Organisationsentwicklung als Lernprozess von Menschen und Systemen.
Organisationsentwicklung - so spannend wie das Leben Gairing gelingt es in seinem Buch die Interdisziplinarität und somit auch Vielfältigkeit der Entstehung und Praxis von Organisationsentwicklung darzustellen. Verschiedenste wissenschaftliche Teildisziplinen formen sich zu einem großen zusammengehörenden Ganzen, ohne dass daraus ein Anspruch auf eine endültige Allumfassentheit entsteht. Zu keinem Zeitpunkt langatmig oder gar theoretisch abgehoben, liest es sich so spannend wie ein Roman. Ein Muss für jeden der sich mit dem weiten Feld der Organsiationsentwicklung beschäftigt.
Rezension zur Monographie von F. Gairing Zum Thema Organisationsentwicklung wurden schon viele Bücher geschrieben. Das Spektrum reicht von wissenschaftlich-theoretischen Analysen ohne erkennbare Anwendungsrelevanz bis hin zum Manual für die Steuerung von Gruppenprozessen in der betrieblichen Praxis. Zum Fundus an vorhandener Literatur haben auch sehr unterschiedliche Fachdisziplinen beigetragen (s. hierzu bspw. Kapitel 2 und 3 aus Fritz Gairings Buch). Insgesamt gibt es somit eine hohe (kognitive) Diversität an Vorgehensweisen zur Entwicklung dieses Themas. Vor diesem Hintergrund ist das Buch von Fritz Gairing wie eine Brücke, die es schafft, mehrere Ufer gleichzeitig miteinander zu verbinden: · Erstens werden die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen nicht (nur) additiv angeführt, sondern in überzeugender Weise miteinander verknüpft (v.a. die Denkrichtungen der Erziehungswissenschaft mit der Organisationssoziologie). Aus bisher vorhandenen Grenzen wird dadurch kognitive Integration (s. z.B. die Verzahnung der Ansätze von Lewin mit der Systemtheorie in einem Phasenmodell, S. 231 f.). · Zweitens hat das Buch auch innerhalb einzelner Teildisziplinen wichtige integrative Leistungen vollbracht. Nehmen wir als Beispiel die Organisationstheorie, wo Gairing neue Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen motivationstheoretischen, empirisch-analytischen und systemtheoretischen (hier „von Luhmann bis St. Gallen“) Denkrichtungen in effizienter und inhaltlich rundweg überzeugenden Weise erkennbar werden läßt. · Letztlich ist auch die Verbindung zwischen Theorie und Praxis geglückt. Das Buch ist souverän in der wissenschaftlichen Gedankenführung, relativ einfach (bisweilen im positiven Sinne auch „flapsig“) in der sprachlichen Gestaltung und zielgerichtet in der Transformation von wissenschaftlichem Knowledge in anwendungsfähiges Know-how. Damit stellt es eine Bereicherung sowohl für den Theoretiker der Organisationsentwicklung wie auch für den Praktiker (und natürlich auch für den von Gairing angeführten „Praxis-Wissenschaftler“, S. 222) dar. Gairing ist also ein Mann, der mit seinem Buch Grenzen überwindet, und um so mehr überrascht dann im abschließenden Teil die (bescheidene?) Aussage, dass „Didaktische Arbeit ... nur so gut (oder so schlecht) sein (kann), wie die sie umgebende Organisations-Kultur dies zulässt“ (S. 217). Über die Möglichkeit der Veränderbarkeit von Kultur durch Maßnahmen der OE wird dann nicht weiter diskutiert. Nachdem das Thema insgesamt so souverän abgehandelt wurde, steht der Rezensent nun vor der (für ihn im Moment nicht beantwortbaren) Frage, ob hier eine Schwäche im Buch von Gairing oder eine generelle Restriktion im Wirkungspotential von OE liegt. Die Innovationsforschung belegt, dass fundamentale Neuerungen fast immer auf erfolgreiche Verbindungen zwischen verschiedenen Fachdisziplinen zurückgehen. Gairing sind, wie oben gezeigt, solche Verbindungen gleich auf verschiedenen Ebenen gelungen, und sein Buch ist dabei selbst zu einer bedeutenden Innovation geworden, die für die bisher vorhandene Literatur zum Thema OE eine wesentliche Bereicherung darstellt. Siehe auch: |