnet hat und damit deutsche Übersetzungen einer – meist – zuerst im angloamerikanischen Raum geführten «Geschlechter»-Debatte präsentiert, darf auch das des Englischen nicht sonderlich mächtige deutschsprachige Publikum an einer Debatte partizipieren, bevor diese schon wieder überholt ist. Im Falle von Nancy Fraser, Professorin für Philosophie und vergleichende Literaturtheorie in Chicago, sind zwischen der amerikanischen Fassung ihrer «Widerspenstigen Praktiken» und der Übersetzung fünf Jahre verstrichen. Ob dies viel oder wenig ist, muss der Leser selbst beurteilen: Nancy Fraser jedenfalls bezieht eine kritische Position nicht nur zu Foucault, dessen Sprache des Körpers sie als eine «posthumanistische politische Rhetorik» bezeichnet; sondern vor allem auch zu den «französischen Derridarianern», denen sie vorwirft, mit der Dekonstruktion auch das Politische völlig dekonstruiert zu haben. Auch Richard Rorty muss sich gefallen lassen, von Fraser danach gefragt zu werden, ob er in seinem Hin und Her «zwischen Romantik und Technokratie» nicht jedes konkrete Verständnis für die politische Motivation menschlichen Handelns verloren habe. – Ob man sich nun für Frasers «Entwurf für eine sozialistisch-feministische kritische Theorie der politischen Kultur im Spätkapitalismus» erwärmt oder nicht – theoretische Langeweile dürfte hier nicht aufkommen.

Natur und Geschlecht

lx. Die Überlegung, dass die Denkmodelle der Naturwissenschaften nicht per se «geschlechtslos» sein müssen, gehört zu den mittlerweile etablierten Grundthesen einer erkenntniskritischen Geschlechterforschung. Dennoch ist die Frage nach dem Verhältnis von Natur und Geschlecht äusserst selten im kanonisierten Lehrprogramm Technischer oder Naturwissenschaftlicher Hochschulen zu finden. Zwar wird dem einen oder der anderen inzwischen aufgefallen sein, dass etwa die Aristotelische Zeugungstheorie von einem beträchtlichen Androzentrismus durchzogen ist, aber derartige Beobachtungen führen nach wie vor theoretischen Aussenseiterstatus. Dem versucht nun ein Sammelband zum Thema «Das Geschlecht der Natur» abzuhelfen. Barbara Orland und Elvira Scheich, beide seit Jahren im Bereich von «science and gender» tätig, haben eine repräsentative Übersicht über die rezente – im angelsächsischen Raum vorangeschrittene – Debatte zusammengestellt. Dass Theorie mit Vorteil auch biographisch konnotiert sein darf, zeigt etwa Ruth Lewin Sines Aufsatz über den «13. Juli 1938: Lise Meitner verlässt Deutschland».

Emil Faktor – ein vergessener Kritiker

haj. Der Name des Journalisten und Kritikers Emil Faktor ist heute so gut wie vergessen. In dem 1980 erschienenen Sammelband «Journalisten über Journalisten», der von Lessing bis Gerhard H. Mostar führt, sucht man Emil Faktor vergeblich. Dabei hat er im ersten Drittel unseres Jahrhunderts eine wesentliche Rolle im deutschen Pressewesen gespielt. Es war deshalb sinnvoll und an der Zeit, dass der Berliner Autor Klaus Täubert ihm eine wohldokumentierte, reich illustrierte Darstellung widmete. Wie der etwas jüngere Egon Erwin Kisch, den er nicht leiden konnte, war Faktor ein Deutschsprachiger jüdischer Herkunft. Er wurde 1876 geboren, veröffentlichte als Zwanzigjähriger seine ersten Gedichte, die Rilkes Aufmerksamkeit fanden, und wandte sich dem Journalismus zu. Gefördert durch den Kritiker Alfred Klaar, kam Faktor, Mitarbeiter der Prager «Bohemia», durch die Vermittlung Alfred Kerrs 1908 nach Berlin, wo er zunächst am «Tag» arbeitete. Den entscheidenden Schritt tat er 1912, als er Feuilletonredaktor des «Berliner Börsen-Courier» wurde, zu dessen Chefredaktor er 1917 avancierte, was er bis 1931 blieb. 1933 zwang ihn die Machtübernahme der Nationalsozialisten zur Rückkehr nach Prag, wo er weiterhin journalistisch tätig war. 1941 wurde er mit seiner Frau in das polnische Ghetto Litzmannstadt (Lodz) deportiert, wo er 1942 gestorben sein soll. Klaus Täubert zeichnet ein anschauliches Bild des kultivierten Redaktors und sensiblen Theaterkritikers, der heute ganz im Schatten des ihn fördernden Kerr und des von ihm geförderten Herbert Ihering sowie von Siegfried Jacobson und Monty Jacobs steht. Er erinnert an dessen kulturpolitische Leistung in einer bewegten Zeit und gibt gleichzeitig einen konzentrierten historischen Abriss des «Berliner Börsen-Courier». Die Biographie Emil Faktors weitet sich so zu einem Abschnitt der Kulturgeschichte aus.

