In einem unbewachten Augenblick. Eine Frau überlebt im Untergrund.
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Aufdeckung einer ungewöhnlichen Vergangenheit, 25. Mai 2002
Rezensentin/Rezensent:
ladypurple
aus Ottawa, Ontario Canada
Roseman's Buch gehört in die Schulbibliothek! Es sollte Pflichtlektüre werden für junge (und ältere) Deutsche. "In einem unbewachten Augenblick" ist eine ausgezeichnet recherchierte Dokumentation, die sich wie ein spannender Roman liest. Die Lebensgeschichte von Marianne Strauss-Ellenbogen ist ungewöhnlich und voller Drama und Roseman liefert eine Darstellung, die die Vielschichtigkeit ihres Lebens nachvollzieht: wir sehen sie als junge Frau damals und als Seniorin Mitte der neunziger Jahre. Roseman bringt sie uns nahe im historischen Zusammenhang der 30er und 40er Jahre und ergänzt dieses durch seine eigene Reflektionen und Analysen. Seine intensiven Studien von relevanten historischen Akten, offiziellen Dokumenten, und Tagebüchern, werden ergänzt durch persönliche Gespräche mit anderen Überlebenden aus dem Umkreis von Marianne. Als Historiker und Experte der Vorkriegszeit kann Roseman wichtige Zusammenhänge aufdecken und wesentliche Verbindungen zwischen dem Einzelschicksal der Familien Strauss/Krombach und dem weiteren politischen Umfeld herstellen. Dabei kam Roseman zu Hilfe, dass er, nach dem Tod von Marianne Strauss-Ellenbogen, Zugang zu ihrem erstaunlich vollständigen Akten Nachlaß bekam. Roseman vermittelt dem Leser dabei neue Einblicke in das alltägliche Leben der jüdischen Gemeinde in Deutschland während der Nazizeit, insbesondere in Essen. Wir können die Vielschichtigkeit der Emotionen der Protagonisten - zwischen Verzweiflung über die zunehmende Verfolgung von Nachbarn und Freunden und Hoffnung auf Verschonung vom Abtransport, aufgrund von engen Kontakten zur Abwehr - nachvollziehen. Ein Aspekt des Buches, das mich persönlich zusätzlich gebannt hielt, war die Beschreibung der Mitglieder des Bundes. Marianne, auf der Flucht von Naziverfolgung und Abtransport, verdankte ihr Überleben zum einen wesentlichen Teil der Unterstützung durch den Bund. Der Bund war ein loser Zusammenschluß von nicht-jüdischen und jüdischen sozialistisch und humanitär ausgerichteten Intellektuellen, die während der Nazizeit etliche, von den Nazis Verfolgte unter Einsetzung ihrer eigenen Sicherheit und ihres Lebens retteten. In Essen in der Nachkriegszeit, lernte ich einige von ihnen kennen und hörte von ihrer Hilfeleistungen ohne die Details zu verstehen. Ein weiteres Buch über den Bund ist erfreulicherweise in Arbeit. Roseman hat eine vielschichtige Studie vorgelegt, die den Leser lange beschäftigen wird. Der ungeschickte Titel der Deutschen Übersetzung der Englischen Originalausgabe, The Past in Hiding, sollte den Leser nicht abschrecken. Brillant hat Roseman sowohl eine "Vergangenheit im Untergrund" wie auch die "unterdrückte Vergangenheit" im Bewußtsein von Marianne Strauss-Ellenbogen und anderen Zeitgenossen für uns alle ans Licht gebracht.
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