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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 21. Oktober 2017 

Solaris


von Stanislaw Lem

ISBN: 3423101776

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Der Mensch und seine Grenzen
Ich halte "Solaris" für den besten Roman von Stanislaw Lem. Dem Genre "Science Fiction" ist er allerdings nur bedingt zuzuordnen, denn im Vordergrund stehen nicht zukünftige technische Möglichkeiten, sondern Lem versucht eine Situation herzustellen,in welcher der Mensch an die Grenzen seiner psychischen Leistungsfähigkeit geführt wird. Das geschieht in der Konfrontation mit einem Wesen, das ganz anders als menschlich ist und das über ganz andere Fähigkeiten verfügt als der Mensch.

Dieses Wesen ist der Ozean des weit entfernten Planeten Solaris, der von den Menschen, die ihn von einer Raumstation im Orbital beobachten, als organisches aufgefasst wird.
Kris Kelvin, der Held dieses Romans wird als Psychologe auf diese Raumstation geschickt, weil sich dort seltsame Dinge ereignen. Doch bald ist er selbst mit einer Situation konfrontiert, die das emotional und intellektuell Fassbare an seine Grenzen treibt.
Doch eine Inhaltsangabe wird nicht dem gerecht, was der Roman dem willigen Leser bieten kann. Daher sei sie auch weggelassen und an ihrer Stelle seien einige Überlegungen über die inneren Werte des Romans angestellt.
Im Zentrum stehen lange und sehr episch ausgeführte Passagen über die Geschichte der "Solaristik", der Wissenschaft von Solaris. Diese stehen als Beispiel für die Leistungsfähigkeit der empirischen Wissenschaften. Unter diesem Aspekt verliert die Lektüre dieser Seiten ihre Langatmigkeit und kann tatsächlich packend werden. Das geschieht insbesondere dann, wenn man die hier skizzierten Grenzen gegen die emotionalen Anforderungen hält, denen die Crew der Raumstation ausgesetzt ist. Im Hintergrund dieser Gegenüberstellung stellt sich die Frage nicht nur nach den Grenzen der Wissenschaft, sondern auch nach den Grenzen allen menschlichen Wissens, beziehungsweise menschlichen Wissen-Könnens.
Jedes der drei Crew-Mitglieder reagiert anders auf die schon angesprochene Situation höchster emotionaler Anspannung, die sich einer vollständigen wissenschaftlichen Erklärung entzieht. Sartorius ist der perfekte Wissenschaftler, der sich Emotionen möglichst nicht stellt, da sie sich nicht in sein exaktes Weltbild fügen. Aus der Unausweichlichkeit emotionaler Belastung sieht er nur einen Ausweg -- die Vernichtung dessen, was die Emotionen auslöst. Snaug hingegen versucht keine Bewältigung. Obwohl er ein wenig zur Haltlosigkeit zu neigen scheint, hat er sich am besten von allen dreien mit den Belastungen arrangiert. Er nimmt sie als gegeben hin. Kelvin hingegen zerbricht an der Situation. Das bedeutet nicht unbedingt seinen physischen Tod, sondern einen kompletten Verlust seiner Identität. Kelvin ist am Ende des Romans ist nicht mehr der, der anfangs auf die Raumstation gekommen ist. Seine Wünsche, seine Hoffnungen und seine Perspektiven sind von den Erlebnissen auf der Raumstation von Grund auf verändert worden.
Dieses Buch ist dem zu empfehlen, der nicht in erster Linie Action erwartet, sondern der bereit ist, sich einer Stimmung auszusetzen, welche die Anwesenheit der Fremdheit schlechthin auszulösen vermag und die der Autor den Leser meisterlich nachempfinden lässt. Es ist auch für den geschrieben, der den hohen Wert von Fragen zu schätzen weiß, die keine Antworten erfahren, aber dennoch gestellt werden müssen.

Was haben Menschen und Meere sich zu sagen?
Mit "Solaris" hat Stanislaw Lem ein düsteres Science-Fiction-Scenario entworfen, dass nicht nur in Genre-Kreisen als Meisterwerk gilt: Eine Raumstation schwebt im Orbit eines Planeten und untersucht die dort ansässige Lebensform, die als eine Art Meer grosse Teile des Planeten umspannt. Doch anders als in Büchern mit ähnlichem Thema, die vom Zusammentreffen von Menschen und fremden Lebensformen handeln, scheitert die Menschheit hier schon an der Kontaktaufnahme, da die Verschiedenheit der beiden Spezies eine Kommunikation unmöglich zu machen scheint. - Diese Sichtweise macht Lem's Buch für mich äusserst interessant und ist somit eine wohltuende Abwechselung zu der romatisierenden Art und Weise in der der "first contact" sonst behandelt wird. Darüber hinaus ist das Buch intelligent und hervorragend geschrieben, so dass das Lesen schon aufgrund von Lem's Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit eine Freude ist. Wer sich für das Thema interessiert, sollte vielleicht auch mal Lem's "Der Unbesigbare" lesen oder einen Blick in die "Ender-Reihe" von Orson Scott Card werfen..

Persönlicher Kampf mit der eigenen Innenwelt
Im trüben Licht am Ufer des zähflüssigen Ozeans landet eine kleine Raumkapsel. Der Planet Solaris war den Raumforschern aufgefallen, weil er sich mit seiner Umlaufbahn nicht an die Gesetze der Physik zu halten schien. Man hat eine Raumstation errichtet, und nun ist der Wissenschaftler Kelvin von der Erde hergeschickt worden, um nach seinen Kollegen auf Solaris zu sehen Aber niemand steht zu seinem Empfang bereit. Als er behutsam in die Station vordringt, stößt er auf Anzeichen von Chaos und Auflösung. Die zwei Besatzungsmitglieder verhalten sich merkwürdig, wirken verstört. In den kahlen Gängen tauchen Gestalten auf, die aus einem Traum zu stammen scheinen. Kelvin begegnet seiner verstorbenen Frau. Realität oder eine Wahnvorstellung? Allmählich erkennt er, daß die Menschen hier nicht mehr forschen und experimentieren, sondern selbst erforscht und zum Objekt von Experimenten gemacht werden. Dieser Roman ist Lems berühmtestes Buch, und bestimmt kein typischer SF-Roman. Er basiert auf der Idee, Unrecht wiedergutzumachen; Fehler, die man im Leben gemacht hat, zu korrigieren und falsch eingeschlagene Lebensrichtungen zu wechseln. Letztlich stellt sich jedoch heraus, und hier wird Lem philosophisch, ist dieser Betrug an einem selbst, keine gute Lösung. Der Roman ist zurecht ein Klassiker der SF-Literatur. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Siehe auch:

> Solaris
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