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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 26. Januar 2020 

Handbuch der deutschen Geschichte, 22 Bde.


von Bruno Gebhardt

ISBN: 3423590408

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Das Standardwerk zur deutschen Geschichte !
"Der Gebhardt ist und bleibt das Standardwerk der deutschen Geschichte" - das ist so ziemlich das Erste, was praktisch jeder Geschichtsstudent in Deutschland zu Beginn des Studiums zu hören bekommt. Ganz stimmt es nicht mehr, denn als der Gebhardt erschien, gab es kein anderes Werk dieser Art. Heute sieht es anders aus: Becks "Neue Deutsche Geschichte" ist ein würdiger Konkurrent, und Suhrkamps "Historische Bibliothek" füllt sich langsam. Der Gebhardt in dieser Form (9. Auflage) hat bereits rund 30 Jahre hinter sich (de facto über 40 Jahre, die 8. Auflage blieb die Basis der 9.). Damals verstand man Geschichte noch größten Teils als reine Politikgeschichte, während heute im (meiner Meinung nach fehlgeleiteten) Sinne Geschichte fast ausschließlich Sozial- und Kulturgeaschihcte ist, Ereignsigeschichte wird stark zurückgedrängt. Man findet leider nur selten einen guten Mittelweg. Wer diese dtv Ausgabe des Gebhardt lesen will, wird daher auch eher mit Ereignisgeschichte konfrontiert werden. Doch diese ist Teils sehr gut geschrieben, vor allem aber informativ und durchaus mit Wirtschafts-, Rechts- und Sozialgeschichte angereichert.

In 22 Bändern wird der Bogen von der Frühzeit der deutschen geschichte, über Karl den Großen, die Staufer, die Reformation, die Neuzeit und die Zeit des Nationalsozialismus gespannt. Enden tut der Gebhardt mit der Entstehung der BRD und Österreichs, verfasst von den damaligen Kapazitäten der deutschen Geschichtswissenschaft. Knappe Überblicke über die historischen Ereignisse - jedoch fast ausschließlich deutsche Geschichte, nur manchmal sind Exkurse über die europäischen Nachbarn eingestreut -, gefolgt von Literaturverweisen (aufgrund des Alters des Gebhardt leicht veraltet, aber immer noch sehr nützlich), gefolgt von Verfassungsgeschichte und Sozialgeschichte. Dazu gesellt sich eine gute Bibliographie.

Jeder der Geschichte studiert, oder sich für deutsche Geschichte interessiert, macht mit dieser Sonderedition einen guten Fang. Er sollte jedoch wissen, dass die Forschung nicht stillgestanden ist. Der "neue Gebhardt" ist bereits im Entstehen begriffen - leider hat er in so mancher Fachrezension eher schlecht als recht abgeschnitten. Auch in seiner alten Form ist und bleibt der Gebhardt (vorläufig) ein zuverlässiges nachschlagewerk zur deutschen geschichte, wobei die Lesbarkeit schwankt - aber so ist es eben leider meistens mit historischer Fachliteratur. Trotzdem: zugreifen !

Ordentlich, aber eine eingeschränkte Perspektive
Ein Handbuch über den Ersten Weltkrieg zu schreiben und dabei die Fülle von Details und Ursachenverknüpfungen im Auge zu behalten, ist keine leichte Aufgabe. Doch Mommsen schafft es, auf kurze und prägnante Weise, nicht nur das Kriegsgeschehen an sich, sondern auch wirtschaftliche, politische, soziale und lebensweltliche Umstände zu schildern. Dabei geht er elegant, quasi im Vorrübergehen, auf den neuesten Stand der Forschung ein. Ein ausführliches Verzeichnis über die wichtigsten Quellen und die beste Forschungsliteratur, sowie eine mehrseitige Zeittafel am Ende des Buches, runden den positiven Gesamteindruck ab. Der Mangel an diesem Werk ist nur seine Perspektive. Gut, es ist ein Handbuch über deutsche Geschichte, aber Mommsen begeht den Fehler, kaum über den Tellerrand zu blicken. Bei seinem sehr präzisen Schreibstil hätte ein Kapitel über die anderen Mächte, vor allem Österreich, Frankreich, England und Russland, ausgerreih, um dem Leser einen umfassenden Einblick in das internationale Geschehen zu geben. Somit blebt leider nur ein zutiefst auf die deutsche Seite fixiertes Handbuch, dem auch ein paar Statistiken mehr als Randbemerkungen gut getan hätten. Für den stolzen Preis von 30€ für ca. 160 Seiten bekommt man mindestens zwei umfassendere aktuelle Taschenbücher zur Weltkriegs-Problematik. Somit ist dieses Handbuch wirklich nur zu empfehlen, wenn man ein Sammler der gebunden Gebhard Gesamtausgabe ist. Studenten sollten es sich lieber ausleihen anstatt zu kaufen.

sehr gut für die wissenschaftliche Arbeit
Der „Gebhardt" ist schon lange ein Standardwerk für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Geschichte, gerade da aus den ursprünglich zwei Büchern von 1881 über die Instrumentalisierung des Werkes im Nationalsozialismus ein tatsächlich umfassendes Geschichtswerk geworden ist. „Der Gebhardt" besteht heute nicht mehr in erster Linie aus dem Werk von Bruno Gebhardt (1858-1905), sondern aus einer Vielzahl interessanter Teilwerke, die bestimmte Abschnitte und Themen der deutschen Geschichte beinhalten und geht bis zum Ende des Dritten Reiches und der Gründungen der BRD, DDR und der Republik Österreich. Alles in allem ein sehr interessantes Geschichtswerk, das aufgrund des wissenschaftlichen Anspruchs auch in erster Linie für die wissenschaftliche Aufarbeitung gedacht ist und daher für den Laien nur bedingt zu empfehlen ist. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Siehe auch:

> Handbuch der deutschen Geschichte, 22 Bde.
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