Die Gewalt der Frommen. Zur Psychologie religiöser und ethnischer Konflikte.
Neue Zürcher Zeitung Auch «fromme» Gewalt bleibt unverständlich V. G. Die Haltung eines Psychoanalytikers, der mit «gleichschwebender» Aufmerksamkeit sowohl das Gute wie das Böse auf sich zukommen lässt, um das Unfassbare durch Deutung fassbar zu machen, kommt dem indischen Psychoanalytiker Sudhir Kakar bei seinem Versuch zu Hilfe, Ursachen und Zusammenhänge der immer wiederkehrenden brutalen Gewaltsausbrüche zwischen Hindus und Muslimen in seinem Land zu analysieren. Seine Vorgehensweise ist zwar nicht so zielgerichtet, wie man es von westlichen Autoren her gewohnt ist man wird durch ein farbiges, «orientalisches» Nebeneinander von Familiengeschichten, mythologischen, soziologischen, historischen und politischen Betrachtungen, Persönlichkeitsanalysen und Reden von politischen Führern mit dem Thema konfrontiert , aber gerade das schafft Raum zum notwendigen eigenen Denken. Wohl bietet der Analytiker Ansätze zur Erklärung von Gruppenbildungsmechanismen und Gewalt an, doch lassen sich seine aus den sehr komplexen indischen Verhältnissen gezogenen Schlüsse nicht ohne weiteres verallgemeinern. Am Ende des Buchs ist man dank der kritischen Distanz des Autors zum Thema aber um einige Einsichten reicher. «Verstehen» lässt sich «die Gewalt der Frommen» trotzdem nicht. Kurzbeschreibung Der indische Psychoanalytiker Sudhir Kakar, mit der Gewalt zwischen Hindus und Muslimen konfrontiert, ist der immer mehr bedrängenden Frage nachgegangen, wie es zu Gewaltausbrüchen, zu Mord und Totschlag zwischen unterschiedlichen Glaubensgruppen oder ethnischen Gemeinschaften kommen kann. Autorenportrait Sudhir Kakar, geboren am 25. Juli 1938 in Nainital (Indien), ist praktizierender Psychoanalytiker in Neu-Delhi. Lehraufträge führten ihn an die Universitäten von Harvard, Princeton, Chicago, Wien und Melbourne. 1998 wurde ihm in Frankfurt die Goethe-Medaille verliehen. Seine zahlreichen Sachbücher wurden in viele Sprachen übersetzt.
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