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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 25. Mai 2013 

Sex II.


von Sibylle Berg

Kategorie: Berg, Sibylle
ISBN: 3379007676

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Die Girlies kommen, und renommierte Verlage fallen auf sie herein. Weil man beim deutschen Schlager nur "Ich find dich scheiße" singen darf, toben sich die Girlies so richtig in der Literatur aus. Eine junge Autorin mit dem idyllischen Namen Sibylle Berg (die übrigens auch schon fürs Zeit-Magazin schreiben durfte) erschuf sich ein Alter Ego, das 24 Stunden durch eine Großstadt torkelt und dabei aus unerfindlichen Gründen durch alle Mauern hindurch und in die Menschen hineinblicken kann. Verglichen mit dem, was die Geplagte nun sieht, ist Hieronymus Boschs Bestiarium ein Paradies. Babies werden geschändet, Frauen mit allerlei Hausgeräten tranchiert, mit Verwesendem wird kopuliert, hier fließt Schleim, dort schimmelt es, hier wird gekotzt, da Scheiße an die Wand geschmiert -- je unappetitlicher, desto besser. Dabei strotzt das Buch vor Fehlern aller Art: Rechtschreibfehler, Kommafehler, sachliche Fehler, und zwischendurch kokettiert die Autorin mit ihrer eigenen Dummheit ("Warum schreiben Sie nicht mal was wie Heinz Erhardt. Ich dann: Wußte gar nicht, daß der Kanzler geschrieben hat. Die Leser dann: Ich ... muß lesen, daß eine Autorin so blöd ist, Heinz mit ... Karl oder Fritz Erhardt zu verwechseln"). Haben Verlage eigentlich noch Lektoren?

Die Spaßgesellschaft treibt seltsame Blüten. Gefühle werden vermeintlich oder tatsächlich nur noch durch Schockeffekte ausgelöst, durch Bungee-Jumping, Horrorcomputerspiele oder amoklaufende Kinder in amerikanischen Schulen. Und die Girlies wollen nur Spaß, berühmt sein und -- vor allen Dingen -- auffallen. Bedauerlich ist nur, daß das so nicht geht, denn Schockeffekte der erwähnten Art haben ihre eigene Psychologie. Je geballter man sie nämlich vorgesetzt bekommt, desto schneller nutzten sie sich ab, desto lächerlicher wirken sie gar. Literaturgeschichtlich gesehen ist Sex II ohnehin kalter Kaffee. So amüsiert man sich als Leser über die Philosophie "Das Leben ist gar fürchterlich und die Menschen schlecht". Wie lispelte ein anderes Girlie, Heike Makatsch, in dem Film Männerpension: "Aber das weiß ich doch." --Matthias Kehle

Autorenportrait
Sibylle Berg, geboren vor nicht allzu langer Zeit in Weimar, gilt seit ihrem Debüt-Roman "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot" als Übermutter der jungen deutschen Literatur. Darauf könnte sie verzichten. Neben Büchern schrieb die überzeugte Kettenraucherin Theaterstücke und Texte für verschiedene Magazine in Deutschland und der Schweiz, darunter "Das Magazin" (Zürich), "Allegra" (Hamburg) und das "Zeit-Magazin". Sibylle Berg lebt in...


Siehe auch:
Berg, Sibylle > Sex II.
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