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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 16. April 2014 

Wallenstein


von Friedrich von Schiller

Kategorie: Schiller, Friedrich von
ISBN: 342302660X

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Ein Krieger aus Friedland
Bereits Mai 1792 schrieb Friedrich Schiller, dass er etwas Poetisches im Sinn habe und "ihm die Feder nach Wallenstein jucke." Am 12. Oktober 1798 schließlich wird "Wallensteins Lager" aus Anlass der Wiedereröffnung des Weimarer Hoftheaters uraufgeführt. "Die Piccolomini" erfährt am 30. Januar 1799 ebenfalls in Weimar seine Uraufführung und am 20. April "Wallensteins Tod". Und - typisch für Schiller - meinte er kurz nach Fertigstellung der "Jungfrau vom Orléans", dass er nach jetzigem Stand den Wallenstein gar nicht begonnen hätte.

Der Wallenstein ist Schillers Opus Magnus, ein fein gewobenes Meisterwerk rund um ein unhandliches Thema. Als Verfasser der hoch gelobten "Geschichte des dreißigjährigen Kriegs" aus dem Jahre 1790 war Schiller mit dem Sujet hinreichend vertraut.

Der "sich selbst nährende" 30-jährige Krieg entvölkerte ganze Landstriche und war für die Bevölkerung eine reine Katastrophe. Das lag mit daran, dass er von Menschen wie Wallenstein betrieben wurde. Er handelte mit Kaiser Ferdinand II. aus, dass er sein Heer selbst unterhalten werde. Im Gegenzug erhielt er das Recht, sich in besiegten Landstrichen zu refinanzieren. Dem Kaiser war's recht und Wallenstein plünderte diese Gebiete rücksichtslos aus - eine Technik, die später von Napoléon perfektioniert werden sollte. Doch sein Ehrgeiz wurde mit der Zeit auch Ferdinand zu groß, weshalb es hier auch zu Missstimmungen kam. Um sein persönliches Ziel, "sein" Königreich Böhmen, zu erreichen, verhandelte Wallenstein gar mit den protestantischen Gegnern des Kaisers. Die drohende Übergabe der Stadt Eger an die Sachsen und Schweden wurde von kaisertreuen Offizieren durch den Mord an Wallenstein und seine ergebensten Getreuen verhindert. Er starb in dieser Nacht im Februar 1634 als einer der reichsten Männer Europas, Reichtum aus der Plünderung der Länder, die er zuvor mit Angst und Schrecken überzog.

Der erste der 11 Aufzüge bildet die Einleitung "Wallensteins Lager", eine Art Stimmungsbild der Zeit unter einfachen Soldaten und Bauern. Die restlichen 10 Aufzüge teilen sich "Die Piccolomini" und "Wallensteins Tod" je zur Hälfte.

Bei den Piccolominis handelt es sich um den kaisertreuen Vater Octavio und seinen Sohn Max, der Wallenstein die Treue hält, weil er die Vorwürfe des Verrats nicht glauben will und zudem in Wallensteins Tochter verliebt ist. Octavio Piccolomini organisiert indessen zielstrebig mit kaiserlicher Vollmacht ausgestattet Wallensteins Ende. Max aber löst sich von seinem Vater und stellt Wallenstein zur Rede. Als dessen Paktieren mit den Schweden offensichtlich wird und Wallenstein zudem voller Hohn verkündet, er würde seine Tochter besser zu verkaufen wissen als an einen Piccolomini, ist Max am Ende. Er stürzt sich mit seinen Mannen in eine Schlacht und stirbt in vorderster Linie. Dann geht alles sehr schnell und Wallenstein selbst fällt seiner Hybris zum Opfer.

Fazit:
Am Ende eines Dramas bleibt in der Regel noch eine Hoffnung, eine Art überlebender Moral. Doch dieses Gefühl wollte sich bei mir am Ende der Wallenstein-Trilogie nicht recht einstellen. Denn wer waren die Sieger? Meine Sympathie für die Habsburger und ihre Verbündeten hält sich in sehr engen Grenzen. Vielleicht war das auch die Absicht Schillers, denn welche Hoffnung soll im 16ten Jahr eines 30jährigen Krieges aufkommen? Eines Krieges, der etwa 4 Millionen Opfer forderte, die damals alle noch einzeln erschlagen werden mussten.

Das deutsche Geschichtsdrama schlechthin
Mehrere Monate lagen zwischen den einzelnen Uraufführungen der "Wallenstein"-Trilogie, doch die Zuschauer in Weimar waren begeistert. Schiller hatte etwas in seiner Form Einzigartiges geschaffen. Vorlage für sein Geschichtsdrama war die historische Persönlichkeit des böhmischen Feldherrn Albrecht von Wallenstein, der 1634 auf Befehl des österreichischen Kaisers ermordet wurde. Mit großer dichterischer Freiheit beschreibt Schiller, wie sich ein unheilvolles Netz von Intrigen um seinen Helden schließt. Unentschlossen, astrologiegläubig, von Machthunger und falschen Freunden geblendet, läuft Wallenstein in sein Verderben. Das spannende, intrigenreiche Stück fasziniert durch den ambivalenten, von menschlichen Schwächen zerrissenen Charakter der Hauptfigur. Es geht um die Gewissensentscheidung zwischen Pflichterfüllung und Rebellion, um das Spannungsfeld zwischen Schicksal und kühner Tat. Doch "Wallenstein" ist auch ein Plädoyer gegen die Eigendynamik des Krieges: 16 Jahre hat der Dreißigjährige Krieg zum Zeitpunkt der Handlung bereits gewütet. Zivilisten verhungern vor den Augen plündernder, prassender Söldner und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Denn wie Schiller einen seiner ruchlosen Protagonisten sagen lässt: "Der Krieg ernährt den Krieg." In diesem Sinne ist "Wallenstein" heute so aktuell wie vor 200 Jahren.

Eine idealisierte Historie
Schiller gelingt es in seinem Werk ein komplizierten historischen Stoff, der eigentlich nicht viel Ideales bietet, in ein wundervolles erhebendes Schauspiel umzuformen. Er stellt die Situation Wallensteins und das seines Heeres im Jahre 1632 dar. Nachdem sich Schiller selbst lange mit der Geschichte des dreißigjährigen Krieges speziell mit der Wallensteins beschäftigt hat, formt er diese epische Geschichte in ein Drama um . Am Anfang zeigt er durch das Schauspiel von eifachen Soldaten die nackte Wirklichkeit vom Söldnerleben, von deren Gier und Zügellosigkeit und ihrer Bewunderung Wallensteins. im weiteren Verlauf schildert er die Umstände warum Wallenstein gezwungen wird sich vom Kaiser abzuwenden und warum sein engster Vertrauter Octavio gezwungen ist ihn an den Kaiser zu verraten . die Ideale Person wird durch die Jugend und Unschuld von Max Piccolomini dargestellt. Und es ist bewundernswert wie er , obwohl zerrissen zwischen Vater und Wallenstein trotzdem der einzig Moralische im Stück bleibt. Leider sind wir nicht mehr zu solchen Empfindungen wie Max fähig. Ein sehr bewegendes und lesenswertes Buch
Siehe auch:

Schiller, Friedrich von > Wallenstein
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