Dietrich Fischer-Dieskau

rur. Die Quellen sind nur im Anmerkungsapparat vermerkt. Dabei wäre für diese Biographie eine Bibliographie nützlich. Denn das Schrifttum über den Bariton Dietrich Fischer-Dieskau dürfte enorm sein. Dafür ist die Zeittafel ausführlich, und ein Verzeichnis der Einspielungen auf Compact Discs füllt gleich acht Buchseiten. Die reich und auch unkonventionell bebilderte Biographie erscheint gewissermassen zum 70. Geburtstag des Künstlers am 28. Mai. Sie berücksichtigt kapitelweise in der adäquaten Gewichtung den Sänger, den Schriftsteller, den Maler, den Dirigenten und den Lehrer. Der Ton bleibt – auch bei der diskreten Erwähnung von Fischer-Dieskaus vier Ehen – stets massvoll bewundernd, ohne je ins Hymnische zu verfallen. Ausführlich dokumentiert sind die Vorfahren des Sängers, gewissermassen der reiche geistige und geistliche Nährboden, aus dem diese starke Künstlerpersönlichkeit mit ihrem Durchsetzungswillen und -können sich zu entfalten vermochte. Vier Bilder belegen die optische Wandlungsfähigkeit des Bühnensängers von Gianni Schicchi, Wozzeck, Don Giovanni, Cardillac, die in der exzeptionellen stimmlichen Gestaltung dieser Partien die Entsprechung fand. Gregor Mittenhofer, Hans Sachs und Lear werden gar als «Lebensrollen» eingestuft. Ausführlich dokumentiert ist die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Aribert Reimann: der Bariton wollte das Lear-Sujet zuerst Benjamin Britten als Opernthema schmackhaft machen. Beim Berliner Musiker konnten dann Anregungen zu Textgestaltung und Stimmbehandlung zunehmend fruchtbaren Boden finden.

Warum der Himmel blau ist

hc. Schon im Altertum hatten Naturforscher nach Erklärungen für das Himmelsblau gesucht; 1871 lieferte der englische Physiker Lord Rayleigh die korrekte Antwort: Fällt weisses Sonnenlicht auf die Atmosphäre, werden die Lichtwellen an den Gasmolekülen der Luft gestreut. Die Streuung ist um so stärker, je kürzer die Wellenlänge, weshalb das kurzwellige, blaue Sonnenlicht bevorzugt über den Himmel verteilt wird. Und wie der blaue Himmel faszinieren auch Regenbogen, Halo-Erscheinungen, Aureolen um den Mond, Brockengespenst und Elmsfeuer uns Menschen. Oder wir ängstigen uns, wenn Blitze zucken, wenn Meteore aufleuchten. Kristian Schlegel, Wissenschafter am Max-Planck-Institut für Aeronomie in Lindau/Harz, bringt dem Laien in knapper und leicht verständlicher Form die Vielfalt atmosphärischer Leuchtphänomen


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