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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDienstag, 18. Juni 2013 

Hoffmann oder Die vielfältige Liebe Eine Romanze


von Peter Härtling

Kategorie: Härtling, Peter
ISBN: 342313433X

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Wer wollte schon einen Roman über einen zufriedenen Menschen lesen, der -- fest eingefügt in die bürgerliche Ordnung -- brav sein Leben abspult. Das Dasein Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns gibt da schon ein ungleich besseres Stöfflein ab, vor allem seine Bamberger Jahre, die er selbst eine "Unglückszeit acherontischer Finsternis" nannte: Er arbeitet an dem kleinen Theater (das heute stolz seinen Namen trägt), verkracht sich als Kapellmeister aber rasch mit dem Orchester. Und auch mit seinen Kompositionen hat er kaum Erfolg. Um sich und seine polnische Frau Michalina leidlich über Wasser zu halten, muss er den Töchtern der Bamberger Gesellschaft als Gesangslehrer dienen. Aber was heißt "muss" -- hat Hoffmann doch eine starke Schwäche für schöne weibliche Stimmen, wenn sie noch dazu anmutigen Körpern entströmen. Vor allem die blutjunge Julia hat es ihm angetan und er verrennt sich leidenschaftlich in eine aussichtslose Verliebtheit.

Peter Härtling hat sein Einfühlungsvermögen in das Leben großer Künstler bereits mehr als einmal bewiesen (z.B. in Schubert oder Hölderlin). Auch bei E.T.A. Hoffmann ist ihm dies glänzend gelungen: In einem eher trocken-witzigen Stil folgt er dem umtriebigen Genie durch die Wirrungen seiner schwierigen Existenz zu einem Zeitpunkt, als seine Dreifachbegabung als Maler, Komponist und Schriftsteller noch keine Anerkennung findet und sich Hoffmann allzu oft zum Rotwein und in seine Liebesfantasien flüchten muss. Und doch war Bamberg und die unerreichbare Julia die große Inspiration Hoffmanns, die ihn bald zum Erfolgsautor machen sollte. Hoffmann oder die vielfältige Liebe schildert aufs Eindrücklichste die eigenartigen und zugleich wundervollen Bedingungen der Kunst, wo das Unglück, gerade in der Liebe, eigentlich ein Glück ist -- vor allem für uns Leser, wie auch Härtlings exquisiter kleiner Künstlerroman beweist. --Christian Stahl

Neugier auf mehr
Ich habe seit langem keine Biographie gelesen, die mir mehr Vergnügen bereitet hat. Die Zerrissenheit und die Launen Hoffmanns sowie seine Selbstzweifel, seine Arroganz und seine Probleme mit der spießigen Umwelt, die Härtling wunderbar beschrieben hat, haben mir den Autor menschlicher gemacht. Mittlerweile lese ich freiwillig all die Romane und Erzählungen, die in der Schule Pflichtlektüre waren. Sie gefallen mir sehr, weil ich in den Romanen und Erzählungen Bruchstücke des Lebens Hoffmanns erkenne und dadurch manches besser verstehe.

Sprachlich ein geglücktes Werk
Sprachlich einwandfrei beschreibt Härtling einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben Hoffmanns, seiner Bamberger Zeit. Neugierig ist man schon auf die Beziehung mit der im Roman meist fünfzehnjährigen Julia. Letztlich gibt die Beschreibung dieser Beziehung aber nicht soviel her, wie die nur am Rande genannten anderen amurösen Abenteuer, oder die Auswirkungen seines Lieblingsweines. Irgenwie hätte man sich gewünscht noch mehr über den Komponisten und Maler Hoffmann zu erfahren. Das Buch ist also nicht geeignet Hoffmanns Leben darzustellen, vielmehr ist es ein Beziehungsroman, der nur zufällig Hoffmanns Lebensausschnitt zum Thema hat. Wenn das beabsichtigt sein soll, bzw. wenn man sich damit abgefunden hat, genießt man die wirklich schöne, weil einfache Sprache.
Siehe auch:

Härtling, Peter > Hoffmann oder Die vielfältige Liebe Eine Romanze
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