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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 15. November 2019 

Die Kunst der List


von Harro von Senger

ISBN: 340647568X

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Lernen von einer anderen Kultur
Man kann es drehen und wenden wie man will: Wir im Westen kennen uns mit der Kunst der List nie so gut aus wie die Kenner der chinesischen Kultur. Die Beschäftigung damit bringt uns mit einem ganz anderen Denkmuster in Berührung - einem, in dem die List eben nicht a priori moralisch gewertet sondern zuerst einmal als Umgang mit bestimmten Situationen beschrieben wird. Ich finde, dass von Senger gerade dies - den Sprung in das andere Denken - gut vermittelt. Vor allem dank dem, dass er in diesem Büchlein nicht zu tief in die Materie einsteigt, aber dennoch nie zu oberflächlich oder trivial wirkt - man erhält auf den kanpp 200 Seiten einen guten Einblick. Als Einstieg in die uns unbekannte Welt der 36 Strategeme kann ich es deshalb wärmstens empfehlen. Wer mehr darüber erfahren will, wird sich die Informationen in Harro von Sengers ausführlicheren Werken holen.

Einstieg in die Welt der Strategeme
Harro von Senger hat nicht nur für uns Westler die chinesischen Strategeme wiederentdeckt, auch bei modernen Chinesen kommen vergessene Lehren wieder zum Vorschein. Für mich ist dieses Buch ein guter Einstieg in diese Materie, ich bevorzuge aber die grossen Bände des Autors. Vom Umfang her sind sie aber nicht jedermanns Sache. Aber, wie gesagt, ist dieses Buch ein Idealer Einstieg oder aber auch eine Kurzbleiche in der Materie. Ich bin bei einigen Aussagen zwar nicht der gleichen Meinung (z.B. Westler sind Listenblind), aber andere Meinungen geben immer wieder einen Anstoss seine eigene Position zu überdenken. Auffallend ist auch der Versuch um den korrekten Gebrauch des Wortes Strategem dem Leser einzutrichtern. Ob zu Recht oder Unrecht sei dahingestellt. Mir kommen hierzu immer die Predigten meines Deutschlehrers in den Sinn, welcher uns die korrekte Aussprache von Schizophren beibringen wollte, oder die des Physiklehrers, der rot anlief, wenn wir bei Kcal Kalorie sagten, statt Kilokalorie. Sie haben RECHT, aber meistens werden die Bemühungen nicht belohnt, Leider. Zum Schluss möchte ich dennoch nicht versäumen, dieses Buch jedem zu empfehlen. Für mich ist es ein Mind-Map der "Listen", der uns nicht nur mit dem Umgang mit Chinesen hilft.

Grosse Enttäuschung
Als "Neuling" in Sachen chinesischer List und auf Grund der positiven Kunden-Rezensionen habe ich mir das Buch gekauft. Leider bin ich beim Lesen sehr enttäuscht worden.

Die Aussage der ersten 50 Seiten des Buches ist: Menschen im Westen sind list-blind und das ist nicht gut. Diese Aussage wird bis zum geht nicht mehr wiederholt und durch ein paar Beispiele belegt. Auf den nächsten 20 Seiten werden einem die Listen dann kurz und sehr oberflächlich vorgestellt, für weiter gehende Informationen (die man wohl haben sollte, wenn man Strategeme wirklich erkennen will) verweist der Autor auf seine anderen Bücher. In Kapitel 15 zeigt es sich dann, dass wir dummen Westler für einen Grossteil der chinesischen Strategeme doch auch Begriffe und Sprichwörter kennen; sind wir also wirklich so list-blind?

Insgesamt sind die Aussagen des Buches wenig überzeugend, allerdings scheint es wenigstens in einem konkreten Fall seinem Titel gerecht zu werden: Man wird den Verdacht nicht los, dass Herr von Senger geschickter Anwender des Strategems Nummer 7 ("Aus dem Nichts etwas erzeugen") ist.

Die zwei Sterne erhält das Buch, weil es ein paar (wenige!) gelungene Kommentare zu Ereignissen der letzten Jahre enthält.
Siehe auch:

> Die Kunst der List
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