Der Tuchhändler
Lebendiges Mittelalter Dem Autor ist hier ein Historischer Roman gelungen der dem Leser ein lebendiges Bild des Mittelalterlichen Landshut vermittelt. Als Hauptprotagonist wird der Tuchhändler Peter Bernward als Mensch mit all seine Schwächen und Stärken sehr gelungen charakterisiert. Auch die Nebendarsteller entwickeln Persönlichkeit und sind sehr stimmig in ihren Handlungen. Es gelingt dem Autor, wenn auch nach einer etwas längeren Anlaufphase, den Spannungsbogen bis zum Ende fast ohne Hänger zu halten. Alles in allem ein Buch das sich zu lesen lohnt.
Historischer Krimi Der Tuchhändler ist ein historischer Krimi, der im Jahr 1475 in Landshut spielt. Die Hochzeitsvorbereitungen für die Heirat von Georg von Wittelsbach und Jadwiga von Polen laufen auf vollen Touren und ein teil der Hochzeitdelegation ist bereits in Landshut eingetroffen, da wird eine polnische Gräfin, die der Vorausdelegation angehörte, ermordet aufgefunden. Der Leiter der polnischen Delegation erklärt sich bereit, den Mord zunächst zu vertuschen und die Hochzeit nicht abzublasen, unter der Bedingung, dass der Mörder innerhalb von zwei Wochen gefunden und bestraft wird. Mit der Aufklärung des Mordes wird der Tuchhändler Peter Bernward beauftragt. Dieser arbeitet aufgrund der gesezten Frist ständig unter Zeitdruck. Mir hat das Buch ganz gut gefallen, weil das Leben im Landshut von 1475 sehr glaubwürdig dargestellt wird. Auch die Aufklärung des Mordfalls ist ziemlich spanend, da Herr Bernward eine aussichtslose Aufgabe zu haben scheint und er bei seinen Ermittlungen nicht wirklich voranzukommen scheint. Der Titel "Der Tuchhändler" ist etwas irreführend, da Herr Bernward zwar Tuchhändler ist und während seiner Ermittlungen auch ein paar Geschäfte tätigt, diese aber nur am Rande erwähnt werden.
Stilfrage Selten war ich bei einem Buch so hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Ablehnung wie bei Richard Dübells "Tuchhändler". Das Buch hat praktisch alles, was einen guten historischen Roman ausmacht: Spannung, eine schlüssige, glaubwürdige Handlung, gut detaillierte historische Ortsbeschreibungen, nuancierte Charaktere... Der verwitwete Tuchhändler Peter Bernward wird unfreiwillig mit der Aufklärung des Mordes an der polnischen Braut des Landesfürsten betraut. Wegen der Brisanz des Falles, der Mörder könnte immerhin aus adeligen Kreisen stammen, muss Bernward dabei möglichst diskret vorgehen. Bei seiner Suche, die ihn wiederholt in Lebensgefahr bringt, begegnet ihm die schöne und etwas rätselhafte Jana, die im Tross der unglücklichen Braut mitgereist ist... Im Gegensatz zu einem meiner Co-rezensenten empfand ich die Länge des Buches (600+ Seiten) keinesfalls als Handicap. Im Gegenteil! Der Autor nimmt sich die Zeit, seine Personen und Situationen zu entwickeln, ohne dabei übermässig ausschweifend zu sein. Hingegen finde ich Richard Dübells Sprachstil gewöhnungsbedürftig. Auch wenn kein heutiger Autor die Sprache des Mittelalters für den Laienleser wiederaufleben lassen kann, wirkt das Deutsch des Anfangs des 21. Jhdts doch sehr unglaubwürdig für einen Mittelalterroman. Der Autor hat ansonsten hervorragende Recherche-Arbeit geleistet. Seine Vorstellungskraft lässt ihn scheibar mühelos verschiedene historische Begebenheiten zu einem schlüssigen Erzählstrang zusammenzufügen. Ich gebe vier Sterne, weil man nach den ersten wegen seines Sprachstils gewöhnungsbedürftigen 200 Seiten das Buch kaum noch aus der Hand legen will. Siehe auch: |