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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 20. Mai 2013 

Management von Netzwerkorganisationen


von Jörg Sydow

Kategorie: Allgemein
ISBN: 3409314881

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Gute Aufsatzsammlung
Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen auf verschiedenen Ebenen des Wertschöpfungsprozesses ist nichts Neues. Umso erstaunlicher ist, dass die betriebswirtschaftliche Forschung sich erst seit gut zehn Jahren ausführlicher mit dem Phänomen von Netzwerken beschäftigt.

Netzwerke werden dabei als Koordinationsform zwischen Hierarchie und Markt angesehen, die die Vorzüge beider Konzepte zu vereinigen sucht und insbesondere als Antwort kleiner und mittelständischer Unternehmen auf die Wettbewerbsdynamik zu verstehen ist. Unterschieden werden nach verschiedenen Gesichtspunkten zahlreiche Arten von Unternehmensnetzwerken, beginnend bei sporadischen Lieferantenbeziehungen über Virtuelle Unternehmen bis zu Strategischen Allianzen oder gar Konzernstrukturen.

Dr. Jörn Sydow, ordentlicher Professor für BWL an der Freien Universität Berlin, und seine Schüler können als Wegbereiter eines Ansatzes verstanden werden, der Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Netzwerkformen herausgearbeitet hat.

Steuerung von Netzwerken (2000, Gabler und Westdeutscher Verlag, Wiesbaden), herausgegeben von Sydow und seinem Habilitanden Arnold Windeler, kann als grundlegende Textsammlung angesehen werden, die unter der fragenden Perspektive steht, inwiefern Steuerung überhaupt möglich ist. Die Herausgeber unterstellen, dass die Vernetzung ein Instrument zur Komplexitätsreduktion ist, also durch die Aufteilung von Aufgaben, Kompetenten und Verantwortung auf mehrere Teilnehmer, deren Koordination vereinfacht wird. Als autopoitische Systeme können sich die Teilnehmer selbst steuern und steuern damit - ähnlich wie atomisierte Marktteilnehmer über den Preismechanismus - das Gesamtsystem. Unter der Perspektive der immer größere Bedeutung erlangenden Stukturations-theorie von Anthony Giddens determiniert das soziale Handeln die Bedingungen für zukünftiges Handeln mit, was ebenfalls als Steuerungsprozess, wenn auch meist unbewusster Natur zu verstehen ist. Die Frage wird schließlich gestellt, ob bewusste Steuerung von Netzwerken überhaupt möglich ist.

Udo Staber führt im dritten Beitrag in weitere möglicherweise heranzuziehende Theoriegebäude ein und stellt einige „weiche", d. h. indirekte Steuerungsmechanismen (z. B. Netzwerkkultur) dar. Sie werden in den weiteren Beiträgen um die Steuerungsinstrumente Vertrauen und Macht sowie Selektion ergänzt. Es folgen weiterhin Einzelbetrachtungen einzelner Branchen sowie von Politiknetzwerken.

Das von Sydow herausgegebene Buch Management von Netzwerkorganisationen (2. Auflage, 2001, Gabler und Westdeutscher Verlag, Wiesbaden) stellt eine Sammlung von relevanten, aber recht unterschiedlichen Aufsätzen dar, die der Zeitschrift „Managementforschung" entnommen sind und in der Hauptstudiumsvertiefung Netzwerkforschung als Lehrmaterialen dienen.

Auch wenn der Zusammenhang zwischen den Texten aufgrund ihrer Entstehung weitgehend fehlt, stellen die Einzelbeiträge jeweils für sich in theoretisch fundierter, meist empirisch überprüfter Form einzelne Aspekte von Netzwerkunternehmen dar. Im ersten Hauptkapitel (Kapitel 2) wird das Konzept Netzwerkunternehmen einer grundlegenden ökonomischen Analyse unterzogen, Effizienz und Autonomie in Zulieferungsnetzwerken und die beiden Koordinationsformen „Vertrauen" und „Macht" als Mittel der Komplexitätsreduktion sozialen Handelns diskutiert. Thema in Kapitel 3 sind die Informationsbeziehungen zwischen Unternehmen, insbesondere das Thema Wissenstransfer. Die beiden letzten Kapitel bieten einen Einblick in Kooperation, Arbeit und Probleme der fehlenden Mitbestimmung auf Netzwerkebene sowie Perspektiven der Forschung. Das Buch eignet sich vornehmlich zur weiterführenden Lektüre, da es durch die gegenseitige thematische Ferne und starke Spezialisierung keinen strukturierten Einblick in das Thema ermöglicht.

Gänzlich unter dem Blickwinkel der bereits genannten Giddens'schen Strukturationstheorie steht die Dissertation Unternehmensnetzwerke. Konstitution und Strukturation (2001, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden) von Arnold Windeler. Windeler sieht in der Netzwerkforschung ein deutliches Erklärungsdefizit, also den Bedarf nach „neuer" Theorie, die er in der Strukturationstheorie sieht, womit sich das Buch vor allem für bereits sehr involvierte Leser anbietet, die eine neue Sichtweise kennen lernen möchten, die die Defizite der strukturellen Netzwerkanalyse und der systemischen Rationalisierung überwinden könnte.

Der St. Galler Professor für Wirtschaftsinformatik Elgar Fleisch sieht in seinem Buch Das Netzwerkunternehmen (2001, Springer, Heidelberg) in Netzwerken ein grundlegendes Phänomen, nämlich in der Vernetzung von Unternehmen, aber auch von Netzen schlechthin, in denen steigende statt sinkender Skalenerträge möglich sind (z. B. Telefonnetz, Internet). Er beschreibt Vernetzung zunächst als grundlegende unternehmerische Herausforderung, stellt dann ihre Ursachen dar und zeigt inhaltlich recht heterogene theoretische Ansätze dar. Sein Fokus liegt jedoch in der technischen Vernetzung und der Prozesssicht vernetzter Unternehmen.

Eine spezielle Form von Netzwerkunternehmen sind virtuelle Unternehmen. Neben den eher klassisch-konventionell gehaltenen Grundzügen virtueller Organisationen von Krystek, Redel und Reppegather sowie dem informationstechnologisch fokussierten erfolgreichen Lehrbuch Die Grenzenlose Unternehmung von Picot, Reichwald und Wigand, beide recht umfangreiche Werke, stellt das eher dünne Heft Management virtueller Unternehmungen von Andreas Schräder (1996, Campus, Frankfurt/Main) eine gute Einführung in das Thema dar. Schräder leistet dabei durch eine Abgrenzung zu verwandten Konzepten und einem kritischen Vergleich unterschiedlichster Definitionsansätze, wohl dem Hauptproblem der Forschung Virtueller Unternehmen, eine gewinnbringende Systematisierung. Seine theoretische Analyse von Stärken und Schwächen von virtuellen Unternehmen ist eher konventionell, genauso wie seine Führungskonzeption.
Siehe auch:

Allgemein > Management von Netzwerkorganisationen
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