Aline und die Erfindung der Liebe.
Die wilden Jahre einer Muse in einer Zeit, in der so vieles möglich schien: In Europa greift der Faschismus um sich. Intellektuelle und Künstler suchen Schutz in der neutralen Schweiz. Im Exil rücken sie nahe zueinander. Es entstehen Orte von unglaublicher kreativer Dichte. Einer dieser Orte ist das Haus der 1889 geborenen, schönen, reichen und innerlich unabhängigen Rechtsanwaltsgattin Aline Rosenbaum. In der Barca, einem Bauwerk so eigenwillig wie seine Bewohner, im unwegsamen Tessiner Bergtal Onsernone, finden all diejenigen Zuflucht, die "einen neuen Grundriss im Kopf" haben. Die Rosenbaums leben eine offene Ehe, denn "die Moderne vollzieht sich nicht nur in der Kunst, sondern auch in den Betten". Aline pflegt Freundschaften und zum Teil tiefe geistige Beziehungen mit James Joyce, C. G. Jung, Kurt Tucholsky, Hans Arp, Elias Canetti und Meret Oppenheim, um nur die heute berühmtesten Persönlichkeiten zu nennen. Doch auf Dauer können die Männer, die in Alines Leben am wichtigsten sind, mit ihrer erotischer Freizügigkeit nicht umgehen. Ihr Mann lässt sich 1940 scheiden. Ihr innigster Liebhaber, der italienische Dichter Ignazio Silone, trennt sich eifersüchtig und enttäuscht von ihr. Von den Jahren nach der Scheidung erfährt der Leser wenig. Unter dem Namen Valangin habe Aline zu schreiben angefangen, durchaus mit Erfolg, und sei im Alter von 97 Jahren in Ascona gestorben. Eveline Hasler, die vielfach ausgezeichnete Autorin die heute im Tessin lebt, blickt aus weiblicher Perspektive auf die legendären Zwischenkriegsjahre in der Schweiz. Und aus dieser Sicht zeichnet sie in leichter Sprache ein einprägsames Bild einer flüchtigen Zeit, die um vieles moderner scheint als unsere Gegenwart. --Irmgard Kirchner
Ein spannendes Künstlermilieu Eveline Hasler Aline und die Erfindung der Liebe Nagel&Kimsche ISBN 3 312 00269 9 S. 232 In dem vorliegenden biographischen Roman wird das Leben der Aline Docummon erzählt, verheiratete Rosenbaum ,später bekannt unter dem Schriftstellernamen Valangin. Geboren 1889 , gutbürgerlicher Herkunft, ist sie von der Mutter zu einer pianistischen Karriere ausersehen gewesen. Sie jedoch geht einen anderen Weg: sie wird die Frau eines später renommierten jüdischen Anwalts mit Namen Wladimir Rosenbaum in Zürich. Die ganze Geschichte rankt sich um ein schönes, altehrwürdiges Haus, La Barca, im Tessin .Ein anderer Teil ereignet sich in Zürich. Der erste Weltkrieg mit seinem Wahnsinn treibt die ersten Emigranten in die Schweiz. Künstler und Dichter gehen bei den Kulturabenden im Hause der Rosenbaums in Zürich ein und aus.Darunter sind bekannte Namen wie Robert Musil, Joseph Roth und Elias Canetti. Wir begegnen Künstlern und Dichtern wie Max Ernst, Ignazio Silone, Hans Arp und vielen anderen aus der Zeit der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Auch C.G.Jung, der Psychoanalyter,hat seinen Teil in der Geschichte. Das Ehepaar Rosenbaum wählt ein freizügiges Leben; beide haben Affären, tolerieren alles ,-- hängen aber unverbrüchlich aneinander . Die Zeit damals war bewegt,revolutionär in seinen Erneuerungen in Kultur und Lebensformen , voller Inspiration für Dichtung , Malerei , Tanz und Theater. Daß sich daneben politische Umwälzungen erheblichen und unguten Ausmaßes in Deutschland, Italien und Spanien ankündigten, der aufkommende Faschismus, kann in keiner Beschreibung aus jener Zeit unerwähnt bleiben. Die Auswirkungen sind auch in diesem Roman ein Thema.Die Wirren des zweiten Weltkriegs und die Verfolgungen des dritten Reichs in Deutschland lassen eine Flut von Emigranten den Weg des Züricher Ehepaares und seiner Freunde kreuzen. Lebendig ersteht vor uns eine Welt, an die sich manche noch erinnern werden ,die neben aller Tragik auch voller Spannung und Aufregung war ,und die nun doch schon Vergangenheit ist. Da im Anhang eine lange Bibliographie aufgeführt ist, kann man davon ausgehen, daß viele Personen der Wirklichkeit entstammen und die Geschichte selbst auf wahren Begebenheiten beruht. Es ist ein anregender, unterhaltsamer , liebenswerter und wirklichkeitsnaher Roman.Ich finde das Buch sehr lesenswert. Claudine Borries
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