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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 31. Oktober 2014 

Monogam


von Marek van der Jagt

Kategorie: Niederlande
ISBN: 3257063423

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Ab sechs Uhr Abends nur noch in Gesellschaft von Frauen verkehren! Nach dieser Maxime lebt Bertrand Morane, Truffauts Mann, der die Frauen liebte -- bis er, als er sich nach einem wehenden Rock umdreht, von einem Auto totgefahren wird. Die Kino-Begegnung mit Truffauts Filmheld wird zum Wendepunkt im Leben des 20-jährigen Marek: Die Frauen sind fortan seine Religion, sein Gott heißt Don Juan. Nach jahrelanger Belagerung des schönen Geschlechts -- selbst ein Nähkurs wird besucht! -- hat Marek endlich Erfolg. Eine orgasmusgestörte Kindergärtnerin ist seine erste Eroberung, eine Beamtin im Wiener Kulturministerium und eine Cellistin folgen auf dem Fuß. Marek weiß: Die Schwachen müssen in der Welt der Liebe sehen, wo sie bleiben -- der "Weg ins Paradies führt über den Betrug". Bei Marek, dem Westentaschen-Don-Juan von Wien, beginnt es als Einzelfall, wird zum Rückfall, zur Serie, schließlich zum atemlosen Leistungssport. Doch auch er findet seinen Meister, pardon: seine Meisterin, und muss erkennen: "In der selbstgeschaffenen Fiktion kann man herrschen, doch in der Fiktion, die ein anderer für einen errichtet, ist man immer der Gefangene."

"Die Liebe kommt über das Thier nicht hinaus", wissen wir seit Wedekinds Lulu. Gleichsam als Seitenprojekt zu seinem Roman Amour fou hat der von der Kritik als "niederländische Antwort auf David Sedaris" gefeierte Marek van der Jagt (hinter dem sich kein Geringerer als der Bestsellerautor Arnon Grünberg verbirgt) einen funkelnden Essay über unsere lebenslange Suche nach der "Bestie Liebe" geschrieben. Während der Schwerenöter Michel Houellebecq mit dem verbalen Vorschlaghammer an der Geschlechterfront hantiert, ficht van der Jagt mit feinem Florett. Sein flapsiger, selbstironischer Spott-Ton, von Rainer Kersten kongenial ins Deutsche gebracht, bleibt immer klar und präzise -- die Lektüre ist intellektueller Genuss pur und Notfall-Medizin für Liebeskranke jeden Alters und Geschlechts. Sparen Sie sich also in künftigen Beziehungskrisen teures Geld für Arzt oder Analytiker. Schlagen Sie nach bei van der Jagt! --Niklas Feldtkamp

Handbuch eines beherrschten Herrschers
Dieses Buch dreht sich um zwei Dinge: Liebe und Macht. Oder sind es doch nur Sex und Beherrschen. Oder vielleicht doch Gefühle und beherrscht werden? Jedenfalls schafft Arnon Grünberg (so heißt der Autor in Wirklichkeit) mit "Monogam" ein nicht allzu wörtlich zu nehmender "Leitfaden der Liebe", oder doch ein "Handbuch eines beherrschten Herrschers"?

Marek will nur eines: herrschen! Über die Familie, über die Frauen, einfach nur herrschen, er ist besessen von seiner Idee. Doch wie selbstverständlich schlagen alle Illusionen ins Gegenteil um. Das Vorhaben über die eigene Familie zu bestimmen scheitert, über die Frauen zu herrschen ist von vornherein illusorisch und zum Scheitern verurteilt. So findet er schließlich doch sein Glück oder besser gesagt seine Bestimmung: er mutiert vom visionären Herrscher zum ewig beherrschten. Er lernt die Kehrseite des Herrschens kennen und sogar lieben: die geheime Lust, beherrscht zu werden. Er ist geradezu gierig darauf gedemütigt zu werden.

So macht die Wirklichkeit dem selbsternannten "Don Juan von Wien" immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Selbst in seiner einzig heilen Welt, die der Literatur findet er keine wie auch immer geartete Unterstützung. Seine Vorbilder, Truffauts "Der Mann der die Frauen liebte" oder "Don Juan" sind ihm im echten Leben eher Hindernis als Hilfe.

Skurril, temporeich, witzig - so neurotisch wie erotisch - pointenreich! So könnte man diese Ansammlung von Zitaten und Metaphern zusammenfassen. Ein episodenhafter, autobiographischer Liebesroman eines von Macht und Sex Besessenen, leicht und voller Esprit, sarkastisch und abgründig.

Mit der Kreation von Marek van der Jagt erschuf Arnon Grünberg ein unterhaltsames und originelles Pendant mit dem wir hoffentlich noch mehr "erleben" werden.

Die männliche Selbstfindung
Die Entdeckung der Liebe und ein schier unstillbares Verlangen nach den Frauen treiben Marek in einen amourösen, für den Leser heiteren, gelegentlich bitterböse geschilderten und immer wieder vergnüglichen Exkurs über männliche Selbstfindung. Wenn diese Erkenntnisse und Abenteuer auch „Monogam" übertitelt sind so muß doch niemand Einseitigkeiten fürchten, schwingt sich doch der Holländer Arnon Grünberg, hier unter seinem Pseudonym Marek van der Jagt schreibend, zu literarisch-schwelgerischen Höhen auf, die dieses klitzekleine Diogenes-Buch zu einer gelungenen Lektüre werden lassen. Immer und immer wieder.

ein großes lachendes und ein kleines weinendes Auge
Der Ich-Erzähler Marek van der Jagt erzählt den Lesern von seinen Eskapaden auf der Suche nach menschlicher Nähe. Erst "terrorisiert" er seine Familie und später die Frauenwelt. Dabei steht er sich selbst im Wege; da er es nicht schafft jemanden an sein wirkliches Wesen heranzulassen. Das hört sich sehr deprimierend an, ist es aber nicht. Van der Jagt tut das mit so viel Humor und sprachlicher Schärfe, das man ständig lacht. Also eine lesenswerte Kurzweil.
Marek van der Jagt ist übrings der Deckname des Autors Arnon Grünberg.
Siehe auch:

Niederlande > Monogam
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