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11. September 2001. Geschichte eines Terrorangriffs


von Stefan Aust

ISBN: 3421056560

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Nicht viel Neues und trotzdem interessant
Viel Neues hat dieses Buch wirklich nicht zu bieten. Abgesehen von Einzelschicksalen und Erlebnisberichten aus erster Hand.
Und das ist es, was dieses Buch so spannend macht. Die Opfer bekommen Namen, die Opfer bekommen Identitäten. Fast 3000 Menschen fielen den Anschlägen vom 11.9.2001 zum Opfer und bisher waren diese Menschen gesichtslos und anonym.
Aber dieses Buch macht den Schrecken greifbar. Erzählt werden Schicksale von Menschen die in den Türmen arbeiteten. Fluchten aus dem 80. Stockwerk, Anrufe von in Trümmern gefangenen Menschen bei ihren Angehörigen...

Dazu die grösstenteils bekannten Fakten. Die Beschreibungen der Attentäter, die Planung des Anschlags, soweit man das zurückverfolgen kann, Gespräche mit den Angehörigen der Terroristen.

Die ganze morbide Faszination des Grauens wird hier bearbeitet. Wir werden Zeuge von den letzten Minuten der Opfer, genauso wie von glücklichen Rettungen.
Ein Tagebuch des Schreckens, minutiös die Ereignisse aufgelistet.
Hintergründe werden kaum aufgedeckt-aber das will das Buch auch gar nicht, und das Verspricht das Buch auch mit keiner Silbe.
Wer Hintergründe und Verschwörungstheorien will, der sollte sich ein Buch kaufen das solche Worte im Titel hat.
Dieses Buch beinhaltet nichts als das, was im Titel versprochen wird: die Geschichte eines Terrorangriffs.

Zwiespältiger Eindruck
Ich muss zugeben, dass ich das Buch sehr rasch, weil beeindruckt gelesen habe. Was man zu menschlichen Schicksalen erfährt, ist bewegend. Auch weil man ahnen kann, wie viel in diesen Stunden noch geschehen sein muss, von dem niemand je etwas Genaueres hören wird - an Bord der Flugzeuge und in den beiden WTC-Türmen.
Andererseits hat das Buch etwas von einem journalistischen Schnellschuss an sich. Wie gut recherchiert wurde, wie genau Hintergrundinformationen sind, ist wohl kaum von einem Leser zu beurteilen. Mir fiel nur auf, dass nicht einmal ordentlich Korrektur gelesen wurde. Beispiele: sinnlose Absätze mitten in einem Satz; und vor allem: S.177 beginnt eine Darlegung der Schulung zum Attentäter in 12 Schritten - 4 davon werden aber nur aufgezählt und weiter geht es S.193, wo die Schritte 5 bis 10 gänzlich ohne Zusammenhang auftauchen, als ob ein Manuskriptteil an eine unpassende Stelle gerutscht sei; Schritt 11 und 12 mag sich jeder selber suchen.
Kleinigkeiten? Hoffentlich. Aber vielleicht doch ein Grund, der Sorgfalt auch in inhaltlichen Dingen zu misstrauen?

Morbide, schreckliche voyeuristische Faszination!
Im Großen und Ganzen erfährt der geneigte Leser in dieser Zusammenfassung der schrecklichen Ereignisse vom 11. September und im Vorfeld des Attentats eigentlich nichts, was nicht schon bekannt wäre...denn ich denke jeder von uns hat die schrecklichen Ereignisse vor dem Bildschirm, in Tageszeitungen, Magazinen etc. mitverfolgt.

Mit diesem zusammengetragenen Bericht werden dem Leser jedoch viele Einzelschicksale vor Augen geführt. Die schreckliche Katastrophe wird vermenschlicht, Sympathien wieder erweckt. "New York's Bravest" waren schon immer für mich die Bravest und sind es nach 9-11 und Lesen dieses Buches ganz besonders.

Es wird (eigentlich eher zurückhaltend) auch auf die Fehler hingewiesen, die den amerikanischen Behörden im Vorfeld des 11. September und bei den anschließenden Ermittlungen unterlaufen sind. Gleichwohl wird auch auf die den deutschen Behörden unterlaufenen Fehlern hingewiesen (z.B. Asylmißbrauch, S. 168-170).

Allerdings mindern m.E. in diesem Buch auch ganz offensichtliche Recherchefehler sowie häufig eine m.E. äusserst fragwürdige Wortwahl etwas den positiven Eindruck : z.B. wie kann ein Wiener Jude als italienischer Beamter Dienst tun (S.86)? Ist es nicht ein bischen zu flapsig, in den Trümmern geborgene tote Feuerwehrleute mit friedlichen Kaninchen zu vergleichen, die sich ausruhen (S. 146)?

Besonders gut fand ich den Begriff "Pax Talibana", S. 185. Nachvollziehen konnte ich allerdings in diesem Kontext nicht, welche Art von Humor ein ranghoher amerikanischer Politiker den Taliban in diesem Zusammenhang zubilligte.

Die im lezten Abschnitt des Buches vorhandene Zeittafel war zum Teil ohne Zusammenhang und zum Teil ebenso überflüssig, da bereits im ersten Teil des Buches in Schriftform vorhanden.

Fazit: Wären übermäßige Flaspsigkeit und offensichtliche Recherchefehler nicht gewesen, 5 Punkte. Ein sehr gutes, betroffen und bedrückt machendes Buch. Wenn es religiösen Fanatismus nicht gäbe, hätte es allerdings nicht geschrieben werden müssen...und das wäre NOCH besser gewesen.
Siehe auch:

> 11. September 2001. Geschichte eines Terrorangriffs
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